,,Warum mussten wir nach Transnistrien?“

Von Radautz nach Haifa: Das Schicksal der Dipl.-Psychologin Erika Feiler

Ausgabe Nr. 2802

Erika Feiler im Mai 2022 in ihrer Wohnung in Haifa.        Foto: Christel WOLLMANN-FIEDLER

Aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktages, der heute, am 27. Januar, weltweit begangen wird, veröffentlichen wir im Folgenden einen Beitrag von Christel W o l l m a n n-F i e d l e r, der Berlin-Korrespondentin der HZ, über das Schicksal von Erika Feiler, geborene Weinstein, die heute in Haifa lebt. Sie wurde 1932 eher durch Zufall in Czernowitz geboren.  Die Eltern lebten in Radautz in der Südbukowina, der Vater war dort Kinderarzt. Erika sollte in einem Krankenhaus auf die Welt kommen. In Radautz gab es nur Hausgeburten.Weiterlesen

,,Ein Zeichen der Transparenz“

SRI hat die Revolutionsakte am 22. Dezember 2022 freigegeben

Ausgabe Nr. 2801

Mittags, am 21. Dezember 1989, auf dem Großen Ring.

Noch vor Weihnachten 2022, genauer am 22. Dezember, hat der rumänische Nachrichtendienst (Serviciul Român de Informații, SRI) die Revolutionsakte freigegeben. Es handelt sich um die Akte über die Rolle von damaligen Securitate-Mitarbeitern, die in die SRI übernommen wurden, bei der blutigen Unterdrückung der antikommunistischen Revolution im Dezember 1989 in Rumänien. Weiterlesen

Notizen aus der Studienzeit

Raritäten aus der Bibliothek von Samuel von Brukenthal (III)

Ausgabe Nr. 2801

Lesenotizen in der ,,Elementa iuris civilis“, die Samuel von Brukenthal zugeschrieben werden.

In den ersten beiden Artikeln hatten wir auf zwei wichtige Bücher aus der Bibliothek von Samuel von Brukenthal aufmerksam gemacht. Das erste, ,,Das vollständig vermehrte Hermannstädtische Gesangbuch“ (1766), ist ein siebenbürgisches Buchjuwel, aus dem ein hoffnungsvoller religiöser Hymnus, den Brukenthal selbst ausgewählt hatte, bei seiner Beerdigung gesungen wurde. Das zweite ist der früheste handschriftliche Katalog der Bibliothek des Barons, der von Samuel Hahnemann und Johann Michael Soterius von Sachsenheim um 1780 zusammengestellt wurde. Aber wie hat das alles angefangen? Wann und wie hat Samuel von Brukenthal mit dem Aufbau seiner Bibliothek begonnen? Die Antwort scheint in seiner Studienzeit zu liegen.Weiterlesen

Strategie des Überlebens

Ausstellungskatalog zu Kunst und Deportation

Ausgabe Nr. 2800

Irmgard Sedler: ,,Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten“. Kunst und Deportation. Siebenbürger Sachsen in sowjetischen Arbeitslagern 1945-1949. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung herausgegeben vom Siebenbürgischen Museum Gundelsheim 2022, Verlag Renate Brandes, Altenriet, 272 Seiten, ISBN 978-3-948818-20-3, 37,50 Euro. Erhältlich im Museumsshop oder nach Anfrage gegen Rechnung zzgl. Versandkosten. Er kann auch direkt beim Verlag Renate Brandes oder über den Buchhandel bezogen werden.Näheres unter www.siebenbuer gisches-museum.de

Kurz vor Weihnachten 2022 erschien nun auch der Ausstellungskatalog „Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten. Kunst und Deportation“. Diese Publikation, herausgegeben anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, die vom 27. August bis 26. September 2021 im Haus der Geschichte Dinkelsbühl und vom 10. Dezember 2021 bis 24. April 2022 im Siebenbürgischen Museum auf Schloss Horneck in Gundelsheim zu besichtigen gewesen ist, beschreibt die Verbindung von Kunst und Deportation der Siebenbürger Sachsen in die sowjetischen Arbeitslager 1945 bis 1949. Neben dem primär ästhetischen Kunsterlebnis und der kunsthistorischen Reflexion gewährt sie dem Leser Anhaltspunkte zum wesentlichen Diskurs über den künstlerischen Akt als Strategie des Überlebens.Weiterlesen

,,Latsch, latsch, latsch, die Wiese blüht…“

Erinnerungen an eine Schulreise mit Prof. Friedrich Philippi 1977

Ausgabe Nr. 2799

Während meiner Zeit am Pädagogischen Lyzeum in Hermannstadt (Päda), 1974-1978, hatte ich das große Glück, in einer wunderbaren Klasse gewesen zu sein. Dazu gehörten natürlich auch unsere Klassenlehrerin, die Biologieprofessorin Marga Grau (damals noch Schuller) und einige der Professoren. Unser Glück bestand vor allem darin, dass viele Ausflüge und Schulreisen organisiert und durchgeführt wurden. Das war nicht bei allen Klassen so. Nicht alle Professoren haben sich das angetan, eine Reise zu planen, zu organisieren, Papierkram zu erledigen, Bewilligungen von verschiedenen Ämtern – einschließlich Partei und Verband der Kommunistischen Jugend (VKJ/UTC) – einzuholen, u. v. a.m. Weiterlesen

