Ein Fest auf der Baustelle

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Saisonauftakt des Transylvanian-Brunch in Martinsdorf/Metiș

Ausgabe Nr. 2961

Die Kirchenburg in Martinsdorf.                           Foto: Stiftung Kirchenburgen

Der erste Transylvanian-Brunch der Saison hat am 16. Mai stattgefunden. Martinsdorf/Metiș bildete damit den Auftakt – 14 Jahre nachdem der Brunch zuletzt im Dorf veranstaltet worden war. Doch gutes Essen war längst nicht alles, was die Veranstaltung zu bieten hatte.

Zwischen Werkzeugen und Baugerüsten war ein großer Tisch mit weißen Tischdecken und vielen kalten Platten auf dem ehemaligen evangelischen Pfarrhof von Martinsdorf aufgebaut.

Der Transylvanian-Brunch fand an diesem Samstag an einem ungewöhnlichen Ort statt: mitten auf einer Baustelle. Dass der Brunch diesmal in Martinsdorf, das nur rund 300 Einwohner zählt, stattfand, hing eng mit der dortigen Handwerkerschule zusammen, erklärte Cristian Cismaru, Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen: „Die Handwerkerschule hat schon vor ein paar Jahren angefragt, ob wir so etwas machen können und wir haben gedacht: ‚Dieses Jahr ist ein gutes Jahr.‘ So sind wir nach Martinsdorf gekommen.“

Bereits 2010 wurde rund um den Pfarrhof und die Kirchenburg restauriert und gebaut. Dabei kommen junge Lehrlinge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Rumänien, um in der Regel etwa zwei Wochen im Rahmen des zertifizierten Erasmus-Projekts gemeinsam auf der Baustelle zu arbeiten. „Die Zielsetzung des Projektes ist es, mehrere Gewerke des Bauwesens zusammenzuführen“, erklärte Karl Weinhuber, der seit kurzem die organisatorische Arbeit des verstorbenen Michael Doll weiterführt. Zimmerer helfen bei den Maurern, Schreiner arbeiten mit Dachdeckern zusammen. So lernt jeder das andere Gewerk kennen.

Die Tische bogen sich im wahrsten Sinn des Wortes. Foto: die Verfasserin

Pünktlich fanden sich am Vormittag die Teilnehmenden und Lehrlinge auf dem ehemaligen evangelischen Pfarrhof ein und lauschten den Eröffnungsreden. Nach der Begrüßung, bei der u. a. auch Cristian-Ioan Bratu, der Bürgermeister der Gemeinde Schaldorf/Mihăileni, zu welcher Martinsdorf gehört, zu Wort kam, bildete sich schnell eine Schlange vor dem langen Buffet-Tisch.

Insgesamt gab es 26 kalte Platten, zwei warme Gerichte und zahlreiche Kuchen. All das haben Frauen aus dem Dorf gemeinsam vorbereitet. Damit die Veranstaltung nahtlos funktioniert, wurde schon Monate vorher geplant und organisiert.

Alle Helfenden wurden dann einige Tage vor dem Event in unterschiedliche Arbeitsgruppen aufgeteilt: „Ein Team waren die Frauen im Dorf. Es sind insgesamt 13 Frauen, die mitgearbeitet haben und vier kleine Produzenten, die die Zutaten gebracht haben, damit wir dann auch kochen können“, erklärte Cismaru.

Eine andere Gruppe arbeitete an der Location. Sie haben sichergestellt, dass sich der Brunch in die Baustelle integriert. Dafür haben sie einige Sachen umgestellt und viele Sitzmöglichkeiten aufgebaut. Gegessen wurde dann überall, ob auf Bänken im Garten, auf Matten im Gras oder an Tischen.

