Geteilte Osterfreude in Stadt und Land

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Ausgabe Nr. 2954

Kurzberichte zu Veranstaltungen an den beiden Osterwochenenden

Das Eierschippeln auf der Michelsberger Burg gehört am Ostermontag nicht nur für die evangelische Kirchengemeinde zu einem festen Termin im Jahr. Nach der Andacht in der romanischen Basilika, gehalten von den Pfarrern László Zorán Kézdi und Stefan Cosoroabă, machten alle begeistert mit. Foto: Beatrice UNGAR

„Eine einmalige Tradition” (O tradiție unică) titelte die Hermannstädter Tageszeitung Tribuna am 7. April den Bericht über das traditionelle Eierschippeln im Hof der evangelischen Kirche in Neppendorf am Ostermontag. Wahrscheinlich hatte jemand den Reporter auf die Schippe nehmen wollen, denn einmalig ist dieser Brauch mitnichten. In Michelsberg wurde auch geschippelt was das Zeug hielt, sogar Erwachsene machten mit. Dabei gingen fast alle hartgekochten bunt bemalten Eier zu Bruch, die auf die Burg gebracht worden waren. Im Folgenden gibt es mehrere Kurzberichte über das österliche Treiben in und um Hermannstadt:

Birgit Auner, Gymnasiallehrerin in Ingolstadt schreibt: In Hermannstadt geboren, getauft, konfirmiert und aufgewachsen bin ich mit unserer evangelischen Kirche trotz meiner Auswanderung im Jahr 2010 zutiefst verbunden geblieben. Jetzt gehöre ich zu den ‚heruntergekommenen‘ Feriensachsen, die nur noch dann hier aktiv sein können.

Früher war ich sehr konservativ eingestellt und empört, als zum ersten Mal auch rumänisch im Gottesdienst gesprochen wurde, getreu dem Motto ‚wir wollen bleiben was wir sind‘. Aus diesem Grund passte so eine Veränderung nicht in mein striktes, konservatives Weltbild. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ökumenisches Denken die einzige Möglichkeit ist, eine starke Gemeinschaft zu sein. Deshalb wollte ich unbedingt die angekündigten Gottesdienste am Karfreitag um 19 Uhr und am Samstag um 23 Uhr miterleben.

Ich war von beiden Veranstaltungen tief und nachhaltig beeindruckt. Am Karfreitag wurde der Leidensweg von Jesus zweisprachig von mehreren Gemeindemitgliedern gelesen, immer begleitet von dazu passenden Liedern die A capella gesungen wurden. In der Gemeinde waren zahlreiche Mitglieder des Bachchors verteilt, sodass auch Ungeübte gut mitsingen konnten.

Der für mich neue und ergreifendere Teil kam danach: Ein Kreuzweg um unsere Kirche mit verschiedenen Stationen, wo das Kreuz vorneweg getragen wurde und Pfarrer Hans-Georg Junesch und die Konfirmandin Serafina Palkowski die Kreuzigungsgeschichte im Wechsel lasen. Auf dem Weg zur jeweils nächsten Station wurde das inhaltlich passende schöne Taizé-Lied „Crucem tuam“ gesungen. Unsere Prozession wurde auch von zufälligen Passanten erstaunt zur Kenntnis genommen, die stehen blieben, um uns interessiert und wohlwollend zu beobachten.

Am Karsamstag vor 23 Uhr versammelten sich alle Interessierten im Kirchhof rund ums Osterfeuer. Offensichtlich hatten die Veranstalter nicht mit so einem großen Andrang gerechnet, weil die Kerzen, die vor Beginn des Gottesdienstes ausgeteilt wurden, bei weitem nicht für alle reichten. Der Einzug in die Kirche geschah in völliger Dunkelheit und Ruhe, was Raum zu innerer Einkehr bot. Das Osterlicht wurde nach ein paar einleitenden Worten entzündet und ein Mal um die beiden Kirchenschiffe getragen. Danach wurden an ihm zwei Kerzen entzündet, die dann sämtliche Kerzen zum Leuchten brachten. Während das Osterlicht verteilt wurde, sang die Gemeinde eines meiner Lieblingslieder: „Meine Hoffnung und meine Freude“. Im schimmernden Licht der Kerzen wurden anschließend zweisprachig (Deutsch und Rumänisch) Lesungen aus dem Alten Testament gemacht und die Kirchenlieder wurden stimmungsvoll von Geigen und Flöten begleitet. Am Ende gab es für alle, die es wollten, das Heilige Abendmahl.

Ich war restlos und nachhaltig von diesen beiden Veranstaltungen beeindruckt und würde mir sehr wünschen, dass sie einen festen Platz im Hermannstädter Kirchenjahr finden, sowohl von den Uhrzeiten als auch von der Gestaltung her. Vielen Dank an alle, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben.

Den Ostermontag, den 6. April, erlebte die HZ-Praktikantin Alisa Schwarz, Journalistikstudentin in Graz, in Neppendorf:Den Abschluss des Osterfestes feierten die Neppendorfer am Ostermontag, den 6. April mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche.

Im Anschluss ging es im Kirchhof dann mit den Eiern los: Beim traditionellen Eierschippeln wetteiferten vor allem die Kinder miteinander. Ostereier wurden durch eine Holzrinne hinuntergestupst und kamen schließlich auf der Wiese zum Stillstand. Berührte ein nachfolgendes Ei ein anderes, durfte man es behalten. Die Erwachsenen beobachteten das Spiel gespannt und applaudierten den Siegern. Nach dem Wettbewerb versammelte sich die Gemeinde ‚Beim Sepp‘, wo ein üppiges Osteressen aufgetischt wurde. Hier kamen alle zusammen, tauschten sich aus und ließen das Osterfest gemeinsam ausklingen.

Die HZ-Praktikantin, Journalistikstudentin Johanna Münzner an der Magdeburger Stendal-Hochschule, war am Ostermontag, den 6. April, auf der Michelsberger Burg und berichtet darüber: Strahlend blauer Himmel und Sonne erwarteten die Besucher der traditionellen Osterfeier der evangelischen Kirchengemeinde auf ihrem Weg auf die Michelsberger Burg. Oben angekommen konnte man auf die Karpaten und in viele bekannte Gesichter blicken. In der romanischen Basilika wurde gemeinsam gesungen und gebetet, mitunter auf Deutsch, Englisch und Rumänisch. Nach dem Gottesdienst trafen sich alle im Burghof, um zu picknicken und siebenbürgisch-sächsischen Osterbräuchen nachzugehen. Die Männer pflegten den Brauch des Bespritzens, während die Kinder beim Eierschippeln ihr Glück versuchten und von allen angefeuert wurden. Ganz nach Tradition wurden die Eier auf einer Holzrampe nach unten gerollt, mit dem Ziel, ein anderes Ei zu berühren. Eifrig stellten sich die Kleinen in einer langen Schlange an und schienen kein Ende zu finden. Die Erwachsenen aßen selbstgemachte Brote und die zuvor vom Pfarrer gesegneten Ostereier. Das Wetter strahlte mit allen um die Wette und brachte an diesem Ostermontag Frühlingsgefühle auf die Michelsberger Burg.

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