Russisches Archivgut erschlossen

Neue Erkenntnisse zur Deportation in die Sowjetunion

Ausgabe Nr. 2883

Ilie Schipor: Die Deportation von Rumäniendeutschen in die UdSSR. Argumente aus russischen Archiven. Honterus Verlag Hermannstadt 2023, 230 Seiten. Deutsche Fassung: Ruxandra Stănescu. ISBN 978-606-008-144-9.

Wer dieser Tage am Hermannstädter Bahnhof mit dem Zug verreist, kann vor der Abfahrt noch gemütlich spätsommerliche Sonnenstrahlen genießen. Viel schlimmer muss die Stimmung hier, in Heltau, Mediasch oder Freck Mitte Januar 1945 gewesen sein, als etliche Waggons mit Rumäniendeutschen in die Sowjetunion abfuhren. Ein nun in deutscher Übersetzung erschienenes Buch zeigt, was zu dieser Deportation in russischen Archiven zu finden ist.Weiterlesen

,,Bücher haben ihre Schicksale“

Zu den Glossen von Nina May / Von Prof. Dr. em. Mariana-Virginia LĂZĂRESCU

Ausgabe Nr. 2882

Bei der Buchvorstellung im Erasmus-Büchercafé (v. l. n. r.): Traian Pop, Nina May und Beatrice Ungar.                                      
Foto: Aurelia BRECHT

„Bücher haben ihre Schicksale“. Als ich nämlich 2023 nach einem Bandscheibenvorfall im Bett lag und mir vor lauter Schmerzen die Welt unterzugehen drohte, bat ich meinen Mann, mir ältere ADZ-Exemplare, die wir im Haus hatten, zum Lesen zu bringen. Da stieß ich auf die Texte von Nina May in der Samstagnummer, die ich zum Teil schon kannte. Ich begann plötzlich so laut aufzulachen, dass mein Mann erschrocken aus dem Nebenzimmer zu mir eilte, nicht wissend, was geschehen war. Wie sollte ich aber nicht lachen beim Lesen dieser klugen, witzigen, wohlwollend kritischen Texte? Als Germanistin dachte ich gleich an eine literaturkritische Einordnung. Was für epische Textsorten sind es denn? Anekdoten, Kalendergeschichten, Schelmengeschichten? Letztendlich habe ich mich für das literarische Genre der Glosse entschieden. Im Sprachgebrauch ist damit meistens die journalistische Textsorte gemeint. Nina May ist zwar Diplom-Physikerin, aber seit 2011 Journalistin und darüber hinaus seit 2020 Chefredakteurin der ADZ.Weiterlesen

Geschichtenerzähler und Glücksritter

Ausgabe Nr. 2881

Anton Maly wäre in diesem Jahr 140 geworden und wird für sein Verdienst geehrt

Anton Maly (1884-1959) um 1905-1909.
Foto: Firma Streich in Mendoza/ Argentinien

 

Er verwaltet das Erbe des Großvaters und möchte mit der Neuauflage von „Der entfesselte Tod“ die Erinnerung an einen erfolgreichen Romanschriftsteller wieder aufleben lassen: Lothar Höchsmann, der jüngste Enkelsohn Anton Malys, hat sich unter den über 100 hinterlassenen Werken bewusst für diesen Abenteuerroman entschieden. „Ich sehe durchaus Parallelen zu der heutigen Zeit, da Krieg und Völkermord genauso gegenwärtig sind wie damals“, sagt Höchsmann. Im November 1939 – der Zweite Weltkrieg hatte gerade erst begonnen – vollendete Maly sein Buch über einen der grausamsten Indianerkriege, der als „die Verschwörung des Pontiac“ in die Historie eingegangen ist. Diese in amerikanischen Geschichtsbüchern dokumentierte Episode von 1763 schrieb Maly auf, natürlich mit einer ordentlichen Portion Fiktion, hier und da versehen mit einer Prise wahrer Begebenheiten. „Zum Beispiel wäre da die Sache mit den Decken von Pockenkranken, die man an die Indianer verteilt hat, um die hochansteckende tödliche Seuche unter ihnen zu verbreiten“, erklärt Höchsmann. Glaubt man der Geschichte, ist dieser perfide Plan eines britischen Oberbefehlshabers einer der ersten Versuche, biologische Waffen einzusetzen.

