Marathon 2026: Ein typischer Teenager

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Ausgabe Nr. 2954

Geschäftsführerin Ana Bugneriu spricht über ,,eine Konstellation”

Ana Bugneriu

Ana Bugneriu ist Geschäftsführerin der Gemeinschaftsstiftung Hermannstadt (Fundația Comunitară Sibiu) und sprach mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u über den kommenden Internationalen Marathon Hermannstadt (Maratonul Internațional Sibiu, maratonsibiu.ro) am letzten Wochenende im Mai, wo bereits über 5.000 Läufer eingeschrieben sind. Bis zum 4. Mai kann man sich als Läufer noch einschreiben, bis um 1. Juli kann man spenden. Seit Jahren ist er der größte Benefizlauf des Landes, mit ein bisschen Schwung wird es 2026 auch der größte Marathonlauf Rumäniens überhaupt.

Was machen Sie und Ihr Team gerade?

Derzeit bereiten wir die 15. Ausgabe des Internationalen Marathons Hermannstadt vor. Unser Marathon ist nun ein Teenager, nachdem er im letzten Jahr seinen Personalausweis erhalten hat, und er erlangt die für Teenager typische Freiheit und Selbstständigkeit. Wie es gerade aussieht, kann er der größte Marathon des Landes werden, größer als der Bukarester Marathon, zu dem wir eine sehr gute Beziehung haben. 2025 hatten sie 12.000 Läufer und wir 10.500 Läufer und wir hoffen, den Rekord zu brechen, da wir ja schon so nah dran sind.

Was ist neu dieses Jahr?

Wir haben bereits 2025 ein Konsortium von Organisatoren für Sport- und Kulturveranstaltungen gegründet und mehrere relevante etablierte und aufstrebende Akteure zusammengebracht, sodass wir ein zweiwöchiges Event organisieren, gemeinsam mit Maratonul Internațional Sibiu, Focus, Clubul Sportiv Comunitar Sibiu, Pune mâna pe chitară, Strada Turnului, Street Delivery, The Hipodrome of Music, Urban Bike Revolution, Keep Giving, CSU Sibiu und dem FC Hermannstadt. Wir wollen zwei Wochen mit sportlichen und kulturellen Aktivitäten anbieten, um die Stadt zu beleben, die Gemeinschaft zusammenzubringen und etwas Neues in Hermannstadt auf die Beine zu stellen, von dem wir glauben, dass es eine Landespremiere sein wird. Uns zur Seite stehen die Leute von Raiffeisen, die an unsere gemeinsame Vision geglaubt haben, dass wir etwas schaffen werden, das hoffentlich landesweit als Vorbild für bewährte Praktiken dienen wird: Alle relevanten Akteure der Gemeinschaft an einen Tisch zu bringen, um Fachwissen auszutauschen und der Öffentlichkeit das Beste zu präsentieren, was wir zu bieten haben. Diese Aktion heißt schlicht und ergreifend „O comunitate” (Eine Gemeinschaft), denn damit zeigen wir tatsächlich, dass wir mehr sind als nur getrennte Marken   – wir sind eine Konstellation. Dieses Jahr findet die Pilotausgabe statt; wenn alles gut läuft, werden wir hoffentlich weitere Ausgaben mit immer mehr Akteuren haben.

Welche Rolle spielen der Marathon und die Gemeinschaftsstiftung bei dieser Aktion?

Wir versuchen, gemeinsam mit den Leuten von Focus das Bindeglied zwischen den Akteuren zu sein. Der Marathon behält seinen traditionellen Termin am letzten Wochenende im Mai, im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe, während die anderen Organisationen in den unterschiedlichen Stadtteilen eigene Events organisieren. Wir wollen die Einwohner aus ihren Häusern locken, damit sie Sport treiben und die Veranstaltungen genießen können.

