,,Archivarbeit kann recht emotional sein”

Interview mit Dr. Gerhild Rudolf, Leiterin des Teutsch-Hauses in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2760

Gerhild Rudolf in ihrem Büro.                                                            Foto: Ruxandra STĂNESCU

 

Dr. Gerhild Rudolf feierte am 1. März 10 Jahre, seitdem sie das Teutsch-Haus in Hermannstadt leitet. Über ihre bisherige Arbeit und Zukunftspläne sprach sie mit der HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

Bitte stellen Sie sich kurz vor?

Ich bin Gerhild Rudolf, ich bin in Kronstadt geboren und aufgewachsen, habe dann in Hermannstadt Germanistik und Anglistik studiert, nachher war ich Hausfrau, Religionslehrerin und Gottesdienstlektorin. Nach-dem die Kinder etwas größer waren, habe ich als Redakteurin der Kirchlichen Blätter, das ist die Monatsschrift der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, etwa 15 Jahre gearbeitet. Nach dem Studium habe einen Master absolviert und dann 2018-2019 das Doktorat abgelegt. Das Gebiet,  das mich am meisten interessiert hat, war angewandte Linguistik.Weiterlesen

Bin ich eigentlich ,,normal“?

Betrachtungen über Frauen, die als Urzel liefen und laufen / Von Dagmar SECK

Ausgabe Nr. 2760

Schon 1983 wurden in der Hermannstädter Zeitung, die damals Die Woche (Nr. 790/4. März) heißen musste, zahlreiche weibliche Urzeln abgebildet.         Foto: Horst BUCHFELNER

Soweit meine Erinnerungen zurückreichen, wurde in meiner Familie immer Urzel gelaufen. Damit meine ich gar nicht meinen Großvater, der nach der Wiedereinführung des Brauches in Agnetheln 1969 Urzelsprecher war, das war vor meiner Zeit, sondern meinen Vater und meine beiden großen Geschwister: Sie nahmen bereits Anfang der 1990er Jahre am Urzelumzug in Sachsenheim teil, als ich Tummi noch glaubte, die Peitschen würden knallen, weil man sie ganz fest auf den Boden haute. Wenige Jahre später lief (und knallte) ich dann auch selbst, und heute bin ich regelmäßig dabei, wenn die Urzeln unter der Führung meiner Mutter Nürnberg und Umgebung unsicher machen. Soweit so normal. Aber ist es das wirklich? Wo war meine Mutter in den 1990ern? Wo war meine Tante, die heute doch auch so gerne im Umzug mitläuft und Krapfen verteilt? Auf den Fotos von damals sind hauptsächlich Männer zu sehen. Seit wann ist es „normal“, dass Frauen Urzel laufen? Die Frage hat mich umgetrieben. Also habe ich nachgelesen und nachgehakt.Weiterlesen

,,In der Stunde gelöschter Zeichen“

 Der Schriftsteller Hans Bergel ist tot

Ausgabe Nr. 2760

 

Hans Bergel (1925-2022) Foto: Eva SEILER ISZLAI

Der Schriftsteller Dr. h.c. Hans Bergel ist am 26. Februar d. J. in München gestorben. Der am 26. Juli 1925 in Rosen-au bei Kronstadt Geborene wurde im April 1959 verhaftet und im Schriftstellerprozess zu 15 Jahren Zwangsarbeit und fünf Jahren Verlust sämtlicher Bürgerrechte verurteilt. 1964 wurde er befreit und wanderte 1968 nach Deutschland aus, mit Unterstützung von Günter Grass. Als ,,lyrischen Nachruf“ veröffentlicht die HZ ein Gedicht von Hellmut Seiler, das dieser zum 95. Geburtstag des Verstorbenen im Jahr 2020 verfasst hatte.Weiterlesen

Fresken in byzantinischer Tradition

HAWK-Workshop von Dr. Adrian Rauca zu Grundlagentechnik und Materialien

Ausgabe Nr. 2760

Dr. Adrian Rauca zeigt die Technik der byzantinischen Wandmalerei.                        Foto: HAWK

