Mit Herz und Seele dabei

Vierte Auflage des „Jungen Festivals von Hermannstadt“ noch bis Sonntag

Ausgabe Nr. 2601

Eine sehr gelungene Variante des Klassikers „Die Geiß mit den drei Geißlein“ von Ion Creangă wurde am Montagmorgen im Gong-Theater für Kinder und Jugendliche von dem Prichindelul-Puppentheater aus Karlsburg/Alba Iulia aufgeführt. Unser Bild: Szenenfoto mit Viorica Boda, Irina Melnic und Teodora Popa (v. l. n. r.).                     
Foto: Cynthia PINTER

„Es ist der Wolf! Nicht öffnen!“ So aufmerksam und fasziniert vom Geschehen auf der Bühne, sieht man Kinder nur selten. Beim klassischen „Capra cu trei iezi“ von Ion Creangă, das von der Theatergruppe aus Karlsburg/Alba Iulia im Gong-Theater für Kinder und Jugendliche aufgeführt wurde, war genau das der Fall. Die Kinder erschraken vor dem bösen Wolf, lachten über die Henne, die kein Ei legen konnte und waren traurig, als der Wolf die Geißlein auffraß.Weiterlesen

Der Traum vom Frieden

Neues Theaterstück feierte am „Gong“-Theater in Hermannstadt Vorpremiere

Ausgabe Nr. 2600

Paul Bondane als Oldo und Alexandra Șerban als Nama träumen von einer neuen Welt ohne Krieg.                                        Foto: Dragoș DUMITRU

Wie fühlt es sich an, allein auf der Welt zu sein? Auf den Trümmern des eigenen, vom Krieg zerbombten Hauses unter freiem Himmel zu schlafen? Sich aus der Mülltonne von Essensresten zu ernähren? Wird der Krieg jemals enden? Oldo ist ein kleiner Junge, der genau das alles mitmacht. Er lebt im Land der Kriege und wartet darauf, dass sein Vater zurückkommt, der in die Staaten des Friedens geflüchtet ist.

Oldo ist der Hauptheld des Theaterstücks „Regulile jocului“ (Die Spielregeln) von Yann Verburgh, das am Samstagabend, dem 27. Oktober, im Kinder- und Jugendtheater „Gong“, Vorpremiere feierte.Weiterlesen

Kakerlaken, Würmer und Sauerkraut

Dokumentartheater über Gefängnisleben in Rumänien

Ausgabe Nr. 2600

Szenenbild aus „Țuhaus” mit Alexandru Potocean, Vlad Bălteanu und Andrei Șerban (v. l. n. r.).                                       
Foto: Cynthia PINTER

Țuhaus, Plural: țuhausuri. Bedeutung: Gefängnis. Aus dem Deutschen Zuchthaus. So lehrt uns das Wörterbuch Dexonline. Und wie es im rumänischen Țuhauszugeht, konnten die Hermannstädter am Montagabend, 29. Oktober, im Kinder- und Jugendtheater „Gong“ erleben. Das Gastschauspiel „Țuhaus“, unter der Regie von Lorand Maxim, ist ein Dokumentartheaterstück, in dem Vlad Bălteanu von den eigenen Erfahrungen in verschiedenen Gefängnissen Rumäniens erzählt. Ihm zur Seite stehen die beiden Schauspieler Alexandru Potocean und Andrei Șerban. Weiterlesen

Grenzenlos absurd und komisch

2594

Premiere mit Ödön von Horváths „Hin und her“ am Radu Stanca-Nationaltheater

An die Grenzen seiner Geduld gebracht, hat Ferdinand Havlicek (Daniel Bucher, Bildmitte) das Privileg, sich die Ministerpräsidenten – X (Anca Cipariu, links) und Y (Fabiola Petri, rechts) der beiden Länder zu schnappen, die ihn nicht haben wollen. Foto: Fred NUSS

Grenzenlos absurd und komisch zugleich, so könnte eine Kurbeschreibung des Stückes Hin und her“ lauten, das der Schriftsteller Ödön von Horváth 1933 zunächst unter dem Arbeitstitel „Die Brücke“ geschrieben und es als Posse in zwei Teilen“ bezeichnet hatte. Die Uraufführung fand 13. Dezember 1934 im Schauspielhaus Zürich statt. Das Stück trägt autobiografische Züge, denn Horváth galt ab 1933 in Deutschland nach der nationalsozialistischen Machtergreifung als „unerwünschte Person“. Er musste nach Budapest reisen, um seine ungarische Staatsangehörigkeit zu erneuern. Die Premiere in Zürich nutzte er als Gelegenheit, gemeinsam mit der Schauspielerin Wera Liessem, seiner damaligen Lebensgefährtin, Deutschland zu verlassen.

