Interview mit der deutschen Konsulin Wiebke Oeser
Ausgabe Nr. 2940

Konsulin Wiebke Oeser in ihrem Büro. Foto: Ruxandra STĂNESCU
Konsulin Wiebke Oeser leitet seit August das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt und hatte bereits ein paar Wochen Zeit, Stadt und Leute kennen zu lernen. Ein Interview mit ihr führte HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.
Wenn Sie sich kurz vorstellen möchten…
Ich habe drei Kinder, bin verheiratet und seit über 30 Jahren im Auswärtigen Dienst tätig. Außerdem habe ich Grafik und Visuelle Kommunikation studiert und Kinder-, Jugend- und Bilderbücher im deutschsprachigen Raum illustriert, die zum Teil auch übersetzt wurden. Ich lese viel, bin gerne draußen in der Natur und seit ein paar Jahren spiele ich diatonisches Akkordeon. Neu ist, dass ich diesmal zum ersten Mal alleine auf einen Auslandsposten gegangen bin. Ich war zehn Jahre in Berlin aus familiären Gründen und habe mehrere Stationen innerhalb des Auswärtigen Amtes absolviert und das war jetzt ein sehr großer Schritt für mich, aber glücklicherweise nicht weit weg von Berlin, sondern erstmalig in Europa.
Vermissen Sie das Malen?
Eigentlich mache ich das immer noch gleichzeitig… vielleicht nicht die großen Aufträge, aber ich zeichne noch.
Warum haben Sie Sich für eine Karriere im Auswärtigen Amt entschieden? Wo waren Sie bisher?
Ich habe mich dafür entschieden, weil ich einfach Lust auf Abenteuer hatte, die Welt kennen zu lernen. Als Austauschschülerin war ich schon mal in den USA gewesen und das hat mich in dieser Wahl bestärkt. Ich war in Südostasien, in Kambodscha und danach über viele Jahre im mittel- und südamerikanischen Raum, in Nicaragua, Bolivien und Argentinien.
Was hat Sie beeinflusst in Ihrer Karriere?
Das ist tatsächlich bei jedem Posten neu. Es gab viele Dinge zu entdecken, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte oder die ich vorher nicht gekannt habe.
Warum haben Sie sich für Hermannstadt entschieden?
Da muss ich den Hintergrund erst mal erklären: Wir geben nicht nur einen Posten an, für den wir uns bewerben, sondern wir müssen einen ganzen Fächer an Posten angeben und die müssen unterschiedlich sein. Deswegen konnte ich mich auch gar nicht vorher besonders auf Hermannstadt einstellen, weil ich nicht wusste, ob es klappt. Im April habe ich gedacht, dass es doch Hermannstadt wird, aber erst im Juni war es dann offiziell und ich habe angefangen, mich damit zu beschäftigen. Mein Mann hatte die Idee, den Urlaub in Siebenbürgen zu verbringen und wir haben tatsächlich über vier Wochen schon mal die Regionen Maramuresch und Siebenbürgen kennen gelernt. Es war wirklich spannend, das Land zu entdecken, die Kirchenburgen, die sehr lange Geschichte der deutschen Minderheit in diesem Raum, dieses enorme Kulturerbe. Das habe ich bis jetzt so nicht gekannt, das hat mich sehr beeindruckt. Für Hermannstadt habe ich mich beworben, weil ich neugierig auf einen Ort in dieser Region war und schon gerne mal in Europa sein wollte, nicht weit weg von Berlin, von meinen Freunden und der Familie.
Wie gehen Sie das an, wenn Sie wieder umziehen müssen?
Ich muss zugeben, dass das schon ein Stressfaktor ist. Diesmal bin ich tatsächlich nur mit leichtem Gepäck angereist, in der Hoffnung, es so zu vereinfachen.
Was haben Sie sich für diese Amtszeit in Hermannstadt vorgenommen?
