Vermächtnis und Ansporn zugleich

Ausgabe Nr. 2361
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5. Band „Jüdische Frauen in der bildenden Kunst“ von Hedwig Brenner

 

 

Für ihre vier  Lexika „Jüdische Frauen in der Bildenden Kunst“ wurde Hedwig Brenner 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.   Diese Medaillen waren ihr auch ein Vermächtnis und Ansporn. Ohne Zögern nahm sie die Kraft ihres Alters, ihrer dreiundneunzig Lebensjahre zusammen, und machte sich erneut an die Arbeit. Malerinnen, Designerinnen, Illustratorinnen, Weberinnen, Bildhauerinnen, Töpferinnen, Gold- und Silberschmiedinnen und Fotografinnen sind vereint in diesem „Unkonventionellen“ Lexikon, wie Hedwig Brenner ihre Arbeit nennt.

 

 

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„In kritischem Zustand“

Ausgabe Nr. 2360
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Bildband über Synagogen in Rumänien

Den Bildband „Sinagoga în România" (Die Synagoge in Rumänien) konnte man in Hermannstadt beim BookFest käuflich erwerben, wo der Hasefer Verlag sich mit einem Stand präsentierte. Dies war einer der Pluspunkte der Buchmesse, denn die Veröffentlichungen dieses von dem Verband der jüdischen Gemeinden in Rumänien (FCER) koordinierten Verlags sind schwer zu finden.

Der vorliegende Band wurde von den Architekten Aristide Streja und Lucian Schwartz verfasst und umfasst 276 großzügig bebilderte Seiten. Die erste Auflage kam 1996 ebenfalls im Hasefer Verlag heraus, unter dem Titel „Sinagogi din România" (Synagogen aus Rumänien), nur 198 Seiten stark. Die neue Auflage erschien 2012 und wurde um vier nicht nummerierte Seiten ergänzt, die zwei kurze Texte beinhalten, einer von dem Oberrabbiner Hacohen, der andere von Aurel Vainer, dem FCER-Vorsitzenden und -abgeordneten. Vainers Text enhält viele Informationen, u. a. zu den heute in Rumänien vorhandenen 87 Synagogen, davon 33 in der Moldau, 32 in Siebenbürgen, 12 in Muntenien, 6 im Banat und je 2 in Oltenien und in der Dobrudscha. Sie wurden innerhalb von 300 Jahren gebaut aber keine nach 1930. Ihr Zustand „ist stark gezeichnet von ihrem Alter, einige befinden sich von der Statik her in einem kritischen Zustand".

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Unbequem aber immer menschenfreundlich

Ausgabe Nr. 2360
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Ingmar Brantsch – Nachruf auf einen Poeten aus Kronstadt

 

Der am 30. Oktober 1940 in Kronstadt geborene Ingmar Brantsch ist einen Tag nach seinem 73. Geburtstag in Köln verstorben, wo er seit 1978 lebte und wirkte. In ihm haben wir einen rührigen, literarisch und politisch interessierten Menschen verloren, der in den letzten Jahrzehnten gegen das Vergessen vor allem deutschsprachiger osteuropäischer SchriftstellerInnen in zahlreichen Publikationen (Siebenbürgische Zeitung, Karpaten-Rundschau) ankämpfte und sich als Buchautor, Journalist und Lehrer engagierte.

Ingmar Brantsch lernte ich 1971 im Studentenheim Köln-Rodenkirchen kennen, von wo aus wir täglich mit der Straßenbahn in Richtung Innenstadt zur Universität fuhren. Beide waren wir 1970 aus Rumänien ausgereist. Sehr bald freundete ich mich mit dem fast zehn Jahre Älteren an, dessen Name mir als Germanistik-Student schon in Klausenburg bekannt war. Er wirkte in seinem Gebaren immer jugendlich, nie überheblich, mitunter eher verträumt oder geistesabwesend. In Köln und Bonn studierte er zusätzlich zu seinen Fächern aus Rumänien noch Philosophie, Geschichte, Pädagogik und Evangelische Theologie. Es war immer amüsant und lehrreich, mit Ingmar zu plaudern und zu diskutieren. Aus dem kommunistischen Rumänien Ceaușescus kommend, kannten wir die Probleme des Landes, insbesondere der deutschen Minderheit Siebenbürgens. Das dortige Regime ablehnend, wurden wir dennoch nicht zu glühenden Anti-Kommunisten oder Anti-Sozialisten. In den politischen Auseinandersetzungen an der Kölner Uni – wie generell in den 70er Jahren in der BRD – versuchten wir, die positiven sozialistischen Ideen nicht mit der kommunistischen Ideologie in einen Topf zu werfen. Das politische Engagement jener Jahre führte zu heißen, mitunter sogar körperlich ausgetragenen Disputen. Legendär war der Mensa-Stammtisch weitgehend linker Studenten (dem Ingmar jahrzehntelang treu blieb), wo es zum mehr oder weniger schmackhaften „Wahlessen“ deftigen politischen Nachtisch gab.

