Die Schreibmaschine als roter Faden

Streiflichter von der 29. Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza

Ausgabe Nr. 2621

 

Edith Ottschofski, Horst Samson und Traian Pop (v. l. n. r.)
Foto: Privat

Wer drei volle Tage mit Lesungen, Buchvorstellungen, einer Vernissage und einem Theaterstück erleben darf, sucht beim Berichten natürlich nach dem sprichwörtlichen roten Faden… Diesen stellte bei den 29. Deutschen Literaturtagen in Reschitza die gute alte Schreibmaschine dar. Der in Reps geborene und heute in Backnang lebende Schriftsteller Hellmut Seiler erzählte, wie er – wie vor 1990 alle Besitzer einer Schreibmaschine – mit seiner Schreibmaschine zur Miliz wandern und eine Schriftprobe abtippen musste, wie er dann seine neue Schreibmaschine in der freien Welt in Deutschland kurz nach dem Ankauf in den Sondermüll wandern ließ… Sein Gedicht „Die Schreibmaschine“ bezeichnet er als „Undinggedicht“…. In der als „collagierte Reminiszenz“  inszenierten Erzählung „Hades“ von Joachim Wittstock, ließ die Spielleiterin Carmen Elisabeth Puchianu im Prolog Maschinengeknatter ertönen und die Grande Dame der rumänischen Gegenwartsliteratur Nora Iuga las ein in deutscher Sprache verfasstes Gedicht, auf der Schreibmaschine geschrieben. Sie schreibe immer noch so, verriet sie den zahlreichen Gästen.Weiterlesen

Unentwegt mit der Welt gehadert

Der Schriftsteller Dieter Schlesak ist tot

Ausgabe Nr. 2619

Dieter Schlesak hat diese Welt, die er so geliebt und deswegen unentwegt mit ihr gehadert hat, am 29. März 2019 verlassen. Uns bleibt nur, sein Werk weiterhin zu begleiten und zu verbreiten. Es ist eine Herkules-Aufgabe, aber wir finden sie zwingend notwendig, da er nicht nur vieles hinterlassen, sondern uns Zeit seines Lebens so viel Lesens- und Bedenkenswertes geschenkt hat: „Vaterlandstage“, „Capesius, der Auschwitzapotheker“ und „TranssylWAHNien“, um nur drei seiner besten Romane zu nennen, sowie unzählige Gedichte und Essays (die von uns geplante Werkausgabe wird mehr als 23 Bände haben).Weiterlesen

Hunderttausendfache Begeisterung für das Buch

286.000 Besucher und 3.400 Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse 2019

Ausgabe Nr. 2618

Die diesjährige Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24.März konnte einen neuen Besucherrekord melden.  
Foto: Roland BARWINSKY

Hunderttausendfache Begeisterung für das Buch, spannende Autorenlesungen und Podiumsgespräche und nicht zuletzt das 15. Jubiläum des Pop-Verlages, eines feinen Nischenanbieters konnte man auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse erleben. Besonders hervorzuheben ist im Zusammenhang mit der rumänischen Literatur, dass gleich zwei Übersetzungen von Werken rumänischer Autoren – Liviu Rebreanus Roman Wald der Gehenkten“ (Pădurea spânzuraților) in der Neuübersetzung von Georg Aescht und Gabriela Adameșteanus Verlorener Morgen“ (O dimineață pierdută) in der deutschen Fassung von Eva Ruth Wemme für den Übersetzerpreis nominiert worden waren.Weiterlesen

Lesung mit Fabini und Wittstock

Drei Neuerscheinungen wurden in der Erasmus-Buchhandlung vorgestellt

Ausgabe Nr. 2617

Gleich drei Neuerscheinungen standen im Mittelpunkt einer Lesung, die der Architekt Hermann Fabini und der Schriftsteller Joachim Wittstock am 11. März im Terrassensaal des Friedrich Teutsch-Kultur- und Begegnungszentrums bestritten haben. Unser Bild: Hermann Fabini (links) und Joachim Wittstock bei der Autogrammstunde.                                                                 Foto: Fred NUSS

Der Architekt Hermann Fabini und der Schriftsteller Joachim Wittstock haben am vergangenem Montag drei Bücher im Erasmus-Büchercafé vorgestellt. Moderiert wurde das Treffen von der Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung, Beatrice Ungar. Weiterlesen

