„Jetzt habe ich ein schönes Leben“

Ausgabe Nr. 2397
 >

Stiftung für verlassene Kinder feierte 20. Jubiläum

 

„Wir haben diese wunderschöne Kirche als Veranstaltungsort gewählt, um unseren Dank vor Gott zum Ausdruck zu bringen, der uns in all diesen Jahren beschützt und gesegnet hat", sagte Sonja Kunz, die derzeit die Gesamtleitung der Aktivitäten der Stiftung für verlassene Kinder (PECA) in Weidenbach inne hat. Die PECA-Stitung feierte am Samstag mit rund 300 Gästen von nah und fern ihr 20. Gründungsjubiläum in der Kirchenburg in Weidenbach.

 

Die zahlreichen Gäste, allen voran der Schweizer Botschafter Jean-Hubert Lebet, stellten unter Beweis: Der erste Vers des Gedichtes „Heimat" von Arnold Scherner, „Heimat, das sind die Menschen, die man kennt, die man Verwandte, Nachbarn und Freunde nennt" ist nicht nur ein geflügeltes Wort.

Die Stiftung versucht seit 20 Jahren verlassenen Kindern in Rumänien ein Zuhause zu bieten. Lidiana, die seit 18 Jahren in einem Haus der Stiftung lebt, brachte auf den Punkt, wie es Kindern geht, die in einem Kinderheim aufgewachsen sind. Eigentlich sollte sie sich in ihrer Ansprache Gedanken machen über das Stichwort „Zuhause". Sie sprach aber von Maria Gavriliu und Sonja Kunz, den beiden Gründerinnen der Stiftung, und darüber, was diese für ihr Leben und das Leben weiterer ca. 37 Kinder bedeuten. Auf die Frage „Wie ist es denn, in einem Kinderheim zu leben?" habe sie im Laufe der Zeit so oft antworten müssen, dass ihr dies irgendwann nichts mehr ausgemacht habe. Doch die Fragen, wie es denn wäre, wenn sie in ihrer biologischen Familie leben würde bzw. wie es wäre, in einer normalen Familie aufzuwachsen, beschäftigen die inzwischen 19-Jährige nach wie vor. Sie sei besonders dankbar, so „außerordentliche" Menschen wie Maria Gavriliu und Sonja Kunz von klein auf um sich gehabt zu haben, die für die Kinder eigentlich alles aufgegeben haben, um ihnen ein Zuhause zu bieten. Lidiana meinte: „Wenn mich Maria damals nicht aus der Klinik geholt hätte, hätte ich jetzt wohl schon drei Kinder und müsste von der Hand in den Mund leben. Aber Dank Maria und Sonja habe ich eine gute Schulbildung genossen und werde jetzt studieren." Im Namen aller Kinder dankte sie für alles: „Ihr habt unserem Leben einen neuen Sinn gegeben!"

Einer der sechs Thalassämie-Kranken, die von der Stiftung betreut werden, ergriff auch das Wort: „Ich heisse Florin und ich bin 16 Jahre alt, ich lebe hier, seit ich zwei Jahre alt bin. Ich habe eine Blutkrankheit und ich brauche viel Pflege.

Für mich ist es ein Vorteil, dass mich die Eltern verlassen haben. Erstens hatten sie mich nicht gewünscht und zweitens hatten sie keine Bedingungen für mich. Natürlich hätte ich  Vater und Mutter gewollt, aber die Eltern kann man sich nicht wählen und auch die Umstände kann man nicht auswählen. Jetzt habe ich ein schönes Leben und fühle mich im Casa Livezii wie in einer großen Familie und deshalb gefällt es mir nicht – und den andern Kindern auch nicht – wenn die Leute sagen: 'arme Kinder'. Ich möchte einfach, dass mich die Leute ganz normal wie die anderen Kinder sehen.  Ich glaube, dass ich andere Menschen gut verstehen kann, die auch etwas Schweres erlebt haben. Das ist auch etwas Gutes, was ich selber gelernt habe."

Diese beiden Wortmeldungen beeindruckten die Anwesenden beim offiziellen Teil des Festes in der Kirche, das musikalisch umrahmt wurde von dem Chor der Stfitung, dem Kronstädter Jugendbachchor und dessen Leiter, dem Organisten Steffen Schlandt. Grußworte sprachen der Schweizer Botschafter Jean-Hubert Lebet, der zuständige evangelische Pfarrer Uwe Seidner, sein orthodoxer Amtskollege Călin Comșa, Weidenbachs Bürgermeister Dorel Toma und der Generaldirektor der Sozialdirektion des Kreises Kronstadt, Gheorghe Durnă. Begrüßt wurden die Anwesenden auch von Carmen Cristureanu, welche die administrative Leitung der Stiftung übernommen hat. Moderatorin war Monika Dănilă, welche die pädagogische Leitung inne hat. Mit den beiden Letzgenannten haben Maria Gavriliu und Sonja Kunz laut Jubiläumsbroschüre „kompetente Nachfolgerinnen, die schrittweise die Leitungsfunktionen übernehmen und dadurch das Weiterbestehen der Stiftung gewährleisten."

Zu dem Jubiläum angereist war auch eine Gruppe Schweizer, ohne die die Stiftung ihre Arbeit gar nicht leisten könnte. Die Schweizer unterstützen die Stiftung, die in Weidenbach inzwischen in drei Häusern verlassene Kinder wie in einer Familie betreut, seit Anfang an. Der Schweizer Verein für verlassene Kinder in Rumänien mit Sitz in Basel feiert 2015 sein 20. Gründungsjubiläum. Seitens des Vereins überbrachte Doris Marti, stellvertretende Vorsitzende, herzliche Grüße.

Als die Schweizer Sonderpädagogin Sonja Kunz 1992 einen achtmonatigen Rotkreuzeinsatz antrat,  hatte sie wohl auch nicht damit gerechnet, dass sie 22 Jahre danach immer noch in Rumänien tätig sein wird. Maria Gavriliu hatte wohl auch nicht damit gerechnet, als sie für die Schweizer damals als Dolmetscherin einsprang, dass sie kurz darauf ihre Stelle als Ingenieurin in einem Kronstädter Betrieb aufgeben würde, und sich der Sache der Kinder annehmen würde. Beide Stiftungsgründerinnen präsentierten kurzweilig und humorvoll anhand von Bildern die Geschichte der Stiftung aber auch die derzeitigen Tätigkeiten.

                              Beatrice UNGAR

 

20 Jahre gemeinsam geschultert": Unter diesem Motto feierte die Stiftung für verlassene Kinder (PECA) am Samstag in der Weidenbächer Kirchenburg ihr 20. Gründungsjubiläum mit mehr als 250 Gästen von nah und fernUnser Bild: Der PECA-Chor", gebildet aus betreuten Kindern und Mitarbeitern der Stiftung brachte einige beliebte Lieder zu Gehör.   Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

Bürgermeister Dorel Toma (links) im Gespräch mit Botschafter Jean-Hubert Lebet und Sonja Kunz.      Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

Erstmals in Rumänien

Ausgabe Nr. 2397
 >

Der alle zwei Jahre in einem anderen Land organisierte Kongress des Internationalen Vereins der Orgelbauer (International Society of Organbuilders, ISO) wird vom 7. bis 14. September d. J. erstmals in Rumänien ausgetragen. Einen Bericht dazu bringen wir in unserer nächsten Ausgabe. Unser Bild: Der Schweizer Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer begrüßte am Sonntagabend im Namen der Organisatoren die Teilnehmenden bei der Eröffnungsveranstaltung im Hermannstädter Ratahaus am Großen Ring.                                                             Foto: Beatrice UNGAR

Medien und Minderheiten

Ausgabe Nr. 2397
 >

ifa veröffentlicht dankenswerte Studie

 

 

Das Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart veröffentlichte in der ifa-Edition Kultur und Außenpolitik eine dankenswerte Studie, die  sich mit „Identität und Hybridität am Beispiel der Medien der deutschen Minderheit in den Ländern Mittel- und Osteuropa (MOE) als Identitätsstifter“ befasst. Die Publikation entstand im Rahmen des Forschungsprogramms Kultur und Außenpolitik", das aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert wird.

 

Bevor sich die Historikerin und Autorin Lou Bohlen der vergleichenden Analyse im Blick auf die Wirkung der Medien der deutschen Minderheiten in den Ländern Polen, Rumänien und Ungarn widmete, bemühte sie die Geschichte der Psychologie, um anhand so namhafter Autoren wie S. Freud, C. G. Jung und L. Niethammer, eine Begriffsbestimmung zu Minderheit, Identität und Ethnizität vorzunehmen.

Minderheiten waren stets Mittler zwischen den jeweiligen Kulturen, und geben wertvolle Impulse, nicht nur für ein Zusammenleben in kultureller Vielfalt, sondern auch im gesellschaftspolitischen, so, wie wir es im Blick auf die Präsidentschaftswahl im Land, momentan erleben!

Lou Bohlen hat die Medien der deutschsprachigen Minderheiten der drei genannten Länder auf Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Parallelen untersucht. Gemeinsame Sprache, gemeinsame Landesgrenzen, sowie historische und politische Ereignisse sind Merkmale, die das Leben der Gemeinschaft prägen. Seit den Umbrüchen im ehemaligen Osteuropa, wandelte sich das Bild der Minderheiten, da eine nicht unerhebliche Zahl nach Westeuropa auswanderte. Dies offenbarte sich insbesondere in Polen und Rumänien, so dass die Bundesregierung ab 1993 versuchte, die zunehmende Auswanderung durch gesetzliche Zuwanderungshürden zu verzögern.

In Polen haben das jeweilige Wochen- und Monatsblatt, sowie die drei Hörfunkprogramme und die zwei Fernsehsendungen in deutscher und polnischer Sprache, eine bemerkenswerte Konsolidierung der deutschen Minderheit gezeigt. Insbesondere im Jugendbereich zeige sich dies durch eine ausgeprägte Politisierung.

In Rumänien seien sowohl die Tageszeitung ADZ  nebst wöchentlichen Beilagen, als auch die Wochenzeitung HZ, sowie die regionalen Hörfunk- und Fernsehprogramme, in erster Linie ein Indikator für eine stabile und starke Bindung an die deutsche Sprache und Kultur. Es werden unzählige Traditionen, Feste und Bräuche aufgegriffen, ebenso wird die enge Bindung an die beiden Konfessionen der deutschen Minderheit veranschaulicht.

Darüber hinaus spiegeln die Medien die Tätigkeit der Vertreter der deutschen Minderheit in den Stadt- und Kreisräten Rumäniens wieder.

In diesem Kontext fällt auf, dass in der Studie die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben Erwähnung finden, nicht jedoch die Sathmarer Schwaben, die ja nach der letzten Volkszählung von 2011, im Verbund mit den Banater Schwaben, 13.500 Personen zählen. Die Volkszählung ergab, dass  36.000 Personen der deutschen Minderheit angehören. Dies bedeutet einen Rückgang von 38 Prozent gegenüber der Volkszählung von 2002. 

Auch die Wochenzeitung NZ in Ungarn, neben der täglichen Hörfunksendung und der wöchentlichen Fernsehsendung in deutscher Sprache, offenbaren eine starke  Bindung der Menschen an Traditionen, Bräuche und auch Dialekte. Allerdings zeigt sich hier auch die Schwierigkeiten und Bemühungen, sprachliche und kulturelle Traditionen zu erhalten und an die jüngere Generation weiterzugeben!

Die Studie empfiehlt u.a. die Gründung eines transnationalen Netzwerks für den Kinder- und Jugendbereich. Dies könnte eine lohnenswerte Aufgabe für die Jugendverbände der deutschen Minderheiten sein, indem sie ihre Zielgruppe von Jugendlichen zum Mitmachen motiviert, und Kooperationen mit anderen Jugendformaten im deutschsprachigen Ausland sucht.

Desweiteren empfiehlt die Autorin die Herausgabe einer transnationalen Online-Zeitung in deutscher Sprache. Es würden Ideen und Kompetenzen zusammengeführt und neue Formen einer Zusammenarbeit entwickelt. Darüber hinaus würde die virtuelle Vernetzung den Infor- mationsaustausch zwischen den Jugendverbänden intensivieren. Beide Projektvorschläge könnten ggf. Unterstützung bei transnationalen Dachverbänden finden.

Auch wenn inzwischen die Online-Medien als „eine Abkehr vom Journalismus“ diskutiert werden, so könnte eine solche Initiative, wo regelmäßig aktuelle Texte und Reportagen zu erstellen wären, die sprachliche Kompetenz und das organisatorische Talent der Jugendlichen erheblich fördern.

