Literarisches Symposion

Ausgabe Nr. 2939

„Vara în noiembrie (Sommer im November)” lautete der Titel des literarischen Symposions, das vom 13. bis 15. November im Foyer der Astrabibliothek in Hermannstadt und im Elimheim in Michelsberg stattgefunden hat und an dem Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus ganz Rumänien teilgenommen haben. Eingeladen hatte auf Initiative des Hermannstädter Autors Dumitru Cristănuș die Hermannstädter Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbands.

Am letzten Tag fand die Verleihung der Preise dieser Filiale für das Jahr 2024 statt. Der Preis Opera Omnia ging an Călin Vlasie, der Mircea Ivănescu- Preis an Dumitru Chioaru. Vlad Alui Gheorghe erhielt den Radu Stanca-Preis, Anca Sîrghie den Ovidiu Cotruș-Preis, Savu Popa den Ion D. Sârbu-Preis und Ion Dur den Octavian Goga-Preis. Der Preis des Hermannstädter Literaturkreises ging an Marilena Apostu.

Unser Bild: Der Vorsitzende der Hermannstädter Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbands Ioan Radu Văcărescu mit einigen Preisträgern: Dumitru Chioaru, Marinela Apostu, Călin Vlasie, Anca Sîrghie, Savu Popa, Adrian Alui Gheorghe und Ion Dur (v. l. n. r.).

Text und Foto: Beatrice UNGAR

Mit der Stimme eines Toten

Zu dem Gedichtband ,,Begräbnisse“ von Nicolae Tzone / Von Lorand PETHÖ

Ausgabe Nr. 2936

Nicolae Tzone: Begräbnisse. Gedichte. Aus dem Rumänischen von Horst Samson. Mit 20 bildnerischen Arbeiten Suzana Fântânariu und einem Nachwort, „Metamorphosen“, von Ioana Pârvulescu. Reihe Lyrik Bd. 195, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-86356-420-9. 134 Seiten, 33 Euro.

Nicolae Tzones Band „Begräbnisse”, jüngst im Pop Verlag Ludwigsburg erschienen, gehört zweifellos zu den eigenwilligsten poetischen Publikationen der letzten Jahre. Das Werk, ins Deutsche von Horst Samson übertragen, ist in der Form eines Fresko-Gedichts angelegt, das sich aus fragmentarischen lyrischen Partituren zusammensetzt, und spricht mit einer Stimme, die in der Dichtung höchst selten vernommen wird: Mit der Stimme eines Toten, eines Mannes, der in den Fluten der Donau ertrunken ist und nun, gleichsam schwebend, seiner eigenen Beerdigung beiwohnt.Weiterlesen

Dracula spricht Deutsch!

Neue literaturwissenschaftliche Erkenntnisse zu Bram Stokers Gruselroman

Ausgabe Nr. 2935

Das 1995 von den Puppen- und Maskenbauern Dimitris Stamou und Demi Papada gegründete Merlin Puppet Theatre Athen/Berlin hat Konzept und Regie der Produktion „Dracula. Cum am devenit un monstru” (Dracula. Wie ich zum Monster wurde) des Klausenburger Puck-Puppentheaters inne, die am 8 November, 18 Uhr, und am 9. November, 11 Uhr, im Hermannstädter Gong-Theater zu sehen ist.
Foto: Nicu CHERCIU

Es ist auffällig: Deutsche mögen besonders Krimis oder Geschichten, die in Großbritannien spielen. Beispiele sind Sherlock Holmes, Edgar Wallace, Inspector Barnaby oder Rosamunde Pilcher. Umgekehrt lieben Briten oft Geschichten, die einen Deutschland-Bezug haben – und zwar schon seit langer Zeit. Den Deutschen ist diese Tatsache jedoch kaum bewusst. Schon im 1719 herausgegebenen englischen Roman „Robinson Crusoe” soll der schiffbrüchige Protagonist ein Mann deutscher Herkunft sein, und zwar der Sohn eines nach England ausgewanderten Bremer Kaufmanns mit dem ursprünglichen Namen Kreutzner. Weiterlesen

Literatur ohne Grenzen

Rumänien bei der Frankfurter Buchmesse 2025

Ausgabe Nr. 2933

Jan Cornelius, Mariana Gorczyca und Georg Aescht (v. l. n. r.) bei der Vorstellung des Buches „Diesseits und jenseits des Tunnels. 1945” im Rumänien-Stand bei der Frankfurter Buchmesse 2025.                        
Foto: privat

Mariana Gorczyca war die einzige Schriftstellerin aus Rumänien, die persönlich bei Veranstaltungen am Rumänien-Stand der diesjährigen Frankfurter Buchmesse dabei gewesen ist. Außer ihr hatte das Rumänische Kulturministerium zwei weitere Autoren nach Frankfurt am Main eingeladen: Iulian Fruntaşu (Republik Moldova) und Pavlo Matyusha (Ukraine). Ebenfalls Gäste des Kulturministeriums waren die Kulturmanagerin Antje Contius und die Übersetzer Jan Cornelius und Georg Aescht. Weiterlesen

Eine mögliche unmögliche Liebe

Der neue Roman von Eginald Schlattner trägt den Titel ,,Die dritte Nacht“

Ausgabe Nr. 2925

Schlattner, Eginald: Die dritte Nacht, Pop-Verlag, Ludwigsburg, Reihe Epik, Bd. 155, 2025, 166 Seiten. ISBN 978-3-86356-410-0, 19,90 Euro. In Hermannstadt erhältlich in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé.

