Die Zeit anhalten

Andreas H. Apelt erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte der Bewohner eines Dorfes

Ausgabe Nr. 2943

Andreas H. Apelt: Sechsunddreißig Seelen. Roman. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 2024, 303 Seiten, ISBN 978-3-96311-916-3, 28 Euro. www.mitteldeutscherver lag.de

In das beschauliche Fürstlich Drehna in der Niederlausitz wurden die Bewohner der geschleiften umliegenden Dörfer umgesiedelt, die in der DDR-Zeit dem Tagebau weichen mussten. Viele wiederum sind Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen. Die Menschen sind verbittert wegen des durch die deutschen Diktaturen erfahrenen Unrechts. Wehmut ergreift die Protagonisten in Apelts Roman, wenn sie zur Abbruchkante gehen und ihren längst verschwundenen Ort Presenchen in der trostlosen Mondlandschaft suchen, den keiner mehr sieht, nur noch die alte Elli Noack, die lediglich vom Friedhof die Grabsteine gerettet und auf ihrem Grundstück aufgestellt hat, wo sie mit den Toten spricht ebenso mit dem Mond. Weiterlesen

Spannende Lektüre zum Jahresbeginn

Zwei Jahrbücher des Jahres 2026 im Überblick

Ausgabe Nr. 2942

Ein neues Jahr hat begonnen und zwei neue Jahrbücher liegen auf dem Sitzungstisch der Redaktion. „Singet, rühmet und lobet“ ist der Titel des Jahrbuches bzw. des Siebenbürgisch-Sächsischen Hauskalenders, der im Auftrag der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee und in Zusammenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien von Hans-Gerhard Gross herausgegeben wurde und im Schiller Verlag Hermannstadt-Bonn gedruckt wurde. Und das Deutsche Jahrbuch für Rumänien 2026, das von der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien mit Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien mit Mitteln des Departements für Interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens im Druck der Honterus-Druckerei Hermannstadt erschienen ist, ist ebenfalls einer näheren Betrachtung Wert.Weiterlesen

Zwischen Herkunft und Gegenwart

Frank Höchsmann und sein Erstlingswerk ,,Hans im Glück. Aus anderen Zeiten“

Ausgabe Nr. 2941

Frank Höchsmann: Hans im Glück. Aus anderen Zeiten. Verlag: BoD Books on Demand GmbH, Hamburg, 2025, 119 Seiten, ISBN 978-3-6951-8919-9. 15 Euro/75 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

Frank Höchsmann, ein waschechter Hermannstädter, geboren 1950, wählte beruflich zunächst den Weg der Wirtschaft und wurde Diplombetriebswirt. Doch jenseits von Normen und Systemen zog es ihn immer wieder zum Erzählen und zum Schreiben. Geschichten sind für ihn eine Form, die Welt zu deuten und Verbindungen sichtbar zu machen zwischen Herkunft und Gegenwart, zwischen Pflicht und Leidenschaft, sowie zwischen nüchterner Analyse und poetischer Erinnerung.Weiterlesen

Der Traum vom Schreiben

Gedanken zu Hans Hamrichs ,,Zeiträume unter dem Atem Gottes“

Ausgabe Nr. 2941

Hans Hamrich: Zeiträume unter dem Atem Gottes. Schiller Verlag Bonn – Sibiu, Hermannstadt, 2025, 192 Seiten, ISBN 978-3-949583-82-7. 59 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

Der Verfasser Hans Hamrich kam 1957 in Siebenbürgen/Rumänien zur Welt als Sohn einer evangelischen Pfarrersfamilie. Hamrich besuchte das damalige Pädagogische Lyzeum in Hermannstadt und arbeitete nach dem Schulabschluss zehn Jahre als Grundschullehrer. Ab 1988 studierte er dann evangelische Theologie in Hermannstadt und in Erlangen. Er ging zusammen mit seiner Frau Birgit, der ersten ordinierten Pfarrerin der Ev. Kirche A. B. in Rumänien, in das Pfarramt nach Bistritz, von wo aus sie weite Teile Nordsiebenbürgens und der Bukowina betreuten. 2001 zogen die Familie nach Deutschland, wo Hamrich weitere zwanzig Jahre als Pfarrer in drei evangelischen Kirchengemeinden im Taunus tätig war. 2022 ging er in den Ruhestand, was ihm die Muße bescherte, das schon lange angestrebte Schreiben zu beginnen. Sein erstes Buch mit dem Titel „Zeiträume unter Gottes Atem” erschien 2025 im Schillerverlag Bonn-Sibiu und umfasst 192 Seiten.Weiterlesen