Das Institut für Auslandsbeziehungen wird diese vergleichende Studie allen dort genannten Medien mit Sicherheit schnellstens zur Verfügung stellen, um insbesondere die Empfehlungen der Autorin Lou Bohlen aufzugreifen und um sie landesweit in den Foren zu diskutieren.    Elke SABIEL

 

Lou Bohlen: Identität und Hybridität – am Beispiel der Medien der deutschen Minderheiten in den Ländern Mittel- und Osteuropas (MOE) als Indentitätsstifter. ifa-Edition Kultur und Außenpolitik, Stuttgart, 2014, 96 Seiten, online kostenfrei abrufbar unter http://www.ifa.de/publikationen/kultur-aussenpolitik.html

 

 

„Warum kommen sie zu uns?“

Ausgabe Nr. 2397
 >

Delegation aus Salzburg will rumänische Rahmenbedingungen kennen lernen

 

Politiker und Politikerinnen, aber auch NGO-Vertreter aus Salzburg waren in Hermannstadt auf Besuch. Die Bürgermeister-Stellvertreterin Mag. Anja Hagenauer und Michael König von der Geschäftsstelle  Diakonie Salzburg haben über ihre Reise berichtet.

 

„Wir sind eine Delegation aus Salzburg, die sich einfach die Rahmenbedingungen, vor allem das Sozialsystem hier im Land anschauen”, erklärte Anja Hagenauer für die Hermannstädter Zeitung. „Grund dafür ist, dass wir in den letzten Jahren sehr viele Notreisende – also Bettler und Bettlerinnen – haben, die zum großen Teil aus Rumänien kommen, und da wollten wir erfahren, warum sie kommen.”

Die Delegation hat mehrere Ortschaften um Hermannstadt besucht: „Wir haben sehr viele Eindrücke gewonnen, wir haben auch gesehen, dass viele Kommunen bemüht sind, die Situation zu verbessern, aber auch gesehen, dass es noch immer Defizite gibt, und dass es vor allem Menschen betrifft, die benachteiligt sind”, so die Politikerin. „Für uns ist es wichtig zu wissen, wo wir einsetzen können, uns überlegen, ob Zusammenarbeiten mit Kommunen oder Städten möglich sind. "

Organisiert wurde die Reise von der Diakonie Salzburg, die u. a. in Hermannstat eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung führt. Michael König: „Wir haben in Österreich sehr intensive politische Diskussionen und da werden oft sehr verkürzende Meinungen über Rumänien transportiert und meine Überzeugung ist, es ist zu wenig über Medien zu erfahren, wie es Menschen hier geht, man muss Menschen begegnen, man muss sich von den Situationen berühren lassen, man muss spüren, wie hier in Rumänien versucht wird, die Situation zu verbessern, und ich bin der tiefen Überzeugung, wir brauchen viele solche Formen des Austausches.  Zum Beispiel haben in den letzten Jahren 6.000 Ärzte Rumänien verlassen, und auch viele Pflegekräfte verlassen Rumänien. Also wir profitieren davon, dass Menschen weggehen, und in Rumänien  bleibt das Problem, dass im sozialen und im Gesundheitssystem Menschen fehlen.”

Welche Maßnahmen in Salzburg ergriffen werden, soll natürlich noch besprochen werden, doch klar ist es, dass die Behörden zusammen mit den NGOs arbeiten werden, was in Salzburg seit Jahrzehnten üblich ist, denn das ist die „Grundlage für ein gutes Miteinander und vor allem für eine Weiterentwicklung, damit die Standards besser werden für alle”,  so Anja Hagenauer.

Ruxandra STĂNESCU

Vor dem Treffen mit Vertretern der Lokalbehörden war Zeit für ein Gruppenfoto auf dem Großen Ring.                                          Foto: die Verfasserin

Musikalische Hommage an Clara Haskil

Ausgabe Nr. 2397
 >

Jüngstes Festival in Hermannstadt ist der in Rumänien geborenen Pianistin gewidmet

 

Noch ein Festival!" stöhnten einige, als die Ankündigung der ersten Auflage des Internationalen Clara Haskil-Festivals die Runde machte. Nach sechs Tagen Instrumentalmusik fragten sich viele Konzertbesucher: War das alles? Wir wollen noch mehr hören!" Auf jeden Fall ist es bemerkens- und lobenswert, wie es die junge rumänische Pianistin Alina Azario, die heute in Hamburg lebt, versteht, ihrem Vorbild, Clara Haskil, eine Hommage darzubringen. Mit ins Boot holte sie namhafte Virtuosen wie den ungarischen Cellisten István Várdai, die französische Violonistin Marina Chiche und zwei ausgezeichnete rumänische Ensembles: Bucharest Symphony Orchestra und das Klausenburger Arcadia Quartett. Unsere Mitarbeiterin Doina Giurgiu bietet im Folgenden einige subjektive Einblicke in das Geschehen bei diesem Ausnahme-Festival:

 

September 2014, ein ruhiger und schöner Monat in einem hellen und warmen Hermannstadt. Das Gewimmel des Alltags trifft auf jeder Straße der Altstadt auf hunderte vergnügte oder überraschte Worte von Reisenden, die sich auf der Suche nach osteuropäischer Schönheit befinden, die Freunde rufen oder Limonaden und Strudel bestellen. Irgendwo, an einer Straße, die an eine Ansichtskarte von einem Urlaub im Westen erinnert, in einem Gebäude mit zwei Gesichtern und zwei Geschichten – eine alte von Jahrhunderten, die von Armbrustern bewacht wurden, und eine frische, von eleganter Würde – herrscht eine andere Art Bewegung.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das alte Theater, heute Thaliasaal. Es ist der 2. September, der vierte Tag des Internationalen Clara Haskil-Festivals und alle warten ungeduldig auf den Auftritt des Stars des Festivals, den französischen Pianisten   Adam Laloum, der Gewinner von 2009 des Internationalen Clara Haskil-Klavierwettbewerbs, der jedes zweiten Jahr in Vevey/Schweiz stattfindet. Laloum kommt dann doch nicht, er hat das Flugzeug verpasst und muss am nächsten Tag in die USA. Die Entscheidung fällt rasch: Die Violonistin Marina Chiche und die Pianistin Alina Azario, die eigentlich am Tag darauf konzertieren sollten, springen in die Bresche. Doch keinesfalls als Lückenbüßer: Chiche, die schon am ersten Festivalstag bei ihrem Auftritt mit dem Bucharest Symphony Orchestra, dirigiert von Tiberiu Soare, Stehapplaus bekommen hatte, spielt virtuos und unvergleichlich zwei Werke von Johann Sebastian Bach: die Sonate in G-Dur BWV1001 und die Partita Nr. 2 in d-Moll BWV 1004.