Der Wandmalereirestaurator Dozent Dr. Adrian Rauca von der Klausenburger Universität für Kunst und Design besuchte wieder einmal für ein paar Tage die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), um Studierenden der Wandmalerei-Restaurierung im ersten Semester in Hildesheim byzantinische Wandmalerei nahe zu bringen. Er lehrte, wie sich Malereien mit in byzantinischer Zeit üblichen Techniken und Motiven anfertigen lassen. Möglich wurde dies durch einen Kooperationsvertrag zwischen der HAWK und der Universität in Klausenburg, im Rahmen des EU-Programms Erasmus+.Weiterlesen

Nachrichten

Ausgabe Nr. 2760

Vortrag im Teutsch-Haus

Hermannstadt. – Das Landeskirchliche Museum bietet den Freunden des Museums auch in diesem Jahr einen Vortrag zu einem für die siebenbürgische Kunstlandschaft aufschlussreichen ikonographischen Thema. In ihrem Vortrag ,,Die Pfeilerfiguren des Mühlbacher Hallenchors“ beleuchtet Heidrun König am Montag, den 14. März, 18 Uhr, im Terrassensaal des Teutsch-Hauses den hagiographischen, politischen und werkgeschichtlichen Kontext der Entstehung der Heiligenfiguren, die als Bauschmuck den Chor der Mühlbacher  evangelischen Kirche schützend umstehen. Der Vortrag richtet sich nach wie vor an alle gestandenen und angehenden Freunde des Museums. Gäste dieser Veranstaltung erhalten die MuseumsCard, die den freien Besuch des Museums für das angebrochene Jahr ermöglicht. (GR)Weiterlesen

Vorfreude

Ausgabe Nr. 2759

Die Vorfreude auf den 1. März, an dem in Rumänien ein mărțisor (Märzchen) genannter Frühlingsbote an rot-weißer Schnur verschenkt wird, ist der Rollstuhlfahrerin anzusehen, die von ihrer Bekannten ein Märzchen geschenkt bekommt. Ab heute sind in Hermannstadt Märzchen an Ständen in der Heltauergasse zu kaufen.          

Foto: Cynthia PINTER

Deeskalation ist gescheitert

Befürchteter Russischer Einmarsch in die Ostukraine hat gestern begonnen

Ausgabe Nr. 2759

Gestern sind Truppen der Russischen Föderation in die ostukrainischen Separatistengebiete einmarschiert, nachdem alle diplomatischen Bemühungen, eine Invasion zu verhindern, gescheitert waren. Montag hatte der russische Staatspräsident Wladimir Putin die ,,Volksrepubliken Luhansk und Donezk“ als unabhängige Staaten per Dekret anerkannt und angeordnet, die Russische Föderation werde Truppen dahin, also in den Osten der Ukraine, entsenden, um in diesen ,,Volksrepubliken“ für ,,Frieden“ zu sorgen.Weiterlesen

,,Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“

Bemerkungen zu dem neuen Buch von Eginald Schlattner, ,,Schattenspiele toter Mädchen“

Ausgabe Nr. 2759

Eginald Schlattner: Schattenspiele toter Mädchen. Roman, Pop Verlag Ludwigsburg, 2022, 401  Seiten,  ISBN 978-3-86356-360-8.

Was bleibt am Ende eines bewegten Menschenlebens? Einzig und allein die Erinnerung an vergangene Zeiten. Die Vergangenheit mutiert deshalb teilweise zur Gegenwart und begleitet uns treu, bis wir unser irdisches Leben beenden; die Zeit weist fließende Grenzen auf und der sich Erinnernde kann nicht mehr unterscheiden, ob seine Wahrheit der erlebten Wirklichkeit entspricht. Die Zeit nehmen wir subjektiv wahr und erinnern uns manchmal selektiv an Vergangenes.