Skurrile und spannende Kurzgeschichten

Emeli Glasers Erstveröffentlichung ,,Rahnsdorf Ripper“

Ausgabe Nr. 2941

Emeli Glaser: Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten, Edition W GmbH, Neu-Isenburg 2025, 142 Seiten, ISBN 978-3-949671-21-0. www.edition-w.de

Über 100 Praktikantinnen und Praktikanten haben die Türschwelle der Redaktion der Hermannstädter Zeitung überschritten und mit Herz und Seele Artikel verfasst, Interviews geführt oder Nachrichten geschrieben. Oft fragt man sich was aus ihnen, den damaligen Studenten geworden ist. Einige arbeiten als Journalisten, andere haben andere Berufswege gewählt, manche hat man aus den Augen verloren. Desto größer war die Freude, als das Buch „Rahnsdorf Ripper“ unserer ehemaligen Praktikantin Emeli Glaser, druckfrisch Anfang Oktober auf unserem Sitzungstisch landete.Weiterlesen

Besinnliches für jeden Tag

Adventskalender im Taschenbuchformat

Ausgabe Nr. 2938

Unter dem Titel „Sehnsucht und Hoffnung” hat der Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt einen Adventskalender herausgegeben, der im Erasmus-Büchercafé und in der Schiller-Buchhandlung aufliegt.

Für jeden Tag des Wartens bietet das Büchlein einen kurzen Text von Hans Klein, der die besinnliche Stimmung der Zeit erfassen soll. Dazu gibt es ausgewählte Bildbeiträge von Friedrich Philippi. Die Texte stammen aus Kleins jährlichen Beiträgen, die er jeweils bei der Adventsfeier des DFDH vorgelesen hat. Die Abbildungen zeigen vornehmlich weihnachtliche Backkunst von Ilse Philippi und naturbezogene Fotografien. Der Band bietet täglich besinnliche Impulse für die Vorweihnachtszeit.

Max GALTER

 

Ist Tatendrang alles?

Theresia Töglhofer las im DKH aus ihrem Debütroman

Ausgabe Nr. 2938

Ana-Maria Daneș (links) und Theresia Töglhofer.                   Foto: Max GALTER

Die Autorin Theresia Töglhofer stellte am 5. November im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt (DKH) im Rahmen ihrer Lesereise durch Südosteuropa ihren Debütroman „Tatendrang” vor.Weiterlesen

Zwischen Poesie, Politik und Identität

Rumänien setzte auf der Buch Wien-Messe 2025 ein kraftvolles kulturelles Statement

Ausgabe Nr. 2938

Traduki zu Gast auf der Donau Lounge (v. l. n. r.): Dolmetscherin Aura Okur, Autor Florin Irimia, Moderatorin Annemarie Türk und Vorleser Nikolaus Kinsky.                                                                      
Foto: Heinz WEISS

Unter dem Motto „Wir sind, was wir schreiben!“ setzte Rumänien vom 12. bis 16. November 2025 auf der Buch Wien-Messe ein kraftvolles kulturelles Statement. Die „Buch Wien”, Österreichs renommierteste und international bedeutendste Literaturmesse, erwies sich erneut als Herzstück des literarischen Herbstes: Rund 72.000 Besucher strömten in die Hallen, um Neuerscheinungen zu entdecken, Autoren zu begegnen und insgesamt an mehr als 500 Gesprächen, Workshops und Diskussionsformaten teilzunehmen. Über 600 Mitwirkende aus dem In- und Ausland – darunter zahlreiche unabhängige Verlage und internationale Literaturinstitutionen – machten die Messe zu einem lebendigen Treffpunkt des literarischen Austauschs.Weiterlesen

