Viermal Literatur aus Osteuropa

Im Literaturforum im Brechthaus in Berlin Mitte

Ausgabe Nr. 2749

Michaela Nowotnick (links) und Iris Wolff. Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

Im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin haben drei Autorinnen und ein Autor am 27. und am 28. Oktober d. J. aus ihren neuesten Büchern gelesen und Gespräche führen. Die Veranstaltung trägt den Titel „Voicing the East“, was soviel bedeutet wie ,,dem Osten eine Stimme verleihen“. Es geht laut Veranstaltern um ,,Deutsche Literatur aus Osteuropa oder osteuropäische Literatur aus Deutschland oder doch ganz anders?“. Auf dem Podium wird diskutiert und gelesen und Bertolt Brecht, der im Hintergrund auf einem übergroßen Foto an der Wand zu sehen ist, hört zu.

Vier Schriftsteller, die sich und ihre Literatur vorstellen, wurden hinter dem Eisernen Vorhang geboren, haben Osteuropa den Rücken gekehrt und schreiben in ihrer neu erworbenen oder vertieften deutschen Sprache im Westen Europas, in der Schweiz und in Deutschland. So wird das ,,ganz anders“ im Titel  der Veranstaltung verständlich. Dana Grigorcea, Alexandru Bulucz und Iris Wolff haben Rumänien den Rücken gekehrt und Marica Bodrozic dem ehemaligen Jugoslawien.Weiterlesen

Andreas Gryphius-Preis 2020

Ausgabe Nr. 2749

Der Schriftsteller und Verleger Traian Pop wurde von der Künstlergilde Esslingen mit dem renommierten, nach dem schlesischen Dichter Andreas Gryphius benannten Literaturpreis für das Jahr 2020 gewürdigt. Die Verleihung fand am 19. November d. J. im Gerhart Hauptmann-Haus in Düsseldorf statt. Der 1952 in Kronstadt geborene Pop lebt seit 1989 in der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war Pop, der u. a. am Deutschen Staatstheater Temeswar tätig war, verschiedentlich mit dem Ceaușescu-Regime in Konflikt geraten. Traian Pop hat mehrere Lyrik- und Prosabände in rumänischer und deutscher Sprache vorgelegt. Er erhielt bereits mehrfach Auszeichnungen für sein Werk, darunter den Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes (2002). Seit 2003 hat er sich auch als Verleger verdient gemacht. Sein in Ludwigsburg beheimateter Pop-Verlag gibt Büchern zu Ostmitteleuropa ein brillantes Forum; auch erscheinen hier zwei Literaturzeitschriften vierteljährlich, ,,Matrix“ und ,,Bawülon“. In über 500 Verlags-Titeln veröffentlichten im Pop-Verlag bisher über 2000 Autoren.

Die Laudatio auf Traian Pop hielt der in Siebenbürgen geborene Literat und Journalist Georg Aescht.

Unser Bild: Traian Pop (links) und Anton Sterbling stellten bei den diesjährigen 31. Deutschen Literaturtagen in Reschitza einige Neuerscheinungen vor.            Foto: Beatrice UNGAR

Ein trauriges Lied für zwei Stimmen

Zum zweisprachigen Gedichtband von Dagmar Dusil und Ioana Ieronim

Ausgabe Nr. 2746

Dagmar Dusil/Ioana Ieronim. Beleuchtete Busse in denen keiner saß/Şi trec autobuze goale. Gedichte. Reihe Lyrik Bd. 164, Pop-Verlag Ludwigsburg, 2021, 124  Seiten,  ISBN 978-3-86356-339-4.

Das Jahr 2021 ist eine Verlängerung des Jahres 2020. Zuweilen ersetzt 2021 das Jahr 2020. Das Jahr 2021 atmet scheu für das Jahr 2020. Diese Anomalien hinterlassen Spuren. Sie haben uns alle gezwungen, in den Spiegel der Einsamkeit, der Zerbrechlichkeit unseres Wesen zu blicken. Sie haben uns gezeigt, dass die Welt, wie sie gedacht und erfasst wurde, sich verändern kann. Uns ohne Vorwarnung verändern kann. Die fragilisierendsten Gefühle wie Einsamkeit, Angst, Unsicherheit, Perspektivlosigkeit, können auf dem gesamten Globus aktiviert werden. Gleichzeitig und mit der gleichen Intensität, ohne Rücksicht auf soziale Kategorien. Die Seele des Menschen leidet. Sein Seufzen ertönt in unterschiedlichen Tonarten, verschiedenen Lautstärken und Umgebungen, während der gesamten Dauer der Pandemie. Ein Echo dieses langhingezogenen Seufzers ist auch der zweisprachige Gedichtband der Autorinnen Dagmar Dusil und Ioana Ieronim, „Beleuchtete Busse in denen keiner saß/Şi trec autobuzele goale”, der mit Scherenschnitten von Gerhild Wächter illustriert und mit einem Nachwort von Emil Hurezeanu versehen in diesem Jahr im Pop-Verlag  Ludwigburg erschienen ist.Weiterlesen

Für Freunde der leichten Muse

Neues Buch von Heinrich Heini Höchsmann

Ausgabe Nr. 2745

Heinrich Heini Höchsmann (links) und Dr. Kurt Thomas Ziegler bei der Vorstellung des Buches bei den 31. Deutschen Literaturtagen in Reschitza.                                                      Foto: Beatrice UNGAR

Darf man vorstellen? Hier kommt das neueste Buch von Heinrich Heini (die namentliche Ähnlichkeit mit einem berühmten Dichter ist natürlich rein zufällig), welches er „Das kleine ABS der Scherzdichtung“ genannt hat, wobei A für Anekdoten, B für Bonmots und S für Satiren steht. Wie der Titel verspricht, enthält es lustige Sprüche, witzige Gedanken und natürlich – wie es sich für eine richtige Satire gehört – Spottgedichte über die Mächtigen und Prominenten.Weiterlesen

Pfeffer und Salz in der Dichtung

Gedanken zum neuen Gedichtband von Edith Ottschofski

Ausgabe Nr. 2742

Edith Ottschofski (links) und Nora Iuga stellten den Gedichtband am 27. August d. J. bei der 31.Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza vor.                                                                          Foto: Beatrice UNGAR

Der neue Gedichtband, den Edith Ottschofski unter dem Titel ,,Clipe. Augenblicke. Clins d’oeil“, diesmal dreisprachig (Rumänisch, Deutsch, Französisch) im Verlag Casa de pariuri literare in Bukarest veröffentlicht hat, ist für mich eine wahrhaftige Überraschung. Die französische Fassung unterzeichnet Alain Jadot, die rumänische Nora Iuga.

Obwohl die Gedichte, was deren Auffassung und Sprache anbelangt, von Kopf bis Fuß dem Minimalismus treu bleiben, einer Strömung, die schon seit über einem Jahrzehnt die Bühne der Poesie in Besitz genommen hat, wirkt der neue Band ,,Clipe. Augenblicke. Clins d’oeil“  auf den Leser äußerst originell, da die Personen, die im Buch auftauchen, durch die Fremdsprachen, in denen sie vorgestellt werden, visuell und auditiv neue Valenzen erhalten. Weiterlesen

Erbaulicher Literatur-Marathon

Streiflichter von den 31. Deutschen Literaturtagen in Reschitza

Ausgabe Nr. 2738

 

Britta Lübbers (links), die Preisträgerin 2021 des ,,Rolf Bossert“-Gedächtnispreises, und ihr Laudator Anton Sterbling.          Foto: die Verfasserin

Von den in Reschitza vorgestellten Büchern kann man ein Jahr zehren: Mit einer ganzen Fuhre im Gepäck reisten die Teilnehmenden von den 31. Deutschen Literaturtagen in Reschitza ab. Sie hatten vom 26. bis 29. August vier Tage geballtes Schrifttum aller Art erlebt, aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Lyrik, Prosa, Erinnerungsliteratur und vieles mehr. Auch wenn man jedem der vier Tage einen eigenen Bericht widmen würde, man könnte der Sache nicht gerecht werden. Deshalb bieten wir im Folgenden Streiflichter von der Veranstaltung, von der ab dem 25. September d. J. eine Videoaufzeichnung auf der Facebook-Seite des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen zu sehen ist, das unter der Federführung von Erwin Josef-Țigla gemeinsam mit dem Kultur- und Erwachsenenbildungsverein  „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” diesen erbaulichen Literatur-Marathon organisiert hatte.Weiterlesen

Literaturtage in Reschitza

Ausgabe Nr. 2737

Die 31. Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza hat vom 26. bis 29. August in der Deutschen ,,Alexander Tietz“-Bibliothek in Reschitza stattgefunden. Einen Höhepunkt der von dem Kultur- und Erwachsenenbildungsverein ,,Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ organisierten Veranstaltung bildete die Verleihung des ,,Rolf Bossert“-Gedächtnispreises für die Jahre 2020 und 2021. 2020 kürte die Jury Alexander Estis (Schweiz) und 2021 Britta Lübbers (Deutschland). Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe. Unser Bild: Alexander Estis empfängt Urkunde und Pokal von der Grande Dame der rumänischen Poesie Nora Iuga, seiner Laudatorin, die auch 2020 Vorsitzende der Jury gewesen ist.                                              Foto: Beatrice UNGAR

 

Jede Seite fasziniert

Ausgabe Nr. 2734

,,Hipodrom“ heißt der neue Roman von Nora Iuga

Eine Sternstunde für die Schriftstellerin Nora Iuga (links) war die Übergabe des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch den damaligen Deutschen Botschafter Werner Hans Lauk am 30. September 2015 in Bukarest. Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

,,Hipodrom“, ein Buch von Nora Iuga, in rumänischer Sprache verfasst, beinhaltet das Leben des damaligen Kindes in der Zwischenkriegszeit, sowie Erlebnisse als Deutschlehrerin an Hermannstädter Schulen mit deutscher Unterrichtssprache in der Zeit der kommunistischen Diktatur.