Vergangenheit und Gegenwart, Verblichene und Lebende – darüber schreibt Eginald Schlattner in seinem jüngst im Pop-Verlag, Ludwigsburg, erschienenen Roman ,,Schattenspiele toter Mädchen“.Weiterlesen

Constantin Brâncuși-Nationaltag im Freilichtmuseum

Ausgabe Nr. 2759

Der Geburtstag des berühmten rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși (1876-1957), der 19. Februar, ist 2005 zum Nationaltag erklärt worden.  Am 19. und 20. Februar wurde dieser Nationaltag auch im Freilichtmuseum im Jungen Wald begangen mit thematischen Führungen zu Gehöften aus Südrumänien und einer Werkstatt. Unser Bild: Der Bildhauer Andrei Buda hat auf dem Hof des Gehöfts aus Târgu Cărbunești eine Werkstatt angeboten, bei der sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche fleißig mitgemacht haben.                                                                                                                                                                  Foto: Beatrice UNGAR

Das Ziel: die Hälfte der Energie selbst erzeugen

DWS-Mitgliedertreffen hat am 9. Februar online stattgefunden

Ausgabe Nr. 2759

Bosch Blaj Goes Green: Auf einem Bürogebäude wurden Photovoltaik-Anlagen montiert, die 300 Megawattstunden produzieren, so dass sich der Betrieb nun rein rechnerisch zur Gänze über diese mit Strom versorgen kann.                      Foto: Bosch Media Service Romania

Das Mitgliedertreffen des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) am 9. Februar fand dieses Mal online statt, wobei es der Frage gewidmet war, ob Photovoltaikanlagen eine  wirtschaftliche Lösung sind. Über Erfahrungen in diesem Bereich sprachen Matthias Welter von Bosch, Martin Müller von Sobis und Wilhelm Beer, ein Vertreter der Carl-Wolff-Gesellschaft. Zu den Punkten der Tagesordnung gehörte u. a. auch die Präsentation der DWS-Agenda für das laufende Jahr. Geplant ist, die schon traditionellen DWS-Veranstaltungen wie den Fußballcup im Sommer, das Weinfest im Herbst und die Weihnachtsfeier im Winter erneut zu organisieren.Weiterlesen

Reise in das Land der aufgehenden Sonne

Ausstellung mit japanischen Farbdrucken im Stichekabinett eröffnet

Ausgabe Nr. 2759

Japanische Farbdrucke: im Stichekabinett des Brukenthalmuseums wurde am Montag  die Sonderausstellung „Journey into the Meiji Prints“ mit japanischen Farbdrucken eröffnet. Unser Bild: Gruppenbild mit Gastgebern und Ehrengästen der Vernissage (v. l. n. r.): Alexandru Constantin Chituță, Constantin Chiriac, Aurica Ichim, der Japanische Botschafter in Bukarest, S. E. Hiroshi Ueda, Daniela Cîmpean, Sabin Adrian Luca, George Șerban und Gilda Lazăr.                                                                                               Foto: Cynthia PINTER

Klare, flüssige Linien kennzeichnen den japanischen Farbholzschnittdruck. Licht- und Schatteneffekte fehlen gänzlich, Gegenstände und Personen sind farbig gefüllt, meist in sehr satten Farben. In Premiere wurde am Montag, dem 21. Februar, im Stichekabinett des Brukenthalpalais die Sonderausstellung „Journey into the Meiji Prints“ eröffnet, die im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals Hermannstadt stattfindet. Gezeigt werden Farbdrucke aus der Meiji-Ära, aus der Kollektion des Kunstsammlers George Șerban, der 2020 schon einen anderen Teil seiner Sammlung in der Ausstellung „Great Artists of the World“ im Brukenthalmuseum präsentiert hat. Damals waren Picasso, Chagall, Munch, Matisse und Dali die Stars, nun handelt es sich um japanische Künstler wie Chikanobu, Inoue Yasuji, Utagawa Kuninsada III oder Utagawa Kokunimasa. Die Ausstellung kann bis zum 30. Juni im Stichekabinett des Brukenthalmuseums besucht werden.Weiterlesen

