Mit tragender kulinarischer Säule

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Gut besuchter Transylvanian Brunch in Hetzeldorf

Ausgabe Nr. 2973

Die Gastgeber erwarteten die Gäste im Innenhof der Kirchenburg mit einem reich gedeckten Tisch.
Foto: Renate HEILMANN

Gleich die zweite Festveranstaltung innerhalb eines Monats fand in Hetzeldorf statt. Weihte man am 19. Juli das neue Nutzungskonzept der Bergkirche ein, konnte am 12. August ein Transylvanian Brunch organisiert werden. Damit reiht sich Hetzeldorf in eine Reihe von 16 Ortschaften ein, in denen dieses Konzept zur Belebung des sächsischen Kulturerbes von der Stiftung Kirchenburgen auch heuer wieder ausgerichtet wurde.

Mag die Konzeptierung stets eine ähnliche sein, präsentiert sich jede Gemeinde dennoch von ihrer ganz eigenen Seite mit individueller Schwerpunktsetzung. So begeisterte Hetzeldorf die rund 60 angereisten Gäste von Nah und Fern mit einer Kombination aus Kulinarik, Musik und örtlicher Kulturgeschichte.

Zu Beginn hießen Cristian Cismaru, Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen, und Renate Heilmann, Vorsitzende der HOG Hetzeldorf, die Besucher willkommen, die den Weg in das schmucke Seitental der Großen Kokel gefunden hatten. Gleich zu Beginn stand das leibliche Wohl im Mittelpunkt: Ein reichhaltiges Buffet, vor dem Eingangsportal der evangelischen Kirche aufgestellt, präsentierte die Vielfalt an traditionellen siebenbürgischen Speisen. Evangelischer Speck, Brodenlawend (sächsisch für Bratensuppe), Hochzeitssuppe, Hanklich oder regionale Käsesorten bewiesen die Vielfalt der hiesigen Kulinarik. Dabei gilt es zu betonen, dass sämtliche Speisen mit Zutaten aus dem Ort zubereitet wurden. Ein Helferteam des Vorstandes der HOG Hetzeldorf half bei der Zubereitung, doch der Großteil wurde von rumänischen Frauen aus Hetzeldorf übernommen, diese standen auch für die Fragen der Besucher rund um Rezeptur und Zubereitung bereit. Das Engagement der rumänischen Köchinnen beweist die vorbildliche freundschaftliche Zusammenarbeit der HOG aus Deutschland mit den verbliebenen sächsischen Bewohnern und der rumänischen Mehrheitsbevölkerung in Hetzeldorf, ohne die die Organisation dieses Brunches nicht realisierbar gewesen wäre.

Neben der tragenden kulinarischen Säule legten die Hetzeldorfer großen Wert auf die musikalische Umrahmung der Veranstaltung. Vier junge Musiker, meist mit Hetzeldorfer Wurzeln, fanden sich eigens für diese Veranstaltung zusammen, um in einer Projekt-Band für die musikalische Gestaltung zu sorgen, was dem Fest eine unbeschwerte Atmosphäre verlieh und von den Gästen mit Applaus und Tanz honoriert wurde. Nach dem ersten kulinarisch-musikalischen Teil begab man sich gestärkt in die evangelische Kirche, in welcher der Besucher mit Orgelmusik von Fabian Lutsch, gespielt auf der Maetz-Orgel von 1802, empfangen wurde. In einem anschließenden informativen Überblick führte Renate Heilmann in das geschichtliche und kulturelle Erbe der Hetzeldorfer Kirche und sächsischen Gemeinschaft ein.   Danach bekamen die Besucher Gelegenheit, sich im Sakralraum, welcher architektonische Ähnlichkeiten mit der Hermannstädter Stadtpfarrkirche aufweist, umzusehen.

Anschließend machte man sich zu einem gemeinsamen Spaziergang in der Mittagssonne zur Bergkirche auf dem Friedhof auf. Vor dem Friedhof beeindruckte ein historisches Labyrinth die Besucher, danach konnten sie das neue Nutzungskonzept der Kirche mit Engelgeflüster erleben. Im Andenken an die verstorbenen Ahnen luden die jungen Musiker im Anschluss mit Blasinstrumenten zum gemeinsamen Singen von Ich hatt‘ einen Kameraden oder dem „Siebenbürgenlied“ ein.

Dieser Moment wurde von jedem, gleich ob Hetzeldorfer oder Gast, als sehr bewegend empfunden. Dabei ermöglichte der Blick vom Friedhof auf das siebenbürgische Hügelland eine Vorstellung, was Moltke mit seinem Siebenbürgen, Land des Segens gemeint haben könnte.

Zurück im Kirchhof ließ man den Tag mit Kreativ-Workshops für Jung und Alt und mit Tanz gemütlich ausklingen, bis er schließlich im gemeinsamen Singen von Wahre Freundschaftsein Ende fand.

Das Echo der Besucher war eindeutig: In einer eindrucksvollen Kombination aus regionaler Kulinarik, vielfältiger Musik und Kultur fühlten sich die Gäste dieses Brunches in der siebenbürgischen Gastfreundschaft wohl aufgehoben und konnten umfassend alle ihre Sinne befriedigen.

Fabian LUTSCH

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie.