„Romaii Poesia”

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4. Poesiefestival der Roma hat stattgefunden

Ramona Ioana Bruynseels (links) und Luminiţa Cioabă tauschten Gedichtbände aus. Foto: Ruxandra STĂNESCU

Zum 4. Mail fand vom 1. bis 4. August in Hermannstadt das Festival „Romaii Poesia”, das im Mittelpunkt die Roma-Literatur aus aller Welt hat, statt. Organisiert wurde das Festival von der Sozial-Kulturellen Stiftung der Roma „Ion Cioabă”, genauer gesagt von Luminiţa Cioabă, die selber Gedichte schreibt und im Laufe der Jahre auch viele ihrer Kollegen nach Hermannstadt eingeladen hat, um ihre Gedichte vor dem hiesigen Publikum vorzustellen. 

Am 1. August setzten sich Dichter aus aller Welt auf der Hohen Rinne zusammen, um sich über ihre eigenen Erfahrungen zu der Literaturwelt auszutauschen. Eingeladen waren Stela Olteanu Manolescu, Maja Familic, Ruzdija Russo Sejdovic, Isabella Sejdovic, Marcel Courthiade, Robert Blomberg Rydberg, Laura Bumbac, Paraschoudis Petros, Paraschoudis Matilda, Roni Ben Ari, Daniel Ben Ari, Neustadat Nurit, Neustadat Isac, Ana Debincka, Katiuzsha Kozubek, Yuki Tanaka, Akiko Tahasaahi, Nicolae Băciuţ, Delia Grigore, Luminița Cioabă, Camelia Stănescu und Claudia Macaria. Thema des Workshops war „Die Sprache Romaii – Instrument der Kultur und der Identität“. Der Abend endete mit einem typischen Romano-Picknick „kai zălleno cear“.

Am 2. August ist weltweit der Gedenktag des Holocausts der Roma und Sinti, im Rahmen des Festivals wurde dieser Tag eher der Geschichte der Roma gewidmet. Am 2. August 1944 wurde der „Zigeunerblock“ des Vernichtungslagers KZ Auschwitz-Birkenau  „liquidiert“ (wikipedia.de). Die deutsche SS ermordete alle dort befindlichen 3.000 Sinti und Roma. In Erinnerung an die Opfer begaben sich die Teilnehmer auf einen Fußmarsch von der Filadelfia-Kirche in Neppendorf bis zum Großen Ring, wo weiße Tauben befreit wurden. Ziel des „Schweigemarsches” war das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt, wo sie von Vertretern der Hermannstädter Behörden erwartet wurden. Leider warteten diese mehr als 45 Minuten, denn die Organisatoren und Teilnehmer nahmen sich Zeit für Fotos am Großen Ring und verpassten so das Treffen und die sorgfältig vorbereiteten Empfangsworte. 

Die Zuschauer wussten, wann Ana Debincka (Polen, links) mit ihrem Tanz loslegen wird: Sie warf kurz davor ihre Stöckelschuhe mit hohen Absätzen weg und tanzte barfuß, was das Zeug hielt. Katiuzsha Kozubek (Deutschland, rechts) sang nicht nur Roma-Lieder, sondern auch aus dem internationalen Repertoire und tanzte auch mit. Foto: Mugur FRĂȚILĂ

Luminiţa Cioabă begrüßte die Anwesenden und sprach über das „Jahrhunderttreffen der Roma Ibașfalău“ (Centenarul Romilor Ibașfalău/Dumbrăveni 1919 – 2019), das in Elisabethstadt stattgefunden hat. Über ihre Forderungen damals, die eigentlich den heutigen Forderungen der Roma-Minderheit sehr ähneln – gleiche politische und soziale Rechte, Integration und Akzeptanz – sprach auch Präsidentschaftskandidatin Ramona Ioana Bruynseels, sowie Dorin Cioabă, der selbsternannte Präsident der Roma weltweit. Mit einer Ausstellung und einer Filmvorführung endete der Vormittag im Forum. Die Teilnehmer besuchten danach die Gemeinde Pretai/Brateiu, wo die Kesselroma eine starke Gemeinschaft haben, berühmt landesweit für ihre Kupferwerke. In den gemeinsamen Gesprächen ging es um Traditionen und Bräuche, inwieweit sie sich ähneln in den verschiedenen Länder. Für die Teilnehmer gab es auch ein kurzes künstlerisches Programm, diesmal standen nicht sie auf der Bühne, sondern die Gastgeber. 

Der Samstag fiel regelrecht ins Wasser, aus den geplanten Kochvorstellungen bei der Curmătura Ştezii wurde nichts, da es in Strömen regnete. Geplant war auch eine Aufführung der Hochzeitsbräuche, die mit einem Lagerfeuer hätte enden sollen, auch dass musste ausfallen. Dafür besuchten die Teilnehmer Hermannstadt. Luminiţa Cioabă stellte in einem Restaurant das Kochbuch „Romano Xabe” mit Roma-Rezepten vor.

Sonntag Abend fand das Festival für das Publikum statt. Da auf dem Großen Ring die „Lieder der Berge” gesungen wurden, wurde „Romaii Poesia” vom Kleinen Ring auf die Harteneckgasse verlegt, wo vor dem Thalia-Saal auch einige Stühle für das Publikum aufgestellt wurden. Viele der Zuschauer zogen es allerdings vor, zu stehen, und tanzten auch manchmal ganz diskret mit. Es gab nicht nur Gedichte in Romaii, Englisch, Rumänisch und sogar Japanisch,- auch wenn das Festival „Romaii Poesia“ heißt -, sondern auch Musik und Tanz und sogar eine kleine Modeshow. Auch wenn das Festival kleiner als in den Vorjahren ausgefallen ist, gab es viele begeisterte Hermannstädter und Touristen, die daran Freude hatten.          

Ruxandra STĂNESCU

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