Zwei Jahrbücher des Jahres 2026 im Überblick
Ausgabe Nr. 2942

Ein neues Jahr hat begonnen und zwei neue Jahrbücher liegen auf dem Sitzungstisch der Redaktion. „Singet, rühmet und lobet“ ist der Titel des Jahrbuches bzw. des Siebenbürgisch-Sächsischen Hauskalenders, der im Auftrag der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee und in Zusammenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien von Hans-Gerhard Gross herausgegeben wurde und im Schiller Verlag Hermannstadt-Bonn gedruckt wurde. Und das Deutsche Jahrbuch für Rumänien 2026, das von der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien mit Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien mit Mitteln des Departements für Interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens im Druck der Honterus-Druckerei Hermannstadt erschienen ist, ist ebenfalls einer näheren Betrachtung Wert.
„Es kommt nicht von ungefähr, dass das Jahrbuch 2026 unter diesem Motto steht. Denn 2026 jährt sich zum siebzigsten Mal der Gründungstag der Kantorenschule am 7. Oktober 1956 in Baaßen. Der Grund für die Entstehung dieser Schule war ein großer Mangel. Es herrschte Mangel an Menschen, die in der Lage waren, die Gottesdienste insbesondere in den siebenbürgischen Dorfgemeinden musikalisch zu gestalten, bzw. den Gemeindegesang an der Orgel zu begleiten“. Mit dieser Einführung erklärt Dekan i.R. Hans-Gerhard Gross, Vorsitzender der „Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD”, im Vorwort des Siebenbürgisch-Sächsischen Hauskalenders das sich wiederholende Thema der Kantorenschule im frischen Jahrbuch. Das Jahrbuch ist in drei große Kapitel gegliedert: „Kalendarium“, „Aktuell“ und „Aus Vergangenheit und Gegenwart“.
Der Jahreslosung und den von verschiedenen Pfarrern beschriebenen Monatssprüchen folgen die abgedruckte Predigt vom Heimattag in Dinkelsbühl 2025 von Hans-Gerhard Gross, sowie die Festrede von Ortwin Hellmann und die Buchbesprechung von Thomas Pitters von Hans Kleins Autobiografie „Ausgerichtet auf das Kommende – Erinnerungen“. Erinnerungen an die Zeit in der Kantorenschule schildern im Weiteren Edeltraut Ida Lander, Ilse Abraham, Johanna Schleßmann, Emese Balogh, Brigitte Sekes und Marianne Seiwerth-Galbács.
Das dritte Kapitel „Aus Vergangenheit und Gegenwart“ beginnt mit einem spannenden Bericht von Heinz Bretz unter dem Titel „Nicht 1000 Gulden hätte ich genommen, hätte ich Deutschland nicht gesehen“, in dem er die Erinnerungen seines Großvaters an dessen Volkskunstreise aus Siebenbürgen nach Deutschland von vor 100 Jahren schildert. „Die Evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses in Rumänien in den Jahren der kommunistischen Herrschaft 1944-1989“ von Dr. August Schuller (bearbeitet von Dr. Berthold Köber) und „Das hat Stockholm noch nie erlebt. Reise der Siebenbürgischen Kantorei“ von Annette Königes und Hanne Roth sind Beispiele weiterer Titel dieses letzten Kapitels des Jahrbuches.
Das Jahrbuch 2026 „Singet, rühmet und lobet“, dessen Titelblatt die Orgel in der Kirchenburg in Deutsch-Kreuz zeigt, ist reich bebildert und absolut lesenswert und kann in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé für 26 Lei erworben werden.