„Heute waren wir mit 110 Leuten am Peak“, meinte Cismaru, wobei etwa die Hälfte davon die Lehrlinge der Handwerkerschule waren. Die Veranstaltung war damit praktisch ausgebucht, trotzdem bestand noch die Möglichkeit, einige wenige spontane Gäste aufzunehmen. Essen gab es auf jeden Fall genug und blieb etwas übrig, sollte es bei der Handwerkerschule bleiben: „Ansonsten wird es in der Nachbarschaft verteilt, bei älteren Familien oder Familien, die nicht kochen können“, so Cismaru.

Zwischen blühenden Bäumen und im Schatten der in Baugerüsten eingezäunten Kirchenburg entwickelte sich der Brunch bald zu einem Fest. Lehrlinge, Besuchende und Einheimische tanzten und musizierten gemeinsam, es wurde viel geredet und gelacht.

Als die Lehrlinge wieder zu arbeiten begonnen hatten, verlagerte sich die Veranstaltung auf die Baustelle. Besuchende wurden durch die Baustelle geführt und die Lehrlinge zeigten ihr Handwerk und erklärten, was sie machen. Zwischen Holzbalken, Werkzeugen und Gerüsten wurde sichtbar, wie viel Handarbeit hinter der Restaurierung steckt.

Zwei Lehrlinge arbeiteten an einem Holzbalken und schnitzten eine rechteckige Verbindung in das harte Holz: „Normalerweise bauen wir solche Verbindungen nur in wirklich winzigen Querschnitten als Übungen in der Schule. Es ist schön, dass wir hier die alten Traditionen groß bauen,“ erklärte der Arbeiter. Er ist ausgelernter Schreiner und macht trotz der harten Arbeit und des straffen Zeitplans schon das zweite Mal bei diesem Projekt mit: „Ein klassischer Tag sieht so aus: Wir stehen um sieben Uhr morgens auf, dann gibt es Frühstück und danach geht jeder in seine Gruppe mit dem jeweiligen Ausbilder. Es stehen dann verschiedene Sachen auf dem Programm, die einen gewissen Dringlichkeitsfaktor haben. Arbeitsende ist für fünf Uhr nachmittags angedacht, aber meistens wird es sechs oder sieben Uhr. Dann haben wir eine Besprechung, wo jeder erzählt, was am Laufen ist. Damit jedes Gewerk mitbekommt, was das andere gemacht hat“, erklärte er. Viele der Lehrlinge arbeiten während ihres Aufenthalts erstmals auch in anderen Gewerken und lernen so voneinander.

Dass die Zusammenarbeit unter den Lehrlingen und mit der lokalen Gemeinde das Wichtigste in diesem Projekt ist, meinte auch Karl Weinhuber. Auf der Baustelle arbeiten Menschen aus vielen Ländern Seite an Seite: „Man ist auch hier, um die Kultur kennenzulernen und das hier ist ein Ort, wo Freundschaften entstehen“, erklärte Weinhuber.

Nach dem Ausflug auf die Baustelle gab es die Möglichkeit, das Dorf genauer anzusehen. Dabei führte Tudor Coma, ein Architekt aus Hermannstadt, die Gäste an alten siebenbürgisch-sächsischen Häusern mit bunten Fassaden vorbei, von denen viele im Dorf schön restauriert sind. An einem alten verfallenen Haus blieb er stehen und erklärte, er habe das Haus gekauft und wolle es restaurieren. In Martinsdorf wird der Erhalt der Architektur und der Gebäude großgeschrieben. „Die Zukunft hier gehört den Rumänen“, meinte einer der Beteiligten der Baustelle. Gerade deshalb wolle man gemeinsam mit der lokalen Gemeinschaft daran arbeiten, die historischen Gebäude zu erhalten und neu zu beleben.

Die Dorf-Führung und der Tag endeten an der evangelischen Kirche. Das letzte Kirchenmitglied der örtlichen Kirchengemeinde ist 2023 verstorben, deshalb finden dort nur noch wenige Male im Jahr Gottesdienste statt. Cismaru war sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Ich freue mich immer, wenn die Leute zusammenkommen. Ich freue mich immer, wenn alles funktioniert. Das ist mein Erfolg.“

Alisa SCHWARZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie.