Eine emotionale Rückkehr

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17. Brotbackseminar der Frauenarbeit der EKR

Ausgabe Nr. 2973

Gruppenbild mit den Teilnehmenden und ihrem Backwerk.

Die Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien veranstaltete am 15. August das 17. Brotbackseminar. Die 12 Teilnehmer kneteten und backten traditionelles Brot sowie Hanklich im klassischen Holzbackofen. Der Tag verband praktisches Schaffen harmonisch mit geistlichen Inhalten. Ein thematischer Impuls widmete sich der Frage „Wie viel ist ein Brot wert?“ und beleuchtete die Rolle des Brotes im Alltag sowie in der Bibel, untermalt von passenden Redewendungen und Sprüchen.

Für die Organisation und den reibungslosen Ablauf zeichnete in diesem Jahr die gastgebende Familie um Hilde Schwarzer verantwortlich. Für sie war der Tag eine emotionale Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Aufgewachsen in Hetzeldorf und geboren in Mediasch, wanderte sie 1980 als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland aus. Während ihres Urlaubs in der alten Heimat wollte sie die Backtradition ihrer Mutter wiederbeleben. „Ich wusste, dass wir noch den Backofen haben, den mein Vater damals vor vielen Jahren gebaut hat und in dem meine Mutter immer Brot gebacken hat“, erzählt sie. „Ich hatte im Vorfeld keine Ahnung, wie es tatsächlich funktioniert. Es hat mich unheimlich gefreut, dass wir das heute hier wirklich gemacht haben und die Brote so toll geworden sind.“ Für die Gastgeberin liegt der Reiz des Seminars darin, den Menschen Mut zu machen, selbst Brot zu backen. Den berührendsten Moment beschreibt sie mit dem Augenblick des Erfolgs: „Wenn das Brot aus dem Backofen kommt, so schön duftet und man sieht, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat.“

Thomas Petri hat offensichtlich Freude der Arbeit.
Fotos: Margit KÉZDI

Auch erfahrene Hände schätzten den Austausch. Maria Zachres aus Hamlesch besuchte bereits ihr zweites Brotbackseminar. Sie kehrte vor zweieinhalb Jahren nach einer langen Zeit in Deutschland nach Rumänien zurück. Seither backt sie wieder regelmäßig für ihre Familie.„Für mich ist das Brotbacken mit den eigenen Händen, das Produzieren von Lebensmitteln ohne Zusätze und in Bio-Qualität, der große Reiz. Damit man etwas Gesundes essen kann“, erklärt Maria Zachres. Bis zu ihrer Auswanderung 1987 gehörte das Backen zu ihrem Alltag. Das Geheimnis eines gelungenen Laibs ist für sie klar definiert: „Gutes Mehl, guter Sauerteig, die richtige Bearbeitung und ein guter Ofen.“ Um das Wissen für die Zukunft zu sichern, reicht die mündliche Weitergabe laut Maria Zachres heute nicht mehr aus: „Wir versuchen, die Rezepte nun gezielt aufzuschreiben.“ Die Faszination bleibt für sie jedes Mal gleich, wenn sie das warme Endprodukt in den Händen hält.

Ein siebenbürgischer Backtag ist ohne die traditionelle Hanklich unvollständig. Thomas Petri, der aus Galt im Repser Ländchen angereist war und zum ersten Mal an einem Brotbackseminar der Frauenarbeit teilnahm, half tatkräftig bei der Zubereitung des traditionellen Hausbrots und des Hanklichs mit. Dieses im Brauchtum fest verankerte Festtagsgebäck wurde nach einem alten Hetzeldorfer Rezept zubereitet. Unter der Leitung von Thomas Petri bewiesen die Teilnehmenden auch Spontaneität: Aus dem übrigen Eiweiß des Hanklichgusses backten sie Eiweißbrote.

Nach stundenlangem Kneten, Backen, „Brote-Klopfen“ ging der Tag mit einem gemeinsam gesungenen Segenslied zu Ende. Die Heimreise traten die Teilnehmer nicht nur mit frischen Backwaren, sondern auch mit fertigen Plänen für die Zukunft: Im Sommer 2027 wird das nächste Brotbackseminar im Repser Ländchen stattfinden.

Gabriella MEZEI

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie.