ProEtnica in Schäßburg

Ausgabe Nr. 2395
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Minderheitenfestival hat zum 12. Mal stattgefunden

Das Festival ProEtnica, das den nationalen Minderheiten in Rumänien gewidmet ist, ist nicht nur eines der schönsten Festivals, das in Schäßburg stattfindet, es ist eines der schönsten im ganzen Land. An vier Tagen am vergangenen Wochenende stellten die Vertreter der verschiedenen nationalen Minderheiten ihre Traditionen, ihre Tänze und ihre Sprache vor, zur Begeisterung der in- und ausländischen Touristen.

 

Das Zentrum Schäßburgs war am Wochenende so bunt wie selten, denn zum normalen Touristengewimmel gesellten sich diesmal auch die Minderheiten aus Rumänien. Während auf dem Burgplatz die Bühne einen Teil der Zuschauer lockte, ließen sich viele Besucher die Chance nicht entgehen, die verschiedenen Stände der Minderheiten zu besuchen. Dort konnte man mit Vertretern der Minderheiten erzählen, denn gerne stellten sie sich vor, dazu auch ihre Trachten und verschiedene Kultobjekte. Wie im Vorjahr, konnte man z.  B. aber auch verschiedene Bücher kaufen, gesucht waren natürlich insbesondere die Kochbücher. Dazu waren auch Handwerkerstände auf dem Museumsplatz eingerichtet, wo verschiedene Künstler ihre Werke zur Schau stellten. Unter ihnen ein rumänischer Handwerker, der geschnitzte Holzlöffel verkaufte, und zu jedem gab es auch die passende Geschichte, denn die verschiedenen Modelle hatten ihre ganz bestimmten Bedeutungen.

Wie jedes Jahr gab es im Laufe des Festivals auch mehrere Symposien im Rathaus. Zwei davon wurden von der Föderation der jüdischen Gemeinden  gestaltet. Gesprochen wurde diesmal nicht nur über „Jüdische Traditionen und Bräuche”, sondern auch über den „Jüdischen Humor in Rumänien”. Seitens der Rumänischen Akademie sprachen Prof. Emilian Dobrescu und PhD. Edith Mihaela Dobre über den „Beitrag der nationalen Minderheiten zur wirtschaftlichen Entwicklung Rumäniens”.

In der Synagoge wurden jeden Abend Filme des rumänischen Regisseurs Radu Gabrea gezeigt, u. a. „Der geköpfte Hahn”, „Grubers Reise”, „Juden zu verkaufen” und „Romany! Romany!”.

Angelockt wurden die meisten Zuschauer von den Vorstellungen auf der Bühne. Gelassen wurde nicht nur auf der Bühne getanzt, denn die meisten Minderheiten tanzten zusammen mit den Schäßburgern und Touristen. Einige lernten begeistert die Schritte und übten sie auch beim Einkaufen ein, denn rund um den Platz gab es jede Menge Stände mit Kleinigkeiten für Groß und Klein, von Handgemachtem bis chinesischem Kitsch war alles dabei. Sehr in war offensichtlich der Haarschmuck für Mädchen und Frauen, Tausende von kleinen Plastik- und Stoffrosen wurden zum Teil an Ort und Stelle  in Kränze geflochten.

Dazu gab es auch verschiedene Leckereien, süß oder gesalzen, jede Menge Bilder und Ansichtskarten von Schäßburg und so recht alles, was ein Touristenherz begehrt.

Organisiert wurde das Festival auch dieses Jahr vom Interethnischen Jugendbildungszentrum Schäßburg, mit Unterstützung der Stadt Schäßburg. Finanziert wurde ProEtnica von dem Kuturministerium und vom Departement für interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung. 

ProEtnica wurde dieses Jahr zum 12. Mal organisiert. Bilder von früheren Auflagen findet man unter www.proetnica.ro

 Ruxandra STĂNESCU

 

Ansteckende Sangesfreude brachten die Mitglieder der Singgruppe Katiușa" der Gemeinschaft der Lipowener Russen aus Fălticeni/Kreis Suceava auf die Bühne auf dem Burgplatz in Schäßburg, wobei eine der Sängerinnen besonders Freude ausstrahlte und sogar tanzte. (Bild oben)

 

Die mazedonische Minderheit sorgte für Gesang (Bild Mitte) und Tanz. Dabei wurde nicht nur auf der Bühne getanzt, sondern auch auf dem Platz, und spontan ließ sich das Publikum mitreißen. Nach wenigen Takten konnten die meisten auch die Schritte (Bild unten).           Fotos: Ruxandra STẰNESCU

 

Aus der Versenkung geholt

Ausgabe Nr. 2395
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Festival für Nostalgiker im Jungen Wald

Sibiul de odinioară” (Hermannstadt anno dazumal) hieß die erste Auflage des Festivals, das am 23. und 24. August im Jungen Wald veranstaltet wurde und das Ziel hatte, die Atmosphäre früherer Feiern und Feste im Freien wiederzugeben. Laut Organisatoren besuchten über 15.000 Zuschauer die Veranstaltung. Auf die Bühne traten am ersten Tag Sterne" früherer Zeiten wie Marina Voica, Marina Florea, Carmen Rădulescu, Carmen Trandafir und Gabriel Dorobanțu, am zweiten Festtag das Ensemble Cindrelul Junii Sibiului und seine eingeladenen Gäste.

 

„Hermannstadt hat das Festgewand angelegt. Hunderte rote Fahnen und Trikoloren flattern über den Köpfen der Werktätigen, die sich an diesem sonnigen Augustmontag in den Strassen versammeln, sich zu langen Kolonnen vereinigen und dann der alten Hauptstrasse zustreben, die diesmal viel zu eng zu sein scheint, um die tausendköpfige Menge aufzunehmen. Die Stadt, die Menschen – alles atmet Festtagsstimmung”, so beschrieb die Hermannstädter Zeitung vom 26. August 1968 die Stimmung in Hermannstadt am 23. August 1968, der damals als „Tag der Befreiung des Vaterlandes vom faschistischen Joch”, als Nationalfeiertag gefeiert wurde. „Am Nachmittag traf sich jung und alt im beliebten Ausflugsort der Hermannstädter, im Jungen Wald. Laienkunstformationen der Betriebe und Laienkünstler aus mehreren Gemeinden sorgten für beste Unterhaltung”, ist am Ende des Artikels zu lesen.

2014 gab es in der Heltauergasse keine langen Kolonnen, auf dem Hermannsplatz keine offizielle Tribüne und alles was dazu gehört, sondern es ging gleich in den Jungen Wald, wo zu Klängen von Hits der 1970-er und 1980-er Jahre für Nostalgiker eine märchenhafte Stimmung herrschte und wo Bier und mititei wieder einmal eine Hauptrolle im Leben der Anwesenden einnahmen.

Tagsüber gab es die Möglichkeit, kostenlos Fahrräder zu leien, die alten VW-Käfer zu bewundern oder ehemals beliebte Spiele zu spielen. Einen Markt mit traditionellen Produkten gab es ebenfalls. Eine bedeutende Menschenmenge versammelte sich vor allem nachmittags,  um wieder einmal bekannte rumänische Hits wie „Și afară plouă, plouă” mit Marina Voica, „Stele perechi" mit Marina Florea oder „Așa ești tu“ mit Carmen Trandafir und viele andere zu hören. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es heutzutage möglich, ist eine solche Show zu machen, mit Kollegen aus meiner Generation. Dass Sie hier sind zeigt uns, dass Sie uns nicht vergessen haben und uns immer noch lieben”, schwärmte Carmen Rădulescu vor dem zahlreichen Publikum.

 Ein Ziel der Veranstalter Media International Plus und Ora de Sibiu war u. a. mittels des Festivals die „goldene Generation der rumänischen Musik“ aus der Versenkung zu holen. Fragt sich, warum denn gerade am 23. August. Denn schon seit 1990 ist der 23. August von dem 1. Dezember als Nationalfeiertag abgelöst worden. Aber das ist wohl Nostalgikern egal.

                              Werner FINK

 

Foto oben: „Sibiul de odinioară" heißt das neue Festival im Veranstaltungskalender Hermannstadts, das erstmals am 23. und 24. August im Jungen Wald ausgetragen wurde. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 3. Unser Bild: Zu den Hauptakteuren gehörte die beliebte Sängerin Marina Voica.    Foto: Werner FINK

Foto unten: Bei einem Festival im Freien können die traditionellen Hackfleischwürstchen, die mititei oder mici genannt, nicht fehlen.

