Gewissenhaft und liebevoll

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Die langjährige Kuratorin Erika Pretorian ist tot

Ausgabe Nr. 2942

Erika Pretorian im Stadtpark in Râmnicu Vâlcea.               Foto: Privat

Die in Kronstadt geborene Anwältin Erika Pretorian, die von 2000 bis 2024 Kuratorin der evangelischen Kirchengemeinde Râmnicu Vâlcea gewesen ist, erlag zu Jahresbeginn einer schweren Krankheit. In dem Rundbrief der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien ist 2025 ein Porträt der Verstorbenen erschienen, das die Vorsitzende der Frauenarbeit, Sunhild Galter, der HZ dankenswerterweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.

 

Kuratorin Erika Pretorian stammt aus Kronstadt. Nach Abschluss des Honterusgymnasiums besuchte sie die Rechtsfakultät in Bukarest. Als Juristin war sie in der Rechtsberatung staatlicher Handelseinheiten tätig. Nach der Wende arbeitete sie zeitweilig in einer Anwaltskanzlei mit. Zurzeit arbeitet sie stundenweise in einem Anwaltsbüro. Trotzdem nahm sie im Jahre 2000, als sie zur Kuratorin der Kirchengemeinde in Râmnicu Vâlcea gewählt wurde, das Amt an und behielt es bis 2024. Mit Gewissenhaftigkeit und Liebe erfüllte sie ihre Aufgaben, solange es ihre Gesundheit erlaubte. Ein Höhepunkt ihrer Amtszeit war die Jubiläumsfeier im Oktober 2010 zu 150 Jahren des Bestehens der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. aus Râmnicu Vâlcea und 100 Jahre seit der Einweihung der Kirche. Pretorian erklärte: In Râmnicu Vâlcea gab es schon seit 1863 eine Gemeinde mit über 300 Glaubensgenossen, mit eigenen Statuten. Der Bau der Kirche dauerte einige Jahre. Sie wurde aus Ziegeln gebaut, das Dach mit Dachziegeln gedeckt. Der Turm hat eine Höhe von 15 m. Die sehr wertvolle Glocke wurde von der Familie Geltsch gespendet. Altar und die Kanzel sind aus geschnitzter Eiche hergestellt. Die Kirche wurde am 31. Oktober 1910 durch Bischof Friedrich Teutsch eingeweiht.

Zusammen mit dem Vorstand bereitete sie dieses große Fest vor, an dem zu ihrer Freude auch Bischof Dr. Christoph Klein zusammen mit mehreren anderen Pfarrern, im Dienst und außer Dienst, sowie der damalige Landeskirchenkurator Friedrich Philippi teilnahmen. Dazu kamen auch viele Gäste aus Hermannnstadt, Heltau, Neppendorf und Craiova, der Kirchenchor aus Heltau trug zur musikalischen Gestaltung des Festgottesdienstes bei.

Viel Freude bereitete Erika Pretorian die Teilnahme an den Veranstaltungen der Frauenarbeit, sowie auch an den Kuratorentagen, an denen sie immer aktiv teilnahm.

Als die Gemeinde noch größer war, gab es ein schönes Beisammensein vor allem beim Vorbereiten des Erntedankfestes, wo jeder sein Bestes tat für das festliche Schmücken der Kirche, zu Weihnachten beim Kuchen Backen verschiedener Art, fast war es im Wettbewerb, wer schönere Plätzchen oder Kuchen mitbringt, welche dann nach dem Gottesdienst gemeinsam verzehrt wurden, während Weihnachtslieder gesungen wurden. Auch erhielt jedes Kirchenmitglied eine kleine Überraschung zum nach Hause Mitnehmen, zu Ostern lief es dann auch so ab.

Leider gibt es nur noch acht regelmäßige Gottesdienstbesucher, oft sind es auch weniger. Zumindest besucht seit einigen Jahren ein dazu designierter Pfarrer die Gemeinde, die vorher von wechselnden Pfarrern betreut wurde. Die regelmäßigen Besuche mit Gottesdienst halfen mit, ein engeres Verhältnis mit der Gemeinde aufzubauen, leider blieb die Verwaltungsarbeit dabei liegen.

In den über 24 Jahren als Kuratorin hat sich Erika Pretorian oft als „Mädchen für alles“ gefühlt, zuständig für Kirche und Pfarrhaus, den Friedhof, als Vertreterin der Kirchengemeinde vor allen Behörden, bei der Bank, dem Gas- und Elektrizitätswerk, beim Wasserwerk u.a. Das schafft sie nun leider körperlich nicht mehr. Am 1. Oktober steht eine erneute Knieoperation an.

Dennoch liegt ihr das Schicksal der Gemeinde weiterhin am Herzen und so wartet sie auf eine konstruktive Antwort auf ihre im Frühling an die Bezirkskirchenversammlung eingeschickten Vorschläge für die Zukunft der Gemeinde aus Râmnicu Vâlcea.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Persönlichkeiten.