,,Diese Tradition ist Identität“

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Ausgabe Nr. 2955

In der Projektwoche zehn Jahre Deutsches Lyzeum in Mühlbach gefeiert

Die Grundschüler sangen unter der Leitung von Elena Sorina Petra und Violeta Bota die Hymne des Deutschen Lyzeums, die eigens für diese Gelegenheit von Elena Sorina Petra und Ioana Giurgiuman in Zusammenarbeit mit Robert Anghelescu komponiert wurde.
Fotos: Werner FINK

„10 Jahre Deutsches Lyzeum in Mühlbach” wurden zwischen dem 30. März und 3. April gefeiert, und zwar im Rahmen der Projektwoche „Școala altfel” (Schule anders), wobei es Ausstellungen, Workshops, siebenbürgisch-sächsische Tänze und Gastronomie sowie die Jubiläumsvorstellung gab. Am Mittwoch, dem 1. April, gab es ein Treffen mit den Freunden und Mitwirkenden, wo u. a. das neue Jahrbuch „Etwas Neues“ vorgestellt wurde. „Wir feiern 10 Jahre Bestehen des Deutschen Lyzeums Mühlbach – 10 Jahre Arbeit, Erfolge, erfüllte Träume und vor allem: 10 Jahre der Fortführung einer Tradition, die in Mühlbach nicht nur Geschichte, sondern Identität ist”, betonte Schuldirektorin Verona Maria Onofrei.

Begrüßt wurden die Anwesenden am Mittwoch zunächst von Geschichtelehrer Mihai Octavian Groza, der die Veranstaltung moderierte. Dann gab es einen Moment des Gedenkens an den verstorbenen Mathias Müller, der sich an der Seite der Direktorin Verona Maria Onofrei bei der Gründung vor 10 Jahren engagiert hat. Im Weiteren kündigte Groza das erscheinen des Jahrbuches „Etwas Neues“ an. Damit will man die Tradition der alten evangelischen Schule in Mühlbach fortführen. Auf Grundlage der alten Jahrbücher des Evangelischen Gymnasiums in Mühlbach wurden übrigens zwei wissenschaftliche Arbeiten verfasst: eine Doktorarbeit und eine Bachelorarbeit. Man wünscht sich, dass auch die neuen Jahrbücher in Zukunft womöglich einmal als Grundlage für derartige wissenschaftliche Arbeiten dienen.

Die Schuldirektorin Verona Maria Onofrei (stehend) begrüßte die Gäste im Festsaal des Hotel Leul de aur (Goldener Löwe).

Die Direktorin des Deutschen Lyzeums Verona Maria Onofrei führte kurz durch die Geschichte der deutschen Schule in Mühlbach. Die Geschichte des Deutschen Lyzeums beginnt nicht im Jahr 2015, sondern viel früher – in einer Gemeinschaft, die bereits seit dem Mittelalter die Bedeutung der Bildung verstanden hat“, betonte sie. Die erste Schule in Mühlbach ist urkundlich im Jahr 1334 belegt, und im Jahr 1352 wird in den Dokumenten ein Lehrer Magister Johannis erwähnt, Rektor der lateinischen Schule im damaligen Dominikanerkloster. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Tradition unter der Schirmherrschaft der Evangelischen Kirche weitergeführt und im Jahr 1724 wurde Mühlbach durch die Gründung des Schulseminars zu einem angesehenen Bildungszentrum. „Das Gebäude des Gymnasiums, errichtet zwischen 1863 und 1869, trägt auch heute noch eine tiefgründige Botschaft, die uns weiterhin inspiriert: Bildung ist Freiheit“, sagte Onofrei. „Diese Tradition wurde 1948 unterbrochen, sie wurde aber nicht vergessen. So wurde Mühlbach erneut zu einem Ort der Begegnung zwischen Tradition und Moderne, sowie zwischen Kultur und wirtschaftlicher Entwicklung. Die deutschen und österreichischen Investitionen in der Region, insbesondere verkörpert durch Mercedes-Benz, haben nicht nur Chancen, sondern auch Inspiration gebracht”, sagte die Direktorin. Es entstand das Bedürfnis, junge Menschen durch eine hochwertige Ausbildung in deutscher Sprache zu qualifizieren. So kam im Schuljahr 2015–2016 das Deutsche Lyzeum in Mühlbach zustande, eine Schule, die es in relativ kurzer Zeit geschafft hat, zu einem lokalen, regionalen und sogar nationalen Bezugspunkt zu werden.

In diesen 10 Jahren kann das Lyzeum etwas vorzeigen: Die guten Ergebnisse bei Prüfungen, Olympiaden und Wettbewerben, die Organisation bedeutender Veranstaltungen – wie der nationalen Phase der Olympiade im Fach Deutsch als Muttersprache – sowie das Engagement in Bildungsprojekten und Partnerschaften. Das alles sei ein lebendiger Beweis dafür, dass diese Institution mehr als nur eine Schule ist: Sie sei eine Gemeinschaft.

