Frank Höchsmann und sein Erstlingswerk ,,Hans im Glück. Aus anderen Zeiten“
Ausgabe Nr. 2941

Frank Höchsmann: Hans im Glück. Aus anderen Zeiten. Verlag: BoD Books on Demand GmbH, Hamburg, 2025, 119 Seiten, ISBN 978-3-6951-8919-9. 15 Euro/75 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.
Frank Höchsmann, ein waschechter Hermannstädter, geboren 1950, wählte beruflich zunächst den Weg der Wirtschaft und wurde Diplombetriebswirt. Doch jenseits von Normen und Systemen zog es ihn immer wieder zum Erzählen und zum Schreiben. Geschichten sind für ihn eine Form, die Welt zu deuten und Verbindungen sichtbar zu machen zwischen Herkunft und Gegenwart, zwischen Pflicht und Leidenschaft, sowie zwischen nüchterner Analyse und poetischer Erinnerung.
Das Buch „Hans im Glück. Aus anderen Zeiten” besteht aus Ereignissen und Erzählungen aus mehr als dreißig Jahren, die der Autor erlebt hat. So die Geburt seines Bruders Lothar, der Taufritus der drei Brüder – der dritte im Bunde, Heini Heinrich Höchsmann, ist schon etwas früher unter die Schriftsteller gegangen – an demselben Tag, oder die Darstellung des Märchens „Hans im Glück” gelegentlich eines Kinderfaschings. Ein Foto davon (mit seiner damaligen Lehrerin Erna Ungar) schmückt das Cover des Buches.
Es geht im Buch aber auch um Frank Höchsmanns besondere Liebe zur Natur, so der beliebte Götzenberg. Geschildert werden auch das Heranwachsen des jungen Frank Höchsmann, sein Lebensmotto anwendend „Lieber Studieren als Betonieren“, eine Lektion von seinem Vater erteilt. Wichtig waren ihm auch sportliche Aktivitäten wie Skifahren oder Skilager auf der Preschbe. Auch politische Weltereignisse wie „Sommer der Schande“ sind im Buch enthalten. Auch wie er den rumänischen Militärdienst umgehen wollte und trotzdem einbezogen wurde, werden akribisch dargestellt.
Spannend und lehrreich ist auch das Erlebnis von Höchsmann mit seiner jungen Bukarester Freundin in einem Bukarester Spitzenrestaurant, wo wildfremde Menschen nicht zugelassen haben, dass Gewalt und Macht der rumänischen Securitate herrscht. Standhaftigkeit war hier die Devise. Dem Unrecht wurde die Stirn geboten.
Da aus gesundheitlichen Gründen aus dem geplanten Sportstudium nichts wurde, war für den mit westdeutscher Kleidung ausgestatteten jungen Mann ein Studium an der Hotelfachschule in Bukarest an der Tagesordnung. Als offener junger Mann, der auf Menschen zugehen konnte, war es die absolut richtige Entscheidung. In der Zeit der kommunistischen Diktatur kam er in den Besitz einer roten Mao-Bibel, überreicht direkt in der chinesischen Botschaft. Es war sein größter Schatz als Zeichen gegen das Verbotene. Ihm gelang auch ein Besuch in der englischen Botschaft, um die Beatles Stereo zu hören und zu genießen. Das war ein echtes Spiel mit dem Feuer, war es doch einfach seine große Sehnsucht nach Freiheit.
Für viele Familien, vor allem Angehörige der deutschen Minderheit, die aus Rumänien nach Deutschland ausreisten, organisierte Frank Höchsmann in Bukarest das letzte Festessen in der „alten” Heimat, hat auch noch bis heute zu vielen den Kontakt aufrecht erhalten. Und dann ist doch noch auch die Geschichte mit der kleinen Nebenrolle im rumänischen Film „Aventuri la Marea Neagră” (1972) und sein berührendes Treffen mit dem beliebten Schauspieler Florin Piersic.
Da sich Frank Höchsmann weigerte, als Hotelfachmann mit der Securitate zusammenzuarbeiten, wurden ihm gute Plätze in den besten Hotels verweigert. Er erhielt sogar Arbeitsverbot.
Auch die Erlebnisse in der Schreyer-Mühle im sogenannten Hermannstädter Goldtal haben auf den Leser eine magische Anziehungskraft.
Lesenswert besonders für Außenstehende sind die Episoden über die Lebensmittellage im kommunistischen Rumänien, wo man nur über Beziehungen und Bestechlichkeit überleben konnte. Schlangestehen für Lebensmittel war an der Tagesordnung. Wer „Vitamin B” (Beziehungen) hatte, konnte dem stundenlangen Schlangestehen entgehen.
Der neugierige Leser erfährt auch, wie Frank Höchsmann über seine Heimkehr nach Hermannstadt nach über dreißig Jahren faszinierend berichtet.
Beruflich verbrachte Frank Höchsmann mit seiner Gattin Martica samt Kindern mehrere Jahre in Kolumbien und in der Hauptstadt Uruguays Montevideo.
Hans im Glück als Faschingskind und Hans im Glück im wahren Leben. So ist auch der Titel dieser meisterhaft geschriebenen Lesetexte zu deuten. Ein Leben voller Abenteuer, Ereignisse und wunderbaren Erlebnissen.
Helmut LEONBACHER