,,Balkanische Elegien“

Gedanken zu einem Buch von Matthias Buth

Ausgabe Nr. 2759

Aus dem Bergischen Land in die Welt ist kein Katzensprung. Die Welt hält sich in Grenzen, in den Osten Europas, România, das Land durch das die Römer zogen und den Namen fallen ließen, die Karpaten werden übersprungen und vor dem Schriftsteller und Lyriker Matthias Buth liegt diese Welt, liegen die Nester der einst Eingewanderten aus dem Moselland, den Sachsen in Siebenbürgen. Zu ihnen gelangt der Lyriker mental und nun auch dichterisch. Sein Buch ,,Der Schnee stellt seine Leiter an die Ringmauer“ (Pop-Verlag Ludwigsburg 2020) habe ich endlich gelesen und pflichte ihm bei:„Rumänien ist ein Herzstück Europas, ein Kulturland, das seine Grandezza aus zahlreichen Quellen entwickelt hat“.Weiterlesen

Nachrichten

Ausgabe Nr. 2759

Foto: Cynthia PINTER

Märzchenverkauf

Hermannstadt. – Das Diakoniewerk Hermannstadt verkauft heute, zwischen 10 und 13 Uhr, am Huetplatz, Märzchen, die von Personen mit Behinderung hergestellt wurden.

Eine Märzchen- und Geschenkemesse findet im Freilichtmuseum vom 26. bis 28. Februar, zwischen 10 und 17 Uhr, statt.

Verkaufsstände mit Märzchen gibt es auch (vom 25. Februar bis 1. März) in der Heltauergasse, am Huetplatz, auf dem Hermannsplatz/Piața Unirii und in den Vierteln V. Aaron, B-dul M. Viteazu, Cireșica, V. Aurie, Strand, Neppendorf, Theresianum, Piața 1 Decembrie 1918, Calea Gușteriței und Broscărie. (RS) Weiterlesen

Kirchenhistoriker mit großem Herzen

Der Theologe Hermann Pitters wurde 90 – Ein Geburtstagsgruß / Von Jürgen HENKEL

Ausgabe Nr. 2758

Prof. Dr. Hermann Pitters bei dem internationalen Kolloquium von 2018. Foto: George Dumitriu/Ex fide lux

Er gilt als hochgebildet, humorvoll und geistreich, als liebenswürdig und aufmerksam, als genauso belesener wie begnadeter Theologe in mehreren Disziplinen von der Praktischen Theologie bis zur Kirchengeschichte, als Kunstliebhaber und exzellenter Kenner der Materie. Er ist bis heute ein leidenschaftlicher Vermittler im ökumenischen Dialog, besonders zwischen der evangelischen Theologie und Kirche und der Orthodoxie. Und er hat bei offiziellen Anlässen vor wie auch bei Verhandlungen hinter den Kulissen immer wieder ausgleichend und vermittelnd gewirkt. Wenn Professor Dr. Hermann Pitters nun bereits Ende des Vormonats, am 25. Januar, seinen 90. Geburtstag ohne jedes Aufsehen und öffentliche Bejubelung gefeiert hat, dann mag dies seine weiteren herausragenden Charaktereigenschaften unterstreichen: seine absolute persönliche Bescheidenheit und seine völlig unprätentiöse Art. Weiterlesen

Maskenpflicht verfassungswidrig

Verfahrenstechnische Unregelmäßigkeiten im Gesetzestext festgestellt

Ausgabe Nr. 2758

Masken werden auf Hermannstadts Straßen noch getragen. Foto: Cynthia PINTER

Das Verfassungsgericht hat am Dienstag, dem 15. Februar, sein Urteil bekanntgegeben, dass der Eilerlass der Orban-Regierung Nr.192/2020, durch welche das Tragen der Schutzmasken im Freien verpflichtend wurde und die Arbeitgeber auch ohne die Zustimmung der Arbeitnehmer Homeoffice verordnen durften, verfassungswidrig ist. Festgestellt wurde „die allgemeine Verfassungswidrigkeit“, wegen Verstoß gegen die Genehmigungsprozedur normativer Akte und nicht in der Sache. Weiterlesen

,,Ein ungeheuer spannender Prozess”

Gespräch mit der Deutschen Konsulin in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2758

Konsulin Kerstin Ursula Jahn in ihrem Büro.                       Foto: Ruxandra STĂNESCU

Seit einem knappen halben Jahr ist Kerstin Ursula Jahn die neue Deutsche Konsulin in Hermannstadt. Über ihre Laufbahn und die ersten Erfahrungen in Hermannstadt sprach sie mit der HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.Weiterlesen