Zwei volle Tage

Jahrestagung der Hermannstädter Germanistik

Ausgabe Nr. 2842

Gruppenbild mit Hauptroganisatorin Prof. Dr. Maria Sass (2. v. r.) und Teilnehmenden vor dem Akademischen Begegnungszentrum der Lucian Blaga-Universität in der Seilergasse/Str. Banatului. Fotos: Beatrice UNGAR

Wie jedes Jahr im November war es auch heuer am 3. und 4. des Monats soweit. Die Hermannstädter Germanistik tagte zu dem weit gefassten Thema „Deutsches literarisches und kulturelles Erbe im südosteuropäischen Raum”. Weiterlesen

,,Das tägliche bewusste Anderswerden“

Gesamtwerk von Ilse Hehn mit Andreas-Gryphius-Preis 2023 gewürdigt

Ausgabe Nr. 2834

Ilse Hehn gehört zu den treuen Teilnehmerinnen an den Deutschen Literaturtagen in Reschitza, hier stellte sie bei der 33. Auflage im Vorjahr einige neue Bücher vor.                      
Foto: Beatrice UNGAR

,,Die Schriftstellerin Ilse Hehn ist eine herausragende Persönlichkeit, deren Beitrag zur Literatur, Kunst und Kultur nicht nur beeindruckend, sondern auch von großer Bedeutung ist.“ So begann die Künstlerin Eva Beylich ihre Laudatio auf die Schriftstellerin und Künstlerin, die für ihr Gesamtwerk im Rahmen der Feierlichkeiten zum 75. Gründungsjubiläum der KünstlerGilde e. V. in Esslingen am 16. September mit dem Andreas-Gryphius-Preis für das Jahr 2023 gewürdigt worden ist. Den Preis für das Jahr 2022 durfte Bernd Kebelmann entgegennehmen und den Nikolaus-Lenau-Preis 2023 Dr. Matthias Buth. Im Folgenden lesen Sie die Laudatio von Eva Beylich:Weiterlesen

Erinnern für die Zukunft

Ein Meisterwerk: Der Roman ,,Brunnentore“ von Eginald Schlattner

Eginald Schlattner: Brunnentore. Roman. Pop Verlag Ludwigsburg 2023, Reihe Epik Bd. 138. 320 Seiten, ISBN 978-3-86356-399-8, 25 Euro/124 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

„Brunnentore“ hat Eginald Schlattner sein jüngstes, bei Traian Pop Traian erschienenes Buch genannt. Es öffnet Welten des Erinnerns. Zu Räumen, die bis zum Rand voll sind von Ereignissen, findet der Autor immerzu einen neuen Schlüssel, um sie der Drohung, vergessen zu werden, zu entreißen und sie für die Jetztzeit ins Leben zu rufen. In den ersten programmatischen Sätzen lässt der Dichter den Grundton erklingen, der sich bis in die letzten Zeilen dieses erzählenden Meisterwerks mit an- und abschwellenden Klangfarben zieht.Weiterlesen

Schärfer im Ausdruck

Ausgabe Nr. 2832

Franz Hodjak und sein neuer Gedichtband


Franz Hodjak: Im Ballsaal des Universums. danube books Verlag Ulm 2023, Lyrikreihe edition textfluss. titelmotiv: Astrid Hodjak. 119 Seiten, ISBN 978-3-946046-35-6. Eine Publikation in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, herausgegeben von Enikő Dácz.

Nach der seit 2017 bis 2022 andauernden Schreibpause ist in diesem Jahr nun ein neuer Gedichtband von Franz Hodjak erschienen. Unter dem Titel ,,Im Ballsaal des Universums“ stehen insgesamt 92 Gedichte, die alle durch ein großes Thema verbunden sind.Weiterlesen

,,Eine gute Qualität geliefert”

Ausgabe Nr. 2831

Monografie zu archäologischen Grabungen in Kleinscheuern vorgestellt

Die Autoren Răzvan Mateescu (links) und Martin Rill. Foto: der Verfasser

Am Montag, dem 14. August fand im Innenhof des Historischen Museums in Hermannstadt die Vorstellung des Buches ,,O (ne)obișnuită așezare. Cercetările arheologice de la Șura Mică-Râșloave“ (Verlag Mega, 2023) statt. Das Buch ist eine Monografie der Ausgrabungen im Reschgraben bei Kleinscheuern, die zwischen 1976 bis 1983 erfolgten.

