Ausgabe Nr. 2954
Zwei junge Künstler stellen in der Quergasse in Hermannstadt aus

Cezar Stanciu posiert vor einem seiner auf Pressplatte gemalten und geklebten Werke aus der Serie „am Trecut I/III” (Ich habe eine Vergangenheit oder Ich bin vorübergegangen). Foto: Beatrice UNGAR
Das Museum als Spielwiese (wieder)entdeckt haben zwei junge Hermannstädter Künstler, Cezar Stanciu und Constantin Fîntînă, mit ihrer von Kunstkritikerin Liviana Dan und Museografin Alexandra Runcan kuratierten Ausstellung, die am 3. April im Museum für zeitgenössiche Kunst des Brukenthalmuseums, in der Quergasse/Tribunei 6, eröffnet wurde und daselbst bis zum 26. April zu besichtigen ist.
Mit der Ausstellung feiert Liviana Dan ein regelrechtes Comeback. Als Mitarbeiterin des Brukenthalmuseums hatte sie schon einmal mit einer besonderen Ausstellung für Aufsehen gesorgt: Dan Perjovschi durfte in mehreren Räumen des Brukenthalmuseums auf die weiß getünchten Wände seine Miniaturzeichnungen anbringen. Das war eine echte Spielwiese und für die Betrachtenden eine Herausforderung, mussten sie doch so nahe wie möglich an die Wände herangehen, um etwas zu erkennen.
Nun dürfen wieder zwei junge Hermannstädter Künstler einen Museumsraum als Spielwiese nutzen. Die Kuratorinnen wollen damit den Hermannstädter Künstlern eine Plattform bieten, an die Öffentlichkeit zu treten. Wie Liviana Dan sagte, leben und arbeiten viele aufstrebende Künstler in Hermannstadt, doch haben viele keine Möglichkeit, sich in dieser Stadt zu behaupten, obwohl sie andernorts oder sogar im Ausland schöne Erfolge gefeiert haben.
Nun wollen Dan und Runcan den Museumsraum zum weniger starren Raum des Dialogs ummodeln, wo die Besucherinnen und Besucher lernen, offen gegenüber Experimenten zu sein.

Constantin Fîntînă und sein Werk „mañana” (spanischer Lebensstil). Foto: Beatrice UNGAR
Dan erklärte bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Vernissage u. a.: „An immer mehr Orten in der Welt bieten Kunsteinrichtungen, Cafés, Industriehallen oder private Räumlichkeiten Plattformen für zeitgenössische Kunst an. Das Brukenthalmuseum bietet ein Ausstellungsformat zum Kennenlernen der Künstler, die in Hermannstadt leben und arbeiten.”
Die Ausstellung steht unter dem Titel „mañana/am Trecut”. Dies sind auch die Titel von Werken der beiden ausstellenden Künstler.
Der Bildhauer und Lehrer an der Hermannstädter Kunstschule Constantin Fîntînă stellt mit seiner „mañana” getitelten Konstruktion aus Holz, Plastik, Metall, Akrylharz und Autoteilen das Konzept der ständigen Prokastination in den Vordergrund und erforscht die jeweils in die Zukunft projizierten Versprechen. Er tut dies diskret und spielerisch, die Besucherinnen und Besucher dürfen sein Werk anfassen, er gibt gerne Auskunft und hat offensichtlich Spaß dabei.
Mit „am Trecut” (Ich habe Vergangenheit) erkundet der Maler Cezar Stanciu das visuelle Gedächtnis der Stadt und dessen Beziehung zu Farbe und Materie. Stanciu benutzt die Malerei als Raum für Experimente, die Vergangeheit verdichtet sich zum Ausdruck einer exzessiven Selbstdarstellung. B. U.