UNRMI feierte 35. Gründungsjubiläum mit Einsatz an der Michelsberger Burg
Ausgabe Nr. 2972

Blick auf die romanische Basilika von Süden. Foto: Michael HENNING
Der romanischen Basilika in der Michelsberger Burg hat sich der Landesverband der Restauratoren von historischen Denkmälern aus Rumänien (UNRMI) mit Unterstützung der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung und einschlägiger Verbände und Planern sowie Sponsoren angenommen. Unter dem Motto „Ein Dach für die Burgkirche“ wurden am Dach vom 10. bis 16. August in freiwilliger Arbeit Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Die Dacheindeckung aus Tonziegeln und die Unterkonstruktion wurde repariert, auch einige Reparaturen an der Ringmauer werden durchgeführt sowie eine Ausstellung in der Kirche eingerichtet. Der Verband feierte damit 35 Jahre seit seiner Gründung im Jahr 1991 mit einem konkreten und ehrenamtlichen Einsatz zum Schutz des baulichen Kulturerbes. 2023 wurden 800 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung der Burg gefeiert. Nun fand drei Jahre danach ein notwendiger Einsatz statt, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hatte. Am wenigsten die Evangelischen in Michelsberg, wie der Kurator der evangelischen Kirchengemeinde, Michael Henning, der HZ berichtete.
„Dass wir dies noch erleben durften…“, sagte Henning. Nicht nur erlebt sondern aktiv mitgemacht haben insgesamt 150 Personen – Architekten, Ingenieure, Restauratoren, Planer, Bauunternehmer, Experten, Freiwillige und Mitglieder der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde, allen voran der Kurator und der Presbyter Gabriel Tischer.
Das Gros des Baumaterials, 34 Tonnen Dachziegeln, Mörtel und Gerüst wurden per Hubschrauber geliefert. Dabei ist kein einziger Dachziegel zu Bruch gegangen. Die Arbeiten wurden planmäßig durchgeführt, im Mittelpunkt stand die Erneuerung der Dacheindeckung. Zunächst waren allerdings aufwändige Aufbruchs- und Schutzarbeiten erforderlich, bis die eigentliche Sanierung der betroffenen Bauteile erfolgen konnte.
Die wichtigsten Arbeitsbereiche waren der Aufbau des Gerüstes, die Absicherung der historischen Oberflächen und Elemente, das Entfernen der Dacheindeckung an der Nordseite des Hauptschiffes und am Nordturm (wo sich auch der heutige Eingang befindet), die Reparatur und Wiederherstellung der Lattenunterkonstruktion am nördlichen Hauptschiff und am Nordturm, die Verlegung von Keramikziegeln, lokale Ausbesserungen im betroffenen Bereich der Burgmauer, Wiederherstellung der Fugen der Burgmauer, Ersetzen der einsturzgefährdeten Lichtmasten.

In die Zeitkapsel auf dem Dach gelegt wurde auch ein Exemplar der Ausgabe Nr. 2970 der HZ. Unser Bild zeigt die alte durchgerostete und die neue Zeitkapsel.
Die alten Dachziegel wurden während des Abrisses sortiert, und die noch brauchbaren wurden wieder eingesetzt. Ziel der Maßnahme war nämlich die Erhaltung und Wiederverwendung des historischen Materials, soweit dessen Zustand dies zuließ, sowie die kontrollierte Ergänzung durch neues, kompatibles Material.
Die punktuellen Ausbesserungen im beschädigten Bereich der Burgmauer wurden nach den vorangegangenen Maßnahmen zur Abstützung, zur Beseitigung unsachgemäßer Eingriffe und zur Wiederherstellung der vorhandenen Steine abgeschlossen. Danach wurden die Fugen erneuert, unter Verwendung von Lösungen, die mit dem historischen Mauerwerk vereinbar sind. Die Arbeiten zielten darauf ab, den betroffenen Bereich zu stabilisieren und das ursprüngliche Material so weit wie möglich zu erhalten.
Was die technische Anlagen und Sicherheitsmaßnahmen betrifft wurden die Arbeiten daran parallel zu den Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Nachdem die von den Arbeitswegen betroffenen historischen Flächen vollständig geschützt worden waren, wurden die vorhandenen Installationen überprüft und die Elemente identifiziert, die einer Instandsetzung bedürfen. Die baufälligen und einsturzgefährdeten Lichtmasten wurden ausgetauscht.
Eine der größten Herausforderungen bei den Arbeiten in Michelsberg war der schwierige Zugang zum Denkmal und der Transport der für die Arbeiten benötigten Materialien. Schon am Ende des dritten Tages war sowohl die Montage des Gerüsts als auch der Materialtransport zu 100 Prozent abgeschlossen, so dass sich die Teams ganz auf die eigentlichen Konservierungs- und Sicherungsarbeiten konzentrieren können. Planung und Ausführung erfolgten in Echtzeit.

Kurator Michael Henning und Presbyter Gabriel Tischer auf der Baustelle.
Die Arbeiten an einem historischen Denkmal erfordern eine kontinuierliche Überprüfung des Ist-Zustands, sobald die einzelnen Bauteile zugänglich werden. Aus diesem Grund erfolgten Planung, technische Betreuung und Ausführung in enger Abstimmung, und die Lösungen wurden ständig an die vor Ort festgestellte Situation angepasst. Die dabei verfolgten Grundsätze waren wie gewöhnlich minimaler Eingriff, Materialverträglichkeit, Wiederverwendung historischer Elemente und maximale Erhaltung der authentischen Substanz des Denkmals. Zum Schutz der romanischen Basilika wurden gleich zwei neue Blitzableiter angelegt.
Stets dabei waren auch Henning und Tischer und erfreulich viele Michelsbergerinnen und Michelsberger, die Hand anlegten, wo sie konnten. Insgesamt kann man von einer nachhaltigen Motivation ohnegleichen sprechen, die das gesamte Projekt begleitet und getragen hat. Und noch weiter tragen wird, denn es gibt noch viel zu tun.
Die Planung koordiniert hat Polarh Design, die Arbeiten direkt unterstützt haben die Firmen BCI – Acoperișuri profesionale, CAN & POWER Lighting, FIBRE NET by AQUASYSTEM, ORTOGONAL CONSTRUCT, RASUB Construct Engineering, REFLECT DESIGN RUSTIC, Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung – Dr. Hans-Christian Habermann, swissporTON, VALCON ROOFS. Sponsoren waren die Firmen ABRAL ART PRODUCT, ADDCONCEPT, ARHILAB, ART PROTECT, BRECHT, DUOPART CONSULTING, CONSTRUCȚII ERBAȘU, FUNDAȚIA NICOLAE BADEA, NS CONSART, PALEX CONSTRUCȚII INSTALAȚII, PRO CONSTRUCT, PRO STRATEGY und REMON PROIECT.
Kurator Henning hat übrigens den Brunnen gereinigt und die Burghüterin muss das Wasser für die Blumen, die auf dem Burghof wachsen, nicht mehr hinauftragen.
Beatrice UNGAR