Zwischen Lehren und Verwalten

Gespräch mit dem langjährigen Stolzenburger Schulleiter Giusseppe Bothar

Ausgabe Nr. 2689

Giusseppe Bothar.  Foto: Fred NUSS

Der am 24. Juli 1956 in Kronstadt geborene Geschichte- und Deutschlehrer Giusseppe Bothar ist seit 36 Jahren an der Stolzenburger Allgemeinschule tätig, seit 35 Jahren als Schulleiter. Ab 1985 war er stellvertretender Schulleiter und ab 1990 voller. Die Zügel übernommen hatte er von Günther Guni. Vor kurzem hat ihn der Gemeinderat von Stolzenburg zum Ehrenbürger der Ortschaft gekürt. Im Rahmen einer Feierlichkeit im kleinen Kreise im Innenhof des Rathauses in Stolzenburg überreichte ihm Bürgermeister Ioan Șurean am 29. Juli d. J. die entsprechenden Insignien.

Im Anschluss gewährte Giusseppe Bothar der HZ-Chefredakteurin Beatrice U n g a r das nachfolgende Interview:Weiterlesen

Eine Auswahl von roten Schals…

Drei Begegnungen mit Eginald Schlattner / Von Andreea DUMITRU

Ausgabe Nr. 2689

Die Verfasserin bei einem Besuch 2019 bei Eginald Schlattner in Rothberg.

Die Überzeugungen eines Menschen verändern sich im Laufe der Zeit und dass im Leben nichts zufällig ist, sollen folgende Sachverhalte beweisen.

Eginald? Ja, Eginald Norbert Felix Schlattner. Dieser Mensch hat die letzten Jahre meines Daseins entscheidend mitgeprägt. Doch beginnen wir mit dem Anfang, denn eine Rückblende kann den Bezug zu ihm verständlicher machen. Diesen Text widme ich dem Schriftsteller und Gefängnisseelsorger zu dessen 87. Geburtstag, den er am 13. September feiert.Weiterlesen

Eine streitbare Verlegerin

Die Kinderbuchautorin und Verlegerin Hedi Hauser ist tot

Ausgabe Nr. 2686

Hedi Hauser (1931-2020).Foto: Privat

Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T“ sei ihr liebstes Buch, das sie immer wieder las und auf das sie nicht verzichten könnte, verriet Hedi Hauser 2011 der Hermannstädter Zeitung. Doch am meisten hing der Kinderbuchautorin und Verlegerin Hedi Hauser, die am 20. Juli d. J. in Hamburg gestorben ist, ihr Erstlingsbuch am Herzen: „Waldgemeinschaft Froher Mut“. Die erste Auflage ist 1957 im Jugendbuchverlag Bukarest erschienen, als die Autorin gerade mal 26 Jahre alt war. Geschrieben hatte sie es während ihrer ersten Schwangerschaft in Mediasch, im Haus ihrer Schwiegereltern. Weiterlesen

Ein übervolles Leben!

Hugo Schneider feierte seinen 85. Geburtstag

Ausgabe Nr. 2685

Hugo Schneider (links) im Gespräch mit dem Schaaler Ehepaar Johanna und Fritz Ziegler beim 40. Mediascher Bezirksgemeindefest, das am 14. Mai 2017 stattgefunden hat.                                           Foto: Beatrice UNGAR

85 Jahre alt wurde Hugo Schneider am 13. August, und viele Glückwünsche werden ihn ins neue Lebensjahr begleiten! Er gehört zu der Generation Siebenbürger Sachsen, die den Mut aufbrachten, nach 1990 in der alten Heimat zu bleiben und neue Wege zu finden. Weiterlesen

„Sie alle sind wunderbar”

Der Hermannstädter Fotograf Fred Nuss nahm Kulturverdienstorden entgegen

Ausgabe Nr. 2680

Feierliche Übergabe des Ordens am Samstag (v. l. n. r.): Silviu Borş, Raluca Turcan und Fred Nuss.                             Foto: Ruxandra STĂNESCU

Hermannstadts berühmtester Fotograf, Fred Nuss, wurde am 15. Januar d. J. durch Staatspräsident Klaus Johannis mit dem Verdienstorden für Kultur im Rang eines Kavaliers, für seine langjährige Tätigkeit als professioneller Fotograf und damit für die „Förderung der Kultur” ausgezeichnet. Den Orden überbrachte ihm am Samstag Vizepremierministerin Raluca Turcan. Weiterlesen

Schreiben ist Überleben

Interview mit der Autorin und Fernsehjournalistin Christel Ungar-Țopescu

Ausgabe Nr. 2679

 

Christel Ungar-Țopescu in der AKZENTE-Redaktion.  Foto: Alexander SCHWARZ

Jedes Mal, wenn sie in die Redaktion der Hermannstädter Zeitung kommt, ist es, als ob ein Wirbelwind durch die Räume zieht. Lebhaft schildert sie meistens noch im Gehen, was sie gerade erlebt hat und man kann einfach nicht weghören. Man fühlt sich geradezu verpflichtet, auch als introvertierter Mensch, an dem Gespräch teilzunehmen.

