„Bildung kann man dir nicht nehmen“

Ausgabe Nr. 2398
 >

Großzügige Sachspende der Michael Schmidt-Stiftung zum Schulbeginn

 

65.000 Schülerinnen und Schüler gehen seit Montag im Kreis Hermannstadt wieder zur Schule. Während ca. 8.000 Erst- und Zweitklässler auf ihre Lehrbücher noch warten müssen, dürfen sich die Kinder freuen, die an einer der 19 Schulen mit deutschen Abteilungen die Vorbereitungsklassen besuchen. Die Michael Schmidt-Stiftung und die Bayerische Staatsregierung schenkten diesen entsprechende Lehrmittel.Weiterlesen

„Jedes Töpfchen find‘ sein Deckelchen“

Ausgabe Nr. 2397
 >

Streiflichter vom 48. Töpfermarkt auf dem Großen Ring in Hermannstadt

 

Jedes Töpfchen find' sein Deckelchen". Mit diesem Vers begann der Refrain eines Liedes, das Lieselotte Pulver seinerzeit  im Spielfilm Kohlhiesels Töchter" zum Hit gemacht hat und das auch heute noch bei Karnevalsfesten in Deutschland zum Standardrepertoire gehört. Wäre dies Lied nicht schon in dem 1962 gedrehten Film gesungen worden, es hätte der Hit des seit 1968 stattfindenden Töpfermarktes in Hermannstadt sein können.

 

Töpfer aus allen Regionen Rumäniens hatten am vergangenen Wochenende ihre Meisterwerke im Rahmen des 48. Töpfermarktes auf dem Großen Ring zur Ansicht oder zum Verkauf gebracht.

Auf einem seit langem nicht mehr so ruhigen Großen Ring konnte man am Wochenende eigentlich alles finden, was aus Ton gefertigt werden kann. Man fand also wirklich für jedes Töpfchen ein Deckelchen.

Viele fragen sich jetzt wieso gerade Hermannstadt? Was hat die Stadt mit der Töpferei zu tun?

Als schon im späten Mittelalter etabliertes Handelszentrum, ist Hermannstadt über die Jahrhunderte hinweg ein interessanter Absatzmarkt für Händler, Handwerker und Manufakturen aller Art gewesen. Die unterschiedlichen Zünfte sind auch heutzutage noch wohl bekannt, vor allem da viele der Straßen in der Altstadt ihre Namen tragen und dadurch Zeugen der Geschichte bleiben.

Eine der ersten Zünfte der Stadt, erstmals im Jahr 1376 urkundlich erwähnt, die einen besonderen Einfluss auf die damalige Gesellschaft ausübte, war diejenige der Töpfer. Dokumente aus den Jahren 1376, 1539 und 1776 aus dem Hermannstädter Archiv zeugen von Anfang und Verlauf der Töpfergeschichte. Zahlreiche Kacheln fanden ihren Platz nach dem 18. Jahrhundert in den wichtigsten Museen Rumäniens und im Ausland. 252 Töpfer lebten damals allein in der Umgebung von Hermannstadt und hatten zu Gast eine große Anzahl von Töpfergesellen aus dem Ausland, die drei bis vier Jahre lang das Handwerk erlernen und ausüben durften. Dokumente weisen die Existenz des Töpfermarktes  auf der Wiesengasse (rum. Tipografilor) bis Ende des 19. Jahrhunderts nach.

Horst Klusch, unter dessen Koordination im Jahr 1968 der erste Töpfermarkt in Hermannstadt  mit 25 ausstellenden Hafnern organisiert wurde, schreibt im Artikel „Der Töpfermarkt in Hermanstadt – zwischen Tradition und Moderne" in der ersten Ausgabe des Ziarul Olarilor (Töpferzeitung), dass zu Ende des 19. Jahrhunderts die Hermannstädter Zunft der Töpfer über 200 Mitglieder zählte. Schon bei der ersten Auflage des „modernen“ Töpfermarktes im Jahr 1968 wurde die Organisierung dieser Veranstaltung dem Zentrum für Konservierung und Förderung der Traditionellen Kultur, Cindrelul –  Junii Sibiului, überlassen, das in Partnerschaft mit dem Astra-Museum bedeutungsvolle Änderungen für die Veranstaltung einführten. So ist es auch dazu gekommen, dass heutzutage der Töpfermarkt auf dem Großen Ring gehalten wird.

Auch dieses Jahr konnte man einige Stunden in der bunten und beruhigenden Welt der Keramik und des Lehms verstreichen lassen.  Nur die Vogelwasserpfeifen, die die Ruhe des Wochenendes unterbrachen, erinnerten noch an den Alltag auf dem Großen Ring, welcher bei anderen Events bei weitem nicht so ruhig ist.

Ein Töpfer führte seine Kunst an der Töpferscheibe Live vor, und in kurzer Zeit sammelten sich mehrere Interessierte im Kreis rund um ihn herum.

Vasile Rătezeanu aus Găleșoaia, Kreis Gorj, bewegte langsam seinen Fuss auf dem Töpferrad und formte sorgfältig eine Vase, die immer genauere Konturen annahm. Damit die Zuschauer genau sehen, wie alles geht und damit ein bisschen Spannung in der Luft schwebt, drückte er den Lehm ein und die Vase wurde im Nu zu einem kreisenden Lehmball. Man hörte jetzt ein „Oooohhh” aus der Menschenmenge. Doch Rătezeanu lachte und fing an, die Vase wieder zu gestalten.

