Rumänien setzte auf der Buch Wien-Messe 2025 ein kraftvolles kulturelles Statement
Ausgabe Nr. 2938

Traduki zu Gast auf der Donau Lounge (v. l. n. r.): Dolmetscherin Aura Okur, Autor Florin Irimia, Moderatorin Annemarie Türk und Vorleser Nikolaus Kinsky.
Foto: Heinz WEISS
Unter dem Motto „Wir sind, was wir schreiben!“ setzte Rumänien vom 12. bis 16. November 2025 auf der Buch Wien-Messe ein kraftvolles kulturelles Statement. Die „Buch Wien”, Österreichs renommierteste und international bedeutendste Literaturmesse, erwies sich erneut als Herzstück des literarischen Herbstes: Rund 72.000 Besucher strömten in die Hallen, um Neuerscheinungen zu entdecken, Autoren zu begegnen und insgesamt an mehr als 500 Gesprächen, Workshops und Diskussionsformaten teilzunehmen. Über 600 Mitwirkende aus dem In- und Ausland – darunter zahlreiche unabhängige Verlage und internationale Literaturinstitutionen – machten die Messe zu einem lebendigen Treffpunkt des literarischen Austauschs.
Im Mittelpunkt stehen auf der Buch Wien-Messe traditionell keine klassischen Lesungen, sondern die rund 300 dialogorientierten Bühnengespräche, die das Programm tragen. Hier tauchen Autoren gemeinsam mit erfahrenen Moderatoren in die tiefen Schichten ihrer Werke ein: in Entstehungsprozesse, Rezeption, thematische Dimensionen und gesellschaftliche Hintergründe. Dieses Format bietet genau den Raum, den Rumänien nutzte, um seine literarische Vielfalt sichtbar zu machen.
Mit Florin Irimia, Iulian Ciocan, Ana Blandiana und Ruxandra Cesereanu präsentierte Rumänien vier wichtige Stimmen seiner Gegenwartsliteratur. Jede Veranstaltung setzte eigene Akzente – mal poetisch, mal politisch, mal philosophisch – und verdeutlichte, wie eng Literatur und gesellschaftliche Realität in Rumänien miteinander verwoben sind.
Den Auftakt machte Florin Irimia am 13. November in der Donau Lounge. Sein Roman „Der Mann hinter dem Nebel“, der 2025 in der deutschen Übersetzung von Peter Groth im Dittrich Verlag erschienen ist, eröffnete ein Gespräch über Identität, Verlust und innere Wandlungsprozesse. Diese Themen vertiefte er eindrucksvoll im Austausch mit der in Klagenfurt geborenen Annemarie Türk, Forscherin, Kuratorin und Beraterin, u. a. auch für das österreichische Bundeskanzleramt.
Am 14. November standen Politik und Zeitgeschichte im Fokus: Iulian Ciocan diskutierte mit dem Schweizer Historiker und Ost-Europa-Experten Oliver Jens Schmitt über die fragile Lage der Republik Moldova, kulturelle Übergangsräume und russische Einflusszonen. Sein Roman „Am Morgen kommen die Russen“ bot die literarische Grundlage für ein Gespräch, das starke Resonanz im Publikum auslöste.
Ana Blandiana – anerkannte rumänische Autorin und Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen – bereicherte am 15. November die Bühne mit einem tief reflektierten Dialog über Manipulation, Erinnerung und die Rolle des freien Willens. Ihr Werk „Der Wille des Menschen ist antastbar“, das 2024 in der deutschen Übersetzung von Georg Aescht im Pop Verlag Ludwigsburg erschienen ist, gab den Rahmen für ein Gespräch, das gesellschaftliche Verantwortung und individuelle Erfahrung miteinander verband.
Den Abschluss des rumänischen Programms gestaltete am 16. November Ruxandra Cesereanu auf der Donau Lounge. Ihr Gedichtband „Einhunderteins Gedichte“, der 2024 in der deutschen Übersetzung von Christian W. Schenk in der Edition Dionysos erschienen ist, eröffnete einen Austausch über poetische Freiheit, Körperlichkeit und imaginative Räume – ein eindrucksvoller literarischer Ausklang!
Der rumänische Stand – heuer erstmals mit direkter Möglichkeit Bücher zu erwerben – wurde zum lebendigen Treffpunkt für Literaturbegeisterte. Mit einem breiten Angebot an Originaltiteln, Übersetzungen und Informationen über die Förderprogramme des Nationalen Buchzentrums bot er eine offene und bestens kuratierte Plattform für den kulturellen Austausch.
Die Buch Wien-Messe 2025 zeigte einmal mehr, wie essenziell sie als internationale Literaturplattform ist – und Rumänien nutzte diese Bühne eindrucksvoll, um seine kulturelle Präsenz im deutschsprachigen Raum weiter zu stärken und aussagekräftig zu zeigen, wie vielfältig, politisch, poetisch und relevant seine Literatur heute ist.
Ingrid WEISS