,,Das Handwerk der Vorfahren erleben“

Besuch der Glasausstellung in der ehemaligen Sommerresidenz Brukenthals in Freck

Ausgabe Nr. 2798

 

Vater und Sohn in der Glasausstellung: Günther Klingeis und Arnold Klingeis.         Foto: Privat

Wer die ehemalige Sommerresidenz Brukenthals in Freck besucht, kann auch die Glasausstellung bewundern, die zu Weihnachten 2020 hier eröffnet wurde, und damit zugleich einen Ausschnitt aus der Geschichte der Stadt miterleben. Die Ausstellung stammt nämlich aus der ehemaligen Glasfabrik, die etwa vor zwei Jahren aufgelöst wurde, wo viele Bewohnergenerationen der Stadt über Jahrezente hinweg tätig waren und deren Geschichte mit den Glasbläser-Familien, die aus der Steiermark nach Siebenbürgen einwanderten, eng verbunden ist. Bewundert werden können über 1.200 Exponate.Weiterlesen

Von Old Shatterhand bis János Xantus

Besuch bei den Filmemachern Gábor und Áron Xantus (I) / Von Werner FINK

Ausgabe Nr. 2792

János (John) Xantus in der Uniform der amerikanischen Marine 1861.

„Die Traumhelden und die Traumlandschaften unserer Jugendjahre – er hat sie erzählt und beschrieben wie kein anderer, ja verkörpert im wahrsten Sinne des Wortes. Ging er doch in seinem blonden deutschen Helden Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi vollends auf. Die Rede ist vom Volksschriftsteller Karl May, der es wie kein anderer verstand, seine Leser zu fesseln“, schreibt Konrad Wellmann in einem Artikel in der Hermannstädter Zeitung von 2012 zum 100. Todestag von Karl May (1842-1912) und stellt ebenda fest:  „Jung und Alt liebten seine starken Helden, hassten die Bösewichte und bewunderten seine angeblich selbst erlebten Abenteuer. Dabei hat Karl May erst im Alter einige Stätten seiner Romane kennen gelernt.“ Wenn Karl May erst im Alter die Stätten seiner Romane kennengelernt hat, wer war es, der ihm als Inspiration diente? Diese Gedanken gingen bestimmt ganzen Generationen Lesern durch den Kopf. Antworten zu finden wird versucht in dem Film ,,Magyar volt-e Old Shatterhand“ (War Old Shatterhand ein Ungar?/ 2006), von Gábor Xantus und dessen Sohn Áron Xantus. Expeditionsreisen sind übrigens eine Herzensangelegenheit der Beiden. Neulich drehten sie einen Film über Emil Racoviță (1868-1947), der 2021 mit dem Preis der Rumänischen Akademie und Ende September d. J. vom  Verband der Rumänischen Filmemacher (UCIN) ausgezeichnet wurde.Weiterlesen

Ein Schritt gegen das Vergessen

Filmvorführung ,,Roma Tears” im Heilbronner Arthaus-Kino

Ausgabe Nr. 2792

Luminița Mihai Cioabă: Romane Iasfa/Zigeunertränen, Sozio-kulturelle ,,Ion Cioaba“-Stiftung der Roma, DVD, ISBN: 2208673717630, 59 Lei. In Hermannstadt liegt die DVD mit englischen Untertiteln im Erasmus-Büchercafé auf. Bestellungen unter buechercafe.ro

Transnistrien – den meisten ein Begriff als kleine abtrünnige Provinz der Republik  Moldova und von Russland unterstütztes De-facto-Regime jenseits des Dnjestrs. Weniger präsent ist dabei die Tatsache, dass Rumänien während des Zweiten Weltkrieges ein rund 42.000 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Dnjestr und Südlichem Bug – darunter auch die Stadt Odessa – von der Sowjetunion annektierte und als Gouvernement eingliederte. Vergessen ist, was für eine Tragödie sich zwischen den Jahren 1942 und 1944 in eben diesem Landstrich abspielte. Die Vorführung des Films ,,Roma Tears“ am 22. September im Heilbronner Arthaus-Kino im Rahmen der Filmreihe „Siebenbürgen heute – eine europäische Landschaft” war ein gelungener Versuch, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Die Filmreihe ist ein Projekt der Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim a. N. in Kooperation mit dem Kinostar Theater GmbH, der Kreisgruppe Heilbronn im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, Potsdam.Weiterlesen

,,Lebendiges Beispiel der Kooperation“

Ausgabe Nr. 2789

Saxonia-Stiftung feierte 30. Geburtstag mit hohen Gästen und einem Jubiläumskatalog

Vorsitzende unter sich: Martin Bottesch, der Vorsitzende der Saxonia-Stiftung (links), und Dagmar Hübner, die Vorsitzende der Stiftung Saxonia Transilvania, besichtigten gemeinsam die Ausstellung im Saxonia-Haus.