Die Ordnungsmacht des Wortes

Ausgabe Nr. 2394
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Der siebenbürgische Schriftsteller Joachim Wittstock wird am 28. August 75

 

Der Philologe und Schriftsteller Joachim Wittstock ist in seinem Geburtsort Hermannstadt ungemein präsent, und das auf eine feinfühlig zurückhaltende Weise. Sprichwörtlicher Takt, unnachgiebiger Anspruch" hat Martin Ohnweiler seine Adresse zur Verleihung der Ehrendoktorwürde überschrieben. Diese Haltung macht Joachim Wittstock unauffällig einflussreich. Ich habe ihn in den Jahren 2012/2013 als einen unermüdlichen Kultur-Netzwerker kennengelernt, der über seine Mühen in der Sache nicht klagte, sondern unverdrossen für das angestrebte Ziel wirkte.

 

 

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Rundgang über den Dachstuhl

Ausgabe Nr. 2394
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Das Dach der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt ist endlich fertig

 

 

Wer die Ausgabe der Hermannstädter Zeitung vom 8. August 2014 in Händen gehalten hat, wird wohl auf der Luftaufnahme unserer Kollegin Cynthia Pinter auf der ersten Seite u. a. die evangelische Stadtpfarrkirche entdeckt haben. Zu sehen ist auch das mit glasierten Buntziegeln neu gedeckte Kirchendach. Was man weder aus der Luft noch vom Boden aus sehen kann, das ist das enorme Arbeitsvolumen, das dahinter steckt. Eine Vorstellung davon können sich die Kirchenbesucher ab Oktober machen, wenn der Rundgang über den Dachstuhl geöffnet sein wird. Die Sanierungsmaßnahme im Rahmen des von der EU geförderten Regionalen Operationellen Programms wurde 2008 in Angriff genommen. Schon 2007 musste der Innenraum der Kirche abgesichert werden, nachdem Stücke aus dem Gewölbe sich gelöst hatten und hinuntergefallen waren. Im Oktober 2010 wurde der Finanzierungsvertrag unterzeichnet. 2011 war Baubeginn.Weiterlesen

Deutsche in Rumänien erinnern sich

Ausgabe Nr. 2394
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„Schicksale“ –  ein spannendes Buch gegen das Vergessen

 

Wie haben die Deutschen in Rumänien das 20. Jahrhundert und den Anfang des neuen Jahrtausends erlebt? Welche unterschiedlichen Erfahrungen haben sie mit den Diktaturen des letzten Jahrhunderts gemacht? Wie haben sie die neue Freiheit und gleichzeitig den schmerzhaften Exodus der meisten Volksgenossen wahrgenommen? Auf solche Antworten rund 30 Interviews, die der Museumswissenschaftler Sören Pichotta in seinem Band „Schicksale – Deutsche Zeitzeugen in Rumänien"  versammelt und veröffentlicht hat. Wie ein Fazit des ganzen Buches wirkt schon der Untertitel „Lebensmut trotz Krieg, Deportation und Exodus“. 

 

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9. Heufest für Umweltbewusste

Ausgabe Nr. 2394
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Beim Roșia Montana Fân Fest 2014 stand die Musik im Vordergrund

 

Roșia Montană (dt. Goldbach) ist ein kleiner Ort im Apuseni-Gebirge (Kreis Alba) wo schon zu römischen Zeiten Gold gefördert wurde. Der internationale Konzern „Roșia Montană Gold Corporation" (Hauptaktionär: Gabriel Resources, Gründer: Frank Timiș) plant dort die Eröffnung einer neuen „offenen" Goldmine, in der auch Zyanid verwendet werden soll. Aus Protest dagegen organisieren Alburnus Maior" (Leiter: Eugen David), Green Transylvania" (Leiter: Csongor Kovács) und andere NGOs seit 2004 jährlich das Roșia Montană Fân Fest" (Heufest), ein ökologisch-kulturelles Festival. Letzte Woche, vom 11. bis 16. August, fand die neunte Auflage des Fân Fests statt, dazu einige Beobachtungen von Hugo-Alexander Frohn:Weiterlesen

Nur noch 1 Sieg

Ausgabe Nr. 2394
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Rumäniens Basketballer bald qualifiziert

 

Nur noch einen Sieg braucht die rumänische Basketball-Nationalmannschaft der Herren im Kampf um die Qualifikation für die Europameisterschaft Eurobasket 2015. Am Mittwoch, den 20. August, setzten sich die Spieler gegen die Mannschaft der Slowakei in der Hermannstädter Transilvania-Halle durch. Jetzt müssen sie entweder Schweden im Auswärtsspiel oder Lettland in Hermannstadt besiegen.Weiterlesen