Mehr Komfort, weniger Flüge

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Pressekonferenz am Hermannstädter Flughafen

Ausgabe Nr. 2973

Blick aus der Business-Lounge auf ein Flugzeug von Wizzair.

Der Hermannstädter Flughafen verfügt über eine Business-Lounge, die Anzahl der Passagiere ist dieses Jahr um etwa 40 Prozent kleiner und Wizz Air feierte 10 Jahre seitdem die Fluggesellschaft Flüge aus Hermannstadt betreibt, hat aber das zweite Flugzeug zurückgezogen, die Anzahl der Flüge reduziert und neue Flüge aus Kronstadt angekündigt – das waren die Themen, die bei einer Pressekonferenz Mitte August am Hermannstädter Internationalen Flughafen besprochen wurden.  

Zuerst die gute Nachricht: Am Hermannstädter Flughafen wurde eine Business-Lounge eröffnet, betrieben von der Firma Lagardère Travel Retail, wo die Kunden in besten Konditionen auf ihre Flüge warten können. „Es handelt sich um eine Wiedereröffnung, denn vor vier Jahren haben wir bereits die erste Business-Lounge am Flughafen betrieben, und heute haben wir die Gelegenheit, diesen Service für Passagiere im erweiterten Terminal wieder aufzunehmen – und zwar in deutlich besseren Räumlichkeiten mit einer viel größeren Fläche und Kapazität. Auch die Vorteile und Dienstleistungen für die Kunden sind deutlich besser“, erklärte Pavel Ambrosi, Business Development Director bei Lagardère Travel Retail. „Die Firma Lagardère gibt es seit 30 Jahren in Rumänien und sie hat vor 20 Jahren den ersten Laden im Kreis Hermannstadt eröffnet.“ Nicht nur die Lounge betreibt das Unternehmen, sondern auch sechs weitere Läden am Flughafen.

Marius Gîrdea, Vlad Vasiu, András Radó, Pavel Ambrosi (v. l. n. r.) bei der Pressekonferenz.                                                                   Fotos: die Verfasserin

Trotz des erhöhten Angebotes an Dienstleistungen, ist die Anzahl der Flüge und Passagiere stark zurückgegangen: um 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Zurückzuführen ist das auf den Rückzug der Lufthansa, die rund 18 Prozent der Pasagiere beförderte, so Flughafendirektor Marius Gîrdea. Auch Wizz Air, die die meisten Flüge aus und nach Hermannstadt betreibt, hat schrittweise einen Teil der im vergangenen Sommer angekündigten Flüge gestrichen und schließlich auch ein zweites, für Hermannstadt vorgesehenes Flugzeug, zurückgezogen.

András Radó, Leiter der Kommunikationsabteilung von Wizz Air erklärte, dass die Entscheidung zur Kapazitätsreduzierung rein finanzieller Natur sei: „Es muss für uns finanziell tragbar sein. Wenn es nicht genügend Nachfrage für unsere Destinationen gibt, macht es wirtschaftlich keinen Sinn, dort zu bleiben oder diese Flugfrequenzen aufrechtzuerhalten.“ Radó sprach auch über die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und des Krieges in der Ukraine und wies darauf hin, dass die Unsicherheit die Passagiere dazu veranlasst, ihre Buchungen zu verschieben oder auf Reisen zu verzichten, aus Angst vor Instabilität und Schwankungen bei den Treibstoffpreisen.

Der Kommunikationsexperte kam gerade aus Kronstadt, wo er einen Tag davor die Erweiterung des Angebotes an Flugzielen angekündigt hatte. Tatsächlich betreibt die ungarische Fluggesellschaft zur Zeit fast doppelt so viel Flüge vom recht neuen Kronstädter Flughafen als aus Hermannstadt. „Wir werden die Situation weiterhin beobachten und freuen uns darauf, zusätzliche Kapazitäten in Hermannstadt wieder bereitzustellen, sobald wir sehen, dass die Nachfrage und die lokalen Partnerschaften dies unterstützen“, erklärte András Radó, der auch der Meinung war, dass sie sich selber keine Konkurrenz machen, da unterschiedliche Landesregionen angesprochen werden.

Tatsächlich sind Flüge aus Klausenburg und Kronstadt oft viel billiger als die aus Hermannstadt, auch wenn es dazu keine offiziellen Erklärungen gibt. Dabei schwärmte Radó von Hermannstdt: „Es ist schön, wieder in Hermannstadt zu sein, und vielleicht habe ich heute die Gelegenheit, die Stadt zu entdecken. Es waren keine einfachen 10 Jahre, aber wir sind gewachsen, erfolgreicher geworden, Wizz Air entwickelt sich weiter, ebenso wie der Hermannstädter Flughafen. Der Ausbau der Flugverbindungen ab Hermannstadt ist ein langfristiges Projekt, diese Stadt ist fantastisch, es ist eine fantastische Gegend, die jeder Tourist mindestens einmal besuchen sollte“, sagte er.

Mit dieser Aussage war er sich einig mit dem stellvertretenden Kreisratsvorsitzenden Vlad Vasiu: „Wir sind der Ansicht, dass Hermannstadt tatsächlich alle Voraussetzungen mitbringt, um auch weiterhin ein Erfolgsbeispiel im Tourismusbereich zu sein. Abgesehen davon, dass es im Zentrum des Landes liegt, ist es auch weiterhin einer der am besten erreichbaren Kreise Rumäniens, sowohl was die Straßeninfrastruktur als auch die Flughafeninfrastruktur betrifft. Doch letztendlich ist unser wichtigster Trumpf die Kombination aus Kulturtourismus und nachhaltigem Tourismus.“

Trotz all den Vasiu aufgezählten Atus der Stadt und des Kreises – von Landschaft bis zu Traditionen – ist die Anzahl der Touristen zurückgegangen, beziehungsweise werden weniger Übernachtungen pro Tourist registriert. Dagegen soll eine internationale Werbekampagne helfen, denn ein weiteres Problem des Flughafens und der Tourismusbranche ist, dass nur rund 30 Prozent der Passagiere ausländische Staatsbürger sind. Um dieses Problem zu beheben, haben sich in Hermanstadt das Bürgermeisteramt und der Kreisrat zusammengeschlossen und die Firma Bounty Communication Group GmbH aus Dortmund beauftragt, Werbung zu machen, insbesondere in Spanien, Italien, Deutschland und Großbritannien. Der Vertrag von knapp einer Million Euro (ohne Mehrwertsteuer) läuft über drei Jahre.

Der Flughafendirektor Marius Gîrdea ist optimistisch und hofft, dass sich die Lage in der nächsten Zeit verbessern könnte: „In diesen zehn Jahren haben wir eine Zeit mit Höhen und Tiefen durchlebt. Die Pandemie war, so könnte ich sagen, der schwierigste Moment. Ich glaube, dass wir hier in Hermannstadt jene Elemente finden müssen, die einen Mehrwert bringen und es schaffen, uns in den Augen der Touristen wieder attraktiv zu machen, so wie es 2007 war, als Hermannstadt in Partnerschaft mit Luxemburg und der Großregion Kulturhauptstadt Europa war“.

Ruxandra STĂNESCU

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus, Wirtschaft.