An den vielen Ständen konnte man u. a. traditionelle Kachelöfen von Teracota Mediasch, lustige Glöckchen und coole Tassen von Tonal, bunt bemalte Schmuckkästchen von Pall Lajos aus Korond, Schmuckzeug, Willkommen-Tontafeln und vieles vieles mehr bewundern und kaufen.

Man konnte einfach Stunden in der Spirale des Tons verbringen, ohne zu bemerken, dass eine Minute vorbeigegangen ist. Man konnte Ungarisch, Deutsch und Rumänisch sprechen hören und sich im nachhinein noch träumend vorstellen, wie es vor Jahrzehnten auf dem Markt auf dem Grossen Ring gewesen sein muss.

Ein Höhepunkt war die Vorstellung der ersten Töpferzeitungim Schatzkästlein, zu der die die Töpferfamilie Sitar aus der Maramuresch mit einer Töpfereiausstellung eingeladen war.

Die Ausstellung, kuratiert von Karla Roșca, verzauberte die Anwesenden mit Keramik aus Baia Mare, Keisd (Saschiz), Vama, Negrești und Bârgău, handgefertigt in der Werkstatt der Familie Sitar. Interviews der Familie Sitar und die Geschichte der ausgestellten Keramik konnte man abgebildet an den Wänden der Kunstgalerie lesen.

Die erste Töpferzeitung wurde unter der Federführung von Karla Roșca und Horst Klusch herausgegeben und soll ein „für Töpfer, über Töpfer und von Töpfern”  geschriebenes Blatt sein. Man kann Geschichten lesen von Menschen, die ihr Leben der Töpferei  gewidmet haben, die Geschichte der Töpferindustrie oder Neuigkeiten aus der Branche finden.

Leider konnte Horst Klusch aus Krankheitsgründen nicht dabei sein. Die Hauptakteure der Vernissage, Cornel Sitar, Angela Sitar,  Ioana Luca und Ilie Moise, haben aber ihr Bestes getan, damit sich die Gäste willkommen fühlen.

Angela Sitar hat zuletzt auch einen kleinen Kurs in Keramikmalerei gehalten, an dem sich auch die deutsche Konsulin Judith Urban beteiligte, und unter den neugierigen Blicken der Zuschauer, achtsam ihren Tonteller bemalte. 

                         Monika TOMPOS

 

Bei wunderschönem Wetter konnten die Besucher nach Lust und Laune auf dem Großen Ring die wie immer reichlich vorhandenen Töpferwaren aller Art betrachten und erstehen.                               Foto: Fred NUSS

Die deutsche Konsulin Judith Urban (links) lässt sich von der bekannten Töpfermeisterin Angela Sitar zeigen, wie man einen Teller bemalt.

Fotos: Fred NUSS

„Ein Buch über die Heimat”

Ausgabe Nr. 2397
 >

Projektpräsentation und Preisverleihung in Mediasch stattgefunden

 

„Heimat im Spiegel des demografischen Wandels” lautete das Thema des Wettbewerbs, zu dem Schüler deutscher und deutschsprachiger Schulen in Rumänien Projekte vorbereiteten. Fünf der Projekte wurden im Rahmen eines Seminars am vergangenen Wochenende in Mediasch vorgestellt und die besten drei ausgezeichnet. Insgesamt nahmen rund 60 Schüler teil. Parallel zum Schülerseminar gab es ein Seminar für Lehrer, bei dem u. a. Neuerungen in Sachen Deutsches Sprachdiplom besprochen wurden.

 

Betreut wurden die Schüler beim Seminar in Mediasch von den Lehrern Holger Hack aus Craiova, Hugo Alexander Frohn von der Brukenthalschule in Hermannstadt und Tilo Herberholz vom Lenaulyzeum in Temeswar. Eingeteilt waren die Schüler in verschiedene Arbeitsgruppen wie Kunst, Musik, Theater, Tanz, Foto, Film. Das Ergebnis ihrer Aktivitäten stellten sie am vergangenen Dienstagabend im Traubesaal vor. Danach folgte die Vorstellung von fünf der insgesamt 23 Projekte zum Thema „Heimat im Spiegel des demografischen Wandels”, die sie zu Hause vorbereitet hatten.

„Heimat kann die zartesten, aber auch schrecklichsten Gefühle hervorrufen. Jedes Mitglied unserer Projektgruppe kennt Menschen aus der eigenen Familie oder Bekanntenkreis, die Siebenbürgen verlassen haben, um in Deutschland zu leben”, schreiben die Schülerinnen des Johannes Honterus- Lyzeums in dem Vorwort der Broschüre „Heimat im Spiegel des demografischen Wandels”, deren Beitrag zum Wettbewerb. Um herauszufinden, was eigentlich Heimat ist, führten die Schülerinnen Interviews und zeigten somit Lebensgeschichten aus dem persönlichen Bekanntenkreis auf. Interviews führten sie mit Krista Binder, einer Hamrudenerin, die nicht ausgewandert ist, mit Rosina Wilhelm, die aber ausgewandert ist. Angegeben wird auch deren „Rezept gegen das Heimweh”, der „Tag und Nacht”-Kuchen. Interviewt wurde auch der Repser Pfarrer Siegmar Schmidt, laut Nachwort einer „der stolzen Sachsen, die Siebenbürgen nie verlassen würden, aber auch Letiția Pârcălăbescu, die in Deutschland studiert und auch Irina Spânu, die ihren Heimatort Budeniț  bei Czernowitz während des Zweiten Weltkrieges verlassen musste. Zwei der Schülerinnen stellten nun am vergangenen Samstagabend die Broschüre in Form eines Theaterstücks vor, wobei die eine Gestalt ein „Buch über die Heimat“ schreibt und dabei nicht weiß, wie sie Heimat definieren soll, und die andere ihr damit hilft, dass sie auf die Lebensgeschichten der verschiedenen interviewten Personen hinweist.