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,,Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis“

Schreiben als Erinnerung – Nobelpreisträgerin Herta Müller wurde 70

Ausgabe Nr. 2829

Herta Müller 2009 in Berlin.
Foto: Bernd WEIßBROD/ picture-alliance/ dpa

Die Nobelpreisträgerin Herta Müller gilt als eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sie erblickte am 17. August 1953 im banatschwäbischen Nitzkydorf das Licht der Welt, besuchte dort die Dorfschule und anschließend bis zu dessen Auflösung das „Zehner Gymnasium“ in Temeswar. Das letzte Schuljahr absolvierte Herta Müller auf dem Nikolaus-Lenau Gymnasium in Temeswar, studierte anschließend zwischen 1972-1976 Germanistik und Rumänistik an der Universität Temeswar. Ihr Studium schloss sie 1976 mit einer Arbeit über den siebenbürgischen Lyriker Wolf von Aichelburg ab. Weiterlesen

Vom Zauber leiser Suchtöne

Gedanken zum Gedichtband  von Dietfried Zink /Von Gerhard KONNERTH

Ausgabe Nr. 2822

Dietfried Zink (rechts) und seine Gattin, die Autorin Dagmar Dusil Zink, stellten den neuen Gedichtband gemeinsam bei den 33. Deutschen Literaturtagen in Reschitza am 7. Mai d. J. vor.                   Foto: Beatrice UNGAR

Als „poetische Bilanz der vorletzten Stunde“ wird dem interessierten Leser der Gedichtband ,,Der leise Suchton des kreisenden Vogels“ des dichtenden, 1943 in Hermannstadt geborenen und heute in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Deutschlehrers Dietfried Zink vorgestellt, der in dieser Zeit schlimmster Krisen im verdienstvollen Pop Verlag Ludwigsburg, in der Reihe Lyrik seine durch „Schreiben konstituierte Identität“ (als Band 182, 1. Auflage 2023) herausgegeben hat.Weiterlesen

Ich fall auf die Welt

Laudatio auf Christian T. Klein zur Verleihung des Rolf-Bossert-Gedächtnispreises 2023

Ausgabe Nr. 2821

Christian T. Klein (rechts) und Dr. Enikő Dácz, stellvertretende Direktorin des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Ludwig Maximilians Universität München, bei der Aufnahme eines Podcasts in der Deutschen ,,Alexander Tietz“-Bibliothek in Reschitza.
Foto: Beatrice UNGAR

Es gibt Zufälle, die wie Fügungen anmuten. Am 14. März 2023 las ich zwei Nachrichten kurz hintereinander: Der rumäniendeutsche Schriftsteller Richard Wagner war gestorben. Und Christian T. Klein aus Siebenbürgen wurde als vierter Preisträger zur Erinnerung an den rumäniendeutschen Dichter Rolf Bossert bekanntgegeben. Dies geschah unabhängig voneinander, natürlich tat es das. Und doch existiert eine Klammer, die die Ereignisse verbindet. Weiterlesen

Ein eindringlicher Abend

Christel Ungar las im Forschungsinstitut in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2820

Sie bestritten den Literaturabend (v. l. n. r.): Dr. Andreea Dumitru-Iacob, Christel Ungar, Beatrice Ungar und Dr. Rudolf Gräf.
Foto: Ioana VEȘTEMEAN

Das Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt war am Freitag, den 9. Juni, Gastgeber eines Literaturabends mit Christel Ungar,  bekannt durch die deutsche Sendung „AKZENTE“ im Rumänischen Fernsehen. Die sehr atmosphärische Bibliothek des Instituts, vor Jahresfrist Gastgeber einer Lesung des Pfarrers und Schriftstellers Eginald Schlattner, war eine gute Wahl, um die vier Gedichtbände der facettenreichen Hermannstädter TV-Moderatorin und Dichterin Christel Ungar vorzustellen. Weiterlesen

Erstmals mit Abstecher nach Temeswar

Streiflichter von der 33. Auflage der Reschitzaer Deutschen Literaturtage

Ausgabe Nr. 2818

Gruppenbild mit dem Initiator und Organisator Erwin Josef Țigla (rechts außen) und (fast) allen Teilnehmenden vor dem Eingang der Deutschen ,,Alexander Tietz“-Bibliothek in Reschitza.                             Foto: Beatrice UNGAR