1990 standen ein evangelischer Pfarrer und ein Mathematiklehrer auf dem Mühlbacher Bahnhof ratlos vor einem Waggon eines Güterzuges. Man hatte sie verständigt, dass sie dort ,,Hilfsgüter für die deutsche Minderheit“ schleunigst abholen sollten, bevor der Zug weiterfährt. Sie wussten zwar nicht, was das für Maschinen waren aber sie ließen sie auf einen LKW laden und stellten sie auf den Pfarrhof. Der Mathematiklehrer von damals, Martin Bottesch, erzählte diese Begebenheit als Vorsitzender des Siebenbürgenforums in seinem Grußwort zum 25. Jubiläum der Saxonia-Stiftung vor fünf Jahren. Beim 30. Jubiläum, das am Samstag in Rosenau gefeiert wurde, erinnerte sich Bottesch erneut an jene Zeit, als ,,Endzeitstimmung“ herrschte, ,,alle eifrig mithalfen, aber überfordert waren“ und die Gründung der Saxonia-Stiftung am 12. März 1992 Forum und Kirche entlastet habe.Weiterlesen

Zwei Jahre danach

Ausgabe Nr. 2789

Sicherungsarbeiten an der Kirchenburg Roseln abgeschlossen

Außenansicht der Kirchenburg Roseln. Fotos: Stefan BICHLER

Die Reparatur, Erhaltung und die Erschließung für den Tourismus der Kirchenburg Roseln aus Mitteln des Regionalen Operationellen Programms 2014-2020 (Programul Operațional Regional), mit einem Gesamtwert von circa 1,4 Millionen Lei (umgerechnet ca. 290.000 Euro) wurde vor kurzem abgeschlossen. Aus diesem Anlass präsentierten am 16. September vor Ort Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Roseln, des Landeskonsistoriums der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Projektmanagerin Elena Curcean, Architekt Ioan Bucur sowie Repräsentanten der ausführenden Firma Unicons aus Cristuru Secuiesc/Székelykeresztúr/Szeklerkreuz die an Kirchenschiff, Turm und im Kirchhof durchgeführten Sicherungsarbeiten.

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Alte Bücher weckten großes Interesse

Erläuterungen zum Projekt ,,Schriftlichkeit und Lesekultur in Mediasch“

Ausgabe Nr. 2788

Drei Mitarbeiter des Projektteams beim Abfotografieren der Bücher für eine darauffolgende Auswertung am PC.                                                                                                          Foto: Adinel DINCĂ

Das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderte Projekt „Schriftlichkeit und Lesekultur in Mediasch/Mediaș (Siebenbürgen, Rumänien) im 14.-16. Jahrhundert. Sicherung, virtuelle Rekonstruktion und wissenschaftliche Analyse einer siebenbürgischen Pfarr- und Gymnasialbibliothek“ hat großes Interesse geweckt, vor allem weil auch die Beteiligten von der Quantität und Qualität der alten Bücher überrascht sind. Der Bestand an alten Büchern war bekannt, nur nicht deren Zahl und Bedeutung.

Lesen Sie im Folgenden die Erläuterungen, die Univ.-Dozent Dr. habil. Adinel Dincă von der Babeș-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca für das Evangelische Stadtpfarramt A. B. Mediasch und für die Projektgruppe „Schriftlichkeit und Lesekultur in Mediasch” verfasst hat und die auf der Facebook-Seite des Evangelischen Stadtpfarramts A. B. Mediasch veröffentlicht worden sind. Weiterlesen

Umkämpften Freiraum bewahrt

,,Überwachung und Infiltration“ – ein wissenschaftlich hochstehendes Buch

Ausgabe Nr. 2786

 

Hannelore Baier (Hg.): Überwachung und Infiltration. Die Evangelische Kirche in Rumänien unter kommunistischer Herrschaft (1945-1969). Friedrich Pustet Verlag, 2022, 423 Seiten, 39,95 Euro, ISBN: 3791733303

Unter dem Titel „Überwachung und Infiltration“ hat die bekannte Journalistin und verdiente Forscherin Hannelore Baier im vorigen Frühjahr ein überaus spannendes Buch herausgegeben. Gegenstand vielfältiger Überwachung und immer neuer Infiltration und Unterwanderung, die im Buch dargestellt wird, war die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien im Zeitraum der kommunistischen Herrschaft, und zwar in der Amtszeit des Bischofs Friedrich Müller (1945-1969). Die allein regierende, von Moskau gelenkte Kommunistische Partei war bestrebt, sich die Kirche mit allen Mitteln hörig zu machen und sie ideologisch in ihre Machtstruktur einzuzwängen. Weiterlesen