Ausgezeichnet wurden die besten Projekte vergangenen Mittwoch im Festsaal des Stephan Ludwig Roth-Lyzeum. Mit dem ersten Platz belohnt wurden die Schülerinnen Isabella Cîrlănaru, Monica Doris Dumac, Simina Lazăr, Ioana Surdu und Daria Ştefan vom  Johannes Honterus Lyzeum aus Kronstadt. Auf Platz zwei landeten die Schüler vom George Coșbuc-Lyzeums aus Klausenburg, die einen Film über ein verlassenes Dorf gedreht haben, auf Platz drei die zwei Schüler des Decebal-Lyzeums aus Deva, die zum Thema ein Computerspiel gemacht haben.

Organisiert wurden die zwei Parallelveranstaltungen von Dieter Jaeschke, Fachberater und Koordinator und für das deutsche Sprachdiplom in Bukarest, zusammen mit der Kollegin in Temeswar, Birgit Söldenwagner, und der Kollegin in Hermannstadt, Birgit van der Leeden.  Jeder der Fachberater ist übrigens für einen Bezirk zuständig. Die Fachberater werden von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen entsendet. „Zu dritt haben wir uns vor einigen Monaten überlegt, wie wir zu einem Pflichtthema im deutschen Sprachdiplom, das ist nämlich der Demographische Wandel, die Schüler und Schülerinnen auffordern kreativ zu arbeiten, weil der demografische Wandel ein sperriges Thema ist, mit dem sich junge Leute nicht so gern beschäftigen, sagte Jaeschke. „Wir haben gesagt, wenn man das in ein Wettbewerb, in dem man etwas kreativ produzieren soll einbindet, dann können vielleicht überraschende und kreative Produkte entstehen und man hat heute sicherlich gesehen, dass das tatsächlich der Fall ist. Ich bin persönlich sehr beeindruckt von den Leistungen, die von den jungen Leuten hier gezeigt worden sind.”

In den letzten Jahren soll es immer wieder mal Projekte gegeben haben, entweder der einzelnen Fachberater die sich auf deren Bezirk bezog oder im ganzen Land. Vor einem Jahr habe es ein ganz großes Projekt gegeben, nämlich „Donau verbindet”, das sogar mehrere Länder miteinbezogen. Die derzeitigen Fachberater sind seit einem Jahr hier in Rumänien und dieses war nun ihr erstes Gemeinschaftsprojekt.

Das Einführungsseminar für Lehrerinnen und Lehrer und die aus Deutschland nach Rumänien vermittelt werden soll jährlich in Mediasch organisiert werden. Die neuen Lehrerinnen und Lehrer in diesem Jahr sind nur drei. Außerdem nahmen allerdings noch etwa 30 Lehrkräfte die schon im Land sind teil. „Wir haben uns auf das  neue Schuljahr eingestellt. Wir haben zu den Neuerungen im Deutschen Sprachdiplom eine Fortbildung gemacht”, sagte Jaeschke. Außerdem habe es für die Lehrer einen Ausflug nach Malmkrog gegeben.

Außerdem nahmen am Schülerseminar noch die zehn neuen Kulturweit-Freiwilligen teil. Kulturweit ist ein Programm des Auswärtigen Amtes, durch das sich junge Leute zwischen 18 und 26 Jahren für eine deutsche kulturelle Einrichtung im Ausland engagieren können.

Die Projekte der Schüler zum Thema Heimat im Spiegel des demografischen Wandels können unter www.pasch-net.de nachgelesen werden.

                             Werner FINK

 

Fachberater Dieter Jaeschke und Gastlehrer Holger Hack zollten allen herzlichen Beifall.                                                                Fotos: der Verfasser

Daria Stefan (links) und Monica Dumac präsentierten das Siegerprojekt.

 

„Jetzt habe ich ein schönes Leben“

Ausgabe Nr. 2397
 >

Stiftung für verlassene Kinder feierte 20. Jubiläum

 

„Wir haben diese wunderschöne Kirche als Veranstaltungsort gewählt, um unseren Dank vor Gott zum Ausdruck zu bringen, der uns in all diesen Jahren beschützt und gesegnet hat", sagte Sonja Kunz, die derzeit die Gesamtleitung der Aktivitäten der Stiftung für verlassene Kinder (PECA) in Weidenbach inne hat. Die PECA-Stitung feierte am Samstag mit rund 300 Gästen von nah und fern ihr 20. Gründungsjubiläum in der Kirchenburg in Weidenbach.

 

Die zahlreichen Gäste, allen voran der Schweizer Botschafter Jean-Hubert Lebet, stellten unter Beweis: Der erste Vers des Gedichtes „Heimat" von Arnold Scherner, „Heimat, das sind die Menschen, die man kennt, die man Verwandte, Nachbarn und Freunde nennt" ist nicht nur ein geflügeltes Wort.