Ab einem gewissen Alter gibt es mehr Vergangenheit als Zukunft in unserem Leben, sodass die Gedanken zurückschweifen, um Antworten auf Fragen zu erhalten, die bis zu dem gegenwärtigen Zeitpunkt unbeantwortet geblieben sind. Es geht vor allem um die Beziehungen zu den geliebten Menschen, die uns in einem bestimmten Lebensabschnitt begleitet und uns gefühlsmäßig nie verlassen haben. Die immerwährende Frage „Was wäre gewesen, wenn …?“ taucht auf und verlangt nach einer bewussten Auseinandersetzung damit.

In seinem im Jahr 2025 erschienenen autobiografischen Roman, „Die dritte Nacht” geht Eginald Schlattner dieser Frage nach.Weiterlesen

Zart und zerstörerisch zugleich

Der Roman ,,Zitronen“ von Valerie Frisch

Ausgabe Nr. 2925

Valerie Fritsch (stehend) bei ihrer Lesung in der Stadtbibliothek in Werschetz/Vrsac in Serbien im Rahmen der Reschitzaer Deutschen Literaturtage.                                                                                     Foto: Beatrice UNGAR

Die österreichische Autorin Valerie Fritsch, bekannt für ihre poetische und bildgewaltige Prosa, hat mit „Zitronen“ ihren bisher wohl radikalsten Roman veröffentlicht. Im April stellte sie das Buch auf einer Lesereise in Temeswar, Reschitza und Bukarest vor. Die Präsentation in Reschitza fand im Rahmen der 35. Deutschen Literaturtage statt, über die die HZ bereits berichtete. Damit unterstrich Fritsch, dass ihre Literatur weit über Landesgrenzen hinaus Resonanz findet.Weiterlesen

Polarforscher oder Kolonialist?

Franzobels neuer Roman ,,Hundert Wörter für Schnee“ geht dieser Frage nach

Ausgabe Nr. 2923

Franzobel: Hundert Wörter für Schnee, Roman, Paul Zsolnay Verlag Wien 2025, 2. Auflage, Hardcover, 523 Seiten, ISBN 978-3-552-07543-6. 28 Euro.

„Hundert Wörter für Schnee” kennen die Inuit. Diese Behauptung ist zwar falsch, aber genau um diese Gleichgültigkeit und Respektlosigkeit gegenüber anderen Kulturen geht es im gleichnamigen Roman von Franzobel, erschienen 2025 im Wiener Paul Zsolnay Verlag. Der Roman schildert den Wettstreit um die erste Erreichung des Nordpols und die erbitterte Rivalität zwischen Robert Peary (1856-1920) und Frederick Cook (1865-1940). Beide Entdecker behaupteten zu ihrer Zeit, die ersten am Nordpol gewesen zu sein, wobei dies bis heute umstritten ist und auch im Roman widerlegt wird. Weiterlesen

Er lebte diese, seine Zeit

Nikolaus Berwanger und der Temescher Rat der deutschen Werktätigen

Ausgabe Nr. 2921

Foto aus einem Dienstausweis aus dem Jahr 1980 mit der eigenhändigen Unterschrift Berwangers.

Jüngste sachliche Würdigung erfuhr der Publizist, Autor, Literatur- und Kulturförderer sowie Herausgeber Nikolaus Berwanger (5. Juli 1935-1. April 1989) durch die Aufnahme in den ersten Band (Literatur) der Reihe „Enciclopedia Banatului“, erschienen 2016 in Temeswar (Verlag David Press, S. 82-84, mit Foto). Wie in Lexika üblich, ist der Beitrag nicht wertend, umfasst eine geraffte Biographie, ein umfangreiches Werkverzeichnis und wichtige Quellen bzw. Literatur zu Leben und Wirken Berwangers. Verfasserin des Beitrags ist die Temeswarer Germanistin Univ. Prof. Roxana Nubert. Als wichtige Vorarbeit kam ihr die ein Jahr zuvor im Pop-Verlag (Ludwigsburg) erschienene Berwanger-Sonderausgabe der Literatur- und Kulturzeitschrift „Matrix“ (2015) zugute. Lesen Sie im Folgenden den aus aktuellem Anlass – am 5. Juli d. J. wäre Berwanger 90 geworden – verfassten Beitrag des Journalisten Luzian Geier, den dieser freundlicherweise der HZ zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat:Weiterlesen