Sie passte in keine Schublade

Gedanken zu einem Filmportrait der Dichterin Nina Cassian

Ausgabe Nr. 2616

Nina Cassian (1924-2014).                                           
Foto: mediafax.ro

Wo beginnt und wo endet das Leben einer Dichterin? Beginnt es mit ihrem ersten Gedicht, endet es mit ihrem letzten Vers? Beginnt es mit dem ersten Atemzug, mit dem ersten reflektierenden Blick auf die Welt, auf sich selbst? Endet es mit dem letzten Schnörkel, den der Bleistift auf das Papier schreibt, mit dem letzten Punkt, mit der letzten Metapher?

Diese Fragen drängten sich mir auf nach der am Samstag im Gong-Theater erfolgten Vorstellung des ausgezeichneten Dokumentarstreifens „Distanța dintre mine și mine“ (Die Entfernung zwischen mir und mir) von Mona Nicoară (Regie) und Dana Bunescu (Schnitt), der ein Portrait der Autorin Nina Cassian (1924-2014) zeichnet, die sich schwer einordnen lässt.Weiterlesen

Lesenswert

Deutsches Jahrbuch für Rumänien 2019

Ausgabe Nr. 2615

 

Ein Bild vom Deckendekor in der Zeidner evangelischen Kirche ziert den Umschlag des von der ADZ im Auftrag des DFDR herausgegebenen Deutschen Jahrbuch für Rumänien 2019. In seinem Grußwort stellt der DFDR-Vorsitzende Paul-Jürgen Porr fest: „2018 hatten wir in Rumänien ein sehr schlechtes Jahr“. Weiterlesen

Schreiben als Virtuosität

Hommage zum 120. Geburtstag von Erwin Wittstock

Ausgabe Nr. 2614

 

Erwin Wittstock

Eine Hommage an Erwin Wittstock (geb. am 25. Februar 1899, Hermannstadt) erinnert den Laien und Lehrling der Schriftkunst mit tiefer Melancholie an den Untergang der siebenbürgischen Bildungsmittelschicht und an die Erkenntnis, dass die Wurzeln unserer Identität als Volk tief in der Erde ihre Nahrung zu suchen haben. In großem Schaffensdrang und in Tuchfühlung mit allen gesellschaftlichen Ereignissen und Persönlichkeiten seiner Zeit, verstarb der Autor der Romane „Bruder, nimm die Brüder mit“ (1933), „Die Freundschaft von der Kokelburg“ (1935), „…Abends Gäste…“ (1938) oder des bekannten „Das jüngste Gericht in Altbirk“ (1971, aus dem Nachlass) sowie des umfangreichsten „Januar ’45 oder Die höhere Pflicht“ (ebenfalls aus dem Nachlass, 1998), umgeben von Schreibprojekten und unvollendeten Werken, 1962 in Kronstadt, aufgrund einer längeren Krankheit.Weiterlesen

100 Schicksale im rumänischen Jahrhundert

Emil Sigerus zum 165. Geburtstag gewidmete Veranstaltung im Freilichtmuseum

Ausgabe Nr. 2613

Der Generaldirektor des ASTRA-Museums Ciprian Anghel Ștefan, die Klausenburger Journalistin und Autorin Ruxandra Hurezean, der Architekt Klaus Birthler, die Hochschullehrerin Liana Regina Iunesch, die Museografin Simona Malearov und Alexandra Pascu, Mitarbeiterin der Michael Schmidt-Stiftung (v. l. n. r.).                                
Foto: Fred NUSS

Den Geburtstag des Volkskundlers Emil Sigerus (1854-1947) nahm am Dienstag, den 19. Februar, das Emil Sigerus-Museum für siebenbürgisch-sächsische Volkskunde, eine Abteilung des ASTRA-Museums, zum Anlass, um gemeinsam mit Vertretern der Michael Schmidt-Stiftung deren Projekt Die deutsche Minderheit: 100 Schicksale im rumänischen Jahrhundert“. vorzustellen. Zufall oder nicht, genau an diesem Tag hatte auch der derzeitige Generaldirektor des ASTRA-Museums, Ciprian Anghel Ștefan, Geburtstag. Weiterlesen