Die Stiftung versucht seit 20 Jahren verlassenen Kindern in Rumänien ein Zuhause zu bieten. Lidiana, die seit 18 Jahren in einem Haus der Stiftung lebt, brachte auf den Punkt, wie es Kindern geht, die in einem Kinderheim aufgewachsen sind. Eigentlich sollte sie sich in ihrer Ansprache Gedanken machen über das Stichwort „Zuhause". Sie sprach aber von Maria Gavriliu und Sonja Kunz, den beiden Gründerinnen der Stiftung, und darüber, was diese für ihr Leben und das Leben weiterer ca. 37 Kinder bedeuten. Auf die Frage „Wie ist es denn, in einem Kinderheim zu leben?" habe sie im Laufe der Zeit so oft antworten müssen, dass ihr dies irgendwann nichts mehr ausgemacht habe. Doch die Fragen, wie es denn wäre, wenn sie in ihrer biologischen Familie leben würde bzw. wie es wäre, in einer normalen Familie aufzuwachsen, beschäftigen die inzwischen 19-Jährige nach wie vor. Sie sei besonders dankbar, so „außerordentliche" Menschen wie Maria Gavriliu und Sonja Kunz von klein auf um sich gehabt zu haben, die für die Kinder eigentlich alles aufgegeben haben, um ihnen ein Zuhause zu bieten. Lidiana meinte: „Wenn mich Maria damals nicht aus der Klinik geholt hätte, hätte ich jetzt wohl schon drei Kinder und müsste von der Hand in den Mund leben. Aber Dank Maria und Sonja habe ich eine gute Schulbildung genossen und werde jetzt studieren." Im Namen aller Kinder dankte sie für alles: „Ihr habt unserem Leben einen neuen Sinn gegeben!"

Einer der sechs Thalassämie-Kranken, die von der Stiftung betreut werden, ergriff auch das Wort: „Ich heisse Florin und ich bin 16 Jahre alt, ich lebe hier, seit ich zwei Jahre alt bin. Ich habe eine Blutkrankheit und ich brauche viel Pflege.

Für mich ist es ein Vorteil, dass mich die Eltern verlassen haben. Erstens hatten sie mich nicht gewünscht und zweitens hatten sie keine Bedingungen für mich. Natürlich hätte ich  Vater und Mutter gewollt, aber die Eltern kann man sich nicht wählen und auch die Umstände kann man nicht auswählen. Jetzt habe ich ein schönes Leben und fühle mich im Casa Livezii wie in einer großen Familie und deshalb gefällt es mir nicht – und den andern Kindern auch nicht – wenn die Leute sagen: 'arme Kinder'. Ich möchte einfach, dass mich die Leute ganz normal wie die anderen Kinder sehen.  Ich glaube, dass ich andere Menschen gut verstehen kann, die auch etwas Schweres erlebt haben. Das ist auch etwas Gutes, was ich selber gelernt habe."

Diese beiden Wortmeldungen beeindruckten die Anwesenden beim offiziellen Teil des Festes in der Kirche, das musikalisch umrahmt wurde von dem Chor der Stfitung, dem Kronstädter Jugendbachchor und dessen Leiter, dem Organisten Steffen Schlandt. Grußworte sprachen der Schweizer Botschafter Jean-Hubert Lebet, der zuständige evangelische Pfarrer Uwe Seidner, sein orthodoxer Amtskollege Călin Comșa, Weidenbachs Bürgermeister Dorel Toma und der Generaldirektor der Sozialdirektion des Kreises Kronstadt, Gheorghe Durnă. Begrüßt wurden die Anwesenden auch von Carmen Cristureanu, welche die administrative Leitung der Stiftung übernommen hat. Moderatorin war Monika Dănilă, welche die pädagogische Leitung inne hat. Mit den beiden Letzgenannten haben Maria Gavriliu und Sonja Kunz laut Jubiläumsbroschüre „kompetente Nachfolgerinnen, die schrittweise die Leitungsfunktionen übernehmen und dadurch das Weiterbestehen der Stiftung gewährleisten."

Zu dem Jubiläum angereist war auch eine Gruppe Schweizer, ohne die die Stiftung ihre Arbeit gar nicht leisten könnte. Die Schweizer unterstützen die Stiftung, die in Weidenbach inzwischen in drei Häusern verlassene Kinder wie in einer Familie betreut, seit Anfang an. Der Schweizer Verein für verlassene Kinder in Rumänien mit Sitz in Basel feiert 2015 sein 20. Gründungsjubiläum. Seitens des Vereins überbrachte Doris Marti, stellvertretende Vorsitzende, herzliche Grüße.

Als die Schweizer Sonderpädagogin Sonja Kunz 1992 einen achtmonatigen Rotkreuzeinsatz antrat,  hatte sie wohl auch nicht damit gerechnet, dass sie 22 Jahre danach immer noch in Rumänien tätig sein wird. Maria Gavriliu hatte wohl auch nicht damit gerechnet, als sie für die Schweizer damals als Dolmetscherin einsprang, dass sie kurz darauf ihre Stelle als Ingenieurin in einem Kronstädter Betrieb aufgeben würde, und sich der Sache der Kinder annehmen würde. Beide Stiftungsgründerinnen präsentierten kurzweilig und humorvoll anhand von Bildern die Geschichte der Stiftung aber auch die derzeitigen Tätigkeiten.

                              Beatrice UNGAR

 

20 Jahre gemeinsam geschultert": Unter diesem Motto feierte die Stiftung für verlassene Kinder (PECA) am Samstag in der Weidenbächer Kirchenburg ihr 20. Gründungsjubiläum mit mehr als 250 Gästen von nah und fernUnser Bild: Der PECA-Chor", gebildet aus betreuten Kindern und Mitarbeitern der Stiftung brachte einige beliebte Lieder zu Gehör.   Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

Bürgermeister Dorel Toma (links) im Gespräch mit Botschafter Jean-Hubert Lebet und Sonja Kunz.      Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

„Warum kommen sie zu uns?“

Ausgabe Nr. 2397
 >

Delegation aus Salzburg will rumänische Rahmenbedingungen kennen lernen

 

Politiker und Politikerinnen, aber auch NGO-Vertreter aus Salzburg waren in Hermannstadt auf Besuch. Die Bürgermeister-Stellvertreterin Mag. Anja Hagenauer und Michael König von der Geschäftsstelle  Diakonie Salzburg haben über ihre Reise berichtet.

