Skurrile und spannende Kurzgeschichten

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Emeli Glasers Erstveröffentlichung ,,Rahnsdorf Ripper“

Ausgabe Nr. 2941

Emeli Glaser: Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten, Edition W GmbH, Neu-Isenburg 2025, 142 Seiten, ISBN 978-3-949671-21-0. www.edition-w.de

Über 100 Praktikantinnen und Praktikanten haben die Türschwelle der Redaktion der Hermannstädter Zeitung überschritten und mit Herz und Seele Artikel verfasst, Interviews geführt oder Nachrichten geschrieben. Oft fragt man sich was aus ihnen, den damaligen Studenten geworden ist. Einige arbeiten als Journalisten, andere haben andere Berufswege gewählt, manche hat man aus den Augen verloren. Desto größer war die Freude, als das Buch „Rahnsdorf Ripper“ unserer ehemaligen Praktikantin Emeli Glaser, druckfrisch Anfang Oktober auf unserem Sitzungstisch landete.

 

Ich erinnerte mich schnell daran, dass Emeli Glaser im Herbst 2017 zwei Monate lang Praktikantin der Hermannstädter Zeitung war und spannende Artikel verfasst hat, insbesondere schrieb sie Rezensionen zu neuen rumänischen Filmproduktionen, aber sie war auch viel im kulturellen Bereich unterwegs, beim ProEtnica Festival in Schäßburg zum Beispiel oder bei einer Regierungsorganisation, die sich mit der Geschichts- und Kulturpflege der Roma-Minderheit in Rumänien beschäftigt. In den Jahren nach ihrem Praktikum bei uns, arbeitete sie als freie Journalistin und verfasste u.a. Artikel für die TAZ oder der ZEIT. Sie ist außerdem Host und Autorin verschiedener Storytelling-Podcasts beim BR, WDR und SWR.

Kurzgeschichten schrieb die 29-Jährige Wahlberlinerin schon länger und wurde zwei Mal mit dem ersten Preis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Nun veröffentlichte sie ihr erstes Buch: „Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten“.

Schon das Cover des Buches deutet darauf hin, dass Skurriles, vielleicht sogar Absurdes auf den Leser wartet: Eine Zeichnung eines übergewichtigen Mannes ragt aus einer belegten Schnitte Brot heraus. Ein Mafiosi oder vielleicht ein Politiker der alten Garde? Oder der Rahnsdorf Ripper selber, der Mörder, der zwischen 1939 und 1941 mehrere Frauen in Ostberlin ermordete?

In dem Buch sind sieben teilweise skurrile Kurzgeschichten zu lesen, die kurze Einblicke in das Verhalten verschiedener Männer geben. Einer versucht sein Glück im Reality-Tv mit einer Kochsendung groß rauszukommen, ein anderer schwelgt in der digitalen Spielwelt der „Sims“, der dritte eifert seinem Vorbild Ilja Richter von der Jugendshow der 1970-er Jahre aus Westdeutschland „Disco“ nach und führt die Sendung mit geringem Erfolg auf seinem Youtube-Kanal weiter, bis er mit „rechten“ Parolen den Puls seiner Zuschauer trifft.

Die Kurzgeschichten haben keine durchgehenden Protagonisten, den roten Faden gibt es in dem Sinne nicht, gemeinsam haben die Erzählungen bloß den Schauplatz Berlin und die Hauptpersonen, die männlichen Geschlechts sind.

Die Sprache von Emeli Glaser ist sehr deskriptiv, wodurch die Figuren lebendig wirken und für Neugierde und Spannung beim Lesen sorgen. Das Buch liest sich sehr leicht in einem Durchgang und bietet kurzweilige Unterhaltung für kurze Verschnaufspausen.

Der Sitzungstisch in unserer Redaktion kann gerne noch weitere spannende Buchveröffentlichungen unserer ehemaligen Praktikanten vertragen. Emeli Glaser hat mit „Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten“ den Erwartungen gemäß einen vielversprechenden Anfang gemacht.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.