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Sehr anstrengend aber schön

Ausgabe Nr. 2880

Drei Gedichtbände von Traian Pop Traian liegen auf Ungarisch vor

Traian Pop Traian: Abszolút hatalom (Putere absolută/Absolute Macht). Gedichte, ungarische Fassung Mandics Györgyi Írástudó Könyvkiadó Budapest 2023, 116 Seiten, ISBN 978-615-01-6993-4.

Drei Gedichtbände des Schriftstellers, Herausgebers und Verlegers Traian Pop Traian wurden  in den letzten zwei Jahren ins Ungarische übersetzt. Es geht um die Gedichtbände  „Abszolút hatalom“ (rumänischer Originaltitel „Putere Absolută”), in der ungarischen Fassung von Mandics Györgyi, 2023 veröffentlicht im Budapester Verlag Írástudó Könyvkiadó, „Hamuszerda” (rumänischer Originaltitel „Miercurea de cenușă”) in der Übersetzung von Zoltán Böszörményi, herausgegeben von Irodalmi Jelen Könyvek, 2024, und um „Ökörszem“ (rumänischer Originaltitel „Ochiul Boului”) in der Übersetzung von Lorand Pethő, erschienen im AB ART Verlag Budapest, 2024.Weiterlesen

Erinnerungen und Historie

Zwei sehr gut besuchte Buchvorstellungen im Spiegelsaal des DFDH

Ausgabe Nr. 2877

Gerhard Konnerth und Dagmar Dusil bei der Buchvorstellung am Samstag.

In Erinnerungen schwelgen konnten die Besucher des Großen Sachsentreffens am Samstagnachmittag bei der Vorstellung des Buches „Im Schnee der Erinnerungen. Hermannstadt“, das von Dagmar Dusil herausgegeben und im Spiegelsaal des Forums präsentiert wurde. Zur „Wiederholungstäterin“ wird die HDH (Heimatgemeinschaft der Deutschen Hermannstadts) im Begleitwort des Buches genannt, nachdem 2017 die Anthologie „Fakten Bilder Worte“ und 2022 „Mit Erinnerungen gepflastert“ erschienen ist. Der neue Sammelband handelt von Hermannstadt und ist in drei große Kapitel unterteilt: „Dokumentiert“, „Erinnert“ und „Recherchiert“. Weiterlesen

Von Abtsdorf bis Zied

Zum Bildband ,,Das Harbachtal, das Kaltbachtal und der Krautwinkel“

Ausgabe Nr. 2876

Georg Gerster und Martin Rill: Das Harbachtal, das Kaltbachtal und der Krautwinkel. Hardcover, 336 Seiten, 800 Farbabbildungen, 1 Übersichtskarte, 31 Ortsgrundrisse, ISBN: 978-3-00-079021-8.

Eine neue Publikation des Verlages Siebenbürgen-Buch von Georg Gerster und Martin Rill – „Das Harbachtal, das Kaltbachtal und der Krautwinkel” wird am Montag, dem 5. August, 12 Uhr, in der Johanniskirche in Hermannstadt, und um 14 Uhr in der Kirchenburg Alzen anlässlich des Treffens der Heimatortsgemeinschaft vorgestellt. In Alzen werden die Siebenbürgische Blasmusik aus Traun/Österrreich und mehrere Tanzgruppen aus Deutschland auftreten. Erwartet werden etwa 300 Gäste. Grußworte sprechen der Präsidialberater Prof. Dr. Architekt Sergiu Nistor und der Vorsitzende der HOG Alzen, Hans Tekeser.Weiterlesen

Von Äskulap, Hermes und Apoll

Dr. Kurt Thomas Zieglers neues Buch ist im Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt erschienen

Ausgabe Nr. 2876

Kurt Thomas Ziegler: „Anders rinnt hier die Zeit…“ Band I. Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt 2022, 479 S., ISBN 978-3-949583, 19,90 Euro/89 Lei.