 

„Wir sind eine Delegation aus Salzburg, die sich einfach die Rahmenbedingungen, vor allem das Sozialsystem hier im Land anschauen”, erklärte Anja Hagenauer für die Hermannstädter Zeitung. „Grund dafür ist, dass wir in den letzten Jahren sehr viele Notreisende – also Bettler und Bettlerinnen – haben, die zum großen Teil aus Rumänien kommen, und da wollten wir erfahren, warum sie kommen.”

Die Delegation hat mehrere Ortschaften um Hermannstadt besucht: „Wir haben sehr viele Eindrücke gewonnen, wir haben auch gesehen, dass viele Kommunen bemüht sind, die Situation zu verbessern, aber auch gesehen, dass es noch immer Defizite gibt, und dass es vor allem Menschen betrifft, die benachteiligt sind”, so die Politikerin. „Für uns ist es wichtig zu wissen, wo wir einsetzen können, uns überlegen, ob Zusammenarbeiten mit Kommunen oder Städten möglich sind. "

Organisiert wurde die Reise von der Diakonie Salzburg, die u. a. in Hermannstat eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung führt. Michael König: „Wir haben in Österreich sehr intensive politische Diskussionen und da werden oft sehr verkürzende Meinungen über Rumänien transportiert und meine Überzeugung ist, es ist zu wenig über Medien zu erfahren, wie es Menschen hier geht, man muss Menschen begegnen, man muss sich von den Situationen berühren lassen, man muss spüren, wie hier in Rumänien versucht wird, die Situation zu verbessern, und ich bin der tiefen Überzeugung, wir brauchen viele solche Formen des Austausches.  Zum Beispiel haben in den letzten Jahren 6.000 Ärzte Rumänien verlassen, und auch viele Pflegekräfte verlassen Rumänien. Also wir profitieren davon, dass Menschen weggehen, und in Rumänien  bleibt das Problem, dass im sozialen und im Gesundheitssystem Menschen fehlen.”

Welche Maßnahmen in Salzburg ergriffen werden, soll natürlich noch besprochen werden, doch klar ist es, dass die Behörden zusammen mit den NGOs arbeiten werden, was in Salzburg seit Jahrzehnten üblich ist, denn das ist die „Grundlage für ein gutes Miteinander und vor allem für eine Weiterentwicklung, damit die Standards besser werden für alle”,  so Anja Hagenauer.

Ruxandra STĂNESCU

Vor dem Treffen mit Vertretern der Lokalbehörden war Zeit für ein Gruppenfoto auf dem Großen Ring.                                          Foto: die Verfasserin

Musikalische Hommage an Clara Haskil

Ausgabe Nr. 2397
 >

Jüngstes Festival in Hermannstadt ist der in Rumänien geborenen Pianistin gewidmet

 

Noch ein Festival!" stöhnten einige, als die Ankündigung der ersten Auflage des Internationalen Clara Haskil-Festivals die Runde machte. Nach sechs Tagen Instrumentalmusik fragten sich viele Konzertbesucher: War das alles? Wir wollen noch mehr hören!" Auf jeden Fall ist es bemerkens- und lobenswert, wie es die junge rumänische Pianistin Alina Azario, die heute in Hamburg lebt, versteht, ihrem Vorbild, Clara Haskil, eine Hommage darzubringen. Mit ins Boot holte sie namhafte Virtuosen wie den ungarischen Cellisten István Várdai, die französische Violonistin Marina Chiche und zwei ausgezeichnete rumänische Ensembles: Bucharest Symphony Orchestra und das Klausenburger Arcadia Quartett. Unsere Mitarbeiterin Doina Giurgiu bietet im Folgenden einige subjektive Einblicke in das Geschehen bei diesem Ausnahme-Festival:

 

September 2014, ein ruhiger und schöner Monat in einem hellen und warmen Hermannstadt. Das Gewimmel des Alltags trifft auf jeder Straße der Altstadt auf hunderte vergnügte oder überraschte Worte von Reisenden, die sich auf der Suche nach osteuropäischer Schönheit befinden, die Freunde rufen oder Limonaden und Strudel bestellen. Irgendwo, an einer Straße, die an eine Ansichtskarte von einem Urlaub im Westen erinnert, in einem Gebäude mit zwei Gesichtern und zwei Geschichten – eine alte von Jahrhunderten, die von Armbrustern bewacht wurden, und eine frische, von eleganter Würde – herrscht eine andere Art Bewegung.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das alte Theater, heute Thaliasaal. Es ist der 2. September, der vierte Tag des Internationalen Clara Haskil-Festivals und alle warten ungeduldig auf den Auftritt des Stars des Festivals, den französischen Pianisten   Adam Laloum, der Gewinner von 2009 des Internationalen Clara Haskil-Klavierwettbewerbs, der jedes zweiten Jahr in Vevey/Schweiz stattfindet. Laloum kommt dann doch nicht, er hat das Flugzeug verpasst und muss am nächsten Tag in die USA. Die Entscheidung fällt rasch: Die Violonistin Marina Chiche und die Pianistin Alina Azario, die eigentlich am Tag darauf konzertieren sollten, springen in die Bresche. Doch keinesfalls als Lückenbüßer: Chiche, die schon am ersten Festivalstag bei ihrem Auftritt mit dem Bucharest Symphony Orchestra, dirigiert von Tiberiu Soare, Stehapplaus bekommen hatte, spielt virtuos und unvergleichlich zwei Werke von Johann Sebastian Bach: die Sonate in G-Dur BWV1001 und die Partita Nr. 2 in d-Moll BWV 1004.