Ana Bugneriu (links außen) und ihr Team von der Hermannstädter Gemeinschaftsstiftung. Foto: Privat

Wann haben die Vorbereitungen für den Marathon begonnen?

Zusammen mit unseren Partnern von Agile Freaks, die unsere digitale Enwicklung begleiten, haben wir letztes Jahr getestet, ob wir die Anmeldungen für den Marathon früher starten können, diesmal ab November. Unsere größte Sorge war, wie wir die angemeldenten Läufer mit Zuordnung zu den guten Zwecken, für die sie laufen, bewältigen, bevor der Auswahlprozess der Projekte beendet ist. Wir hatten beeindruckende Ergebnisse: Etwa 2.000 Läufer haben sich angemeldet, bevor wir die Themen bekannt gegeben haben. Infolgedessen werden wir dieses Jahr in der ersten Juniwoche sowohl die IT-Plattform als auch die Anmeldungen für den Marathon 2027 freischalten.

Sie sind digital sehr aktiv…

Wir haben jetzt auch eine App, die von Agile Freaks entwickelt wurde und ganz einfach „Maratonul Internațional Sibiu“ heißt, um diesen Teil des Fundraisings durch neue Tools interessanter zu gestalten. Wir haben sogar einen KI-Assistenten namens Fidipide (Pheidippides), dessen sagenhafter Lauf das Vorbild für den modernen Marathonlauf geworden ist. Die App soll helfen, das Sammeln von Spenden einfacher und unterhaltsamer zu gestalten. Auch wenn die Themen, die wir ansprechen, sehr schwer sind und die Projekte eine große emotionale Wirkung haben, möchten wir, dass diese Veranstaltung für die Läufer positiv ist. Philanthropie und Großzügigkeit müssen nicht bedrückend sein, es kann auch Spaß machen und uns Freude bereiten, dies zu tun.

Wie viele Projekte wurden eingereicht, wie viele wurden bewilligt?

Fangen wir ganz von vorne an: Wir haben eine Plattform für das Fördermittelmanagement, weil wir unsere Arbeit so gut wie möglich digitalisieren müssen, da wir in der Gemeinschaftsstiftung nur zu zehnt sind und auch viele andere Projekte betreuen. Diese Anwendung hilft uns, alles an einer Stelle zu bündeln. Diejenigen, die sich bewerben möchten, finden alle Informationen, wir sehen in Echtzeit, wer, was und wieviel beantragt, und sie haben einen Verlauf, der langfristig dort verbleibt, was es uns auch leichter macht, Daten, die Anzahl der Begünstigten und so weiter auszuwerten. In diesem Jahr hatten wir während der Anmeldefrist 100 aktive Konten, was bedeutet, dass 100 Organisationen erwogen haben, sich für das Programm zu bewerben – eine im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr hohe Zahl. Insgesamt hatten wir 60 Bewerbungen. Einen Monat vor Ablauf der Frist bieten wir Beratungen sowohl zur eigentlichen Projektbeschreibung als auch zur Gestaltung der Kommunikationskampagne für das Projekt an, was ein wichtiger Aspekt ist. Nicht jeder nimmt diese Beratung in Anspruch, aber wir ermutigen alle, unser Angebot zu nutzen, da sie so ihre Informationen aktualisieren und Neues lernen können. Nach dieser Phase bewerten wir die Förderfähigkeit, bei der wir nicht nur das Projekt selbst, sondern vor allem die Antragsteller betrachten; wir verlangen Governance-Dokumente und Steuerunterlagen, um sicherzustellen, dass sowohl die Organisation als auch die Initiativgruppe die höchsten Standards der guten Praxis und die geltende Gesetzgebung einhalten, dass die eingereichte Bilanz korrekt ist und dass keine Rechtsstreitigkeiten vorliegen. Dieses Jahr waren 56 Anträge konform und förderfähig, die zur Begutachtung an eine unabhängige, von uns ausgewählte Jury weitergeleitet wurden. Allerdings bestimmt die Jury ohne uns, welche Projekte weiterkommen, und trifft sich dann zu einer Absprache. Wir sind nur anwesend, um diese Diskussion zu moderieren. Übrigens, bis zur gemeinsamen Besprechung wissen die Juroren nicht, wer sonst noch zur Jury gehört. Es ist auch wichtig zu wissen, dass wir keine bestimmte Anzahl an Projekten haben, die durchkommen müssen. Dieses Jahr hat die Jury 48 Projekte ausgewählt, für die man laufen kann. Nachdem ein Projekt von der Jury ausgewählt wurde, folgt ein Vertragsabschluss. Nach der Spendenkampagne, die dieses Jahr Anfang Juli endet, beginnen wir im August damit, die Förderverträge mit den offiziellen Projekten abzuschließen, und diese erhalten dann das gesammelte Geld. Gegenüber der Gemeinschaft ist unsere Stiftung der Verwalter dieser Spenden. Wir unterzeichnen einen Anhang zum Finanzierungsvertrag, denn jedes Projekt muss an die gesammelten Mittel angepasst werden, die geringer oder höher ausfallen können als ursprünglich angestrebt, und dort müssen auch die Indikatoren entsprechend geändert werden. Wir verfolgen, dass die Projekte auch konform durchgeführt werden, bis zum narrativen und finanziellen Endbericht. Es ist ein langwieriger Prozess und viel unsichtbare Arbeit, die aber unerlässlich ist, um eine solide und echte Grundlage für alle Teilnehmer – inklusive der Läufer – zu schaffen.