Krimis im Berlin der Weimarer Republik

Interview mit dem Schriftsteller Volker Kutscher / Von Ruxandra STĂNESCU

Ausgabe Nr. 2920

Lesung des Autors Volker Kutscher, moderiert von Ana-Maria Daneș, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt.   Foto: Ruxandra STĂNESCU

Der deutsche Schriftsteller Volker Kutscher hat Anfang des Monats Juli auf Einladung des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt aus seiner Gereon Rath-Reihe gelesen. Die seit 2008 bis 2024 erschienenen zehn Bände spielen in den Jahren 1929 bis 1938, im Berlin der späten Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Die ersten drei Bücher der Reihe wurden unter dem Titel „Babylon Berlin” als Kriminal-Fernsehserie verfilmt.Weiterlesen

Ein Genießer und Neugieriger

Nachruf auf Franz Hodjak / Von Horst SAMSON

Ausgabe Nr. 2919

Franz Hodjak bei seiner Lesung in Dinkelsbühl 2013, wo er beim Heimattag mit dem Siebenbürgisch-sächsischen Kulturpreis ausgezeichnet wurde.                          Foto: Konrad KLEIN

Sonntag, den 6. Juli 2025, ist mein lieber alter Freund Franz Hodjak von uns gegangen. Dreieinhalb Stunden davor konnte ich ihm noch einmal über die Schulter und seine grauen Locken streichen, seinem tiefen, regelmäßigen Atem zuhören – es schien mir, überwältigt vom sonntäglichen, existentiell geprägten Augenblick im Beisein seiner fürsorglichen Frau Juli und seiner Tochter Astrid wie eine Kantate von Bach. Kurz nach 18 Uhr hatte er seinen Koffer voller Sand, Bücher und unveröffentlichter Typoskripte, sowie sein allerletztes handschriftliches, leider nicht mehr entzifferbares Gedicht definitiv gepackt. Weiterlesen

Ein dichtender Wanderer

Emil Bruckner zum 120. Geburtstag

Ausgabe Nr. 2916

Zum 120. Geburtstag des am 23. Juni 1905 in Bistritz geborenen und am 30. September 1983 in Hermannstadt verstorbenen Dichter Emil Bruckner können Sie im Folgenden lesen, was der Schriftsteller und Stolzenburger Pfarrer Walther Gottfried Seidner (1938-2018) in der Nr. 916 vom 5. Juli 1985 der damals Die Woche getitelten HZ geschrieben hat. Der Titel des Beitrags weist wohl auch darauf hin, dass Emil Bruckner 1972 den Wanderklub „Freunde der Berge” (Amicii munților) gegründet hat:Weiterlesen

Grenzübergreifender Literaturmarathon

Streiflichter von den 35. Deutschen Literaturtagen in Reschitza

Ausgabe Nr. 2909

Gruppenbild mit Teilnehmenden und Organisatoren im Hof der Deutschen „Alexander Tietz”-Bibliothek .
Foto: DFBB

Ein glänzender roter Apfel zierte das Plakat der 35. Auflage der Deutschen Literaturtage in Reschitza, die vom 3. bis 6. April d. J. stattgefunden haben und bei denen laut dem Initiator und Hauptorganisator Erwin Josef Ţigla mit 41 Teilnehmenden aus Rumänien, Deutschland, Österreich, Slowenien und Serbien ein Rekord verzeichnet wurde. Der Apfel symbolisiere Hoffnung, meinten einige, andere wiederum erinnerte der Apfel an den Sündenfall. Wie dem auch sei, der Literatur-Marathon im Banater Bergland stellte erneut unter Beweis, wie lebendig die deutschsprachige Literaturszene ist. Einen Rückblick auf einige Auflagen bietet das Buch „Deutsche Literaturtage in Reschitza, 2016 – 2020”, erschienen in Reschitza, im Verlag „Banatul Montan”, als 122. Buchveröffentlichung des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“, das Herausgeber Erwin Josef Ţigla zum Auftakt am 3. April vorgestellt hat.Weiterlesen

Sechste Preisträgerin

Ausgabe Nr. 2908

Zum sechsten Mal vergeben wurde bei den 35. Deutschen Literaturtagen in Reschitza der Rolf Bossert”-Gedächtnispreis. Die Verleihung fand am 5. April in dem Diaconovici-Tietz”-Nationalkolleg statt, jener Schule, die Rolf Bossert besucht hat. Mehr zu den Deutschen Literaturtagen in Reschitza erfahren Sie in unserer nächsten Ausgabe. Unser Bild (v. l. n. r.): Hauptorganisator Erwin Josef-Țigla, Preisträgerin 2025 Nicola Quaß, Preisinitiator Hellmut Seiler, Laudator und Preisträger 2023 Christian T. Klein und Preisträger 2022 Bastian Kienitz.

Foto: Beatrice UNGAR