Ein Fotobuch über das Erinnern

Heinke Fabritius im Gespräch mit dem Luxemburger Fotografen Marc Schroeder

Ausgabe Nr. 2754

Marc  Schroeder bei der Vernissage seiner Ausstellung  im Januar 2020 in Reschitza.                                  Foto: Beatrice UNGAR

Der Luxemburger Marc Schroeder, der in Berlin und Lissabon lebt, hat in den vergangenen Jahren Aufsehen erregt mit einem Fotoprojekt zu den deportierten Rumäniendeutschen. Nach Studium und siebenjähriger Karriere in New York nahm Schroeder, damals noch Banker, die globale Banken- und Finanzkrise von 2008 zum Anlass, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und sich ganz der Fotografie zu widmen. Bald fand das damals gerade in die EU aufgenommene Rumänien sein großes Interesse. So entstanden zwischen 2012 und 2015 einprägsame Bilder und Gesprächsdokumente von 40 ehemaligen Deportierten. Die eindrücklichen Zeitzeugenporträts wurden auf mehreren Ausstellungen in Rumänien und Deutschland gezeigt, mehrere davon auch in Zusammenarbeit mit der Kulturreferentin für Siebenbürgen realisiert. Seit kurzem liegt das Projekt als Fotobuch vor. Dr. Heinke Fabritius sprach mit Marc Schroeder über Herausforderungen und Chancen dieser bemerkenswerten Edition.   Weiterlesen

,,Gedenkzeichen gegen das Vergessen“

Buch von Christoph Klein als Festgabe für Eginald Schlattner erschienen

Ausgabe Nr. 2753

Christoph Klein: Grenzbeschreitung. Kulturtheologische Betrachtungen zu Texten siebenbürgischer Autorinnen und Autoren. Verlag Dr. Kovač Hamburg, 2021, 298 Seiten, ISBN: 978-3-339-12672-6

Unter dem Titel ,,Grenzbeschreitung“ ist vor kurzem im Hamburger Dr. Kovač-Verlag ein Buch von Altbischof D. Dr. Christoph Klein erschienen. Es enthält, wie der Untertitel besagt, „Kulturtheologische Betrachtungen zu Texten Siebenbürgicher Autorinnen und Autoren“. Als Herausgeber zeichnet der Innsbrucker katholische Theologe und Komparatist Prof. Dr. Peter Tschuggnall. Der ebenfalls österreichische Ordensgeistliche und Lyriker Alfons Jestl hat dazu ein sehr freundliches, einladendes Geleitwort geschrieben. Wie Christoph Klein im Vorwort ausführt, lehnt sich der Titel des Buches an ein Wort des großen Theologen Paul Tillich an, der von der Grenze als vom „fruchtbarsten Ort der Erkenntnis“ spricht. Weiterlesen

,,Perle Siebenbürgens“

Neuerscheinung: Schäßburg in Wort und Bild

Ausgabe Nr. 2753

Jürgen Henkel (Text), Martin Eichler (Fotos): Schäßburg (Sighişoara) – Eine Erkundung der „Perle Siebenbürgens“, Kunstverlag Josef Fink 2021, 88 Seiten, 61 Fotos,  ISBN 978-3-95976-306-6, 6 Euro. Der Band ist im Buchhandel (in Hermannstadt im Erasmus-Büchercafé und in der Schiller-Buchhandlung) oder beim Verlag (htt ps://kunstverlag-fink.de/kontakt/ ) erhältlich.

Von „Rothenburg“ oder „Dinkelsbühl“ bis hin zur „Perle“ Siebenbürgens reichen die begeisterten Vergleiche für die Stadt Schäßburg – rumänisch Sighişoara – im Herzen Siebenbürgens. Die historische Altstadt auf dem Burgberg mit ihren wuchtigen Wehranlagen und trutzigen Türmen, den kolossalen Kirchenbauten und prächtigen Bürgerhäusern aus Mittelalter, Renaissance-Zeit und der Epoche des Barock mit manchmal sogar venezianisch anmutender Optik  gilt bis heute als eine der schönsten historischen Städte in ganz Südosteuropa. Weiterlesen

,,Aufrichtig, mutig und witzig“

Zwei neue Bücher für Kinder und Jugendliche aus dem Hanser-Verlag

Ausgabe Nr. 2751

Micha Friemel, Jacky Gleich: Lulu in der Mitte. Empfohlen ab 3 Jahren, Hanser Verlag München, 2020,  32 Seiten, ISBN 978-3-446-26612-4.