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„Das Theater ist mein Land”

Nachlese zum 25. Internationalen Hermannstädter Theaterfestival
Ausgabe Nr. 2583

 

Isabelle Huppert auf dem „goldenen Sofa“.            Foto: Doina GIURGIU

„Das Theater ist mein Land. Es ist ein riesiges Land ohne Grenzen, ohne Vorurteile. Es lebe das Theater!“ sagte die französische Schauspielerin Isabelle Huppert bei der Feierstunde am vorletzten Tag des 25. Internationalen Hermannstädter Theaterfestivals, dem 16. Juni, als sie einen Stern auf der Ruhmesmeile auf der Oberen Promeande in Hermannstadt entgegennehmen durfte. Wer am letzten Festivalstag, den 17. Juni, nach dem 45 Minuten-Gespräch mit Isabelle Huppert und Regisseur Cristian Mungiu im Thaliasaal nicht genug hatte, konnte am Abend erleben, dass die Schauspielerin, die u. a. durch ihre Hauptrolle im Film „Die Spitzenklöpplerin“ (1977) so richtig durchgestartet war, tatsächlich auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ zu Hause ist.Weiterlesen

Ausgelacht von tanzenden Omas

Streiflichter vom 25. Hermannstädter Internationalen Theaterfestival

Ausgabe Nr. 2582

Interaktiv und mitreißend: Mit ihrer Show „Travelers“ bewiesen die Schauspielerinnen und Schauspieler vom Teatr Akt aus Warschau den zahlreichen Zuschauern aller Altersklassen in der Heltauergasse, dass eine Reise immer auch eine Zeitreise  ist…
Foto: Adi BULBOACĂ

Satte 12,9 Millionen Euro hat die diesjährige Auflage des Internationalen Theaterfestivals gekostet, um 700.000 Euro mehr als die vorige Auflage. 12.850.000 Lei umgerechnet (rund 2,9 Millionen Euro) sind öffentliche Gelder: acht Millionen Lei kamen von der Stadt Hermannstadt, vier vom Kulturministerium, 600.000 Lei vom Bildungsministerium und 250.000 Lei vom Rumänischen Kulturinstitut. Dazu kam das Geld für die Karten, über 17.000 wurden verkauft, mit Preisen zwischen 15 und 50 Lei. Das heißt, dass im Durchschnitt jedes Event 25.000 Euro gekostet hat, da 525 Events angemeldet waren. Dabei wurde zum Beispiel jede Ausstellung zehn Mal gezählt, wenn sie jeden Tag zu sehen war. Gezeigt wurden Theaterstücke in Sälen und auf den öffentlichen Plätzen, Tanzvorstellungen, Zirkusnummern, Ausstellungen, Konferenzen und sogar Live-Cooking-Shows.Weiterlesen

Überzeugend authentisch

Persönliche Nachlese zum 25. Theaterfestival

Ausgabe Nr. 2582

Szene aus „CION: Requiem of Ravel´s Bolero“.
Foto: Sebastian MARCOVICI

Unter dem Gesichtspunkt, dass Theater die Kommunikation zwischen den Künstlern und dem Publikum über gesellschaftlich relevanten Themen ist und durchaus auch gesellschaftskritisch verstanden werden soll, hat das 25. Theaterfestival in Hermannstadt den Schreiber der Zeilen voll überzeugt. Der Beginn des Festivals war fulminant und hat auch schon die Richtung bestimmt. Weiterlesen

Spannungsbogen zwischen Märchen und Wirklichkeit

Zur Premiere von „Eine Ziege, ein Wolf und drei sympathische Zicklein“ am Gong-Theater

Ausgabe Nr. 2582

Die drei Zicklein wurden sehr glaubwürdig interpretiert von Andrei Hansel, Adrian Prohaska und Claudia Stühler (v. l. n. r.).    Foto: Cynthia PINTER

Das Theaterstück „Eine Ziege, ein Wolf und drei sympathische Zicklein“ ist eine moderne Neufassung des Märchens „Die Geiß mit den drei Geißlein“ des rumänischen Schriftstellers Ion Creangă (1875). Die etwas weniger grausame Inszenierung von Simona Vintilă, die am 4. Juni in Premiere am Gong-Theater für Kinder und Jugendliche gezeigt wurde, ergreift mit einem sehr modernen Setting ihr junges Publikum zielgenau. So schaffen Computerspiele wie Minecraft, das Einkaufszentrum „Mall“ oder die Benutzung des Handys den Bezug zum 21. Jahrhundert sehr gut und erzeugen damit einen authentischen Spannungsbogen zwischen Märchen und Wirklichkeit. Weiterlesen