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Unvorstellbare Ungerechtigkeit

Ausgabe Nr. 2725

,,DDR-Frauen nach der Wende“: Ein neues Buch von Monika Herrmann

Herrmann, Monika: DDR-Frauen nach der Wende: Im mutigen Einsatz für die Rechte von Frauen und für bessere Lebensverhältnisse, BoD Norderstedt 2020, 104 Seiten, ISBN-13: 9783750495517.

 

Das Buch „DDR-Frauen nach der Wende“ der deutschen Schriftstellerin und Wissenschaftlerin Monika Herrmann verschafft uns einen Einblick in die 1990er Jahren nach der politischen Wende und Wiedervereinigung, und zwar aus der Sicht von Frauen aus Ostdeutschland.

 

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„Ich liebe unendlich Gesellschaft…“

Kurzporträts der Rahel Varnhagen und der Franziska zu Reventlow (Teil I)

Ausgabe Nr. 2722

Rahel von Varnhagen (1771-1833)

Zwei literarisch und gesellschaftlich einflussreiche Frauen ihrer Zeit, die – im  Abstand von hundert Jahren –  fast auf den Tag genau – in Deutschland geboren wurden, verdienen es, der Vergessenheit entrissen zu werden. In ihrem jeweiligen Wirkungskreis traten sie aktiv für die Emanzipation der Frau ein, indem sie gegen die Rollenmuster rebellierten, die ihre Familien für sie vorgesehen hatten. Beide mussten viele Schwierigkeiten überwinden, stießen dabei auch auf Ablehnung, erwarben sich aber nicht nur Respekt, sondern auch Bewunderung und Beliebtheit. Der Beitrag in der aktuellen HZ-Ausgabe ist Rahel von Varnhagen, geb. Levin    gewidmet, in der nächsten Ausgabe wird Franziska von Reventlow gedacht.Weiterlesen

,,Mit Herz und Seele“

Gedenkveranstaltung zum 35. Todestag von Rolf Bossert

Ausgabe Nr. 2710

Einen Sonderbriefumschlag und einen Sonderstempel zum 35. Todestag des Dichters Rolf Bossert hat der Verein Echo der Deutschen Vortragsreihe Reschitza herausgebracht.

,,Dies ist keine Feierlichkeit, es ist ein Gedenken, eine Würdigung und eine Achtungsbezeugung für einen Freund und einen unserer Besten von der Aktionsgruppe Banat“, sagte der per Skype zugeschaltete Autor Hellmut Seiler bei der Veranstaltung zum 35. Todestag des Dichters Rolf Bossert, die von dem Verein Echo der Deutschen Vortragsreihe Reschitza und dem Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen am 16. Februar online stattgefunden hat.Weiterlesen

Eine Geschichte von Liebe und Flucht

Der Roman ,,Einer, der Hans hieß“ von Dietfried Zink

Ausgabe Nr. 2708

 

Sucht man im Zusammenhang mit der Deportation unserer Landsleute nach Russland, im Januar 1945, nach schöngeistigen Darstellungen des Leidens und der Schrecken der Verschleppung zur Zwangsarbeit, so entdeckt man wohl kein anderes, welches das zwischenmenschlichen Geschehen und die Verwandlung des inneren Lebens der von der Deportation Betroffenen so überraschend thematisiert wie der Roman ,,Einer, der Hans hieß“ von Dietfried Zink. Und wohl keines, das so intensiv die Macht ihres inneren Lebens schildert, welches zunächst seinen Ausgang und darauf eine bedeutsame Erweiterung nimmt aus der Wechselwirkung von Zwecken und Trieben und ebenso von Vereinigung und Trennung  –  von Herausforderungen und von Handlungen somit, die die eigenen seelischen Zustände oder die des anderen beeinflussen. Weiterlesen

Vier Frauen, vier Lebenswege

Eine rumänisch-deutsche Familiengeschichte

Ausgabe Nr. 2705

Yvonne Hergane (links) bei ihrer ersten Teilnahme an den ,,Reschitzaer Deutschen Literaturtagen“ im Jahr 2019, mit der Temeswarer Autorin Edith Guip-Cobilanschi (rechts). Foto: Beatrice UNGAR

Edith, Marita, Ellie und Hanne sind vier Mütter, deren Lebensbögen sich über 120 Jahre spannen. Über vier Generationen hinweg verfolgt Yvonne Hergane in ihrem Debütroman „Die Chamäleondamen“, der Ende vergangenen Jahres im MaroVerlag in Deutschland erschienen ist, eine banatdeutsche Familiengeschichte, die in Reschitza beginnt und in Hamburg endet.Weiterlesen