Auf der Rückseite des dritten Bandes seiner Trilogie „Von den Doppelschwertern zum Doppeladler. Der transsilvanisch-australische Nährboden meiner Erinnerungen. Episoden eines Bildungs- und Lebensweges”, der unter dem Titel „Im Zeichen von Äskulap, Hermes und Apoll” steht, weist Dr. Kurt Thomas Ziegler darauf hin, seinen Nachkommen, Kindern und Enkeln, etwas zu hinterlassen, was die Vorfahren für die folgenden Generationen geschaffen haben, alles im Sinne des Diktums „Zukunft braucht Herkunft“. Der Autor blickt auf ein ereignisreiches aber keinesfalls langweiliges Leben zurück. So lautet auch der Schlusssatz: „Ich bekenne, ich habe gelebt!“Weiterlesen

Eine moderne Aussteigergeschichte

Das neueste Buch des Banater Autors Anton Sterbling regt zum Nachdenken an

Ausgabe Nr. 2875

Anton Sterbling: Rückkehr aus dem Klimadelirium und die merkwürdige Begegnung mit Nikolaus Lenau in Wien, Pop Verlag Ludwigsburg 2024, 183 Seiten, ISBN 978-3863-5638-99, Preis: 77 Lei/15,50 €. Das Buch liegt in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf und kann auch bestellt werden unter erasmus@buechercafe.ro

Es ist schon erstaunlich wie eine kleine Zahl rumäniendeutscher Autoren bis heute den literarischen Diskurs in Deutschland beeinflusst. Und das nicht erst seit Herta Müllers Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur. Den guten Ruf hat die rumäniendeutsche Literatur auch Autoren wie Anton Sterbling zu verdanken, die sich unermüdlich an den großen Themen abarbeiten. Dahinter verbirgt sich vor allem die Auseinandersetzung mit der Diktaturgeschichte, die verschiedene zuweilen auch regional unterschiedliche Facetten hat. Stichworte sind hier die Deportationen in die Sowjetunion, in den Bărăgan oder die Verstrickungen von Künstlern mit der Securitate.Weiterlesen

Ein bunter Strauß von Historie

Joachim Wittstock widmet sich in seinem neuen Buch siebenbürgischen Schicksalen

Ausgabe Nr. 2873

Joachim Wittstock: Das erfuhr ich unter Menschen. Romanhafte Chronik siebenbürgischer Schicksale, Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt 2024, 604 Seiten, ISBN 978-3-949583-51-3, Preis: 79 Lei/17,70 €. Das Buch liegt in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf und kann auch bestellt werden unter erasmus@buechercafe.ro

„Das erfuhr ich unter Menschen”. Mit diesem Zitat aus dem Wessobrunner Gebet, einer der ersten mittelalterlichen Schriften und über 800 Jahre alt, betitelt der Schriftsteller Joachim Wittstock sein neues Buch. Gleich danach folgt der nicht weniger verwirrende Untertitel: „Romanhafte Chronik siebenbürgischer Schicksale”. Beides (das „Ich“ und die „romanhafte Chronik“) weisen auf den Autor als Forscher hin, ein Forscher, der Quellen durchwühlt, um zu erfahren, wie sich dies oder jenes in der Vergangenheit zugetragen hat. Wie ein Forscher führt Wittstock den interessierten Leser zunächst durch ein Vorwort, in dem ein Überblick über die Anordnung der unterschiedlichen Erzählungen gegeben wird und auf die vermeintlichen Widersprüche zwischen „Chronik“ und „Roman“ eingegangen und eine Verknüpfung zwischen beidem versucht wird.Weiterlesen

Judiaca und Israelia

Neues Buch im Hartung-Gorre Verlag

Christel Wollmann-Fiedler: Judaica und Israelia. Biographisches, Dichtung, Feste, Interviews, Kunst, Reiseberichte, Rezensionen, Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2024, 366 Seiten, ISBN 978-3-86628-817-1/3-86628-817-4, € 39,80.