Im Vorfeld konnte man durch die Fenster des Proberaumes eine schlanke Gestalt erkennen, die fast mit dem massiven Klavier verschmilzt. Vielleicht hat sie die Probe beendet oder denkt noch über etwas nach. Die Regungslosigkeit hält nicht an und die Gestalt hebt sich plötzlich ab von dem Instrument, verändert ihre Form, lässt den langen Schatten der Hände erkennen, dann das klare Profil, aber nur für Sekunden, dann verwischt die Bewegung alle Details. Nun bleibt der Raum erstarrt zurück.

Nach dem Auftritt der französischen Violonistin herrscht im Saal Stimmengewirr, die Stühle knarren trocken. Alle sprechen über die Solistin, die gerade die Bühne verlassen hat: „eine wunderbare Violonistin".

Die Pause ist bald um: In den Kulissen hören sich die Echos aus dem Saal an wie unverständliches Gemurmel, das von der kompakten Dunkelheit aufgesogen wird, die nur von einem kleinen Lichtstrahl durchschnitten wird, der durch die Eingangstür fällt. Hier schwebt eine paradoxe Stille, ein gespanntes Warten. Plötzlich verdeckt eine hochgewachsene Gestalt diesen Lichtstrahl. Ihre Hände streichen über die Stirne, die Finger schlingen sich ineinander, man hört kurze, tiefe Atemzüge, die dann immer leichter und ruhiger werden. Der Kopf ruht in einem stillen Moment auf den Fingerspitzen, dann schnellt er plötzlich hoch, die Form des Schattens verändert sich und verschmilzt mit dem Weiß der Bühne, im schrill tönenden Beifall.

Die Töne steigen und fallen, sie vermischen sich aufstrebend, die Hände jagen einander, kreuzen sich, trennen sich wieder, streifen die Klaviatur hin und zurück, in einem schwindelerregenden Tanz, dem man nur verwandelt von der Kraft und dem  Zauber einer vollkommenen Interpretation entkommen kann.

Wenn Leidenschaft in einer Sekunde überspringen kann, dann geschieht dies auf diese Weise: Man lässt sich überfluten von den Emotionen einer phantasievollen und warmen musikalischen Ausführung, die der Perfektion entsprungen ist. Und man verlässt den Konzertsaal mit zwei neuen Steckenpferden: der Musik von Claude Debussy und der Wertschätzung für deren Interpretin, Alina Azario, die junge rumänische Pianistin, für die das Konzertieren und das Organisieren eines Festivals so natürliche Dinge sind wie der Beifall eines begeisterten Publikums.

Und die Musik verklang nicht  schon als Azario den letzten Finger von den Tasten hob, sondern erst viel später im Rascheln der Lindenblätter am späten Herbstabend.

Eigentlich hätte dieser Abend nicht übertroffen werden können. Die beiden Ausnahmeinterpretinnen belehrten am Abend darauf das Publikum eines Besseren, mit Werken von Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Béla Bartók, Dinu Lipatti und George Enescu.

Die liebevoll fließende Nokturne von Lipatti z. B. ist eine einzige Liebesgeschichte in warmen Tönen, welche die Tasten des Klaviers streicheln wie in einer Liebkosung. Zu ihnen gesellt sich ein dunkler Ton, der von alten Zeiten erzählt, deren Erinnerung nach Heilung heischt. Die letzte Note wird endlich frei gelassen, verschwindet in der Luft und lässt Enescu eintreten, dem das Talent bekanntlich in den Fingern pulsierte, und dessen Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in f-Moll kraftvoll und stets suchend daherkommt. Am fünften Festivalstag wurde das Duo Azario-Chiche mit minutenlangem Stehapplaus belohnt.

 

Alina Azario (links) und Marina Chiche danken dem Publikum.

 

Das Arcadia Quartett (v. l. n. r.): Ana Török, Răsvan Dumitru,  Zsolt Török und Traian Boală.              Fotos: Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

 

 

 

Nachrichten

2396

Rumänische Kulturtage in Bern

 

Bern. – Als eine „Premiere in den Kulturbeziehungen zwischen Rumänien und der Schweiz" bezeichnet das Rumänische Kulturinstitut Berlin die Rumänischen Kulturtage, die vom 10. bis 14. September erstmals in Bern veranstaltet werden. Zur Eröffnung wird am Mittwoch, den 10. September, 20 Uhr, im Cine Movie 1 der Spielfilm „La limita de jos a cerului”(Regie Igor Cobileanski) gezeigt; die rumänische Filmreihe wird fortgesetzt mit „Crulic – Drumul spre dincolo”, Regie Anca Damian (Donnerstag, 11. September, 20.30 Uhr, Cine Movie 3), „Love Building”, Regie Iulia Rugină (Freitag, 12. September, 18.30 Uhr, ABC Kino), „Sunt o babă comunistă”, Regie Stere Gulea (Samstag, 13. September, 18.30 Uhr, ABC Kino),  „Bucureşti, unde eşti?”, Regie Vlad Petri (Sonntag, 14 September, 17 Uhr, Cinematte Bern) und „Experimentul Bucureşti”, Regie Tom Wilson (Sonntag, 14. September, 19 Uhr, Cinematte Bern). Am Donnerstag, den 11. September, 19 Uhr, wird im Yehudi Menuhin Forum eine Ausstellung zur „ie", der rumänischen Trachtenbluse, eröffnet, die bis zum 13. September, 18 Uhr, zu besichtigen ist. Ebenda konzertiert am 11. September, 20 Uhr, das Balanescu-Quartett. Eine Lesung mit Ana Blandiana und Marius Daniel Popescu, findet am Freitag, den 12. September,  16 Uhr, im Kulturlokal ONO statt und am Samstag, den 13. September, 16-18 Uhr, verwandeln sich Schauspieler des Masca Theaters Bukarest in „lebende Statuen" auf dem Waisenhausplatz.

