Im Interesse der Gemeinschaft

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Briefe über den Einsatz von Dr. Carl Wolff für Bahnverbindungen und Elektrifizierung

Ausgabe Nr. 2979

Erste Seite des Briefes vom 19. April 1895.

Am 11. Oktober 2026 jährt sich zum 177. Mal der Geburtstag von Carl Wolff (1849–1929), einem der Menschen, die zur Modernisierung der Stadt Hermannstadt beitrugen. Die Elektrifizierung, der Ausbau der Eisenbahnverbindungen und die Errichtung des öffentlichen Volksbads zählen zu den Initiativen, mit denen sein Name verbunden ist. Als Leiter der Hermannstädter Allgemeinen Sparkassa unterstützte Wolff Investitionen von gemeinschaftlichem Interesse, deren Auswirkungen über die Tätigkeit eines Finanzinstituts hinausgingen.

Der Jahrestag bietet Anlass, genauer zu betrachten, wie er versuchte, solche Projekte zu ermöglichen. Drei Briefe aus dem Jahr 1895, die im Familienbestand Bedeus in der Hermannstädter Filiale des Rumänischen Staatsarchivs aufbewahrt werden, ergänzen das Bild des Modernisierungsförderers mit Einzelheiten zu Verhandlungen, Unsicherheiten und administrativen Interventionen. In diesen Dokumenten erläutert Wolff die Grenzen der örtlichen Ressourcen, fordert Garantien für die Finanzierung und besteht darauf, dass Entscheidungen rechtzeitig getroffen werden.

In Schäßburg geboren und in Wien und Heidelberg zum Juristen ausgebildet, verband Wolff seine publizistische und politische Tätigkeit mit einem ausgeprägten Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Briefe vom 7. Februar, vom 19. April und vom 7. September 1895 zeigen, wie diese Erfahrung seine Bemühungen für die Stadt und die umliegenden Gemeinden unterstützte.

Wer konnte die neuen Eisenbahnen finanzieren?

Für Hermannstadt bedeuteten die Bahn-Verbindungen nach Unterwintz/Vințul de Jos und Rothenturm/Turnu Roșu neue Möglichkeiten für den Transport von Menschen und Gütern. Ihr Bau warf jedoch die Frage der Finanzierung auf. Das Komitat und die Gemeinden waren bereits Verpflichtungen für die Strecke Hermannstadt–Freck eingegangen; zusätzliche Beiträge hätten die Mittel belastet, die bereits für frühere Investitionen benötigt wurden.

In seinem Brief vom 7. Februar 1895 berichtet Wolff von einem Gespräch mit Sándor Wekerle und verwies gerade auf diese Verpflichtungen. Die Unterstützung für den Ausbau des Eisenbahnnetzes musste mit einer Einschätzung der örtlichen Möglichkeiten einhergehen. Sein Argument für staatliche Unterstützung ging daher von der finanziellen Lage jener Gemeinden aus, die von den neuen Strecken profitieren sollten.


Erste Seite des Briefes vom 7. Februar 1895.

Der Brief vom 19. April, auf Papier mit dem Briefkopf der Hermannstädter Allgemeinen Sparkassa verfasst, dokumentiert eine neue Phase der Verhandlungen. Nach den Gesprächen in Pest, unter anderem mit Ministerpräsident Bánffy, zeichnete sich ab, dass die Verbindung nach Rothenturm auf Staatskosten gebaut werden sollte. Für die Strecke Unterwintz–Hermannstadt blieb die private Finanzierung unsicher.

Wolff forderte, dass der Gesetzentwurf die Möglichkeit vorsehen solle, beide Strecken aus staatlichen Mitteln zu bauen, falls die private Finanzierung nicht zustande käme. Deshalb wollte er den Text vor dessen Einbringung prüfen. Eine politische Zusicherung musste eine klare Formulierung erhalten, die eine Fortsetzung der Projekte auch im Falle des Scheiterns der privaten Finanzierung erlaubte.

Dieses Vorgehen macht einen konkreten Beitrag Wolffs sichtbar: die Suche nach einer Ausweichlösung für die Eisenbahninvestitionen. Seine juristische Ausbildung zeigt sich in der Aufmerksamkeit, die er dem Gesetzestext widmete. Der Brief hält diese Forderung fest, beweist jedoch nicht, dass die betreffende Bestimmung angenommen wurde. Er zeigt aber, was Wolff für notwendig hielt, damit die Projekte weiterverfolgt werden konnten.

Eine Investition konnte durch Verzögerung verloren gehen

Am 7. September 1895 kam Wolff erneut auf die Verbindung nach Unterwintz zurück. Ihn beschäftigte, dass der Gesetzentwurf noch vor den Haushaltsberatungen im Parlament eingebracht werden sollte, und er fürchtete die Folgen eines verspäteten Ministerbesuchs. Der politische Zeitplan wurde damit zu einem Teil des Eisenbahnproblems: Eine Verzögerung konnte die bis dahin unternommenen Schritte gefährden.

