Des Meeres und der Liebe Wellen

2595

Die Wiederentdeckung des Eduard von Keyserling (1855-1918)

Eduard von Keyserling 1905/1906.
Foto: Philipp KESTER

Einen Schriftsteller gilt es zu preisen, der wie kein anderer die Stimmung des Fin de siècle und der Décadence einzufangen verstand: Eduard von Keyserling, der vor heute 100 Jahren am 28. September 1918 starb, gilt als einer der wenigen literarischen Impressionisten der deutschen Literatur um 1900. Seine Bücher sind ein ahnungsvoller Abgesang auf den baltendeutschen Adel, der nach den politischen Ereignissen des Ersten Weltkriegs und in den Wirren der Russischen Revolution von 1917 unterging. – Seit Mitte der 1990er Jahre werden seine Bücher neu publiziert, vor allem im Manesse-Verlag (Zürich), der ihn zum 100.Geb. mit dem Band „Landpartie“ ehrt, der sämtliche Erzählungen enthält.

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„Objektivere Einblicke gewährt“

 

Streiflichter vom 18. Internationalen Literaturfestival Berlin

Die Schauspielerin Naomi Krauss, Moderator Ernest Wichner und die Autorin Gabriela Adameșteanu (v. l. n. r.) bei der Vorstellung des Buches „Verlorener Morgen“ (Originaltitel: „Dimineața pierdută“), das 2018 in der deutschen Fassung von Eva Ruth Wemme in der Reihe Die Andere Bibliothek erschienen ist. Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

Erwin Piscator, der Berliner Theatermann von damals und der Berliner Architekt Fritz Bornemann, schauen noch manches Mal um die Ecke in der Schaperstraße und wundern sich über die Veränderung. Fritz Bornemann baute 1963 das „Theater der Freien Volksbühne“ und Erwin Piscator, der berühmte politische Theatermann, übernahm die Bühne. Veränderungen kommen und gehen, 2003 wurde aus dem Theatergebäude „Haus der Berliner Festspiele“. In diesem Jahr fand das 18. Internationale Literaturfestival Berlin in diesem modernen Theaterbau statt.

 

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„Von Landsleuten und Schülern geschätzt“

2594

Erwin Josef Țigla hielt Gastvortrag über Alexander Tietz an der EAS

„Wenn der Siebenbürger Sachse sich mit Adolf Meschendörfer oder Erwin Wittstock rühmen kann, wenn Adam Müller-Guttenbrunn dem Banater Schwabentum ein Denkmal gesetzt hat, warum sollen sich die Banater Berglanddeutschen nicht auch um ihre hervorragendste Kulturpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts bemühen? Dieser Mann ist kein anderer als der Deutsch-, Latein- und Russischlehrer, der Volkskundler und Naturliebhaber, der von seinen Landsleuten und Schülern geschätzte Alexander Tietz (1898-1978).“ Das schrieb Erwin Josef Țigla in dem Vorwort zu dem Buch „Briefe von der Alm/Scrisori de la sălaș“ von Alexander Tietz.

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Ein Leben für die Gemeinde

Zu Gast bei der ehemaligen Vorsitzenden des Neppendorfer Ortsforums

Ausgabe Nr. 2592

Elisabeth Rosenauer (rechts) mit Helmut Leonbacher.
Foto: Renate KÖBER

Als ich in den frühen Morgenstunden des letzten Julitages in der Secerătoarelor Straße 48 bei Frau Elisabeth Rosenauer klingelte, war sie schon lange wach. Die sehr rüstige Seniorin hatte eine kleine Gehhilfe dabei, um mir zu öffnen und Einlass gewähren. Wir hatten uns nämlich abgesprochen, dass ich sie besuchen werde, um die nötigen Informationen für einen Beitrag in der Hermannstädter Zeitung zu erhalten. Ich muss gestehen, dass ich noch kaum eine so geistig fitte Frau in diesem recht hohen Alter angetroffen habe. Auch Haus und Hof wirken gepflegt und gut erhalten. Frau Rosenauer genießt seither voll meinen Respekt und meine Hochachtung. Weiterlesen

Geheilte Erinnerungen

Eginald Schlattner feiert am 13. September d. J. seinen 85. Geburtstag

Ausgabe Nr. 2592

Eginald Schlattner (links) freut sich mit Christel Ungar über deren dritten Gedichtband, „Rot/Roșu“, den die Autorin ihm vor der Kulisse der Rothberger evangelischen Kirche im März 2017 überreichte.  
Foto: Beatrice UNGAR

