Studien- und Ökumenereise
Ausgabe Nr. 2973

Carmen Schuster (5. v. l.) empfing die Gruppe in der Bibliothek des Gästehauses in der ehemaligen Evangelischen Volksschule in Kleinschenk.
Eine Gruppe von ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden aus Deutschland besuchte vom 7. bis zum 13. August die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien (EKR). Der größte Teil der 16-köpfigen Gruppe kam dabei aus dem Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming, südlich von Berlin.
Das Ziel der sechstägigen Studien- und Ökumenereise war es, von der Kirche der Siebenbürger Sachsen zu lernen: Wie sie sich als kleine Minderheitenkirche positioniert; Welche Schwerpunkte werden gesetzt, wie wird sie überhaupt von der orthodoxen Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen? Wie bringt sie sich in diese ein? Und: Welche Formen von ökumenischer Zusammenarbeit zwischen den Kirchen gibt es?
„Alle unsere Begegnungen waren überaus bereichernd, die Besichtigungen waren spannend, informativ und wurden von allen Teilnehmenden begeistert aufgenommen“, fasst Rüdiger Noll, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AG) Partnerschaften und Ökumene im brandenburgischen Kirchenkreis die Reise zusammen. Und er fügt hinzu: „Wir waren beeindruckt von der Gastfreundschaft, aber auch von der Hoffnung, dem Mut und der Beharrlichkeit der Siebenbürger Sachsen.“
So durfte die Gruppe erfahren, wie Menschen auch in schwierigen Zeiten beharrlich und mit großer Hoffnung ihren Weg gehen. Aber auch mit Ideenreichtum und Unternehmergeist unterwegs sind. Die Begegnungen ließen sie erfahren, dass in der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien tätige Menschen trotz der Auswanderungswelle Anfang der 1990er Jahre nicht aufgegeben haben, sondern mit Ideenreichtum an ihrer Kirche und dem Gemeinwesen weitergebaut haben.
„Gerade davon können wir nur lernen und Kraft schöpfen, für den Weg, den wir in Deutschland vor uns haben. Mit Mut, mit Hoffnung und Beharrlichkeit kann man viel erreichen. Und das verbindet uns auch über Ländergrenzen hinweg. Wir sind als reich Beschenkte wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Danke!“, so Pfarrer Friedemann Düring, Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Zossen-Fläming.
Dazu beigetragen haben auch die Gespräche mit Bischof Reinhart Guib und mit dem Hermannstädter Stadtpfarrer Kilian Dörr. Besonders angetan war man von der großen Leistung, die Hermannstädter evangelische Stadtpfarrkirche im Rahmen zweier EU-Projekte zu sanieren und mit Leben zu füllen.
Und auch das Umwelt- und Begegnungszentrum in der Kirchenburg in Hammersdorf hat die Gruppe inspiriert, mit den Schritten, die dort Richtung Umweltbildungsarbeit und praktischem Handeln getan werden, weit über Kirchengemeindegrenzen hinweg.
Beim Besuch in der Redaktion der Hermannstädter Zeitung konnte die Reisegruppe erfahren, wie Journalistinnen und Journalisten vor der Wende dem Druck der kommunistischen Diktatur standgehalten haben, sich aber auch heute in der pluralen Meinungsvielfalt behaupten.
Von Interesse für die Gruppe war aber auch, wie die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien mit ihren Immobilien und Kirchen in Siebenbürgen umgeht: den 160 Kirchenburgen und unzähligen weiteren Gebäuden. „Sicher sind die vielen Kirchenbauten auch für die Gemeinden in Siebenbürgen eine Herausforderung, aber uns begegnete vor allem die Sicht, diesen Schatz als Chance zu verstehen. Das erleben wir bei uns manchmal anders“, so der Öffentlichkeitsbeauftragte. Eine Kostprobe von dem, was möglich ist, erfuhr die Gruppe beim Besuch in Kleinschenk von Landeskirchenkuratorin Carmen Schuster.
Auch das ökumenische Miteinander von orthodoxer und evangelischer Kirche in Siebenbürgen spielte eine Rolle, besonders beim Gespräch mit dem rumänisch-orthodoxen Priester Dr. Alexandru Ioniță am Ökumenischen Institut Hermannstadt. Dass es dieses Institut gibt, wurde als etwas sehr Einzigartiges wahrgenommen. „Wir möchten Studierende in Deutschland dazu ermutigen, dort ein Gastsemester zu absolvieren und orthodoxe Theologie kennenzulernen“, sagte zum Abschluss die Personalreferentin der Berlin-Brandenburgischen Landeskirche (EKBO) Dr. Katrin Rudolph, die auch zur Reisegruppe gehörte.
So wird es hoffentlich nicht der letzte Besuch von Menschen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming in Siebenbürgen gewesen sein.
Friedemann DÜRING