Für Liebhaber von elektronischer Musik gibt es am Samstag, den 13. und Sonntag, den 14. September, jeweils von 22 bis 4 Uhr, ein Konzert der Gruppe Coughy im Bärner Mitti/BM1 Club. (BU)

 

 

Töpfermarkt auf dem Großen Ring

Hermannstadt. – Der 48. Hermannstädter Töpfermarkt findet am 6. und 7. September, jeweils zwischen 9 und 20 Uhr, auf dem Großen Ring statt.  Aus diesem Anlass wird morgen, 16 Uhr, im Schatzkästlein die Sonderausstellung „Das Erbe der Familie Sitar. Die Töpferkunst" eröffnet und die erste Ausgabe der Fachzeitung der Töpfer Ziarul olarilor din România. Îndreptar pentru olari şi ceramişti vorgestellt. Ebenda ist die Ausstellung ,,Schön. Tönern. Nützlich. Hermannstädter Keramik”, zu besichtigen. (BU)

 

Ausstellung und Vortrag

Hermannstadt. – Das Brukentalpalais lädt heute, dem 5. September zur Eröffnung der Fotoausstellung „Gentle Violence” ein, die im Blauen Stadthaus bis 28. September zu sehen ist. Die Autoren Cristina Bobe, dr. Horia Mureșian, Sebastian Florea stellen laut Kuratorin Laura Coltofean Fotos aus, die während mehrerer Herzoperationen geschossen wurden.

Passend dazu sind Interessenten am 6. September, ab 10.30 Uhr, in die Habitus-Buchhandlung eingeladen, an einem Seminar zum Thema medizinische Fotos teilzunehmen. Fotografen und Chirurgen antworten auf die Fragen des Publikums, moderiert vom Chef der Chirurgieabteilung der Universitäts-Notklinik Bukarest, Dr. Horia Mureșian (www.horiamuresian.com), zusammen mit der Fotografin Cristina Bobe (www.cristinabobe.com), die die erste Online-Plattform für medizinische und zahnärztliche Fotografie eingerichtet hat.

 

Seniorentreffen im Forum

Hermannstadt. – Das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt veranstaltet am Dienstag, den 9. September ab 16 Uhr im Spiegelsaal, General Magherustr. 1-3, ein Kaffeenachmittag für die ehemaligen Rußlanddeportierten und Senioren aus Hermannstadt.

Im Rahmen des Treffens wird Pf. i. R. Heinz Galter ein Bildvortrag zum Thema „Eine Reise durch Thüringen“ halten.

Alle Interessenten sind dazu herzlich eingeladen. (HL)

 

Arbeiten an der Brücke

Hermannstadt. – Die Arbeiten an der Zibinsbrücke beim Zibinsmarkt haben am Mittwoch begonnen, wobei in der ersten Etappe, die zwei Wochen dauert, die Bauarbeiter die vier Pfeiler der alten Brücke untersuchen, um zu schauen, was für Leitungen und  Kabel in der Gegend sind. Die Autofahrer sind gebeten, diese Gegend wenn möglich zu vermeiden, da man nur einspurig fahren wird.

Das Bürgermeisteramt Hermannstadt baut eine neue Brücke beim Zibinsmarkt, der Wert des Vertrags liegt bei rund 10,6 Millionen Lei ohne Mehrwertsteuer. Den Vertrag unterzeichnete Bürgermeister Klaus Johannis am 25. Juli d. J mit den Firmen Prodial,  Arcada Company Galaţi, Repcons, Termo Sibiu, Consinstal Energy, Teleconstrucţia. Die Arbeiten werden 20 Monate dauern. (RS)

 

Astra Film Fest

Hermannstadt. – Die diesjährige Auflage des Dokumentarfilmfestivals Astra Film Fest findet vom 6. bis 12. Oktober statt. Eingeschrieben wurden 1.400 Filme aus 90 Länder, im Rahmen des Festivals werden 120 Filme aus 40 Ländern gezeigt. Das Festival hat dieses Jahr vier Sektionen: International, Mittel- und Osteuropa, Student und Rumänien. (RS)

 

Media Music Awards

Hermannstadt. – Über 30 rumänische Musiker steigen am 18. September ab 19 Uhr auf die Bühne am Großen Ring für die Media Music Awards. Dabei sollen die besten Künstler der letzten zwölf Monate prämiert werden. Die Organisatoren rechnen mit über 30.000 Zuschauern. (RS)

Treffen der drei Sälwerfäddem"-Singkreise

Hermannstadt/Michelsberg. – Unter dem Motto „Anders rauschen die Brunnen”, findet vom 5. bis 7. September in Michelsberg das Treffen der „Sälwerfäddem”-Singkreise aus Schäßburg, Mediasch und Hermannstadt statt. Die von Rosemarie Hedrich (Hermannstadt, Projektleitung), Cristina Rusu (Schäßburg) und Edith Toth (Mediasch) geleiteten Klangkörper werden gemeinsam für den Auftritt beim 24. Sachsentreffen in Mühlbach proben und am Sonntag die Bewohnerinnen und Bewohner des Dr. Carl Wolff-Altenheims in Hermannstadt mit einem Sonderkonzert erfreuen.

Das Projekt wird unterstützt von dem Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) und dem Departement für Interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung. In der diesbezüglichen Pressemitteilung des DFDH heißt es u. a.: „Musik und Singen sind heilsam für die Seele des Einzelnen und sie haben die Kraft, Gemeinschaft zu erzeugen.

Das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt führt auch solche Projekte durch, wo Singkreise aus verschiedenen Ortschaften zusammen kommen und die regelmäßig Musicals aufführen. Jeder Singkreis, einzeln oder gemeinsam mit anderen, beteiligt sich auch an verschiedenen Veranstaltungen, die vor Ort oder anderswo stattfinden wie z.B. an dem jährlichen Sachsentreffen in Siebenbürgen.” (BU)

 

Mühlentag in Holzmengen

Holzmengen/Hosman. – Zu einem Mühlentag werden Groß und Klein zu der Alten Mühle in Holzmengen am Samstag, dem 13. September, eingeladen. Organisiert wird ein regionaler Handwerksmarkt, dazu gibt es Leckereien aus der Holzofenbäckerei und Schaumahlen. Für die Kinder werden eine Malwerkstatt und ein Tanzworkshop organisiert.  Näheres unter www.moara-veche.ro (RS)

 

Bücherspenden für BookFest

Hermannstadt. – Die Buchmesse Sibiu Bookfest findet am Großen Ring in Hermannstadt vom 11. bis 14. September statt. Die Organisatoren rufen auch zu einer Bücherspende auf, für Kinder vom Land, die sich keine Bücher oder Schulsachen leisten können. Ab sofort werden Bücher in den Buchhandlungen Humanitas und Habitus entgegengenommen und in der Astra-Bibliothek. Während der Messe werden Spenden auch im Zelt „Born to Play” entgegengenommen. (RS)

 

Proben des Bachchors

Hermannstadt. – Der Hermannstädter Bachchor hat am Mittwoch die Proben wieder aufgenommen, und zwar für die Eröffnung und den Abschluss des Europäischen Kongresses für Evangelische Kirchenmusik, die Ende September in Hermannstadt stattfinden. Die Leiterin des Chors meldet, dass neue Chormitglieder immer herzlich willkommen sind. (RS)

 

Radio Neumarkt auf Deutsch

Sendezeiten: Mo.-Sa. von 21 bis 22 Uhr auf den Frequenzen der Mittelwelle 1593, 1323, 1197 kHz sowie Ultrakurzwelle 106,8 MHZ und im Livestream unter www.radiomures.ro/de/: Freitag: Jugend und Bildung im Blickpunkt; Samstag: Musikabend bei Radio Neumarkt; Montag: Bilanz der deutschen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters in Hermannstadt; Dienstag: Menschen bei uns – Transilvania-Markt in Hermannstadt – Interview mit Agnes Jansen aus Holland; Mittwoch: Veranstaltungen der Evangelische Akademie Siebenbürgen  in Neppendorf, bei Hermannstadt; Donnerstag: Wirtschaftsmeldungen.