Auf einer Fahrt von Siebenbürgen nach Bukarest: Beim Anblick vieler neugegründeter Klöster fragt eine junge Frau: „Was muss ich tun, wenn ich in eine solche Gemeinschaft eintrete?“ Die so fragt, ist in Rumänien geboren, in Hamburg aufgewachsen und lebt seit 15 Jahren wieder in ihrer ursprünglichen Heimat. Ich kann ihr antworten: „Acht Stunden wird im Stehen vor der Altarwand gebetet und gesungen. Zehn Stunden wird unter der lautstarken Aufsicht der Oberin gearbeitet. Dienlich der Seelen Seligkeit. Schließlich: sechs Stunden todmüder Schlaf.“   Ich wüsste noch mehr. Dieses Erfahrungswissen stammt allerdings nicht von mir, sondern von Eginald Schlattner, der mit seinen Romanen „Der geköpfte Hahn“ (1998), „Rote Handschuhe“ (2000), „Das Klavier im Nebel“ (2005) die europäische Literaturszene fulminant Richtung Südosten erweitert hat und mit der narrativen Dokumentation „Wasserzeichen“ (2018) ein Panorama des siebenbürgisch-sächsischen Bürgertums zwischen Glanz, Elend und Neubesinnung schuf. Mit seinem jüngsten Werk, aus dem ich mich für die Antwort an die junge Frau freihändig bediente (S. 72), hat er den reich ornamentierten Schlussstein gesetzt für sein Sprach-Gedächtnis der siebenbürgischen Wunden und Wunder, und zwar voll eines poetischen Realismus, ohne Verbitterung, angelegt auch auf künftige Generationen, damit diese ihre Gegenwart angemessen verstehen können.Weiterlesen

Die „Schalaster“ zwitscherte ihr Abschiedslied

Ein Kenner und Förderer des Siebenbürgisch-Sächsischen: Prof. Dr. Paul Philippi
Ausgabe Nr. 2589

 

Die Aussegnung des verstorbenen Paul Philippi am Freitag, den 3. August, in der Johanniskirche in Hermannstadt stand im Zeichen der siebenbürgisch-sächsischen Traditionen, der Philippi Zeit seines Lebens treu geblieben ist und die er mit allen Kräften gefördert und erläutert hat.  Unser Bild: Prof. Dr. Hans Klein würdigte in seinem Nachruf auf Paul Philippi im Sinne des Bibeltextes aus dem 1. Korintherbrief (12,7) die drei Gaben, die dem Verstorbenen geschenkt wurden: die Freude an der Musik, das ausgeprägte Interesse an Geisteswissenschaften, insbesondere an Geschichte, Germanistik und Theologie, sowie die starke Bindung an die Gemeinschaft, für die er unentwegt auch politisch tätig gewesen ist, zuletzt als Ehrenvorsitzender des von ihm mitgegründeten Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien.                                                            Foto: Fred NUSS

Neben seinem umfassenden Wissen und Wirken war der am 27. Juli d. J. von uns gegangene Prof. Paul Philippi schon immer um den Erhalt unserer siebenbürgisch-sächsischen Mundarten bemüht und an der Fortsetzung der Arbeiten am „Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch“ interessiert, das im Rahmen des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften in Hermannstadt erarbeitet wird. Er selbst konnte auf Anhieb Auskunft zum „Wesen und Werden des Siebenbürgisch-Sächsischen“ mit anschaulichen mundartlichen Beispielen bringen, auch waren ihm bestimmte phonetische mundartliche Sondererscheinungen aufgrund seiner vielseitigen wissenschaftlichen Dokumentation bekannt. Weiterlesen

„Gib Flügel dann und einen Hügel Sand“

Nachruf auf Paul Philippi (1923-2018) / Von Bischof em. D. Dr. Christoph KLEIN

Ausgabe Nr. 2588

 

 Paul Philippi (Bildmitte) beim Maisingen 2015 auf der Michelsberger Burg im Gespräch mit Bischof Reinhart Guib (rechts) und Pfarrer Gerhard Servatius-Depner.  Foto: Beatrice UNGAR