Bücher zu verschenken oder zu bekommen gehört für viele zur Weihnachtszeit dazu. Der rumänische Büchermarkt kann nur neidisch auf den deutschen Markt sein, wo die vielen jährlichen Neuerscheinungen die Herzen der Leser höher schlagen lassen und wo man die Qual der Wahl hat. Für die sogenannten „Sandwichkinder” ist das Bilderbuch „Lulu in der Mitte” von Micha Friemel und Jacky Gleich eine Option, für Jugendliche – besonders für die eher stilleren Mädchen – „Hinter Glas” von Julya Rabinowich. Beide Bücher sind im Hanser-Verlag erschienen.Weiterlesen

Für Frieden und Wohlfahrt eingesetzt

Vor 110 Jahren wurde der Deutsch-Sächsische Frauenbund für Siebenbürgen gegründet

Ausgabe Nr. 2751

Schiel, Ingrid: Frei – Politisch – Sozial: Der Deutsch-Sächsische Frauenbund für Siebenbürgen 1921-1939. Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar 2018 (Reihe: Studia Transylvanica, 47), 628 S. ISBN: 978-3-412-50954-5

Bisher gab es sehr wenige Arbeiten über die sozialen und politischen Aktivitäten von deutschen Frauen in Siebenbürgen. Die in extrem kleiner Schrift gedruckte Dissertation von Ingrid Schiel – ,,Frei – Politisch – Sozial: Der Deutsch-Sächsische Frauenbund für Siebenbürgen 1921-1939″ –  mit 5011 Fußnoten enthält sehr viele Informationen. Die Arbeit wurde 2017 an der Universität Jena als Dissertation angenommen. Die Autorin greift weit aus, bevor sie auf Seite 166 zur Gründung der Freien Sächsischen Frauenvereinigung gelangt. Zur Vorgeschichte gehört der Kampf um das allgemeine Wahlrecht im ungarischen Teil der Habsburger Monarchie. Er begann unmittelbar nachdem 1907 im westlichen Teil der Monarchie der Reichsrat von allen Männern gewählt wurde. Gegen die Ablösung des Zensuswahlrechtes wehrten sich diverse privilegierte Gruppen, darunter waren auch die Vertreter der Siebenbürger Sachsen.Weiterlesen

Atmosphäre der Angst

Gedanken zu dem Roman ,,Der Reisende“

Ausgabe Nr. 2747

Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende. Hrsg. Peter Graf, Klett-Cotta Verlag Stuttgart, 2018, 304  Seiten,  ISBN 978-3-608-98154-4.

Ulrich Alexander Boschwitz ist den meisten sicher nicht bekannt. Zur Erklärung: Ulrich Alexander Boschwitz war ein Schriftsteller, der im Exil 1938 den Roman „Der Reisende“ geschrieben hat. Tragisch ist die Geschichte des Romans und dessen Autor. Er emigrierte 1935 nach Skandinavien und später nach Frankreich, Belgien, Luxemburg und England. Der Roman wurde 1939 in englischer Sprache unter dem Titel ,,The Passenger“ in den USA erstveröffentlicht. Weiterlesen

Wunderbar fordernde Art

Ein neuer Roman von Eginald Schlattner: ,,Drachenköpfe“

Ausgabe Nr. 2744

Eginald Schlattner: Drachenköpfe. Roman. Pop-Verlag Ludwigsburg, 2021, 189 Seiten, ISBN  978-386-356-308-0

,,Drachenköpfe“, erschienen 2021 im Ludwigsburger Pop-Verlag,  ist ein Roman von Eginald Schlattner, der siebenbürgische Schriftsteller vor Ort, „wo die Bäume ihn kennen“, so sieht er sich selbst. Schlattner wurde am 13. September 1933 in Arad geboren, ist seit 1978 evangelischer Pfarrer in Rothberg und seit 1991 Gefängnispfarrer der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts blieb Schlattner, der 1957 von der Securitate, die rumänische Geheimpolizei, verhaftet wurde, einer breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt. Weiterlesen

Zeuge und Gestalter

Das Kriegstagebuch von Ion I. Lapedatu (1876-1951)