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Erlebniswelt und Erscheinungsbild

Ausgabe Nr. 2359
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Drei Themenbereiche von Nicolae Barcan

 

Das Konzept demnach jeder Künstler Zugang zu der Wirklichkeit haben kann, ohne dabei Einblick in seine Innenwelt gewähren zu müssen, veranschaulicht die intime Verbindung zwischen dem Schöpfer und seinem Werk, dem Spiegel der ihm eigenen Emotionen und Gedankenwelt." Diese Aussage des Malers Nicolae Barcan steht für dessen Gesamtkunstwerk und dessen bescheidene und ernsthafte Haltung der Kunst gegenüber. Seine Künstlerkollegin Sieglinde Bottesch beschreibt im folgenden unter dem Titel Erlebniswelt und Erscheinungsbild" drei Themenbereiche von Barcan:Weiterlesen

„Stimmstarkes Zwei-Nationen-Ensemble“

Ausgabe Nr. 2357
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Hermannstädter Bachchor und Göttinger Stadtkantorei sangen Haydn-Oratorium

 

Im Alten Testament heißt es, Gott habe für die Schöpfung sieben Tage gebraucht. Kein Wunder, wenn der Mensch etwas länger daran arbeitet: Die Aufführung von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ in einer Gemeinschaftsproduktion des Bach-Chores Hermannstadt mit der aus Deutschland angereisten Göttinger Stadtkantorei hatte eine Vorbereitungszeit von ungefähr einem Jahr.

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Die Geschichte einer Zwiebel

Ausgabe Nr. 2356
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Wiederaufnahme des Stücks „Cipollino“ am Gong-Theater

 

„Cipollino“ heißt das neue Stück des Gong Kinder- und Jugendtheaters, das am Mittwochabend Premiere feierte. Eigentlich ist es eine Wiederaufnahme, denn „Cipollino“ wurde im Jahr 2001 schon einmal unter einer anderen Besetzung auf die Bühne gebracht. Schon damals feierte es einen großen Erfolg. Am Mittwoch gab es ungenügend Stühle für den großen Andrang der Kinder und Erwachsenen.

 

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Einzigartig und individuell

Ausgabe Nr. 2356
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Zeitzeugen berichten von den Jahren 1949 – 1989

„Neuanfang im Westen“ ist 2013 im Mitteldeutschen Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Einband ist ausschließlich in den Farben weiß und grün gehalten, die Vorderseite nimmt ein Schwarz-weiß-Foto ein, das eine mehrköpfige Familie samt Gepäck zeigt, sie dreht dem Betrachter jedoch den Rücken zu.

Es handelt sich bei dem Werk um eine Publikation der Deutschen Gesellschaft e. V. unter der Verantwortung des Bundesaußenministers a. D. Hans-Dietrich Genscher.

Andres H. Apelt hat als Herausgeber 20 Lebensgeschichten gesammelt, die repräsentativ für die von rund 3,5 Mio. anderen Menschen stehen, denen es in den Jahren 1949 bis 1989 auf irgendeine Art und Weise geglückt ist, die DDR gen Westdeutschland zu verlassen.

 

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Gelungenes Wagnis

Ausgabe Nr. 2355
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Mendelssohns Elias" in der Schwarzen Kirche

 

 

International besetzt und besucht war die Aufführung des  Oratoriums Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy am Donnerstag der Vorwoche in der Schwarzen Kirche in Kronstadt. Es war der krönende Abschluss der 11. Auflage des Festivals Musica Coronensis", das von der Honterusgemeinde mit Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest organisiert wurde. Vom 11. bis 17. Oktober gab es Orgelkonzerte und Kammerkonzerte vom Feinsten.

 

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Filme, die unter die Haut gehen

Ausgabe Nr. 2355
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Zu den Gewinnerfilmen des Astra Film Festivals 2013 in Hermannstadt

 

„Ich habe gar kein Einfühlungsvermögen; ich muss alles selber herausfinden!” Matthew ist Autist. Er nimmt seine Telefongespräche auf, um die Gefühle seiner Gesprächspartner anhand der Frequenzen zu entziffern. Der Gewinnerfilm der diesjährigen Ausgabe des Astra Film Festivals heißt „Matthew’s Laws“ von Regisseur Marc Schmidt aus den Niederlanden.

 Der Film geht unter die Haut. Er zeigt die psychische Verfassung von Matthew, Autist und ehemaliger Schulfreund des Regisseurs. Matthew strebt nach Ordnung um jeden Preis – mit katastrophalen Folgen. Der Regisseur begleitet Matthew in seinem Alltag, in seinen heftigen Konfrontationen mit seiner Umwelt. Allmählich bekommt der Zuschauer einen Einblick in die komplexe Denkensart des Protagonisten.

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Von Wurzeln und Entscheidungen

Ausgabe Nr. 2355
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Ein einzigartiger Beitrag über die Identität kam von Tom Pauer aus Israel

 

Wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder mit ihrer Identität umzugehen wissen, zeigte auf bestechend ehrliche und ungeschminkte Weise der Film My german children" (Meine deutschen Kinder) von Tom Tamar Pauer, einer Filmemacherin aus Israel. Pauers Film war beim Filmfestival im russischen Saratov im September d. J. zweifach preisgekrönt worden, mit dem Preis „Die Energie der Wahrheit" und dem Publikumspreis.

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