Ausgabe Nr. 2873

Die Berliner Fotografin und Autorin Christel Wollmann-Fiedler legt mit ihrer Sammlung „Judaica & Israelia ein kurzweiliges, lehrreiches, lesenswertes Lesebuch vor. Darin spiegeln sich sowohl die Vielseitigkeit ihrer Interessen als auch ihr immenser Fleiß. Ihre vielseitigen Interessen sind klar zentriert und gebündelt unter den Begriffen Israelia & Judaica, von denen sie angetrieben und umgetrieben wird.

Ihr reiches historisches und insbesondere auch jüdisches Wissen vermittelt sie in einer gut lesbaren Diktion, die die Lektüre zu einem lehrreichen Vergnügen macht. Die durch die zeitliche Abfolge geordneten Beiträge bewirkten thematischen Brüche machen die Sammlung zusätzlich spannend.

Näheres beim Hartung-Gorre Verlag (D-78465 Konstanz, Telefon: +49 (0) 7533 97227, http://www.hartung-gorre.de, E-Mail: verlag@hartung-gorre.de

Hermannstadt anno dazumal

Ausgabe Nr. 2871

Am Abend des 13. Juni 2024 wurde den Hermannstädtern der dritte Band des Buches „Sibiul înainte de Sibiul de azi. Istorie ilustrată“ (Hermannstadt anno dazumal. Eine illustrierte Geschichte), eine Sammlung von Ansichtskarten, von Ingenieur Ioan Dejugan vorgestellt. Die Veranstaltung fand in der Astra Bibliothek, in den Räumlichkeiten des American Corner statt und zog ein großes Publikum von Kulturliebhabern an, die sich für die Geschichte Hermannstadts begeistern. Anwesend waren Dumitru Acu, Präsident des Astra-Verbandes und Nicolae Salade, Präsident des Philatelistenverbandes des Kreises Sibiu. Die Buchpräsentation wurde von Dr. Bogdan Andriescu, Leiter der Forschungsabteilung der Astra-Bibliothek in Hermannstadt, eröffnet. Im Foto ist der Autor beim Signieren des Bandes zu sehen.

Foto: Cynthia PINTER

,,Die Tage seien als Versuch gedacht“

Gedanken zu Matthias Kehles zweisprachigem Gedichtband ,,Fundus / Stoc“

Ausgabe Nr. 2870

Matthias Kehle: Fundus/Stoc. Gedichte. Deutsch/Rumänisch. Ins Rumänische übersetzt von Traian Pop Traian. Vorwort von Cătălin Dorian Florescu. Pop Verlag Ludwigsburg 2017, 86 Seiten, ISBN: 978-3-86356-149-9, 14 Euro.

Die Sammlung von Kehles Gedichten nimmt den Leser in zwei Sprachen mit auf eine tiefgründige Reise durch menschliche Emotionen und Beobachtungen des Alltags. Übersetzt wurden die Gedichte ins Rumänische von Traian Pop Traian, der in Kronstadt in Rumänien geboren wurde und seit 1989 in Deutschland als Schriftsteller, Verleger und Übersetzer lebt. Matthias Kehle lebt in Karlsruhe als freier Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Sein erster Gedichtband erschien 2017 ebenfalls im Pop Verlag Ludwigsburg. Das Buch handelt von dem gewagten Versuch, ins Leben einzusteigen.Weiterlesen