 

Rumänisches Fernsehen
in deutscher Sprache

TVR 1, Montag  8.  September,  13.00-14.00 Uhr; Deutsch… um 1:  Zieder Heimattreffen; Denkmaleinweihung in Tschanad. 

TVR 2, Dienstag, 9. September, 14.30-15.00 Uhr: Buchenlandtreffen in Suceava; Radio RTI in Deutschland. 

TVR 1,  Donnerstag, 11. September, 15.30-17.00 Uhr: Kleinschenker Heimattreffen; Bücher und Bilder mit Hans Liebhardt; Deutsche Kulturtage im Haferland (II).

 

 

 

Michelsberg

Ausgabe Nr. 2396
 >

Morgen, am 6. September, findet auf der Michelsberger Burg der dritte Abend unter dem Motto Transilvania on Top – Sunset Castle" statt. Ab 19 Uhr konzertiert die Gruppe ZUM und im Anschluß wird die Burg in vielfarbiges Licht getaucht". Reservierungen unter info.michelsberg@gmail.com Unser Bild: Das Westportal in blau…                     Foto: Juliane HENNING

 

„Das Leben ist (doch) ein Ponyhof“

Ausgabe Nr. 2396
 >

Reiterhof in Schellenberg feierlich eröffnet

Spätestens seit 2011 hat die im Titel stehende Redewendung für die Familie Avrigean mehr Deckung denn je. Nach mehr als 3 Jahren Bauphase, durften die Geschwister Simina Popa (geb. Avrigean) und Paul Avrigean am 29. August in Anwesenheit des Schellenberger Bürgermeisters, Daniel Maricuța, den Schellenberger Reiterhof (Club Ecvestru Șelimbăr) feierlich einweihen.

 

Letzten Freitagnachmittag wurden somit die 1.500 Quadratmeter große Reithalle mit modernsten Einrichtungen für die Rundum-Versorgung der Pferde sowie der landwirtschaftliche Betrieb für den eigenen Pferdefutteranbau der Öffentlichkeit vorgestellt. Zeitgleich wurde das 3-Sterne- Gasthaus samt 4-Sterne-Restaurant eröffnet.

Die Investition für die in Siebenbürgen einzigartige Anlage ihrer Art betrug über eine Million Euro und wurde größtenteils aus Europäischen Fonds für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung getragen. Das Reiterhof bietet Platz für bis zu 41 Pferde in Einzelboxen und verfügt außerdem über eine Wasch- und Trockenanlage und ständiger Tierarztassistenz. In der Reithalle und den Reitanlagen im äußeren Bereich können sogar internationale Reitwettbewerbe in allen Disziplinen organisiert werden. Schon 2015 will das Familienbetrieb ein internationales Reitsportevent veranstalten.

Der Inhaber, Paul Avrigean, ehemaliger Rumänien- und Balkanmeister im Reiten, und zwei weitere Reitlehrer bieten für Pferdeliebhaber, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, Reitkurse und Unterricht in Pferdezucht und Pferdepflege. Unter den hauseigenen Pferden können auch einige berühmte Rassen wie Friesen, norwegische Fjordpferde, Hannoveraner und natürlich Ponys bewundert werden. Der Star unter den Vierbeinern ist der 15 Jahre alte Hannoveraner Collie, ein Nachfahre des berühmten weißen Hengstes Kolibri, der als einer der 20 besten deutschen Leistungsvererber galt. Dem Letzteren wurde 2005, nach seinem Tod, eine Bronzestatue im Hof des Haupt- und Landgestütes Neustadt an der Dosse gewidmet.

Der Reiterhof liegt 12 km weit von Hermannstadt entfernt und wird über die DN1 in Richtung Bukarest erreicht. Von der Nähe zum angrenzenden Wald kann auch profitiert werden, da hier für Interessierte auch längere Ausritte organisiert werden können. Reitausrüstung kann vor Ort gemietet, im eigenen Laden gekauft oder bei deutschen Partnerherstellern auf Maß bestellt werden.

Die Verantwortung für das Gasthaus übernimmt Simina Popa, die schon langjährige Erfahrung im Gastronomie- und Hotelleriebereich sammeln konnte. Im Reitsport getreu dekorierten Restaurant sowie auf der großzügigen Terasse werden exquisite internationale Gerichte serviert. Zum Beispiel  gekochte Nieren in Salz, Tagliatelle mit Ochsenfleisch oder Cordon Bleu aus Meerwolffleisch und zum Dessert Kirschsuppe. Vier Gästezimmer, ebenfalls in der Reitthematik dekoriert, stehen den Gästen für den kompletten Reiturlaub zur Verfügung.

Im Kontext der drohenden Schließung der Reitanlage des Hermannstädter CSM im Vasile Aaron Viertel, kann eine Investition dieser Art von Hermannstädter und Touristen nur willkommen geheißen werden. Für Paul und Simina ist es ein bißcher mehr. Der Traum vom eigenen Ponyhof wurde wahr. 

                          Monika TOMPOS

 

 Zur Eröffnung gab es auch eine kleine Show.