Das Dokument beleuchtet einen Aspekt, den die Geschichte einer fertiggestellten Investition leicht in den Hintergrund treten lässt. Während der Verhandlungen war das Ergebnis noch keineswegs sicher. Auf die Erlangung staatlicher Unterstützung mussten weitere Interventionen folgen, um zu verhindern, dass das Projekt zwischen Zusage und Entscheidung blockiert wurde.

Gedenkplakette: Aus Anlass der 175 Jahre seit der Geburt des Volkswirts, Politikers und Publizisten Dr. Carl Wolff hatte der Dr. Carl-Wolff-Verein der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien in Zusammenarbeit mit der Carl-Wolff-Gesellschaft (München) vom 11. bis 13. Oktober 2024 Tage des Gedenkens an ihren Namensgeber veranstaltet. Unser Bild (v. l. n. r.): Jakob Grohmann, Heinz Rybiczka, Ortrun Rhein, Bürgermeisterin Astrid Fodor, Reinhold Sauer, Ursula Philippi (v. l. n. r.) mit der Gedenkplakette vor dem Eckhaus Großer Ring-Heltauergasse, die auf einer Staffelei zu besichtigen war, da noch eine Genehmigung zur Anbringung ausstand. Die Gedenkplakette ist immer noch nicht angebracht worden.                                   Foto: Beatrice UNGAR

Auch politisch stand viel auf dem Spiel. Jene, die die Zusammenarbeit mit der Regierung unterstützt hatten, mussten der Gemeinschaft Ergebnisse vorweisen können. Das Ausbleiben einer erwarteten Investition konnte das Vertrauen in diese politische Orientierung beeinträchtigen. Wolffs Beharrlichkeit lässt sich auch als Ausdruck seines Verantwortungsbewusstseins gegenüber den Menschen verstehen, deren Interessen er vertrat.

Die Abfolge der Briefe macht die Kontinuität seines Engagements sichtbar. Im Februar erläuterte er, weshalb die örtlichen Mittel nicht ausreichten; im April forderte er eine im Gesetz vorgesehene alternative Finanzierung; im September verfolgte er den Zeitpunkt, zu dem der Gesetzentwurf dem Parlament vorgelegt werden sollte. Die Unterstützung für eine Eisenbahnverbindung erforderte, jede Schwierigkeit erneut aufzugreifen, die deren Verwirklichung behindern konnte.

Auch die Elektrifizierung benötigte administrative

Unterstützung

Derselbe Brief vom 7. September bietet auch einen Einblick in die Vorbereitung der Elektrifizierung. Wolff dankte seinem Korrespondenzpartner für dessen Bereitschaft, beim Handelsministerium vorstellig zu werden, um Steuervergünstigungen für das Elektrizitätswerk zu erwirken. Das Projekt benötigte neben einer technischen Lösung auch wirtschaftlich günstige Bedingungen für die Investition.

Das Wasserkraftwerk in Zoodt sollte am 16. Dezember 1896 auf Grundlage der von Oskar von Miller erstellten Unterlagen in Betrieb genommen werden. Die Geschichte der Elektrifizierung verbindet den deutschen Ingenieur mit Wolff und Partenie Cosma, dem Direktor der Bank Albina. Die Korrespondenz ergänzt diese Geschichte um einen nachvollziehbaren Verwaltungsvorgang, der mehr als ein Jahr vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks unternommen wurde.

Der Brief dokumentiert weder die Antwort des Ministeriums noch erlaubt er es, den Erfolg des gesamten Projekts ausschließlich dieser Intervention zuzuschreiben. Er beleuchtet jedoch eine Phase der Investitionsvorbereitung, in der die finanziellen Rahmenbedingungen noch Unterstützung benötigten. So lässt sich besser verstehen, worin Wolffs Engagement für die Elektrifizierung bestand – über die bloße Verbindung seines Namens mit dem späteren Ergebnis hinaus.

Die Dokumente aus dem Familienbestand Bedeus rücken diese vorbereitende Arbeit in den Mittelpunkt. Anhand der Briefe lässt sich nachvollziehen, was Wolff forderte, welche Risiken er erkannte und auf welche Probleme er wiederholt zurückkam. Die in der Hermannstädter Filiale des Rumänischen Staatsarchivs aufbewahrten und der Forschung zugänglich gemachten Briefe ergänzen die Geschichte der Modernisierung der Stadt um die Geschichte jener Entscheidungen, die sich noch in der Verhandlungsphase befanden.

Anlässlich des Geburtstags von Carl Wolff sollte auch diese Handlung aus dem Frühjahr 1895 in Erinnerung bleiben: Er verlangte, den Gesetzentwurf vor seiner Einbringung lesen zu dürfen, damit die Unsicherheit der privaten Finanzierung den Weg für eine wichtige Investition nicht versperrte. In seiner Sorge um diese Bestimmung zeigt sich die Aufmerksamkeit, mit der er die Interessen der Gemeinschaft und die Zukunft der Eisenbahnverbindungen der Stadt verfolgte.

Mariana S. ȚĂRANU

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Geschichte.