Gedenken an den Mathematiker Prof. Mircea-Eugen Craioveanu (1942-2012)
Ausgabe Nr. 2936

Prof. Mircea-Eugen Craioveanu (1942-2012). Foto: Privat
Mit diesem Beitrag möchte ich einer herausragenden Persönlichkeit der rumänischen Mathematik gedenken, ein großartiger Mensch und Mentor vieler Studenten, einschließlich meiner. Prof. Dr. Mircea-Eugen Craioveanu war ein wichtiger Mathematiker im Bereich Geometrie, der während seines Lebens enge Kontakte zur deutschen Minderheit hatte, nicht nur weil er germanophil und germanophon war, sondern auch, weil er in Czernowitz, Hermannstadt und Temeswar lebte und viele Studenten, darunter auch Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, unterrichtet hat.
Professor Mircea-Eugen Craioveanu wurde am 20. November 1942 in Czernowitz, in der Nordbukowina, geboren. Während des Krieges war seine Familie gezwungen, Czernowitz zu verlassen, und fand Zuflucht in Hermannstadt.
Die Schönheit der Stadt und die Erinnerungen an seine Kindheit verbanden Professor Mircea Craioveanu für immer mit Hermannstadt. Er erinnerte sich stets mit Freude an diese wunderschöne Stadt im Herzen Rumäniens. Er besuchte die Grund- und Mittelschule Nr. 4 und anschließend das angesehene „Gheorghe-Lazăr“-Gymnasium, das er im Jahr 1960 abschloss.
Zwischen 1960 und 1965 studierte Mircea-Eugen Craioveanu an der Fakultät für Mathematik und Mechanik der Universität „Alexandru Ioan Cuza“ in Iași. Er schloss als Jahrgangsbester ab und erhielt das Diplom mit Auszeichnung als „Universitätsdiplomat in Fachrichtung Mathematik“.
Ab 1965 begann Mircea-Eugen Craioveanu seine akademische Laufbahn als Assistent an der Fakultät für Mathematik derselben Universität in Jassy/Iași. 1967 wurde er nach bestandener nationaler Aufnahmeprüfung als Doktorand mit staatlichem Stipendium aufgenommen. Seine Dissertation im Bereich der Differentialgeometrie, verfasst unter der Leitung von Professor Gheorghe Gheorghiev an der Universität „Alexandru Ioan Cuza“, verteidigte er 1970 – ein Meilenstein, der seinen Ruf als herausragender Forscher festigte.
Ab 1970 lehrte er an der Fakultät für Mathematik der Universität Timișoara und bekleidete dort nacheinander die Positionen: Universitätsassistent (1970–1971), Dozent (1971–1981), außerordentlicher Professor (1981–1990) und ordentlicher Professor (1990–2012).
Im akademischen Jahr 1971–1972 absolvierte er ein Spezialisierungspraktikum an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts, im Rahmen eines Fulbright-Hays-Stipendiums.
Nach 1990 führte ihn seine wissenschaftliche Tätigkeit zu zahlreichen Forschungs- und Studienaufenthalten an renommierten Institutionen, darunter das Internationale Erwin-Schrödinger-Institut für Physik und Mathematik in Wien, die Alexander-von-Humboldt-Universität in Berlin, die Universität La Sapienza in Rom und die Universität Tsukuba in Japan. Er hielt Vorlesungen und Vorträge an angesehenen Universitäten in Berlin, Dortmund, Greifswald, Debrecen, Kasan, Leipzig, Leuven, München, Rom, Thessaloniki, Santander, Santiago de Compostela, Szeged, Tsukuba, Udine und Wien.
Professor Mircea-Eugen Craioveanu nahm als Fachmann an zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Tagungen teil.
Professor Craioveanu war Autor von acht Fachbüchern in den Bereichen Differentialgeometrie, Differentialtopologie, globale Analysis auf Mannigfaltigkeiten und geometrische Methoden in der theoretischen Physik, veröffentlicht bei renommierten Verlagen im In- und Ausland. Darüber hinaus veröffentlichte er über 100 wissenschaftliche Artikel sowie zahlreiche Lehrbücher und Monographien für Studierende und Lehrkräfte der Mathematik.
Er war stellvertretender Herausgeber der Zeitschrift International Journal of Mathematics and Mathematical Sciences, Mitglied des Redaktionsausschusses der Annals of the West University of Timișoara, Reihe Mathematik-Informatik, und fungierte als Gutachter und wissenschaftlicher Referent für Zeitschriften wie Zentralblatt für Mathematik, Mathematical Reviews und andere Publikationen im In- und Ausland.
Während seiner 45-jährigen Lehrtätigkeit betreute Professor Craioveanu zahlreiche talentierte Mathematikstudenten im Rahmen des Studentischen Geometrie-Forschungskreises und des Forschungsseminars für Differentialgeometrie und globale Analysis. Seit 1989 war er Doktorvater und betreute 26 Doktoranden bis zum Abschluss ihrer Dissertationen und der Erlangung des Doktorgrades in Mathematik. Außerdem war er Mitglied in über 50 Doktorkommissionen.
Für seine herausragenden Leistungen erhielt Professor Mircea-Eugen Craioveanu zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter den Simion-Stoilov-Preis der Rumänischen Akademie (1983), den Preis der Universitas Oregonensis Harvard (2009), die Goldmedaille für Rumänien des American Biographical Institute, USA (2010), Magna cum Laude, American Biographical Institute (2011), das Ehrenprofessor-Diplom der West-Universität Temeswar (2011), das Certificate of Recognition als herausragender Gutachter von Zentralblatt Math (2012), das Exzellenzdiplom für seine gesamte Lehr- und Forschungstätigkeit an der Temeswarer West-Universität (1971–2012).
Im Laufe seiner Karriere wurde Professor Mircea-Eugen Craioveanu von seinen Kollegen hoch geschätzt und von seinen Studenten geliebt, die stets seine Hingabe an Lehre und Forschung bewunderten.
Ich werde unsere Gespräche auf dem Weg zur Universität stets in Erinnerung behalten, in denen wir über viele Themen sprachen, die nicht mathematischer Natur waren, sondern die Gesellschaft, die deutsche Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten oder dem Zentralblatt für Mathematik betrafen. Er wünschte sich sehr, dass ich promoviere und sein Assistent werde, musste jedoch meine Entscheidung akzeptieren, Gymnasiallehrer zu werden, was mein Herzenswunsch war. Trotzdem ermutigte er mich, an der West-Universität Temeswar Elementare Geometrie zu unterrichten und Studierendenpraktika zu betreuen, was ich einige Jahre lang mit großer Freude tat. Nachdem ich Politiker geworden bin, haben wir sehr oft über rumänische Politik und die Situation des Bildungswesens gesprochen. Er hatte immer einen guten Rat und eine Ermutigung parat. Ich behalte ihn für immer in meinem Gedächtnis als einen lieben, positiven, fröhlichen Menschen, der immer hilfsbereit war. Krankheitsbedingt hat er uns am 28. Oktober 2012 leider viel zu früh verlassen.
Möge er in Frieden ruhen!
Ovidiu GANȚ