Hängt die Tatsache, dass manche Projekte angenommen werden und andere nicht, von den Anliegen oder den Organisationen ab?

Das hängt sehr stark vom Einzelfall ab. Manche weisen Mängel bei der Einhaltung der Vorgaben auf, haben vielleicht den Bericht aus dem Vorjahr nicht bei uns eingereicht und können daher keine neue Vertragsbeziehung mit uns eingehen, weil sie die alte nicht abgeschlossen haben, oder sie scheitern vielleicht, weil sie die Erwartungen der Jury hinsichtlich des Antrags nicht erfüllen. Jeder Fall ist ein Einzelfall und variiert ziemlich stark, aber eine Bewertung bezieht sich immer nur auf das jeweilige Jahr. Wenn man in einem Jahr nicht bestanden hat, bedeutet das nicht, dass man es in den folgenden Jahren nicht erneut versuchen kann; es bedeutet nur, dass in jenem Jahr eine vorübergehende Situation vorlag, die sich bei der nächsten Ausgabe wieder geben kann und nur einen Moment in der Zeit wiederspiegelt, in dem etwas passiert ist.

Würden Sie daher empfehlen, vor der Einreichung des Projekts zu Beratungsgesprächen zu kommen?

Ja, absolut. Unser Wunsch ist es, dass alle, die sich bewerben, am Marathon teilnehmen. Wir können nur dafür sorgen, dass die Kommunikationskanäle offen bleiben. Wir waren immer sehr flexibel und haben allen geholfen, damit jeder das Beste aus seinem Projekt vor der Jury präsentieren kann, denn sobald die Plattform geschlossen ist, liegt es nicht mehr in unserer Hand. Natürlich sind diese Beratungen keine Garantie, denn wir hatten auch Organisationen, die zu den Beratungen gekommen sind, aber nach der Bewertung der Jury nicht weitergekommen sind, und das bedeutet, dass das jeweilige Projekt nicht in einer guten Form angekommen ist oder nicht zum Kontext des Marathons gepasst hat. Auf jeden Fall ist es für uns wichtig, dass unser Standard sehr hoch bleibt, aus Respekt für die ganze Gemeinschaft.