Austausch zwischen Generationen

Sehr gut besuchte Buchvorstellung im Spiegelsaal des DFDH

Ausgabe Nr. 2936

An dem Tisch in der Mitte des Spiegelsaals wechselten sich die Dialogierenden ab. Unser Bild: Antonia Nicolaescu (links) und Moderatorin Ana Maria Daneș. Im Hintergrund rechts Anne Herrmann. Foto: die Verfasserin

Eine Begegnung mit den Mitwirkenden des neu erschienenen Interviewbandes „Jung und Alt treffen sich im Dialog“ erlebte im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt eine Gruppe von kulturinteressierten Hermannstädtern und Hermannstädterinnen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ana Maria Daneș, der Leiterin des Deutschen Kulturzentrums in Hermannstadt.Weiterlesen

Eine grundehrliche Geschichte

Martin Szegedi sucht mit tabulosem Debütroman eigenen Seelenfrieden

Ausgabe Nr. 2935

Martin Szegedi: Die Entblößung bis auf die Knochen. BoD – Books on Demand, 2024, 200 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-3-7693-1386-4.

Für Marcel Reich-Ranicki, den wohl bekanntesten Literaturkritiker des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum wurde Literatur wohl auch deswegen geschaffen, um „die Leiden des Individuums zu zeigen.“ Bei der inhaltlichen Erschließung des autobiographischen Romans „Die Entblößung bis auf die Knochen” von Martin Szegedi dürfte sich der Leser oft an das soeben erwähnte Zitat eines ganz großen Liebhabers des gedruckten Wortes erinnern. Schon die Überschrift verrät nämlich manchmal einiges. Weiterlesen

Von Honterus und Bomelius

Doppelte Buchvorstellung im Brukenthalpalais in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2935

Ulrich A. Wien, Julia Derzsi, Mária Pakucs-Willcocks und Gastgeberin Raluca Teodorescu (v. l. n. r.) bei der dialogischen Buchvorstellung im Konferenzsaal des Brukenthalpalais.                                             Foto: Max GALTER

Gleich zwei Neuveröffentlichungen zur Geschichte Siebenbürgens wurden am Mittwoch, den 15. Oktober, im Konferenzsaal des Brukenthalpalais dem interessierten Publikum vorgestellt. Die Buchvorstellung veranstaltete der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg in Kooperation mit dem Brukenthalmuseum in Hermannstadt. Die Bände präsentierte András Bándi im Dialog mit den Herausgebern, die Moderation hatten Liviu Cîmpeanu und Raluca Teodorescu inne.Weiterlesen

Vom Ballspieler zum Wortspieler

Heinrich Heini Höchsmann las im Spiegelsaal

Ausgabe Nr. 2934

Heinrich Heini Höchsmann bei seiner Lesung im Spiegelsaal des DFDH.
Foto: Eduard RESCHKE

Der Kaffeenachmittag des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) stand am 14. Oktober d. J. ganz im Zeichen der Literatur: Heinrich Heini Höchsmann las vor rund 20 Gästen aus seinem Buch „Einmal Deutschland und zurück – Geschichten von hüben und drüben“ vor, das zu Jahresbeginn im Schiller-Verlag Bonn-Hermannstadt erschienen ist und schon mehrere Auflagen erlebt hat.Weiterlesen

,,…das von niemand Besessene”

Statt einer Rezension zu Joachim Wittstocks ,,Bogengang. Gedichte und lyrische Prosa“

Ausgabe Nr. 2933

Joachim Wittstock: Botengang. Gedichte und kurze Prosa, Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt 2025, 189 Seiten, ISBN 978-3-949583-75-9, 129 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

Das vor kurzem erschienene Buch „Bogengang. Gedichte und lyrische Prosa” von Joachim Wittstock lässt sich auf einen ersten Blick in die Kategorie etwas befremdlicher Bücher einordnen, was im Grunde nicht ungewöhnlich ist, wenn von Wittstocks Oeuvre die Rede ist. Erinnern wir uns doch an „Forstbetrieb Feltrinelli” (2018) und „Briefe in die Runde” (2021), beides Beiwerke eines großen Erzählers, der auch mal lyrisch Angehauchtes aufgreift und sich dazu aufrafft, Persönliches zusammenzufassen und der Öffentlichkeit poetisch verpackt vorzulegen. Weiterlesen