Reflexionen zum Clara Haskil-Festival 2016
Ausgabe Nr. 2507

Leer erscheint sie, die große Bühne im Thaliasaal. Ein einziger Flügel, wenige Stühle. Der Dirigent fehlt. Nur ein Pianist, drei oder vier Instrumentalisten betreten jeweils das Podium und erzeugen in der Intimität der Aufführungssituation eine einzigartige Atmosphäre, wie es nur die Kammermusik vermag. Kammermusik ist Musik, in der der einzelne Musiker zurückgeworfen ist auf seine Individualität, in der durch kooperatives Zusammenwirken ein lebendiger Zwischenraum entsteht, in der der Rezipient die feinen Klänge vernehmen kann und die Materialität des Instruments noch hörbar wird. Eine Wohltat in einer digitalisierten Musikwelt der perfekten, technisch generierten Klänge. Wie klingt es, wenn der Bogen die Saiten berührt, die Hämmerchen auf die Saiten schlagen oder der Atem das Blasinstrument hörbar macht? Kleine Besetzungen provozieren die sensible Wahrnehmung.Weiterlesen→