Seit Beginn des Jahres liegt auch das Deutsche Jahrbuch der ADZ im Forumshaus kostenlos auf. Es bietet kurzweilige Lektüre zur deutschen Minderheit in Rumänien und Vieles mehr. Gegliedert ist das Buch in sechs größere Kapitel „Im Dienst der Gemeinschaft“, „Aus Stadt und Land“, „Kultur und Kulturerbe“, „Lesespaß und Literatur“, „Heimat, Brauchtum und Mundart“, „Rätsel der Heimat“ und beginnt mit den Grußworten von Paul-Jürgen Porr, dem Vorsitzenden des DFDR und Angela Ganninger, der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest. Es folgen eine Reihe von Interviews. Eines davon führte ADZ-Chefredakteurin Nina May mit Dr. Paul Jürgen Porr, zum Thema „35 Jahre Deutsches Forum – ist da ein bisschen die Luft raus?“, in dem es vor allem um die Gründerzeit des Forums und dessen Entwicklung bis heute geht. Der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț lässt in dem Gespräch mit Hannelore Baier das vergangene Jahr Revue passieren und spricht über die Präsidentschaftswahlen und Reformen, die dieses Jahr umgesetzt werden sollen: „Unbedingt erfolgen müsste eine Verwaltungsreform. Es geht doch nicht an, dass wir über 3000 Städte und Gemeinden haben, von denen nicht einmal die Hälfte ihre Verwaltungsstrukturen finanzieren können. (…) Auf Kreisebene könnten einige Behörden schlicht und einfach verschwinden. Die Gehälter ihrer Mitarbeiter ist Geldverschwendung, denn zu sagen haben diese ‚Direktionen‘ nichts mehr. Sie sind ein Erbe aus der Zeit des Kommunismus, als die Anleitungen ‚von oben‘ kamen.“ Unter dem Titel „Das Deutsche Forum ist vor allen Dingen ein gewachsener lebendiger Organismus“ führte Hannelore Baier ein Interview mit Benjamin Józsa, dem Geschäftsführer des DFDR, über seine Laufbahn beim Forum, erst als ehrenamtliches Vorstandsmitglied beim Jugendforum 1991, dann als Pressereferent des DFDR 1999 und schließlich seit 2006 als Geschäftsführer. Weiter im Gespräch erklärt Józsa seine Aufgabengebiete als Geschäftsführer, zählt aber auch auf, welches die Stärken des Landesforums sind: „Die größte Stärke des Forums waren immer die Leute, die es prägten, und dazu gehören in erster Linie die Ehrenamtlichen vor Ort, die einen guten Teil ihrer Zeit den Forumstätigkeiten opfern. (…) Eine weitere Stärke des Forums ist die Zielorientiertheit. Das Forum hat nie Politik um der Politik willen betrieben, sondern ausschließlich zum Besten der Gemeinschaft, worin ich explizit auch das nichtdeutsche Umfeld mit einschließe.“ Folgende zwei Interviews aus dem Banat bereichern das ADZ-Jahrbuch: „70. Jubiläum der Temeswarer Germanistik“, Interview mit Univ.-Lekt. Dr. Mihaela Șandor, der Leiterin des Fachbereichs Germanistik an der West-Universität Temeswar (geführt von Ștefana Ciortea-Neamțiu), sowie „Wir lebten zwischen Kulturen, die letztlich dieselben Werte teilen“, Gespräch mit dem aus dem Banater Bergland stammenden Historiker Prof. Dr. Rudolf Gräf (geführt von Raluca Nelepcu). Über das Holzstock-Festival sprach Aurelia Brecht mit den beiden Organisatoren Winfried Ziegler und Paul Dărășteanu, und Krisztina Molnár beschreibt das Leben in Reichesdorf durch die Linse des Fotografen Robert Söllner, der zusammen mit seiner Familie die Hälfte des Jahres in dem siebenbürgischen Dorf verbringt.
Das ADZ-Jahrbuch verbirgt noch weitere spannende Erzählungen über die Auswanderung nach Deutschland oder darüber wie ein Japaner und eine Ungarin in Neumarkt Kindern deutsche Tänze beibringen. Literatur von Joachim Wittstock, Karin Gündisch, Dagmar Dusil und Carmen Elisabeth Puchianu kann man hier auch entdecken.
Am Ende des Jahrbuches stehen wie gewohnt die Anschriften aller Ortsforen. Das Jahrbuch der ADZ, auf dessen Umschlag ein Trachtenpaar aus Temeswar zu sehen ist, wird kostenlos vertrieben und kann im Forumshaus abgeholt werden.
Cynthia PINTER