Die symbolische Schleife durchschnitten (v. l. n. r.) Paul Avrigean, Bürgermeister Daniel Maricuța und Simina Popa.  Fotos: Vali NOVACOVSCHI

Im Zeichen des Wiedersehens

Ausgabe Nr. 2396
 >

Streiflichter vom Baaßner Treffen in der Kirchenburg

 

Am 9. und 10. August 2014 haben sich in Baaßen über 350 ehemalige und jetzige Baaßner zu einem Heimatfest getroffen, das ganz im Zeichen des Wiedersehens, der Besinnung und der Erhaltung des uns anvertrauten Kulturguts stand. Für manchen Aussiedler war es ein Wiedersehen nach über 30 Jahren, andere frischten ihre Erinnerungen von früheren Besuchen auf. Ebenfalls vertreten waren Baaßner bzw. Baaßnerinnen, die noch vor der großen Aussiedlungswelle Ehepartnern an andere Wohnorte gefolgt waren bzw. im Ort Verbliebene. So ergaben sich auch Bekanntschaften zwischen Menschen, die sich vorher gar nicht gekannt hatten.

 

Bei schönstem Sommerwetter fand am Samstagnachmittag, dem 9. August ein gemütliches Grillfest begleitet von der Baaßner Blaskapelle und ausgerichtet von der örtlichen Gastronomenfamilie Bozdoc statt. Gut vertreten war die ältere Generation, und erfreulicherweise sehr gut vertreten die Jugend. Bei Mici und Grillsteaks, köstlichen Beilagen und Salaten, bei Bier und Wein konnte man einander kennenlernen und sich austauschen, in Erinnerungen schwelgen oder sich nach Freunden und Bekannten erkundigen. Bei all den Gesprächen vergaßen die sonst so tanzfreudigen Baaßner sogar das Tanzbein zu schwingen. Trozdem wurde bei heiterer Stimmung bis in die Morgenstunden gefeiert.

Bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen feierten am Sonntag, dem 10. August die Gemeinde mit Pfarrer Christian Reich (i. R.) und dem gebürtigen Baaßner  Pfarrer Johann Ehrlich einen andächtigen Gottesdienst mit Abendmahl. An der Orgel wirkte Ilse-Maria Reich mit den Geschwistern Grete Csibi und Ernst Chrestel. Mit „Nun danket alle Gott“ gespielt vom Posaunenchor endete ein wunderschöner und besinnlicher Gottesdienst. Anschließend begab man sich im Zug und in Begleitung der Blaskapelle unter der Leitung von Erwin Arz zu einer Gedenkstunde und Totenandacht auf den Friedhof. Quer durch die Generationen kamen viele in Tracht. Anschließend traf man abermals im großen Zelt im Pfarrgarten zum Mittagessen mit besonderen Spezialitäten zusammen. Am Nachmittag gab es gekonnte Darbietungen der Jugendtanzgruppe Baaßen, der Schülertanzgruppe aus Baaßen und des gemischten Chors der rumänischen Bewohnerschaft in Tracht. Impromptu-Darbietungen einiger Gäste rundeten die Show ab. Wiederum für manche sehr bewegend wurde nach den Tänzen und nach anderen Volks- und Heimatliedern begleitet von der Blaskapelle auch die Hymne „Siebenbürgen, Land des Segens“ von allen gemeinsam angestimmt. Einmal wieder in angestammtem, würdigen Rahmen. Erneut feierte man ein Fest bis in die späte Nacht hinein.

Insgesamt war die Stimmung an den zwei Festtagen sehr integrativ und versöhnlich. Es waren rumänische Vertreter und Honoratioren, darunter der orthodoxe Geistliche sowie einige Bürgermeister eingeladen und anwesend. Aus den Stellungnahmen und Äußerungen der rumänischen Gastgeber und Gäste sowie aus persönlichen Gesprächen klang deutlich das Bedauern über den Weggang der sächsischen Bevölkerung, deren Fehlen vor Ort schmerzlich gespürt werde. Gleichzeitig durften die in die ganze Welt versprengten ehemaligen Baaßner mit der Gewissheit fortgehen, hier jederzeit eine Heimstatt und Heimatrecht zu haben.

Anlass zu den Feiern war eigentlich die geplante Neueinweihung der restaurierten Baaßner Barockorgel gewesen. Leider konnte die Restaurierung nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, so dass die Orgel nur behelfsmäßig zur Verfügung stand und die Orgelempore noch halb Baustelle war. Wenn das auch für die zahlreich angereisten Besucher eine Enttäuschung war – einen Lichtblick konnte man der Situation doch abgewinnen: die endgültige Einweihung ist ein guter Grund, wieder nach Baaßen zu kommen. Hoffentlich bald! Recht herzlich dankt  auch auf diesem Weg der Vorstand allen Landsleuten und Mitwirkenden, die dazu beigetragen haben, dass dieses Festtreffen den Teilnehmern viele schöne und unvergessliche Stunden schenkte.             Horst KRAUSS

 

Die Jugendtanzgruppe Baaßen bei ihrem Auftritt im Pfarrgarten.

 

Dragonerwache

Ausgabe Nr. 2396
 >

Dragonerwache 1980: „Als die Türken endgültig aus dem Land vertrieben worden waren, besetzten die Kaiserlichen am 30. Oktober 1687 vertragsmäßig die Stadt. Die Wachen wurden verteilt, und eine, die der Dragoner, kam auf die Häuserinsel in der Elisabethgasse, die heute noch den Namen Dragonerwacht führt. Früher hieß der Ort 'auf den Zwillen' (im Sächsischen bezeichnet man mit Zwillen einen Ast, der sich in zwei Arme spaltet. Mittelhochdeutsch zwillen = doppelt machen.), womit die beiden Gäßchen gemeint waren, in die sich die Elisabethgasse spaltet, die Dragonerwache umfassend. Der alte Gassennamen hielt sich aber hartnäckig das 18. Jahrhundert hindurch neben der neuen Bezeichnung 'auf der Dragonerwacht', obwohl die Wache schon im Jahre 1710 aufgelöst worden war. Schließlich wich er zurück und verschwand. Neben der Wache befand sich eine Schmiede, die der Magistrat – sie war städtisch – im Jahre 1740 verkaufte", ist in  dem Buch „Die Gassennamen Hermannstadts" von Arnold Pancratz (Herausgeber: Deutscher Sprachverein in Rumänien; Druck und Vertrieb: Krafft&Drotleff, Hermannstadt, 1935) zur Dragonerwache (unser Bild stammt aus dem Jahr 1980, als dieses Gebäude abgerissen wurde) zu lesen. Hier befand sich übrigens von 1150 bis 1250 der erste Markplatz von Hermannsdorf".

 

Dragonerwache Springbrunnen 1982: An der Abrisstelle wurde 1982 ein von Dan Frăticiu, damals Bühnenbildner beim Puppentheater, entworfener Springbrunnen aufgestellt, der wegen seiner Form im Volksmund „la trei furcuțe" (Zu den drei Gäbelchen) oder „la trei mâțe" (Zu den drei Kätzchen) genannt wurde. Anfang der 1990-er Jahre wurde dieser Springbrunnen abgetragen und bis zu Beginn der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse war die Verkehrsinsel irgendwie ein Schandfleck in der Gegend.

