Fresken in byzantinischer Tradition

HAWK-Workshop von Dr. Adrian Rauca zu Grundlagentechnik und Materialien

Ausgabe Nr. 2760

Dr. Adrian Rauca zeigt die Technik der byzantinischen Wandmalerei.                        Foto: HAWK

Der Wandmalereirestaurator Dozent Dr. Adrian Rauca von der Klausenburger Universität für Kunst und Design besuchte wieder einmal für ein paar Tage die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), um Studierenden der Wandmalerei-Restaurierung im ersten Semester in Hildesheim byzantinische Wandmalerei nahe zu bringen. Er lehrte, wie sich Malereien mit in byzantinischer Zeit üblichen Techniken und Motiven anfertigen lassen. Möglich wurde dies durch einen Kooperationsvertrag zwischen der HAWK und der Universität in Klausenburg, im Rahmen des EU-Programms Erasmus+.

„Um Malereien aus der byzantinischen Zeit richtig behandeln zu können später in der Restaurierungs- und Konservierungspraxis ist es wichtig, dass die Studierenden wissen, wie diese entstanden sind“, sagt Dr. Adrian Rauca. Sie könnten zwar viel darüber lesen, aber praktische Erfahrungen seien viel nachhaltiger. Bei dieser besonderen Wandmalerei-Technik mischen die Künstlerinnen und Künstler die Pigmente mit klarem Wasser und tragen sie auf den noch frischen, feuchten Kalkputz (Intonaco) auf. Die Pigmente binden sich dabei in einer dünnen Calciumcarbonatschicht, die sich in der Putzoberfläche bildet (Carbonatisierung).

Am Anfang hatte der rumänische Spezialist Rauca in einem einführenden Vortrag die byzantinische Malerei in Rumänien mit ihrer besonderen Technik, den verwendeten Materialien und den besonderen Motiven vorgestellt. Als Beispiel nutzte er hochmittelalterliche Wandmalereien aus Transsylvanien und spätmittelalterliche Exemplare aus den Kirchen in der nördlichen Moldau. Wegen ihrer Einzigartigkeit gehören inzwischen sechs von ihnen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Anschließend analysierte Rauca anhand vieler Fotos den typischen Farbauftrag dieser Malerei von dunkel zu hell und erläuterte, in welcher Reihenfolge die Farben aufgetragen werden. Dabei betonte er, dass die Teilnehmenden nicht unbedingt 1:1 kopieren müssen, sondern das Verständnis erlangen sollten, wie ein solches Fresko aufgebaut ist.

Melanie Amann hat sich den Engel aus dem Motiv Mariä Entschlafung, ein Fresko-Wandgemälde aus dem Kirchenschiff der Klosterkirche in Humor, ausgesucht.   Foto: HAWK

Im Anschluss bereiteten die Teilnehmenden die Wände des Flurs im Keller am Bismarckplatz   zunächst vor und trugen den Intonaco auf. Zudem fertigten sie Zeichnungen und Pausen der gewünschten Motive im Maßstab 1:1 und bereiteten die Pigmente vor. Weiter übertrugen sie die Zeichnungen mittels der Lochpausen auf den frischen Putz – erst dann konnten sie mit dem eigentlichen Malen beginnen. Da die Pigmente beim Fresko nur mit Wasser vermischt auf den ganz frischen Putz aufgetragen werden, mussten die Teilnehmenden recht schnell malen.

„Wir waren neuneinhalb Stunden in der Werkstatt“, sagt Studentin Melanie Amann. Sie malte den Engel aus dem Motiv Mariä Entschlafung, ein Fresko-Wandgemälde aus dem Kirchenschiff der Klosterkirche in Humor. Durch die Technik „fresco“ spielte vor allem die Zeit eine wichtige Rolle, damit die Wand nicht zu trocken war für den Auftrag der natürlichen Pigmente. Einmal angefangen, musste das Bild auch fertig gestellt werden. Studentin Paula Wick erzählt von den Schwierigkeiten in ihrem Drachenbild die vielen Nuancen der gleichen Farbe herzustellen. „Besonders die Farbe grau war sehr schlecht deckend“.

„Ein Fresko-Workshop gehört allgemein auch zu unserem Studienprogramm, aber diese Malerei in der Tradition des byzantinischen Freskos unterscheidet sich von der freskalen Malerei im hiesigen Raum:  In Rumänien mischt man dem Kalk zum Beispiel geschnittenen Hanf bei, in Deutschland sind hingegen hauptsächlich Sand, Stroh und manchmal Tierhaar üblich“, so HAWK-Werkstattleiterin Anneli Ellesat-Brümmer, die Prof. Rauca in der Woche unterstützt hat. Dr. Barbara Beckett, Professorin für Konservierung und Restaurierung für Steinobjekte und Architekturoberfläche, dankte Dr. Adrian Rauca für den praxisnahen Workshop und bewunderte die detailgetreuen Malereien, die jetzt die Wände am Bismarckplatz schmücken.

Initiiert hatte den Workshop Dr. Angela Weyer, Leiterin des Hornemann Instituts. Sie lernte Adrian Rauca im Rahmen des von ihr koordinierten EU-Projekts „EwaGlos“ kennen. Seine Expertise nutzte sie gerne für die rumänische Übersetzung des europäischen Glossars für Fachbegriffe der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche und lud ihn für diesen Workshop zum ersten Mal 2019 zur Bereicherung der Lehre in Hildesheim an die HAWK ein.

HAWK, Dr. Angela WEYER und Alissa LANGE

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kunst.