Am 27. Juli 2018 ist Professor Dr. Dres. h.c. Paul Philippi nach einem längeren Leiden in Hermannstadt friedlich verschieden. Um ihn trauern, mit der Familie, die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien, die gesamte deutsche Gemeinschaft in Rumänien, die Siebenbürger Sachsen in Deutschland und weltweit sowie die Freunde, Weggefährten und Verehrer hier und im Ausland, so wie es das Landeskonsistorium als Nachricht und Mitteilung hinausgegeben hat.Weiterlesen

Dank an einen Wegbegleiter

Ein sehr persönlicher Nachruf auf Paul Philippi / Von Jürgen HENKEL

Ausgabe Nr. 2588

 

Foto: Paul Philippi (am Rednerpult) im Festsaal des EAS-Tagungshauses. Foto: Beatrice UNGAR

Als in den deutschsprachigen Zeitungen Rumäniens zum 90. Geburtstag von Paul Philippi am 21. November 2013 würdigende Artikel erschienen sind, war ich erst einmal baff. Ich wähnte den so Geehrten wohl den juvenilen Jahren durchaus entwachsen, aber das so hohe Alter überraschte mich dann doch. Man konnte den Jubilar damals nämlich immer noch locker für einen erst gut 70-Jährigen halten. Sein reger, wacher und heller Geist sprühte jugendlich-frische Funken wie eh und je – wovon ich mich bei jeder Begegnung aufs Neue begeistert überzeugen konnte. Doch dieses Wiegenfest führte einmal mehr die Binsenweisheit vor Augen, wie schnell die Zeit vergeht. Im August 2017 war es mir noch einmal vergönnt, ihn zu besuchen. Ich hatte gehofft, ihn in diesem Sommer wieder aufsuchen zu können. Es sollte nicht mehr dazu kommen.Weiterlesen

„Diese Schatzkammer muss erhalten werden“

Begegnung mit der Burghüterin Dana Crişan aus Kirtsch/Curciu

Ausgabe Nr. 2587

Burghüterin Diana Crișan vor dem Eingangsportal der evangelischen Kirche in Kirtsch. Foto: Ruth ISTVÁN

Seit drei Jahren hat die Lehrerin Dana Crişan keinen Urlaub mehr gemacht, die rastlose Burghüterin schätzt die Ruhe in ihrer Kirchenburg sehr. Auch ihre Familie ist involviert – vom Glocke Läuten bis zum Rasen Mähen. Nebenher hat sie ein wachsames Auge auf die Maulwurfhügel innerhalb der Ringmauer und auf alles was in und um Kirtsch herum passiert. Die Mitarbeiterinnen der Stiftung Kirchenburgen haben sie besucht. Mit der Kirtscher Burghüterin Diana Crişan sprach die ifa-Kulturassistentin Aurelia B r e c h t.

Was verbinden Sie mit diesem Ort und wie kamen Sie zu Ihrer Aufgabe?

Ich bin hier geboren – am 27. Februar 1976 – und ich glaube, die Verbindung zu der Kirchenburg ist schlicht und einfach die, dass ich unter Sachsen aufgewachsen bin. Ich habe viel von ihnen gelernt und nicht nur über sie – denn ich spreche auch sächsisch. Zu meiner Aufgabe: Ich beschäftige mich mit den Touristen. Im Sommer, wenn sie die Kirchenburgen besuchen möchten, bin ich immer hier. Und ich freue mich auf diese Besuche, denn es macht mir viel Freude, die Leute zu empfangen. Meine Tätigkeit gefällt mir auch deswegen sehr, weil ich den ganzen Tag meine Fremdsprachen, Englisch und Deutsch, einsetzen kann.Weiterlesen

Dankbar in allen Dingen

Gespräch mit Dorothea Binder, langjährige Mitarbeiterin der evangelischen Kirche

Ausgabe Nr. 2585

 

Dorothea Binder in ihrem Garten.                          
Foto: Cynthia PINTER

Alle in Hermannstadt kennen sie als Dorle oder Dorli. Doch nicht viele wissen, wie Dorothea Binder nach Hermannstadt kam und wie vielfältig ihre Tätigkeiten im Dienst der evangelischen Kirche sind. Sie gibt zwar die letzten  Religionsstunden, die sie im Stadtpfarrhaus hielt, ab, ist jedoch so lange sie gebraucht wird, für die Kirchengemeinde da. Ein spannendes Gespräch mit Dorothea Binder führte HZ-Redakteurin Cynthia P i n t e r.Weiterlesen