Im Vorfeld konnte man durch die Fenster des Proberaumes eine schlanke Gestalt erkennen, die fast mit dem massiven Klavier verschmilzt. Vielleicht hat sie die Probe beendet oder denkt noch über etwas nach. Die Regungslosigkeit hält nicht an und die Gestalt hebt sich plötzlich ab von dem Instrument, verändert ihre Form, lässt den langen Schatten der Hände erkennen, dann das klare Profil, aber nur für Sekunden, dann verwischt die Bewegung alle Details. Nun bleibt der Raum erstarrt zurück.

Nach dem Auftritt der französischen Violonistin herrscht im Saal Stimmengewirr, die Stühle knarren trocken. Alle sprechen über die Solistin, die gerade die Bühne verlassen hat: „eine wunderbare Violonistin".

Die Pause ist bald um: In den Kulissen hören sich die Echos aus dem Saal an wie unverständliches Gemurmel, das von der kompakten Dunkelheit aufgesogen wird, die nur von einem kleinen Lichtstrahl durchschnitten wird, der durch die Eingangstür fällt. Hier schwebt eine paradoxe Stille, ein gespanntes Warten. Plötzlich verdeckt eine hochgewachsene Gestalt diesen Lichtstrahl. Ihre Hände streichen über die Stirne, die Finger schlingen sich ineinander, man hört kurze, tiefe Atemzüge, die dann immer leichter und ruhiger werden. Der Kopf ruht in einem stillen Moment auf den Fingerspitzen, dann schnellt er plötzlich hoch, die Form des Schattens verändert sich und verschmilzt mit dem Weiß der Bühne, im schrill tönenden Beifall.

Die Töne steigen und fallen, sie vermischen sich aufstrebend, die Hände jagen einander, kreuzen sich, trennen sich wieder, streifen die Klaviatur hin und zurück, in einem schwindelerregenden Tanz, dem man nur verwandelt von der Kraft und dem  Zauber einer vollkommenen Interpretation entkommen kann.

Wenn Leidenschaft in einer Sekunde überspringen kann, dann geschieht dies auf diese Weise: Man lässt sich überfluten von den Emotionen einer phantasievollen und warmen musikalischen Ausführung, die der Perfektion entsprungen ist. Und man verlässt den Konzertsaal mit zwei neuen Steckenpferden: der Musik von Claude Debussy und der Wertschätzung für deren Interpretin, Alina Azario, die junge rumänische Pianistin, für die das Konzertieren und das Organisieren eines Festivals so natürliche Dinge sind wie der Beifall eines begeisterten Publikums.

Und die Musik verklang nicht  schon als Azario den letzten Finger von den Tasten hob, sondern erst viel später im Rascheln der Lindenblätter am späten Herbstabend.

Eigentlich hätte dieser Abend nicht übertroffen werden können. Die beiden Ausnahmeinterpretinnen belehrten am Abend darauf das Publikum eines Besseren, mit Werken von Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Béla Bartók, Dinu Lipatti und George Enescu.

Die liebevoll fließende Nokturne von Lipatti z. B. ist eine einzige Liebesgeschichte in warmen Tönen, welche die Tasten des Klaviers streicheln wie in einer Liebkosung. Zu ihnen gesellt sich ein dunkler Ton, der von alten Zeiten erzählt, deren Erinnerung nach Heilung heischt. Die letzte Note wird endlich frei gelassen, verschwindet in der Luft und lässt Enescu eintreten, dem das Talent bekanntlich in den Fingern pulsierte, und dessen Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in f-Moll kraftvoll und stets suchend daherkommt. Am fünften Festivalstag wurde das Duo Azario-Chiche mit minutenlangem Stehapplaus belohnt.

 

Alina Azario (links) und Marina Chiche danken dem Publikum.

 

Das Arcadia Quartett (v. l. n. r.): Ana Török, Răsvan Dumitru,  Zsolt Török und Traian Boală.              Fotos: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

 

 

 

Michelsberg

Ausgabe Nr. 2396
 >

Morgen, am 6. September, findet auf der Michelsberger Burg der dritte Abend unter dem Motto Transilvania on Top – Sunset Castle" statt. Ab 19 Uhr konzertiert die Gruppe ZUM und im Anschluß wird die Burg in vielfarbiges Licht getaucht". Reservierungen unter info.michelsberg@gmail.com Unser Bild: Das Westportal in blau…                     Foto: Juliane HENNING

 

„Das Leben ist (doch) ein Ponyhof“

Ausgabe Nr. 2396
 >

Reiterhof in Schellenberg feierlich eröffnet

Spätestens seit 2011 hat die im Titel stehende Redewendung für die Familie Avrigean mehr Deckung denn je. Nach mehr als 3 Jahren Bauphase, durften die Geschwister Simina Popa (geb. Avrigean) und Paul Avrigean am 29. August in Anwesenheit des Schellenberger Bürgermeisters, Daniel Maricuța, den Schellenberger Reiterhof (Club Ecvestru Șelimbăr) feierlich einweihen.