 

Im Zuge der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse, wurde die Dragonerwache" 2014 wieder ins Rampenlicht gerückt. Der Architekt Victor Moraru wurde von der Stadtverwaltung damit beauftragt, hier einen öffentlichen Erholungsbereich zu gestalten. Hier kann man auf den Bänken ausruhen, miteinander plaudern oder einfach nur lesen, wie Bürgermeister Klaus Johannis bei der feierlichen Eröffnung am Freitag vor zwei Wochen sagte. Auch kleine Veranstaltungen können hier stattfinden.                                                  Fotos: Fred NUSS

„Das ist nicht Dracula, das ist ein Elf“

Ausgabe Nr. 2396
 >

Gute Stimmung und zahlreiche Gäste beim 14. Mittelalterfestival in Hermannstadt

 

Lauter Ritter und Prinzessinnen freuten sich am Wochenende, dass das Wetter mitspielte, denn im Altstadtzentrum Hermannstadts wurde zum 14. Mal das Mittelalterfestival organisiert. Die Hermannstädter und die Touristen ließen auch nicht auf sich warten und stürmten die Buden mit Essen und Kleinigkeiten, die zum Teil sogar an das Mittelalter erinnerten.

 

Mittelalterliche Musik gab es am Wochenende auf der Bühne, die ebenfalls am Großen Ring aufgestellt war, wo auch der Mittelaltermarkt stattfand. Doch trotz der verschiedenen Shows und Konzerte zog der Markt die meisten Besucher an.

Einen großen Andrang gab es zum Beispiel beim Bogenschießen, wo Jung und Alt probierten, den Bogen richtig zu spannen, den Pfeil rechtzeitig loszulassen und dazu auch noch das Ziel zu treffen. Gemeinsam hatten alle Schützen allerdings Mengen an Freunden und Verwandten, die jede ihrer Bewegungen fotografierten, so dass die perfekte Pose das Leben zusätzlich schwieriger machte.

Einen großen Andrang gab es auch bei den Essenbuden, denn da gab es unter anderem Kohlrouladen, Gulasch und Bohnen, die offensichtlich so lecker waren, dass sie immer wieder alle waren, und Nachschub gekocht werden musste.

So richtig beeindruckt waren die Gäste allerdings von  der Salvador-Riesenmarionette auf dem Großen Ring, denn die zehn Meter hohe Puppe ging unter dem Beifall des Publikums auch spazieren. Dabei handelte es sich aber nicht um einen Elfen, wie das ein Kind in altkluger Manier seinem Großvater erklärt hatte, sondern um den Erzähler Salvador aus einer anderen Show der Spanier, „La Mediteranea". Das Kind hatte seinem Großvater, der meinte, es sei Dracula, im Brustton der Überzeugung gesagt: „Das ist nicht Dracula, das ist ein Elf".  Eine weitere Riesenmarionette der spanischen Truppe „Carros de Foc”, die Hauptgäste des Festivals waren, war der Druide aus Jagul (dem Zauberer Merlin sehr ähnlich geraten), den man während der Parade mitgeschoben hatte und den man auf dem Großen Ring bewundern konnte.

Die Spanier präsentierten am Samstag in der Heltauergasse ihre Straßenshow „Der Druide von Jagul", die sie für das 20. Jubiläum des Internationalen Theaterfestivals im chilenischen Santiago de Mil einstudiert hatten, wobei es natürlich um einen Zaubertrank ging. Ein „braver und starker Druide", der im Wald in Jagul lebt, soll nämlich einen Zaubertrank zubereiten können, der ewige Jugend verspricht. Die jungen Frauen versuchen vergeblich, diesen Zaubertrank zu mischen, trotzdem tanzen und singen zum Schluß alle fröhlich und vergnügt.

Anschließend konzertierten auf der Bühne die Gruppen Novosadski Kamerni Hor (Serbien) und Obscurus Orbis (Lettland)und Crispus (Rumänien) bot eine seiner bewährten Feuershows.

Die Riesenmarionette „Salvador" hatte dann am Sonntagabend nach dem Konzert der deutschen Gruppe „Drachenmond" ihren großen Auftritt. Sie lag vor dem Ratturm und wurde von buntem Licht bestrahlt und als sie nach und nach aufgerichtet wurde, war die Begeisterung groß: Sie ragte regelrecht in die Höhe und man hatte von unten den Eindruck, sie stehe auf gleicher Höhe wie der Ratturm.

Großen Andrang gab es auch bei den Kleinigkeiten, die man auf dem Mittelaltermarkt kaufen konnte. Es gab schöne handgemachte Kerzen, originelle Ledertaschen und viel Schmuck, so dass die ebenfalls an einem Stand angebotenen Plastikspielsachen untergingen, denn wahrscheinlich waren im Mittelalter chinesische Plastikschlangen und – spinnen nicht gerade in.

Auf jeden Fall freuten sich insbesondere die Hermannstädter über das milde Wetter, so dass sie endlich die Gelegenheit wahrnehmen konnten, um die Supermärkte am Rande der Stadt – ein beliebtes Wochenendziel bei Regenwetter  – zu verlassen und im Zentrum spazieren zu gehen. Auf dem Großen Ring konnten die Kinder sich auch an einigen von den Wandergesellen gebauten  Spielgeräten oder ausgedachten Spielen versuchen. Besonders der Krafthammer zog viele an. Sogar eine Braut probierte hier ihre  Kraft aus.

Auch konnten die Kinder in zwei Lager aufgeteilt, an Minikatapulten mit kleinen Holzstücken auf Blechdosen zielen, angefeuert von ihren Eltern und Großeltern.

Mit einem Konzert der lettischen Gruppe Obscurus Orbis und einer von der Gruppe „Chigot" aus Bulgarien nachgestellten mittelalterlichen Schlacht wurde das diesjährige Festival beendet, das unter dem Motto „Bucuroși de oaspeți" (Wir freuen uns auf Gäste) stand.

               Ruxandra STẰNESCU

 

 

Echt mittelalterlich wirkten diese beiden Gestalten, die sich nach der Parade vor der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche unterhielten, vor der eine Arkadenfolge aufgestellt worden war.                 Foto: Fred NUSS

 

Auch in Rückenlage beeindruckte Salvador" die Anwesenden.