Transylvanian Brunch in Großschenk/Cincu begeisterte internationale Gäste
Ausgabe Nr. 2973

Das kulinarische Angebot ließ keine Wünsche offen, die Dorffrauen hatten sich nämlich richtig ins Zeug gelegt. Foto: Hans KÖNIGES
Es war ein richtig buntes Publikum, das sich am Samstag, dem 22. August, im Innenhof der frisch renovierten Kirchenburg in Großschenk/Cincu traf – einer mächtigen Kirchenburg, die in ihren guten Zeiten, zu den sieben Stühlen der Siebenbürger Sachsen gehörte, dort wo unter anderem verwaltet, regiert und (hin)gerichtet wurde. Es fand wieder eines der beliebten und gut besuchten Transylvanian Brunches statt mit rund 50 Gästen.
Organisiert werden diese Brunches von der Stiftung Kirchenburgen der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, um diese besonderen Monumente aufs Podest zu heben und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, aber auch, um die Besucher für dieses besondere Erbe der Siebenbürger Sachsen zu sensibilisieren und im Idealfall dafür zu begeistern, den Erhalt dieser wertvollen Bauten zu unterstützen – durch materiel- le und immaterielle Hilfe.
Es waren – wahrscheinlich das erste Mal – Gäste aus Sardinien dabei, dann das „Stammpublikum“, also rumänische Familien aus den Großstädten Siebenbürgens dabei, die diese Art der Freizeitgestaltung sehr schätzen, Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Großschenk aus Deutschland mit ihrem Vorsitzenden Hermann Wolf und dessen Stellvertreter Michael Gottschling, der auch gleichzeitig den Verein des Urzellaufs leitet. Der Urzellauf in Großschenk ist ein traditioneller Fastnachtsbrauch, bei dem maskierte Urzeln mit Peitschenknallen, Musik und Umzügen den Winter vertreiben.
Auch Kurator Helmut Melzer, der in Deutschland lebt, verbringt indes ein halbes Jahr in Großschenk, um sich um die Kirchenburg zu kümmern. Hauptamtlich macht das Brigitte Boghian. Sie ist Küsterin, Kirchenführerin, Mädchen für alles – einfach die gute Seele der Kirchengemeinde.
Sie und weitere Frauen des Dorfes kümmerten sich um den reich gedeckten Tisch des Brunches.
Die deutsche Konsulin aus Hermannstadt, Wiebke Oeser, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, zum ersten Mal – wie sie bekannte – bei so einer Veranstaltung dabei zu sein, wie auch das Pfarrerehepaar Oehme aus Moritzburg bei Dresden, das seit Jahren den Sommer in Siebenbürgen verbringt und mit Gottesdiensten und sonstigen ehrenamtlichen Aktivitäten zur Entlastung der Gemeinden beiträgt.
Das Büffet ließ auch diesmal keine Wünsche offen. Die Frauen vor Ort hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und von Suppen, unterschiedlich zusammengesetzen Gemüseaufstrichen und danach verschiedenen Kuchen: Hanklich, Buchteln und Pflaumenkuchen aufgetischt. Vor allem die Gäste aus Italien und Deutschland waren von der Vielfalt und Kreativität der siebenbürgischen Küche angetan. Eine besondere Spezialität stellte Marlene Herberth vor – eine Weinsuppe, die sie im Kochbuch ihrer Großmutter von 1905 fand und die früher vor allem als Rezept gegen Erkältung galt.
Marlene Herberth eröffnete gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen, Cristian Cismaru, diese Veranstaltung, und wies darauf hin, wie wichtig es sei, durch verschiedenste Initiativen das Dorfleben zu beleben.
So haben sich zum Beispiel neun Jugendliche bereit erklärt, ehrenamtlich Kino-, Theaterabende, Workshops zu handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten zu organisieren.

Herberth ist eine sehr engagierte Künstlerin und Kuratorin. Gemeinsam mit ihrem Gatten, Alex, der ebenfalls in diesem Umfeld tätig ist, haben sie durch einige interessante Ausstellungen in den Räumen der Kirchenburg auch über die Grenzen Siebenbürgens auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Ergebnis, dass nun Marlene Herberth ab 1. September 2026 die Leitung des „Friedrich Teutsch“-Begegnungs- und Kulturzentrums in Hermannstadt übernimmt, nachdem sich die bisherige langjährige Leiterin Dr. Gerhild Rudolf in den Ruhestand verabschiedet hat.