Von den in Reschitza vorgestellten Büchern kann man ein Jahr zehren: Mit einer ganzen Fuhre im Gepäck reisten die Teilnehmenden auch von den 33. Deutschen Literaturtagen in Reschitza ab. Sie hatten vom 4. bis 7. August vier Tage geballtes Schrifttum aller Art erlebt, aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Lyrik, Prosa, Erinnerungsliteratur und vieles mehr. Auch wenn man jedem der vier Tage einen eigenen Bericht widmen würde, man könnte der Sache nicht gerecht werden. Deshalb bieten wir im Folgenden Streiflichter von der Veranstaltung, von der ab dem 15. Juni d. J. eine Videoaufzeichnung auf der Facebook-Seite des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen zu sehen ist, das unter der Federführung von Erwin Josef-Țigla gemeinsam mit dem Kultur- und Erwachsenenbildungsverein  „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” diesen erbaulichen Literatur-Marathon organisiert hatte.Weiterlesen

Rolf Bossert-Gedächtnispreis 2023

Ausgabe Nr. 2816

Im Rahmen der 33. Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza (4.-7. Mai d. J.) wurde nun schon zum vierten Mal der Rolf Bossert-Gedächtnispreis verliehen. Der Preisträger 2023 ist der Autor Christian T. Klein. Die Laudatio stammte aus der Feder der Preisträgerin von 2021, Britta Lübbers. In einer unserer nächsten Ausgaben werden wir ausführlich über die Deutschen Literaturtage berichten. Unser Bild (v. l. n. r.): der Preisinitiator Hellmut Seiler, Christian T. Klein und Erwin Josef Țigla, Initiator und Hauptorganisator der Deutschen Literaturtage in Reschitza.                              

Foto: Beatrice UNGAR

 

Die innere Heimat entdecken

Ilse Hehn und ihr neuestes Buch ,,Diese Tage ohne Datum“

Ausgabe Nr. 2813

Ilse Hehn bei ihrer Lesung am 18. Mai 2013 aus dem Band ,,Irrlichter. Kopfpolizei Securitate. Gedichte, Notate, Collagen, Malerei/Lumini înşelătoare. Poliţia minții Securitatea“ (Gerhard Hess Verlag Ulm, 2013) im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt.                              Foto: HZ-Archiv

Dieses Sich-aus-dem-Staube-Machen, wie Mücken überfällt es mich manchmal. Entscheidungen aus dem Augenblick heraus. Ich reiße die Außenhaut der Tage auf, sage „Die Welt ist, und sie ist bunt und fassbar“, sage wie Gentleman Phileas Fogg zu Passepartout „In zehn Minuten reisen wir ab!“

Mit Bezug zu den Versen ,,Man müßte sich aus dem Staube machen/Und früh am Morgen unbekannt verreisen“ aus Mascha Kalékos  Gedicht ,,Einmal sollte man…“ beginnt Ilse Hehn in ihrem neuen Buch, ,,Diese Tage ohne Datum“ das Kapitel über eine Reise nach Samos, die sich einreiht in die vielen Reisen in alle Himmelsrichtungen. Es ist ein poetisches Reisetagebuch, wobei das Wort poetisch ganz groß geschrieben werden muss. Denn gleichgültig, wo sich die wissbegierige und gleichzeitig sehr kenntnisreiche Autorin aufhält, geht es ihr darum, wie Ulrich Steenberg in einem Vorwort schreibt, in Landschaften, Kultur, dem unterschiedlichen südlichen oder nördlichen Licht eine innere Heimat zu entdecken.Weiterlesen

Wenn das Land nicht mehr dasselbe ist

 Zum 75. Todestag der Autorin Maria Lazar / Von Konrad WELLMANN

Ausgabe Nr. 2812

Oskar Kokoschka: Dame mit Papagei. Öl auf Leinwand, 1916

Maria Lazar (1895-1948), heute nur wenigen bekannt, war keine Ungarin oder Rumänin, wie ihr Name vermuten ließe, sondern eine österreichisch-jüdische Schriftstellerin und Übersetzerin, deren Bücher seit einigen Jahren in Österreich wiederentdeckt und vom Literaturwissenschaftler Johann Sonnleitner im Wiener DVB-Verlag (= Das vergessene Buch) publiziert und ausführlich kommentiert wurden. Maria Lazar wurde als jüngstes von acht Kindern einer wohlhabenden jüdischen Familie 1895 in Wien geboren. Ihr Vater stirbt, als sie 13 Jahre alt ist; zu ihrer Mutter hat sie ein recht gutes Verhältnis, anders als sie es in ihrem Debütroman darstellen wird. Weiterlesen