Bin ich eigentlich ,,normal“?

Betrachtungen über Frauen, die als Urzel liefen und laufen / Von Dagmar SECK

Ausgabe Nr. 2760

Schon 1983 wurden in der Hermannstädter Zeitung, die damals Die Woche (Nr. 790/4. März) heißen musste, zahlreiche weibliche Urzeln abgebildet.         Foto: Horst BUCHFELNER

Soweit meine Erinnerungen zurückreichen, wurde in meiner Familie immer Urzel gelaufen. Damit meine ich gar nicht meinen Großvater, der nach der Wiedereinführung des Brauches in Agnetheln 1969 Urzelsprecher war, das war vor meiner Zeit, sondern meinen Vater und meine beiden großen Geschwister: Sie nahmen bereits Anfang der 1990er Jahre am Urzelumzug in Sachsenheim teil, als ich Tummi noch glaubte, die Peitschen würden knallen, weil man sie ganz fest auf den Boden haute. Wenige Jahre später lief (und knallte) ich dann auch selbst, und heute bin ich regelmäßig dabei, wenn die Urzeln unter der Führung meiner Mutter Nürnberg und Umgebung unsicher machen. Soweit so normal. Aber ist es das wirklich? Wo war meine Mutter in den 1990ern? Wo war meine Tante, die heute doch auch so gerne im Umzug mitläuft und Krapfen verteilt? Auf den Fotos von damals sind hauptsächlich Männer zu sehen. Seit wann ist es „normal“, dass Frauen Urzel laufen? Die Frage hat mich umgetrieben. Also habe ich nachgelesen und nachgehakt.Weiterlesen

,,In der Stunde gelöschter Zeichen“

 Der Schriftsteller Hans Bergel ist tot

Ausgabe Nr. 2760

 

Hans Bergel (1925-2022) Foto: Eva SEILER ISZLAI

Der Schriftsteller Dr. h.c. Hans Bergel ist am 26. Februar d. J. in München gestorben. Der am 26. Juli 1925 in Rosen-au bei Kronstadt Geborene wurde im April 1959 verhaftet und im Schriftstellerprozess zu 15 Jahren Zwangsarbeit und fünf Jahren Verlust sämtlicher Bürgerrechte verurteilt. 1964 wurde er befreit und wanderte 1968 nach Deutschland aus, mit Unterstützung von Günter Grass. Als ,,lyrischen Nachruf“ veröffentlicht die HZ ein Gedicht von Hellmut Seiler, das dieser zum 95. Geburtstag des Verstorbenen im Jahr 2020 verfasst hatte.Weiterlesen

Fresken in byzantinischer Tradition

HAWK-Workshop von Dr. Adrian Rauca zu Grundlagentechnik und Materialien

Ausgabe Nr. 2760

Dr. Adrian Rauca zeigt die Technik der byzantinischen Wandmalerei.                        Foto: HAWK

Der Wandmalereirestaurator Dozent Dr. Adrian Rauca von der Klausenburger Universität für Kunst und Design besuchte wieder einmal für ein paar Tage die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), um Studierenden der Wandmalerei-Restaurierung im ersten Semester in Hildesheim byzantinische Wandmalerei nahe zu bringen. Er lehrte, wie sich Malereien mit in byzantinischer Zeit üblichen Techniken und Motiven anfertigen lassen. Möglich wurde dies durch einen Kooperationsvertrag zwischen der HAWK und der Universität in Klausenburg, im Rahmen des EU-Programms Erasmus+.Weiterlesen

Nachrichten

Ausgabe Nr. 2760

Vortrag im Teutsch-Haus

Hermannstadt. – Das Landeskirchliche Museum bietet den Freunden des Museums auch in diesem Jahr einen Vortrag zu einem für die siebenbürgische Kunstlandschaft aufschlussreichen ikonographischen Thema. In ihrem Vortrag ,,Die Pfeilerfiguren des Mühlbacher Hallenchors“ beleuchtet Heidrun König am Montag, den 14. März, 18 Uhr, im Terrassensaal des Teutsch-Hauses den hagiographischen, politischen und werkgeschichtlichen Kontext der Entstehung der Heiligenfiguren, die als Bauschmuck den Chor der Mühlbacher  evangelischen Kirche schützend umstehen. Der Vortrag richtet sich nach wie vor an alle gestandenen und angehenden Freunde des Museums. Gäste dieser Veranstaltung erhalten die MuseumsCard, die den freien Besuch des Museums für das angebrochene Jahr ermöglicht. (GR)Weiterlesen

Vorfreude

Ausgabe Nr. 2759

Die Vorfreude auf den 1. März, an dem in Rumänien ein mărțisor (Märzchen) genannter Frühlingsbote an rot-weißer Schnur verschenkt wird, ist der Rollstuhlfahrerin anzusehen, die von ihrer Bekannten ein Märzchen geschenkt bekommt. Ab heute sind in Hermannstadt Märzchen an Ständen in der Heltauergasse zu kaufen.          

Foto: Cynthia PINTER

Deeskalation ist gescheitert

Befürchteter Russischer Einmarsch in die Ostukraine hat gestern begonnen

Ausgabe Nr. 2759

Gestern sind Truppen der Russischen Föderation in die ostukrainischen Separatistengebiete einmarschiert, nachdem alle diplomatischen Bemühungen, eine Invasion zu verhindern, gescheitert waren. Montag hatte der russische Staatspräsident Wladimir Putin die ,,Volksrepubliken Luhansk und Donezk“ als unabhängige Staaten per Dekret anerkannt und angeordnet, die Russische Föderation werde Truppen dahin, also in den Osten der Ukraine, entsenden, um in diesen ,,Volksrepubliken“ für ,,Frieden“ zu sorgen.Weiterlesen

,,Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“

Bemerkungen zu dem neuen Buch von Eginald Schlattner, ,,Schattenspiele toter Mädchen“

Ausgabe Nr. 2759

Eginald Schlattner: Schattenspiele toter Mädchen. Roman, Pop Verlag Ludwigsburg, 2022, 401  Seiten,  ISBN 978-3-86356-360-8.

Was bleibt am Ende eines bewegten Menschenlebens? Einzig und allein die Erinnerung an vergangene Zeiten. Die Vergangenheit mutiert deshalb teilweise zur Gegenwart und begleitet uns treu, bis wir unser irdisches Leben beenden; die Zeit weist fließende Grenzen auf und der sich Erinnernde kann nicht mehr unterscheiden, ob seine Wahrheit der erlebten Wirklichkeit entspricht. Die Zeit nehmen wir subjektiv wahr und erinnern uns manchmal selektiv an Vergangenes.

Vergangenheit und Gegenwart, Verblichene und Lebende – darüber schreibt Eginald Schlattner in seinem jüngst im Pop-Verlag, Ludwigsburg, erschienenen Roman ,,Schattenspiele toter Mädchen“.Weiterlesen

Constantin Brâncuși-Nationaltag im Freilichtmuseum

Ausgabe Nr. 2759

Der Geburtstag des berühmten rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși (1876-1957), der 19. Februar, ist 2005 zum Nationaltag erklärt worden.  Am 19. und 20. Februar wurde dieser Nationaltag auch im Freilichtmuseum im Jungen Wald begangen mit thematischen Führungen zu Gehöften aus Südrumänien und einer Werkstatt. Unser Bild: Der Bildhauer Andrei Buda hat auf dem Hof des Gehöfts aus Târgu Cărbunești eine Werkstatt angeboten, bei der sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche fleißig mitgemacht haben.                                                                                                                                                                  Foto: Beatrice UNGAR