50 Lieder für 50 Jahre

Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2894

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) in London, März 1939.
Foto: Rotraut FORBERG
©bpk-Bildagentur

Wie lange es noch gehen würde, war nicht klar. Die Ärzte waren nicht sicher. Mit 91,5 Jahren hatte sich meine Mutter mit dem Corona-Virus infiziert, vor wenigen Tagen war sie in ein Krankenhaus eingeliefert worden. In Deutschland, fern von mir. Am 14. Oktober saß ich in meinem schönen Zu-Hause-auf-Zeit in Hermannstadt und fühlte mich ihr so nah, als säße ich an ihrem Bett. Sprach zu ihr, versuchte, ihr Mut zuzusprechen. Mut zum Loslassen. Da fielen mir Dietrich Bonhoeffers Worte ein: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag“. Die Melodie dazu konnte ich nicht erinnern. Ich nahm das Evangelische Gesangbuch zur Hand, fand das Lied unter der Nummer 34, vertont von Ernst Helmut Chrestel im Jahre 1970. Setzte mich an das Klavier, spielte einhändig die Noten – und sang es dann, stundenlang, immer wieder von Neuem.Weiterlesen

In Bild, Text und Ton

Offenes Singen und Vernissage am 1. Advent in der Ferula

Ausgabe Nr. 2893

Bei dem Offenen Singen in der Ferula gab eine aus Bachchor- und Jugendchor-Mitgliedern gebildete Singgruppe den Ton an. Fotos: Beatrice UNGAR

Ein Gesangbuch lebt, wenn aus ihm gesungen wird. Überall dort, wo seine Lieder erklingen, kommen Glaubenserfahrungen der Gemeinde und des Einzelnen zum Ausdruck. In der Reihe ’50 Lieder für 50 Jahre. Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024′ legten und legen unterschiedliche Menschen in der Hermannstädter Zeitung ein bewegendes und kenntnisreiches Zeugnis ab, indem sie ihren Blick auf ihr Lied mit uns teilten.” Mit diesen Sätzen schließen die beiden Organisatorinnen Brita Falch Leutert, Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt, und Daniela Boltres, Theologiestudentin, die Vorstellung der Ausstellung zum 50. Jubiläum des Evangelischen Gesangbuches ab. Weiterlesen

50 Lieder für 50 Jahre

Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2893

Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, / bereitet doch als Sünder den Weg dem starken Held! / Macht eben jeden Pfad, die Täler rings erhöhet, / macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, macht gerad. (Lied Nr. 10, Strophen 1+2 kompiliert)

Menschen sind veränderlich. Dafür haben sie ein Herz – das sich erweichen und auch mal hart sein kann, ein Herz – mal hohen Mutes, mal voller Demut. Jeder kennt all diese Zustände. Jeder ist unstet, ist formbar.Weiterlesen

50 Lieder für 50 Jahre

Mit dem Evangelischen Gesangbuch durch das Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2892

Paul Gerhardts Psalm-Gesang „Du meine Seele, singe“ erinnert mich an einen Gottesdienst vor etwa zwei Jahrzehnten, den ich mit meiner kleinen Nichte besucht habe. Sie wollte die Mutter Gottes sehen; und wo ist diese schöner dargestellt als im Marienbild, dem Fresko im Tympanon über dem inneren Portal der Schwarzen Kirche in Kronstadt? Ja, und dann kam nach dem Gottesdienst auf meine Frage, was ihr am besten gefallen habe, die Antwort: „der Gesang“.Weiterlesen

50 Lieder für 50 Jahre

Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2891

Nr. 488: Eine Reise zur Erleuchtung

Seit meiner ersten Begegnung mit dem Lied Nr. 488, – „Der Lobgesang des Simeon”, auch bekannt auf lateinisch als „Nunc dimittis” – hat sich meine Beziehung dazu grundlegend entwickelt. Zunächst hörte ich im freitäglichen Abendgebet in der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche, zu dessen Liturgie Simeons Lobgesang als fester Bestandteil gehört, einfach nur zu. Ich ließ mich von den ruhigen Tönen der Antiphon tragen: „Hilf uns, Herr, wenn wir wachen, und behüte uns, wenn wir schlafen…“. Sie bittet um Schutz und Frieden durch Christus, um erholsamen Schlaf und einen wachen Geist. Sie klingt mit einer Reinheit, die jede Ablenkung von sich weist.Weiterlesen

50 Lieder für 50 Jahre

Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2890

Das Lied Nr. 210 „Wohl denen, die da wandeln“ hat mir immer viel zu sagen. In ihm ist eine große Verheißung – wenn man die gut bedenkt, ist es ein ernstes Lied. Das haben wir als erstes im Chor gelernt, als der Pfarrer Hans Binder hier in Malmkrog angefangen hat, im Jahr 1962 war das. Im alten Gesangbuch war dieses Lied nämlich nicht drin. Das Lied hat auch dem Pfarrer Binder gut gefallen, deshalb wollte er es mit uns lernen. Damals hatten wir Liederhefte für den Chor, alle Hefte wurden mit der Hand geschrieben, mehrstimmige Sätze. Damals waren wir im Chor vierstimmig, ich habe im Bass gesungen. Zu der Zeit waren wir drei Männer im Bass und fünf Männer im Tenor. Insgesamt waren wir damals fast 30 Personen im Chor.Weiterlesen

22. Gottesdienst in der Mundart

Ausgabe Nr. 2889

Zu dem traditionellen Gottesdienst in der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, es war der 22. nach Aufnahme dieser Tradition, hatte die Michelsberger evangelische Kirchengemeinde am Reformationstag, dem 31. Oktober, wieder in die Dorfkirche eingeladen. Letztes Jahr hatte der Gottesdienst ausnahmsweise in der romanischen Basilika auf der Michelsberger Burg stattgefunden als Schlussveranstaltung der Feierlichkeiten anlässlich der 800 Jahre seit deren ersten urkundlichen Erwähnung. Nach einem Grußwort von Dr. Stefan Tobler in Vertretung von Ortspfarrer Zorán Lászlo Kézdi, übernahm der Kerzer Pfarrer Michael Reger die Gestaltung des Gottesdienstes und die Predigt zu Römer 3, 21-28, letztere gespickt mit humoristischen Einlagen. Musikalisch begleitet hat den Gottesdienst Zsuzsánna Molnár an der schmucken Barockorgel. Der Gottesdienst erinnert nicht nur an den Beginn der Reformation im Jahre 1517 in Wittenberg, sondern auch daran, dass die Predigt in der Muttersprache eines der wichtigen Anliegen Martin Luthers war. Anschließend lud die Michelsberger Kirchengemeinde zu Speis und Trank – insbesondere zu „evangelischem Speck” und leckeren Krapfen – ein.                                                       Text und Foto: Beatrice UNGAR