Christel Ungar-Țopescu weckt die Lebensgeister mit ihrer fröhlichen, erquickenden Art zu sein. Die meisten kennen sie vom Fernsehen, aus der Sendung „Akzente“, doch sie ist nicht nur Journalistin, sondern auch Dichterin und Musikerin. Christel Ungar-Țopescu hat gerade ihren vierten Gedichtband „Du bist mein Kreuz/ Tu ești crucea mea“ zweisprachig in der Übersetzung von Beatrice Ungar, im Honterus-Verlag publiziert.

Sie feiert jetzt, im Juli, nicht nur ihren 54. Geburtstag, sondern auch 30 Jahre, seitdem sie beim Rumänischen Fernsehen in Bukarest tätig ist. Über Lyrik, Musik und ihre Arbeit als Fernsehjournalistin sprach Christel Ungar-Țopescu mit HZ-Redakteurin Cynthia P i n t e r:  Weiterlesen

Still, gelassen und einfühlsam

Nachruf auf Pfarrer Reinhardt Boltres (1968-2020) / Von Johannes KLEIN

Ausgabe Nr. 2678

Der viel zu früh verstorbene Agnethler Pfarrer Reinhardt Boltres war Jahr für Jahr nach Wiederaufnahme des Brauches des Urzellaufs ein großzügiger und immer freundlicher Gastgeber einer der Parten. Unser Bild: Pfarrer Reinhardt Boltres bedient die Urzeln mit leckeren Krapfen beim Urzellauf 2014. Foto: Werner FINK

„So spricht Gott, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein“.
(Jesaja 30,15).

So steht dieser Vers in der Lutherbibel: im Konjunktiv. Diese Interpretation ist nicht falsch, weil das Althebräische keinen Konjunktiv kennt und man diesen in modernen Sprachen zum Verständnis gelegentlich braucht. Im biblischen Kontext ist der Konjunktiv sinnvoll, weil sich das Volk Israel, auf das sich dieser Vers primär bezieht, in der beschriebenen Situation gerade nicht durch Stillesein und Vertrauen stark gemacht hat. Und das tut nicht nur das Volk Israel in dem Fall nicht, sondern die meisten Menschen sind nicht im Stillesein und Vertrauen stark. Es gibt aber durchaus auch Ausnahmen – wie Reinhardt Boltres –, die diesem Bibelvers entsprechen, ohne vorher gemahnt werden zu müssen. Im Andenken an ihn möchte ich deshalb den Bibelvers nach der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig wiedergeben, die viel näher an der hebräischen Vorlage steht: „In Umkehr und Ruhe werdet ihr befreit, in Stille und Gelassenheit geschieht euer Heldentum.“ Reinhardt Boltres hat sein ganzes Leben lang in seiner Ruhe Freiheit gelebt, er war ein Held der Stille und Gelassenheit. Der lutherische Konjunktiv kann sich auf ihn nicht beziehen. Er ist Mahnmal für uns: vielleicht würden wir stärker sein, wenn wir etwas mehr auf Stille und Vertrauen achten würden.
Reinhardt Boltres wird am 29. April 1968 als Sohn der Katharina und des Reinhardt Boltres in Hermannstadt geboren. Während der Kindheit weilt er oft bei den Großeltern in Reußdörfchen, wenige Kilometer von Hermannstadt entfernt.Weiterlesen

Freudiger Dienst an der Gemeinschaft

Helga Pitters zum 90. Geburtstag / Von Sunhild GALTER

Ausgabe Nr. 2677

Dieses Porträtbild von Helga Pitters ist in dem Bildband ,,Porträts“ von Fred Nuss abgedruckt.                                                        Foto: Fred NUSS

Jeder in Hermannstadt kennt Helga Pitters. Ebenso in unserer Evangelischen Landeskirche. Warum? Weil sie aus einer in Siebenbürgen bekannten Familie von Pfarrern und Lehrern stammt? Nun, vor allem weil sie sich ein Leben lang für die Gemeinschaft eingesetzt hat.

Sie ist eine gebürtige Pfarrerstochter; ihr Vater, Hermann Rehner, der Geschichte und Theologie studiert hatte, war zuerst als Lehrer tätig, übernahm dann aber eine Pfarrstelle in Wolkendorf. Dort verbringt Helga die ersten Jahre ihrer Kindheit unbeschwert, doch unter dem strengen Regiment der aus Österreich stammenden Mutter. 1939 zieht die Familie nach Hermannstadt um. Weiterlesen