Wenn Ton zu Kunst wird

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Ausgabe Nr. 2956

Zu Besuch bei der Keramikwerkstatt im Elimheim

Klaus Göbbel (Bildmitte) hatte auch Spaß am Töpfern. Fotos: die Verfasserin

Die dritte Keramikwerkstatt der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. fand am Samstag, den 25. April, im Elimheim in Michelsberg statt. Geleitet wurde der Kurs zum zweiten Mal in Folge von Klaus Göbbel. Er hat den Künstlerinnen die Tonarbeit nähergebracht und sie tatkräftig unterstützt. Dabei wurden Kreativität und Gemeinschaft in angenehmer Stimmung miteinander verbunden.

Bei strahlendem Sonnenschein, zwischen blühenden Bäumen und mit Blick auf die Fogarascher Berge und das Zibinsgebirge ging die Keramikwerkstatt im Elimheim in die dritte Runde: „Ich wurde von der Frauenarbeit Hermannstadt schon vor zwei Jahren angefragt. Damals hätte eigentlich jemand anderes den Kurs leiten sollen, notgedrungen bin ich eingesprungen und es war so schön, dass ich es dieses Mal wieder machen durfte. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß“, erzählt Kursleiter Klaus Göbbel. Und der Kurs machte nicht nur Spaß, die Ergebnisse ließen sich auch sehen.

Warf man einen Blick in die Werkstatt, sah man zwei große Tische in der Mitte des Raumes. Darauf lagen viele fertiggestellte Kunstwerke, die seit acht Uhr morgens getöpfert worden waren. „Wandschmuck aus Ton schaffen – durch Formen und Farben Licht ins Dunkel bringen, Tonteile kreativ zusammenknüpfen zu einem Gebilde, das eine Geschichte erzählt“, so wurde der Workshop beworben. Tatsächlich fand man Wandschmuck in unterschiedlichen Formen. Zwischen Blumen und Monden gab es auch fertige Teelichthalter, Schüsseln, Teller und vieles mehr.

Am Nachmittag wurden dann die letzten Werke fertiggestellt. Zwei junge Frauen töpferten Puzzleteile, die später als Glasuntersetzer dienen sollen. Eine andere arbeitete Gartenblumen sorgfältig in den Ton ein, um anschließend Blumenabdrücke auf ihrem Teller zu haben. Viele der Teilnehmerinnen hatten zum ersten Mal mit Ton gearbeitet, und er war dabei nicht immer einfach zu handhaben. Lag der Ton etwas zu lange an der Luft, musste man ihn in Wasser legen, damit er wieder geschmeidig wurde. Entstanden kleine Risse und Unebenheiten, konnte man mit einem befeuchteten Finger über den Ton streichen, damit er wieder glatt wurde. Wollte man etwas auf dem Ton anbringen, etwa kleine ausgestochene Blümchen oder Schmetterlinge, fielen sie oft wieder herunter. Doch die Handwerkerinnen ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen, und an den fertigen Stücken konnte man sehen, dass sie bereits einige Stunden Übung gesammelt hatten.

Zwischen dem konzentrierten Arbeiten wurde viel gelacht und gesprochen. Immer wieder halfen sich die Teilnehmerinnen gegenseitig, gaben Tipps weiter oder bewunderten die Fortschritte der anderen. So entstand im Zuge der Arbeit an den Kunstwerken auch ein Gefühl von Gemeinschaft. Außerdem stand Klaus Göbbel jederzeit für Fragen bereit und erklärte, wie man richtig mit dem Ton umgeht.

Auch er hat die Tonarbeit durch „Learning by Doing“ erlernt: „Ich habe derartiges nicht gelernt, ich habe einfach drauf losgelegt und natürlich vorher ausprobiert, wie man mit dem Material umgeht, wie es sich verhält, wie es sich verformt und wie es trocknet. Jetzt gebe ich einfach meine eigenen Erfahrungswerte weiter.“

Die fertigen Stücke (unser Bild) müssen etwa drei Wochen trocknen, bevor sie gebrannt und glasiert werden: „Die Sachen werden alle in der gleichen Farbe glasiert. Jetzt sieht es noch willkürlich aus, aber danach, wenn alles die gleiche Farbe hat, ist es eine Kollektion, und es ist einfach eine traumhaft schöne Sache“, erklärt Göbbel. Letztes Jahr wurde alles in Blau glasiert, dieses Jahr sollen die Stücke Pastellrosa werden.

Insgesamt ist Göbbel sehr zufrieden mit dem Kurs: „Es kommt jemand her mit dem Gedanken: ‚Ich kann es eigentlich nicht, aber ich möchte es heute lernen.‘ Und dann stellen alle fest: ‚Ich kann ja doch, und ich bin ja doch kreativ.‘ Das ist eine Wohltat und dann entstehen auch wirklich wunderschöne Sachen.“

Alisa SCHWARZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein, Gesellschaft, Kunst.