 

Letzten Freitagnachmittag wurden somit die 1.500 Quadratmeter große Reithalle mit modernsten Einrichtungen für die Rundum-Versorgung der Pferde sowie der landwirtschaftliche Betrieb für den eigenen Pferdefutteranbau der Öffentlichkeit vorgestellt. Zeitgleich wurde das 3-Sterne- Gasthaus samt 4-Sterne-Restaurant eröffnet.

Die Investition für die in Siebenbürgen einzigartige Anlage ihrer Art betrug über eine Million Euro und wurde größtenteils aus Europäischen Fonds für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung getragen. Das Reiterhof bietet Platz für bis zu 41 Pferde in Einzelboxen und verfügt außerdem über eine Wasch- und Trockenanlage und ständiger Tierarztassistenz. In der Reithalle und den Reitanlagen im äußeren Bereich können sogar internationale Reitwettbewerbe in allen Disziplinen organisiert werden. Schon 2015 will das Familienbetrieb ein internationales Reitsportevent veranstalten.

Der Inhaber, Paul Avrigean, ehemaliger Rumänien- und Balkanmeister im Reiten, und zwei weitere Reitlehrer bieten für Pferdeliebhaber, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, Reitkurse und Unterricht in Pferdezucht und Pferdepflege. Unter den hauseigenen Pferden können auch einige berühmte Rassen wie Friesen, norwegische Fjordpferde, Hannoveraner und natürlich Ponys bewundert werden. Der Star unter den Vierbeinern ist der 15 Jahre alte Hannoveraner Collie, ein Nachfahre des berühmten weißen Hengstes Kolibri, der als einer der 20 besten deutschen Leistungsvererber galt. Dem Letzteren wurde 2005, nach seinem Tod, eine Bronzestatue im Hof des Haupt- und Landgestütes Neustadt an der Dosse gewidmet.

Der Reiterhof liegt 12 km weit von Hermannstadt entfernt und wird über die DN1 in Richtung Bukarest erreicht. Von der Nähe zum angrenzenden Wald kann auch profitiert werden, da hier für Interessierte auch längere Ausritte organisiert werden können. Reitausrüstung kann vor Ort gemietet, im eigenen Laden gekauft oder bei deutschen Partnerherstellern auf Maß bestellt werden.

Die Verantwortung für das Gasthaus übernimmt Simina Popa, die schon langjährige Erfahrung im Gastronomie- und Hotelleriebereich sammeln konnte. Im Reitsport getreu dekorierten Restaurant sowie auf der großzügigen Terasse werden exquisite internationale Gerichte serviert. Zum Beispiel  gekochte Nieren in Salz, Tagliatelle mit Ochsenfleisch oder Cordon Bleu aus Meerwolffleisch und zum Dessert Kirschsuppe. Vier Gästezimmer, ebenfalls in der Reitthematik dekoriert, stehen den Gästen für den kompletten Reiturlaub zur Verfügung.

Im Kontext der drohenden Schließung der Reitanlage des Hermannstädter CSM im Vasile Aaron Viertel, kann eine Investition dieser Art von Hermannstädter und Touristen nur willkommen geheißen werden. Für Paul und Simina ist es ein bißcher mehr. Der Traum vom eigenen Ponyhof wurde wahr. 

                          Monika TOMPOS

 

 Zur Eröffnung gab es auch eine kleine Show.

Die symbolische Schleife durchschnitten (v. l. n. r.) Paul Avrigean, Bürgermeister Daniel Maricuța und Simina Popa.  Fotos: Vali NOVACOVSCHI

Im Zeichen des Wiedersehens

Ausgabe Nr. 2396
 >

Streiflichter vom Baaßner Treffen in der Kirchenburg

 

Am 9. und 10. August 2014 haben sich in Baaßen über 350 ehemalige und jetzige Baaßner zu einem Heimatfest getroffen, das ganz im Zeichen des Wiedersehens, der Besinnung und der Erhaltung des uns anvertrauten Kulturguts stand. Für manchen Aussiedler war es ein Wiedersehen nach über 30 Jahren, andere frischten ihre Erinnerungen von früheren Besuchen auf. Ebenfalls vertreten waren Baaßner bzw. Baaßnerinnen, die noch vor der großen Aussiedlungswelle Ehepartnern an andere Wohnorte gefolgt waren bzw. im Ort Verbliebene. So ergaben sich auch Bekanntschaften zwischen Menschen, die sich vorher gar nicht gekannt hatten.

 

Bei schönstem Sommerwetter fand am Samstagnachmittag, dem 9. August ein gemütliches Grillfest begleitet von der Baaßner Blaskapelle und ausgerichtet von der örtlichen Gastronomenfamilie Bozdoc statt. Gut vertreten war die ältere Generation, und erfreulicherweise sehr gut vertreten die Jugend. Bei Mici und Grillsteaks, köstlichen Beilagen und Salaten, bei Bier und Wein konnte man einander kennenlernen und sich austauschen, in Erinnerungen schwelgen oder sich nach Freunden und Bekannten erkundigen. Bei all den Gesprächen vergaßen die sonst so tanzfreudigen Baaßner sogar das Tanzbein zu schwingen. Trozdem wurde bei heiterer Stimmung bis in die Morgenstunden gefeiert.

Bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen feierten am Sonntag, dem 10. August die Gemeinde mit Pfarrer Christian Reich (i. R.) und dem gebürtigen Baaßner  Pfarrer Johann Ehrlich einen andächtigen Gottesdienst mit Abendmahl. An der Orgel wirkte Ilse-Maria Reich mit den Geschwistern Grete Csibi und Ernst Chrestel. Mit „Nun danket alle Gott“ gespielt vom Posaunenchor endete ein wunderschöner und besinnlicher Gottesdienst. Anschließend begab man sich im Zug und in Begleitung der Blaskapelle unter der Leitung von Erwin Arz zu einer Gedenkstunde und Totenandacht auf den Friedhof. Quer durch die Generationen kamen viele in Tracht. Anschließend traf man abermals im großen Zelt im Pfarrgarten zum Mittagessen mit besonderen Spezialitäten zusammen. Am Nachmittag gab es gekonnte Darbietungen der Jugendtanzgruppe Baaßen, der Schülertanzgruppe aus Baaßen und des gemischten Chors der rumänischen Bewohnerschaft in Tracht. Impromptu-Darbietungen einiger Gäste rundeten die Show ab. Wiederum für manche sehr bewegend wurde nach den Tänzen und nach anderen Volks- und Heimatliedern begleitet von der Blaskapelle auch die Hymne „Siebenbürgen, Land des Segens“ von allen gemeinsam angestimmt. Einmal wieder in angestammtem, würdigen Rahmen. Erneut feierte man ein Fest bis in die späte Nacht hinein.

Insgesamt war die Stimmung an den zwei Festtagen sehr integrativ und versöhnlich. Es waren rumänische Vertreter und Honoratioren, darunter der orthodoxe Geistliche sowie einige Bürgermeister eingeladen und anwesend. Aus den Stellungnahmen und Äußerungen der rumänischen Gastgeber und Gäste sowie aus persönlichen Gesprächen klang deutlich das Bedauern über den Weggang der sächsischen Bevölkerung, deren Fehlen vor Ort schmerzlich gespürt werde. Gleichzeitig durften die in die ganze Welt versprengten ehemaligen Baaßner mit der Gewissheit fortgehen, hier jederzeit eine Heimstatt und Heimatrecht zu haben.

Anlass zu den Feiern war eigentlich die geplante Neueinweihung der restaurierten Baaßner Barockorgel gewesen. Leider konnte die Restaurierung nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, so dass die Orgel nur behelfsmäßig zur Verfügung stand und die Orgelempore noch halb Baustelle war. Wenn das auch für die zahlreich angereisten Besucher eine Enttäuschung war – einen Lichtblick konnte man der Situation doch abgewinnen: die endgültige Einweihung ist ein guter Grund, wieder nach Baaßen zu kommen. Hoffentlich bald! Recht herzlich dankt  auch auf diesem Weg der Vorstand allen Landsleuten und Mitwirkenden, die dazu beigetragen haben, dass dieses Festtreffen den Teilnehmern viele schöne und unvergessliche Stunden schenkte.             Horst KRAUSS

 

Die Jugendtanzgruppe Baaßen bei ihrem Auftritt im Pfarrgarten.

 

Dragonerwache

Ausgabe Nr. 2396
 >

Dragonerwache 1980: „Als die Türken endgültig aus dem Land vertrieben worden waren, besetzten die Kaiserlichen am 30. Oktober 1687 vertragsmäßig die Stadt. Die Wachen wurden verteilt, und eine, die der Dragoner, kam auf die Häuserinsel in der Elisabethgasse, die heute noch den Namen Dragonerwacht führt. Früher hieß der Ort 'auf den Zwillen' (im Sächsischen bezeichnet man mit Zwillen einen Ast, der sich in zwei Arme spaltet. Mittelhochdeutsch zwillen = doppelt machen.), womit die beiden Gäßchen gemeint waren, in die sich die Elisabethgasse spaltet, die Dragonerwache umfassend. Der alte Gassennamen hielt sich aber hartnäckig das 18. Jahrhundert hindurch neben der neuen Bezeichnung 'auf der Dragonerwacht', obwohl die Wache schon im Jahre 1710 aufgelöst worden war. Schließlich wich er zurück und verschwand. Neben der Wache befand sich eine Schmiede, die der Magistrat – sie war städtisch – im Jahre 1740 verkaufte", ist in  dem Buch „Die Gassennamen Hermannstadts" von Arnold Pancratz (Herausgeber: Deutscher Sprachverein in Rumänien; Druck und Vertrieb: Krafft&Drotleff, Hermannstadt, 1935) zur Dragonerwache (unser Bild stammt aus dem Jahr 1980, als dieses Gebäude abgerissen wurde) zu lesen. Hier befand sich übrigens von 1150 bis 1250 der erste Markplatz von Hermannsdorf".

 

Dragonerwache Springbrunnen 1982: An der Abrisstelle wurde 1982 ein von Dan Frăticiu, damals Bühnenbildner beim Puppentheater, entworfener Springbrunnen aufgestellt, der wegen seiner Form im Volksmund „la trei furcuțe" (Zu den drei Gäbelchen) oder „la trei mâțe" (Zu den drei Kätzchen) genannt wurde. Anfang der 1990-er Jahre wurde dieser Springbrunnen abgetragen und bis zu Beginn der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse war die Verkehrsinsel irgendwie ein Schandfleck in der Gegend.

 

Im Zuge der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse, wurde die Dragonerwache" 2014 wieder ins Rampenlicht gerückt. Der Architekt Victor Moraru wurde von der Stadtverwaltung damit beauftragt, hier einen öffentlichen Erholungsbereich zu gestalten. Hier kann man auf den Bänken ausruhen, miteinander plaudern oder einfach nur lesen, wie Bürgermeister Klaus Johannis bei der feierlichen Eröffnung am Freitag vor zwei Wochen sagte. Auch kleine Veranstaltungen können hier stattfinden.                                                  Fotos: Fred NUSS