Politisch und persönlich finde ich es sehr toll, dass es schon starke Verbindungen gibt. Eine der Aufgaben des Konsulats und auch von mir persönlich ist, Personen zusammen zu bringen, die sich vielleicht nicht treffen würden. Und insofern gab es eine schöne Rückmeldung nach dem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit dieses Jahr, dass wir einen Raum für diesen Austausch geschaffen haben, über den unsere Gäste sehr glücklich waren. Zum anderen sind wir auch daran interessiert, die Delegationen aus Deutschland mit Informationen und Organisation zu unterstützen, wie wir das auch vor einem Monat gemacht haben mit einer hochrangigen Delegation aus Brandenburg. Das war auch ein Grund, warum ich mich auf Hermannstadt beworben habe: Ich wusste, dass es eine kleine Vertretung ist und da ein ganz großes Aufgabenspektrum auf mich wartet. Eines der Ziele, wo ich mich gerne engagiere, ist auch das Interesse für die deutsche Sprache und dass es weiterhin so hoch bleibt wie in den letzten Jahren.
Lernen Sie Rumänisch?
Ja und es macht Spaß. Ich mag die Sprache und freue mich, dass meine sehr eingerostet Lateinkenntnisse ein bisschen mithelfen. Ich versuche, die Ortsnamen sowohl auf Deutsch als auch auf Rumänisch zu lernen und das ist eine Herausforderung.
Hilft es, dass viele Leute hier Deutsch sprechen?
Das ist eine ganz neue und auch sehr schöne Erfahrung für mich auf diesem Auslandsposten. Und weil auch so viel von alter Bausubstanz der Siebenbürger Sachsen z. B. mit deutschen Inschriften zu finden ist. Es ist ganz toll, die Kirchenburgen und die alten Innenstädte in ihrer vollen Pracht zu sehen, vielleicht auch, weil ich Formen und Farben wahrnehme und visuell denke.
Manchmal habe ich auch das Gefühl eines Zeitsprungs, weil so viel Geschichte darin steckt.
Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie hier eine deutsche Minderheit vorgefunden haben?
Das ist bestimmt der Grund, dass das Konsulat weiterhin hier ist und das ist auch eines der starken Fundamente für die deutsch-rumänischen Beziehungen. Auch für die deutsche Wirtschaft hier in Siebenbürgen ist die deutsche Minderheit und die deutsche Sprache ein wichtiges Fundament.
Wie fanden Sie Hermannstadt?
Vor meiner Ankunft habe ich bei Siebenbürgen mehr an die Dörfer und ländlichen Strukturen gedacht und war daher besonders von der sehr reichen städtischen Kultur beeindruckt. Und auch davon, wie sich heutzutage noch auf das einmalige Kulturangebot auswirkt, dass Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt 2007 war.
Finden Sie Zeit für das Kulturangebot?
Ja, ich war beim Astra-Dokumentarfilmfestival, und habe mir auch das Gitarrenfestival angeschaut. Das hat mir sehr gefallen, die vielen Kinder und Jugendliche, die hier auf dem Großen Ring und im Freilichtmuseum zusammen musiziert haben. Ich habe mir in Malmkrog mit der evangelischen Ortspfarrerin die Wandmalereien in der Kirche anschauen dürfen und war oft am Wochenende im Astra-Freilichtmuseum.
Zu Ihrem Amtsbereich gehört nicht nur Hermannstadt. Waren Sie in diesen anderen Landkreisen?
Noch nicht so viel. In den ersten drei Monaten war ich in Klausenburg, Kronstadt und Mühlbach, die Antrittsbesuche bei den Behörden dort stehen noch an. Ich war aber beim Sachsentreffen in Zeiden dabei und habe hier viel über die Geschichte der Siebenbürgen Sachsen erfahren und natürlich über die gelebte Kultur.
Wie steht es um Ihre Zusammenarbeit mit den Lokalbehörden hier in Hermannstadt?
Die Zusammenarbeit war auch schon in den letzten Jahren sehr gut und ich freue mich, daran anschließen zu können.
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.