Reflexionen zum Clara Haskil-Festival 2016
Ausgabe Nr. 2507

Leer erscheint sie, die große Bühne im Thaliasaal. Ein einziger Flügel, wenige Stühle. Der Dirigent fehlt. Nur ein Pianist, drei oder vier Instrumentalisten betreten jeweils das Podium und erzeugen in der Intimität der Aufführungssituation eine einzigartige Atmosphäre, wie es nur die Kammermusik vermag. Kammermusik ist Musik, in der der einzelne Musiker zurückgeworfen ist auf seine Individualität, in der durch kooperatives Zusammenwirken ein lebendiger Zwischenraum entsteht, in der der Rezipient die feinen Klänge vernehmen kann und die Materialität des Instruments noch hörbar wird. Eine Wohltat in einer digitalisierten Musikwelt der perfekten, technisch generierten Klänge. Wie klingt es, wenn der Bogen die Saiten berührt, die Hämmerchen auf die Saiten schlagen oder der Atem das Blasinstrument hörbar macht? Kleine Besetzungen provozieren die sensible Wahrnehmung.Weiterlesen








„Alptraum Balkan” von Anna M. Wittmann ist das Buch, welches ich nur zögernd in die Hand nahm, denn der Titel ließ auf traumatische Erfahrungen schließen. Jedoch verschlang ich es in Windeseile, denn trotz dramatischen Inhalts häufen sich darin Erfahrungen voller ungestümer Lebensleichtigkeit, die mich mit sanfter Liebe und ohne jegliches Pathos an die ungezwungene Art meiner Siebenbürger Sachsen erinnern, an das Wesen des Volkes in deren Mitte ich aufgewachsen bin. Nach Beendigung der Lektüre ließ mich dieses Buch nicht mehr los und es hinderte mich daran, mein „normales” Leben weiter zu führen. Ich musste meine Eindrücke über dieses kleine Juwel zu Papier bringen! Wie ich inzwischen weiß, war ich wohl nicht die einzige Person, der es so ergangen ist.
