Von Honterus und Bomelius

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Doppelte Buchvorstellung im Brukenthalpalais in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2935

Ulrich A. Wien, Julia Derzsi, Mária Pakucs-Willcocks und Gastgeberin Raluca Teodorescu (v. l. n. r.) bei der dialogischen Buchvorstellung im Konferenzsaal des Brukenthalpalais.                                             Foto: Max GALTER

Gleich zwei Neuveröffentlichungen zur Geschichte Siebenbürgens wurden am Mittwoch, den 15. Oktober, im Konferenzsaal des Brukenthalpalais dem interessierten Publikum vorgestellt. Die Buchvorstellung veranstaltete der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg in Kooperation mit dem Brukenthalmuseum in Hermannstadt. Die Bände präsentierte András Bándi im Dialog mit den Herausgebern, die Moderation hatten Liviu Cîmpeanu und Raluca Teodorescu inne.

 

Bei dem ersten Buch handelt es sich um den Tagungsband „Initia Reformationis Transsilvaniae. Vielfalt, Aufbrüche, Rezeptionsräume in der Frühen Neuzeit“ (Verlag De Gruyter, 2025. REFORC Connecting Academics. Studies of Early Modern Christianity in Central Europe), herausgegeben von Ulrich A. Wien.

Ulrich A. Wien: Initia Reformationis Transsilvaniae. Vielfalt, Aufbrüche, Rezeptionsräume in der Frühen Neuzeit. Verlag De Gruyter, 2025. REFORC Connecting Academics. Studies of Early Modern Christianity in Central Europe Berlin 2025, 551 Seiten, ISBN 978-31113-709-65.

Der Sammelband versammelt zwanzig internationale Beiträge zur Reformationsgeschichte Siebenbürgens und beleuchtet Voraussetzungen, zentrale Akteure wie den Reformator der Siebenbürger Sachsen Johannes Honterus, die Rolle wichtiger Städte sowie theologische Strömungen bis hin zur Rezeption unitarischer Bibelauslegung. Die Publikation dokumentiert die Tagung „Grenzen überschreiten – 500 Jahre Reformation in Hermannstadt, Siebenbürgen“, die 2019 in den Räumen der Evangelischen Akademie Siebenbürgen stattgefunden hat und aus Mitteln der Hasso-Plattner-Stiftung gefördert wurde. Die Tagung war eine gemeinschaftliche Veranstaltung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landekunde (AKSL) und der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt. Wien selbst sagte bei der Buchvorstellung voller Zuversicht: Es verspricht ein Standardwerk zu werden.

Julia Derzsi & Mária Pakucs-Willcocks (Hrsg.): Zum Eigenlandrecht der Siebenbürger Sachsen. Edition und Studien zu Quellen und Vorarbeiten auf der Grundlage der Sammlung von Thomas Bomelius (1560–1563). Honterus Verlag Hermannstadt, 2025, 202 Seiten. ISBN 978-606-008-149-4.

Beim zweiten Buch handelt es sich um einen Quellenband. Es trägt den Titel „Zum Eigenlandrecht der Siebenbürger Sachsen. Edition und Studien zu Quellen und Vorarbeiten auf der Grundlage der Sammlung von Thomas Bomelius (1560–1563)“ in der Herausgeberschaft von Julia Derzsi und Mária Pakucs-Willcocks. Es erschien im Rahmen des Projekts „Gute Policy in den Städten Siebenbürgens und Rumäniens, 1500–1800“, gefördert von der UEFISCDI und durchgeführt am Nicolae-Iorga-Institut für Geschichte in den Jahren 2022 bis 2024.

Der Band legt die Handschriften von Thomas Bomelius (cca. 1520 in Kronstadt – 1592, Stolzenburg), Notarius des Hermannstädter Rates, mit städtischen Annotationen systematisch vor. Die Herausgeberinnen rekonstruieren die Vorstufen des späteren Eigenlandrechts von 1583, zeigen die Verbindungen zur Pandekten-Ausgabe von Honterus und zur Kronstädter Rechts-
tradition sowie die abschließende Redaktion und Verbreitung des Bomelius-Bestands mit Unterstützung etwa durch Albert Huet.

Über den Band heißt es in einer Pressemitteilung der Organisatoren: „Die von Julia Derzsi und Mária Pakucs-Willcocks besorgte Edition von Bomelius’ Vorarbeiten zum ‚Eigenlandrecht der Siebenbürger Sachsen‘ ist ein Meilenstein der Forschung. Auf der Basis der von Honterus veröffentlichten Pandekten-Ausgabe und im Kontext der Kronstädter Rechtstradition, die von der Nationsuniversität konstruktiv rezipiert wurde, fand die Kodifizierung des späteren ‚Eigenlandrechts‘ (1583) statt. Nach ersten Vorstufen konnte schließlich mit maßgeblicher Unterstützung von Albert Huet der letztlich von Thomas Bomelius entwickelte Stand 1580 nochmals unter den Kommunitäten des Sachsenlandes zirkulieren und abschließend redigiert werden. Diesen Prozess zeichnet die nun vorgelegte Edition nach.“

Max GALTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.