Das Land, das Rindfleisch an Europa liefert

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European Angus Forum 2026 tagte erstmalig in Rumänien

Ausgabe Nr. 2961

Zwei Angus-Bullen auf der Weide.            Foto: Werner FINK

Das European Angus Forum fand zwischen dem 11. und 18. Mai zum ersten Mal in Rumänien statt. Die Veranstaltung bestand in einer Tour in deren Rahmen rumänienweit Angus-Farmen und verschiedene andere Einheiten der Angus-Wertschöpfungskette, in den Landkreisen Klausenburg, Mureș, Hermannstadt, Kronstadt, Covasna und Dâmbovița besucht wurden. Abgeschlossen wurde die Tour mit einer Veranstaltung in Bukarest mit technischen Präsentationen usw. „Das gesamte Konzept wurde so entwickelt, um zu zeigen, dass Rumänien hochwertiges, rückverfolgbares Angus-Rindfleisch produzieren kann”, meinte Dragoș Manea, technischer Leiter des Rinderzuchtverbandes Aberdeen Angus Rumänien.

Weiterhin wurden im Rahmen der Tour auch allgemeine touristischen Ziele besucht, darunter auch die Törzburg. Die insgesamt 300 Teilnehmenden kamen aus 29 Ländern. Offiziell war es ein europäisches Forum, allerdings kamen die Teilnehmer aus der ganzen Welt. Darunter befanden sich Delegationen aus Australien, Hawaii, den USA, Kasachstan und natürlich aus den europäischen Ländern.

V. l. n. r.: Gastgeber Samuel Widmer, Tamás Nagy, Bernhard Delle posieren vor der symbolischen Angus-Figur.
Foto: Werner FINK

Etwa am vierten Tag gab es den Besuch bei der Angus-Farm Karpaten Meat in Marpod. Die Besucher wurden mit Traktoren und Anhängern durch das Weideland geführt und man durfte die Angustiere bewundern. Beim Treffpunkt wurden die Gäste mit einem Imbiss im Freien erwartet. Im Rahmen einer kleinen Begrüßung und Feierstunde überreichte Dragoș Manea je eine Ehrenplakette an den Vereinspräsidenten Marcel Olteanu bzw. an Tamás Nagy, Bernhard Delle und Samuel Widmer von Karpaten Meat als Anerkennung für ihre Pionierarbeit in Sachen Angus in Rumänien.

Im Vorfeld hatten sich die Genannten vorgestellt und ein bisschen über die Angus-Geschichte in Rumänien erzählt. Musikeinlagen von Romulus Cipariu gab es auch hier und später auch beim Hauptsitz, wohin dann die Besucher zurückgefahren wurden. Hier gab es Angus-Spezialitäten vom Grill und Bier von Bere Sadu.

Ein weiterer wichtiger Moment war, als Agraringenieur und allererster Verbandsvorsitzender von Aberdeen Angus Rumänien Gheorghe Budrală sein Buch „Între bătaia vântului și rodul pământului. Poveștile unui agronom” (Zwischen Wind und Ernte. Geschichten eines Agronomen) an seine Pionierweggefährten Widmer, Delle, und Nagy übergab. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, drei wunderbare Personen kennenzulernen, die mich dazu herausgefordert hatten, diesen Verein gemeinsam mit ihnen aufzubauen”, sagte er. Innerhalb von weniger als zwei Jahren haben wir Dinge auf die Beine gestellt, die bis dahin hier inexistent waren. Heute ist Aberdeen Angus Rumänien einer der größten Verbände in Europa. Ich hatte schon damals davon geträumt, dass Rumänien das Land sein wird, das Rindfleisch an Europa liefern wird”. Als er den Verein verließ, zählte der Verein 16.000 Angus Rinder, heute sind es über 160.000. Rumänien verfüge über eine Kapazität von 2 Millionen, sagte Budrală.

Romulus Cipariu sorgte auf seinem Zymbal für die musikalische Untermalung. Foto: Werner FINK

Weiterhin gab es Wortmeldungen von Anguszüchtern bzw. Partnern aus verschiedenen Ländern, die ihre Anerkennung bezüglich der Entwicklung hier in Rumänien aussprachen und dann ging es zur feierlichen Enthüllung der symbolischen aus Metall geschmiedeten Angus-Figur.

Wenn man sich hier umsieht: Genau diesen Ausblick hatte ich im Jahr 2007, als Rumänien der Europäischen Union beitrat. Ich stand damals genau an diesem Ort und hatte das Gefühl, mich in Yellowstone zu befinden. Vor 150 Jahren zogen die Pioniere nach Yellowstone. Doch ich dachte mir, dass hier etwas fehlt. Vielleicht wissen Sie was? Angus-Rinder“, erzählte Samuel Widmer.

