Aus der Versenkung geholt

Ausgabe Nr. 2395
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Festival für Nostalgiker im Jungen Wald

Sibiul de odinioară” (Hermannstadt anno dazumal) hieß die erste Auflage des Festivals, das am 23. und 24. August im Jungen Wald veranstaltet wurde und das Ziel hatte, die Atmosphäre früherer Feiern und Feste im Freien wiederzugeben. Laut Organisatoren besuchten über 15.000 Zuschauer die Veranstaltung. Auf die Bühne traten am ersten Tag Sterne" früherer Zeiten wie Marina Voica, Marina Florea, Carmen Rădulescu, Carmen Trandafir und Gabriel Dorobanțu, am zweiten Festtag das Ensemble Cindrelul Junii Sibiului und seine eingeladenen Gäste.

 

„Hermannstadt hat das Festgewand angelegt. Hunderte rote Fahnen und Trikoloren flattern über den Köpfen der Werktätigen, die sich an diesem sonnigen Augustmontag in den Strassen versammeln, sich zu langen Kolonnen vereinigen und dann der alten Hauptstrasse zustreben, die diesmal viel zu eng zu sein scheint, um die tausendköpfige Menge aufzunehmen. Die Stadt, die Menschen – alles atmet Festtagsstimmung”, so beschrieb die Hermannstädter Zeitung vom 26. August 1968 die Stimmung in Hermannstadt am 23. August 1968, der damals als „Tag der Befreiung des Vaterlandes vom faschistischen Joch”, als Nationalfeiertag gefeiert wurde. „Am Nachmittag traf sich jung und alt im beliebten Ausflugsort der Hermannstädter, im Jungen Wald. Laienkunstformationen der Betriebe und Laienkünstler aus mehreren Gemeinden sorgten für beste Unterhaltung”, ist am Ende des Artikels zu lesen.

2014 gab es in der Heltauergasse keine langen Kolonnen, auf dem Hermannsplatz keine offizielle Tribüne und alles was dazu gehört, sondern es ging gleich in den Jungen Wald, wo zu Klängen von Hits der 1970-er und 1980-er Jahre für Nostalgiker eine märchenhafte Stimmung herrschte und wo Bier und mititei wieder einmal eine Hauptrolle im Leben der Anwesenden einnahmen.

Tagsüber gab es die Möglichkeit, kostenlos Fahrräder zu leien, die alten VW-Käfer zu bewundern oder ehemals beliebte Spiele zu spielen. Einen Markt mit traditionellen Produkten gab es ebenfalls. Eine bedeutende Menschenmenge versammelte sich vor allem nachmittags,  um wieder einmal bekannte rumänische Hits wie „Și afară plouă, plouă” mit Marina Voica, „Stele perechi" mit Marina Florea oder „Așa ești tu“ mit Carmen Trandafir und viele andere zu hören. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es heutzutage möglich, ist eine solche Show zu machen, mit Kollegen aus meiner Generation. Dass Sie hier sind zeigt uns, dass Sie uns nicht vergessen haben und uns immer noch lieben”, schwärmte Carmen Rădulescu vor dem zahlreichen Publikum.

 Ein Ziel der Veranstalter Media International Plus und Ora de Sibiu war u. a. mittels des Festivals die „goldene Generation der rumänischen Musik“ aus der Versenkung zu holen. Fragt sich, warum denn gerade am 23. August. Denn schon seit 1990 ist der 23. August von dem 1. Dezember als Nationalfeiertag abgelöst worden. Aber das ist wohl Nostalgikern egal.

                              Werner FINK

 

Foto oben: „Sibiul de odinioară" heißt das neue Festival im Veranstaltungskalender Hermannstadts, das erstmals am 23. und 24. August im Jungen Wald ausgetragen wurde. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 3. Unser Bild: Zu den Hauptakteuren gehörte die beliebte Sängerin Marina Voica.    Foto: Werner FINK

Foto unten: Bei einem Festival im Freien können die traditionellen Hackfleischwürstchen, die mititei oder mici genannt, nicht fehlen.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.