Ausgabe Nr. 2742

Bei der Buchvorstellung am 14. September im Spiegelsaal des Hermannstädter Forums (v. l. n. r.): der Moderator Alexandru Constantin Chituță, der Herausgeber Andreas Wild, der Historiker Ioan Opriș und der Leiter des Hermannstädter Staatsarchivs Alexiu Tatu.   Foto: Beatrice UNGAR

Das zweisprachig herausgegebene Buch von Ion I. Lapedatu – „De la Sibiu la Alba Iulia 1916-1918 / Von Hermannstadt nach Karlsburg 1916-1918” -, das rumänische Original ist auf der linken, die deutsche Übersetzung in der rechten Spalte zu lesen, ist ein Kriegstagebuch. Der Autor des Buches, geboren am 14. September 1876 in dem zur Gemeinde Săcele gehörenden Dorf Cernatu bei Kronstadt und verstorben am 24. März 1951 in Bukarest, war Politiker und Ökonom. Er war u. a. rumänischer Finanzminister in der Zeitspanne 1926-1927 und Gouverneur der Rumänischen Nationalbank in den Jahren 1944-1945.Weiterlesen

Ein kritisches Zeitgemälde

Gedanken zu ,,Lehren Lieben Leben. Ein Lehrerroman“

Ausgabe Nr. 2741

Rektor, Lehrer Alfred Ernst Ungar 1930 mit dem Jahrgang 1923 an der Schule in Großscheuern.

Der Titel des Buches ,,Lehren Lieben Leben. Ein Lehrerroman“ von Alfred Ernst Ungar, das in diesem Jahr im Honterus-Verlag in Hermannstadt erschienen ist, erfüllt die wichtigsten Funktionen eines (Roman-)Titels: Er gibt eine allgemeine Inhaltsangabe an, ist somit eine Inhaltskennzeichnung und klassifiziert zugleich. Man möchte sogar meinen, dass mit dem Titel und seiner sich steigernden Gedankenführung (als rhetorische Figur Klimax genannt) eine „typisierende Kennzeichnung des Haupthelden“ verbunden ist. Von Interesse für die geneigten Leser wäre auch, dass aus der Sicht der literaturwissenschaftlichen Forschung Rahmenstücke eines Textes zusammengefasst werden, „die keine Bestandteile von ihm sind, ihn gleichwohl auf das engste umgeben und zu ihm in einem vielfach komplexen Verhältnis stehen“ und unter dem Begriff des Paratextes zusammengefasst werden. Weiterlesen

Gekonnt und mitfühlend

Der Roman ,,Die Glocken von Kronstadt“ von Ruth Eder

Ausgabe Nr. 2740

Ruth Eder: Die Glocken von Kronstadt. Ein Siebenbürgen-Roman, Edition Noack & Block in der Frank & Timme GmbH – Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2020,  394 Seiten, ISBN 978-3-86813-092-8. Umschlagabbildung: Doppelporträt von Hans Eder, Maler, mit Frau Ida, Kronstadt.Das vollständige Verlagsprogramm ist unter www.frank-timme.de zu finden. Hier kann man auch den Newsletter bestellen.

In dem Buch ,,Die Glocken von Kronstadt“ erzählt die Autorin Ruth Eder, mit siebenbürgischen Wurzeln und einem breiten Erfahrungsbereich der eigenen Familie, gekonnt und mitfühlend die Schicksale dreier Generationen aus zwei Großfamilien beginnend mit dem Jahr 1913, am Vorabend des Ausbruchs des 1. Weltkrieges. Siebenbürgen gehörte noch zur Österreichischen-ungarischen Monarchie.Weiterlesen

Lesung im DKZH

Ausgabe Nr. 2740

Ingo Schulze las im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt: Sehr gut besucht war die Lesung des Schriftstellers Ingo Schulze (sitzend) am Sonntag Nachmittag im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt. Der 1962 in Dresden geborene Autor lebt derzeit in Berlin. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Jena arbeitete er zunächst als Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. Sein erstes Buch – ,,33 Augenblicke des Glücks“ – ist 1995 erschienen und war ein Erfolg. Fünf seiner Bücher sind auch in rumänischer Sprache erschienen. Aus einem von ihnen – ,,Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm“ – 2017 erschienen und mit dem Rheingau Literaturpreis ausgezeichnet, las er einige Kapitel und kam dann in ein reges Gespräch mit den Anwesenden. Moderiert wurde die Lesung von der HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar (stehend).                  Foto: Mirona STĂNESCU