Im Weiteren präsentierten die Grundschüler unter der Betreuung von Elena Sorina Petra und Violeta Bota die Hymne des Deutschen Lyzeums, die eigens für diese Gelegenheit von Elena Sorina Petra und Ioana Giurgiuman in Zusammenarbeit mit Robert Anghelescu komponiert wurde.

Dr. Paul-Jürgen Porr, Birgit Schliewenz, Klaus-Peter Krüger und Martin Bottesch (v. l. n. r.) gehörten zu den Ehrengästen.

Das Jahrbuch Etwas Neues” wurde mit Unterstützung des Bürgermeisteramtes in Mühlbach gedruckt. Begrüßt wurden die Anwesenden auch von Vizebürgermeister Dorin Albu. Schulinspektorin Helga Lőrincz, zuständig für die Bildung auf Deutsch und Ungarisch, gratulierte ebenfalls. Hier würden Schüler zwei Kulturen mitbekommen. Sie würden lernen, was deutsche Pünktlichkeit und was deutsche Qualität bedeuten. Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, das die Projekte der Schule stets unterstützt, erinnerte daran, dass der deutsche Unterricht in Mühlbach fast 800 Jahre alt sei. „Wenige wissen, dass es in jedem siebenbürgisch-sächsischen Dorf, selbst im dunkelsten Mittelalter, als es an vielen Königshöfen genug Analphabeten gab, einen Pfarrer oder sowohl einen Pfarrer als auch einen Lehrer gab. Die Kinder konnten lesen, schreiben und rechnen. Der Analphabetismus war nahezu gleich null”, betonte er. „Und noch revolutionärer für diese vorreformatorische Zeit, bis ins 16. Jahrhundert hinein, war die Tatsache, dass auch Mädchen unterrichtet wurden. Das geschah in Deutschland beispielsweise erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts.” Diese Tradition verpflichte natürlich und das DFDR habe sich als eines seiner wichtigsten Ziele den Erhalt dieser deutschsprachigen Schulen sowie die Sicherung eines entsprechenden Qualitätsniveaus gesetzt.

Dabei war auch der Mathematiklehrer Martin Bottesch, der am Anfang seiner Karierre in Mühlbach unterrichtet hatte. In seinem letzten Jahr in Mühlbach, 1991-1992, ist es vorgekommen, dass in einer Klasse nur drei Schüler saßen. Damals gehörten die Schüler der deutschen Minderheit an, die meisten waren 1990-1991 nach Deutschland ausgewandert und niemand hätte daran gedacht, dass je wieder eine deutsche Abteilung neugegründet werden könnte.

Klaus-Peter Krüger und die Deutschlehrerin Delia Cristina Răulea stellten eine Tradition vor, die mit der Schule ins Leben gerufen wurde und zwar die Theatergruppe, wobei jedes Jahr ein Theaterstück aufgeführt wird, sowohl in Mühlbach, als auch in Deutschland. Krüger kam 2016 in Kontakt mit der Deutschlehrerin, über den damaligen Schüler Timon Müller, der gerade dabei war, aus Karlsburg nach Mühlbach zum neu gegründeten Lyzeum zu wechseln. So enstanden die ersten Projekte. 2017 empfing man eine Delegation aus Wittstock, bestehend aus Schülern und Lehrern. Man tauschte sich aus. U. a. stellte sich heraus, dass die Schule über zu wenig Bücher verfügte. Krüger brachte dann die Bücher im eigenen Auto mit. Ein Jahr später gastierte man in Wittstock mit der ersten Theateraufführung. Ein weiteres Jahr später versuchte man wieder etwas Neues: ein besonderes Stück, ein gespielter Vortrag mit Jugendlichen aus Polen, Deutschland und Rumänien. Im gleichen Jahr gab es einen weiteren Höhepunkt. In Petersdorf wurde die Deutsche Bibliothek eröffnet. Nach der Corona-Pause wurde 2022 ein weiteres Theaterstück auf die Bühne gebracht. Dann war man mit einer Aufführung auch bei der Rumänischen Botschaft in Berlin. Weiterhin hielten Schüler aus Mühlbach zwischen 2019 und 2022 vielfältige Vorträge in Brandenburg, wo sie Rumänien und Siebenbürgen vorstellten. Infolgedessen wurden auch an der Schule viele Delegationen aus Deutschland empfangen. Zweimal war man mit dem Orchester Grenzenlos, einer Musikergemeinschaft aus vier Ländern, in Rumänien und in Brandenburg unterwegs. Auch da halfen die Schüler der Schule durch Vorträge, Werkstätten und Moderation.

Das neueste Theaterprojekt soll nun zur Abschlussfeier der zwölften Klassen im Juni vorgestellt werden.

Gegründet wurde das Deutsche Lyzeum in Mühlbach 2015, indem man sich von der Gymnasialschule Petersdorf und der Gymnasialschule Nr. 2 in Mühlbach trennte, wo es deutsche Abteilungen gab. Im Gymnasium gibt es nun 89 Schüler in 4 Klassen und im Lyzeum 74 Schüler in 4 Klassen. Die Aktivität wird an fünf Standorten in Mühlbach und in der Umgebung ausgeführt, von der Kinderkrippe bis zur Lyzeumsklasse.

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein, Gesellschaft, Persönlichkeiten, Schule.