Grundsätzlich läuft es bei einem Brunch so ab: Nach der Begrüßung der Gäste erklärt Geschäftsführer Cismaru, dass ein Teil des Eintrittsgeldes für Reparatur- bzw Renovierungs- arbeiten der Kirchenburgen gedacht ist, und dass dieser – zugegeben kleine Beitrag – allerdings Motivation sein soll, weiter für Projekte rund um die Kirchenburgen zu spenden.
Nach dem Essen, das auf jeden Fall immer für gute Stimmung und gute Laune sorgt, folgt eine Kirchenführung, um die sich diesmal die Küsterin Brigitte Boghian kümmerte. Das ist immer eine gute Gelegenheit, um ganz allgemein auf die Geschichte der Siebenbürger Sachsen einzugehen, denn die Fragen dazu bleiben nicht aus.
Am Nachmittag ist dann an die Kinder gedacht. Andreea Mănăstirean, Mitarbeiterin der Stiftung Kirchenburgen, hat mittlerweile für rund 20 Kirchenburgen ein Quizheft erstellt, in dem unterschiedlichste Fragen zur Geschichte oder der Architektur der Kirchenburg abgefragt werden. Dabei geht es darum, Fragen – diesmal zu Großschenk – zu beantworten, wobei die Erwachsenen auch begeistert mitmachten.
Mittlerweile fragen auch Schulen an, ob sie diese Hefte bekommen können. Zusätzlich zeigten die Volontärinnen des Dorfes den Kindern, wie sich die Urzeln malen lassen. Modelle von den Urzel-Masken lagen auf den Tischen, so dass vor allem die Mädchen diese Masken malten. Die Jungs waren eher am Peitschen-Knallen interessiert, wobei sie schnell merkten, dass es gar nicht so einfach ist, die Peitschen zum Knallen zu bringen.
Die Erwachsenen kamen noch in den Genuss einer Führung im Urzel- und Dorfmuseum, das in Räumlichkeiten innerhalb der Kirchenburg eingerichtet ist, in dem das Ehepaar Herberth schon einige sehr beachtenswerte Ausstellungen organisiert hat, aktuell eine von zwei spanischen Fotografen, die sich durch Zufall in Großschenk „verirrt“ haben. Sie waren so begeistert von der Sachsengeschichte, dass sie mit ihren Bildern ihre Sichtweise dieser Geschichte dargestellt haben.
In ihrer Führung wies Marlene Herberth darauf hin, dass diese Ausstellung schon in vielen Städ- ten Europas gezeigt wurde und nun „nach Hause“ gekommen ist und auch in Großschenk für alle zugänglich ist. Selbst der musikalische Teil kam nicht zu kurz, denn immer mal wieder griff Kurator Melzer zum Mikrofon und gab sowohl rumänische, als auch deutsche und internationale Stücke zum Besten.
Die nächste Veranstaltung der Stiftung Kirchenburgen ist ein sogenannter „Heritage Run“ (Kulturerbe-Lauf) in Birthälm, also ein Lauf rund um die Kirchenburg, bzw. je nach Trasse bis Großkopisch, Reichesdorf und Tobsdorf, am Samstag, den 12. September. Im letzten Jahr hatten sich 100 Teilnehmer gemeldet, die sogar mit der Kamera unterwegs waren, um diesen besonderen Lauf zu dokumentieren.
Folgende Läufe stehen im Angebot: Sprint (8 km: Birthälm/Biertan – Großkopisch/Copșa Mare – Birthälm, Höhendifferenz 340 m), Cross (10 km: Birthälm – Tobdorf/Dupuș – Birthälm, Höhendifferenz 275 m), Halbmarathon (22 km, Birthälm – Reichesdorf/Richiș – Birthälm, Höhendifferenz 625 m), Kinderlauf (1 km, in der Kirchenburg, Höhendifferenz 30 m). Gestartet wird um 9.30 Uhr. Anmeldungen unter: https://racehub.ro/regis ter/HeritageRunBiertan2026
Hans KÖNIGES