Das war der Beginn der Entwicklung eines Partnersystems für die Angus-Rinderzucht. Ich bin, genau wie Bernhard, Metzger und betrachte die gesamte Wertschöpfungskette vom Steak ausgehend. Deshalb haben wir die einzelnen Komponenten rückwärts gedacht und auf diesem wunderschönen Grünland ein System entwickelt, mit dem theoretisch pro Hektar eine Kuh gehalten und deren Nachkommen bis zur Schlachtreife gemästet werden können.”

Angefangen wurde 2008 mit dem Import der ersten 100 Angus Rindern nach Rumänien. 2012 wurde der Verband Aberdeen Angus Association Rumänien hier in Marpod gegründet. Angefangen wurde mit 600 Kühen im Herdbuch und heute verfügt Karpaten Meat über 70.000 Tiere im Herdbuch. Die Leute sind sehr daran interessiert, was in Rumänien in so kurzer Zeit passiert ist”, bemerkte Widmer. Denn inzwischen verfügt Rumänien über die Hälfte der ganzen Angus-Population in Europa.

Angefangen wurde seinerzeit mit dem Ziel, Fleisch nach Westeuropa zu vermarkten. Heute exportiere man mittlerweile 70 Prozent und 30 Prozent sei für den Markt in Rumänien bestimmt, der ebenfalls entwickelt wurde.

Wir sind sehr stark gewachsen”, erklärte Widmer. Man verfügt inzwischen über die eigene Horeca-Einheit, Metzgereien aber auch über einen Online Shop, wo man Qualitäts-Angusfleisch unter premiumangus.ro nach Hause bestellen kann.

Abgeschlossen wurde übrigens die Tour in Bukarest mit dem Forum, wo u. a. geplant war, die Zuchtziele zu besprechen. Es gibt den Breedplan, das ist ein internationales Zuchtsystem, um die Zucht weiterzubringen, Performance zu machen. Wir schließen uns jetzt in Europa an diesen Breedplan an. Bis jetzt hat jedes Land in Europa eine andere Zuchtwertschätzung gehabt. Wir wollen uns jetzt auch an den Breedplan anschließen, das ist die höchste Auswertung der Tiere oder der Zuchtperformance für die richtige Genetik”, erklärte Widmer und fügte hinzu: Also in Rumänien gibt es mittlerweile über 1.800 einschlägige Farmen und an die 170.000 Angustiere. Das sind eigentlich alles Farmen, die nach unserem Modell angefangen haben.

Bernhard Delle wohnt in Gundelfingen, Deutschland und hilft Karpaten Meat mit der Genetik. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs, so zum Beispiel als junger Kerl in Australien, viel in Amerika, in Kanada, überall eigentlich, wo Rinder produziert werden”, erzählte er. Daheim züchtet er selber Angustiere, betreibt ein eigenes Restaurant und eine eigene Metzgerei und lernt ab und zu auch ausgewanderte Siebenbürger Sachsen aus dem Harbachtal kennen. Eine Idee aus der Sicht des Metzgers war es, dass man ein einheitliches Steak, einen einheitlichen Schlachtkörper und einheitliche Rinder haben muss. Wir haben Hunderte, später sogar Tausende von Färsen aus verschiedenen Ländern Europas zusammengebracht”, erinnerte sich Delle. Meine Aufgabe bestand damals darin, daraus eine möglichst homogene Population zu machen”. Zu dieser Zeit hatte man einen sehr guten Bullen aus Australien. „Die Färse bzw. Kuh ist für den Standort bestimmt, der Bulle hingegen für den Markt. So haben wir hier für Rumänien eine Färse für den europäischen Markt entwickelt“, erklärte Delle. Eine Vorstellung, eines seiner erklärten Ziele sei übrigens gewesen, dass überall entlang der Donau Angus-Tiere gezüchtet werden.

Werner FINK

 

Die Unternehmergruppe Karpaten Meat Rumänien mit Sitz in Marpod setzt sich zum Ziel, hochwertiges Rindfleisch aus Angus-Rindern, die auf naturbelassenen Weiden in Siebenbürgen gezüchtet werden, zu produzieren.

Das Angus Business – System bündelt alle Produktionsetappen:

* Aufzucht von Angus-Rindern

* Mast von reinrassigen Kälbern und Angus-Kreuzungskälber

* Fleischerzeugung (Schlachtung, Verarbeitung und Logistik)

* Vermarktung von Premium-Rindfleisch in Rumänien und Westeuropa

* Verkauf von Angus-Zuchtrindern

* Einkauf von reinrassigen und Kreuzungskälbern

* Verkauf von Farmtechnik für Angus-Zuchtbetriebe

Mehr dazu unter

https://karpaten-meat.com/de/

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie, Wirtschaft.