Manche Organisationen, denen das Ergebnis nicht gepasst hat, haben ihrer Wut in der Öffentlichkeit freien Lauf gelassen. Ihre Stiftung hat darauf nicht reagiert…

Es geht nicht um Ego, sondern um Profesionalität. Wenn uns eine Organisation sensible Informationen übermittelt, wie etwa solche zum Stewardship oder zu Finanzen, wissen wir, dass es unsere Pflicht ist, diese für uns zu behalten, auch wenn dies zu unserem Nachteil ist und wir uns selbst einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir schweigen. Wir kümmern uns um unsere Prozesse, Verfahren und unsere Professionalität, und der Rest der Welt kann das so interpretieren, wie er will, aber wir legen abends beruhigt den Kopf auf das Kissen, in dem Wissen, dass wir das Richtige getan haben. Dies ist kein Ort für schwache Menschen, sondern ein Ort für Menschen, die ihre Werte jeden Tag leben, und das ist nicht immer einfach.

Wieviel Geld geht an die Projekte, wieviel an die Organisatoren?

Die Teilnahme kostet unterschiedlich, je nach Lauf, und 50 Prozent davon erhält das Projekt. Von den Spenden – dieses Jahr mindestens 50 Lei, denn wir haben einen neuen, besseren aber auch teureren Zahlungsabwickler – erhalten die Projekte 92 Prozent der eingesammelten Summen, viel weniger als andere Crowdfundingplattformen, denn wir versuchen, unsere Einkommen durch andere Spenden zu ergänzen.

Gibt es auch neue Läufe dieses Jahr?

Nein, es sind die gleichen geblieben, wie in den vergangenen Jahren.

Vor wenigen Jahren haben Sie auch eine Gehprobe eingeführt, „Schritte für die Stadt” (Pași pentru oraș). Hat sie Erfolg?

Ja, sehr großen. Wir sagen, dass es der Lauf für diejenigen ist, die nicht besonders sportlich sind. Das ist aber für viele Läufer nur der Einstieg: Sie machen mit, merken, dass es gar nicht so schwer ist, und wechseln dann zum 5-km-Lauf und schließlich sogar zum 10-km-Lauf.

Was die gewonnenen Projekte angeht, es gibt viele kleine Projekte und dann auch große, fast klassische, wenn wir sie so nennen dürfen. Möchten Sie lieber mehr kleine oder mehr große Projekte?

Was uns besonders freut und wofür wir uns bemühen: Wir haben derzeit 50 Prozent der Projekte aus dem ganzen Kreis. Aber sonst sind wir offen für alle Projekte, ob groß oder klein. Ich finde es sehr gut, dass bei einer Gemeinschaftsveranstaltung sowohl ein Kindergarten dabei ist, der etwas Eigenes auf die Beine stellen will, z. B. einen Gemüsegarten anlegen, und die Gemeinschaft um sich herum aktivieren will, als auch eine NGO mit größerer Reichweite, die eine vielfältigere Gemeinschaft erreicht. In diesem Marathon ist Platz für alle. Man kann für Tiere, für die Umwelt, für Kinder oder für die Kultur laufen. Es ist absolut in Ordnung, für etwas zu spenden, uns auf etwas zu konzentrieren, das unsere Werte widerspiegelt. Die großen Spenden gehen nicht verloren, weil es immer mehr kleine gibt – das ist kein Grund zur Sorge, ganz im Gegenteil: Diese Präsenz bringt uns ständig neue Spender. Wir haben immer mehr Teilnehmende, die von außerhalb des Kreises und sogar aus dem Ausland kommen, und so wird es unweigerlich zu einer neuen Plattform für alle Anliegen. Übrigens, die Zahl unserer Einzelspender steigt stetig. Das bedeutet, dass sich der Spenderkreis nicht auf die einzelnen Anliegen verteilt, sondern ständig neue Menschen hinzukommen, die mit ihrer Unterstützung in die eine oder andere Richtung gehen.

Herzlichen Dank und viel Erfolg.

 

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