Aus dem Nachlass der Familie Teutsch im Hermannstädter Staatsarchiv
Ausgabe Nr. 2972

Das Teutsch-Denkmal auf dem Huetplatz heute. Foto: Beatrice UNGAR
Vor 127 Jahren, am 19. August 1899, wurde auf dem Huetplatz in Hermannstadt das Denkmal für den Bischof Georg Daniel Teutsch eingeweiht – eine der Persönlichkeiten, die das kirchliche, schulische und kulturelle Leben der Siebenbürger Sachsen maßgeblich geprägt haben. Der Jahrestag bietet Anlass, das Ereignis nachzuzeichnen, die Wahl des Standorts zu erläutern und die Dokumente der Familie Teutsch vorzustellen, die in der Hermannstädter Filiale des Rumänischen Staatsarchivs aufbewahrt werden.
Für die Zeitgenossen bedeutete die Enthüllung der Statue nicht nur die Erinnerung an einen Bischof, der sechs Jahre zuvor gestorben war. Es war auch das öffentliche Bekenntnis einer Gemeinschaft, die nach dem Verlust ihrer alten politischen Rechte nach Kontinuität suchte – in Kirche, Schule, Kultur und in historischer Erinnerung.
Zeremonie am 19. August 1899
Die Vorbereitungen hatten bereits mehrere Monate davor begonnen. Die Leitung der Evangelischen Kirche hatte Vertreter der deutschen Universitäten, der wissenschaftlichen Gesellschaften und der kirchlichen Organisationen, mit denen sie in Verbindung stand, nach Hermannstadt eingeladen. Aus den siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften kamen Pfarrer, Lehrer und Bauern in der Tracht ihrer jeweiligen Gemeinden.

Der Schiller-Verein in Leipzig ernannte Bischof G. D. Teutsch am 10. November 1861 zum Ehrenmitglied.
Unter den Gästen befanden sich die Theologen Adolf von Harnack und Ernst Troeltsch, Hans von Schubert, Vertreter der Universität Kiel, sowie Delegierte des Gustav-Adolf-Vereins und des Evangelischen Bundes.
Hans von Schubert beschrieb das Ereignis in der Studie „Aus Vergangenheit und Gegenwart der siebenbürgischen Sachsen. Ein Nachklang der Teutsch-Feier in Hermannstadt am 19. August 1899“, veröffentlicht in den „Preußischen Jahrbüchern“. Er berichtet, dass die deutschen Gäste in der Stadt keine Blumen vorgefunden hätten. Die Erklärung hätten sie bei der Zeremonie entdeckt: Die aus den siebenbürgisch-sächsischen Dörfern kommenden Delegationen hatten riesige Kränze für das Denkmal mitgebracht. Die Bauern in den Volkstrachten ihrer Heimatorte bildeten in den Augen des deutschen Professors ein lebendiges Bild der siebenbürgisch-sächsischen Welt.
In dem Artikel „Das Teutsch-Denkmal zu Hermannstadt in Siebenbürgen“, veröffentlicht in „Die Gartenlaube“ im Jahr 1899, wurde die Einweihung als Ausdruck der Solidarität der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft und ihres Entschlusses gedeutet, ihre Identität zu bewahren.
Das Denkmal war in Stuttgart vom Bildhauer Adolf von Donndorf gefertigt worden. Die Bronzefigur, etwa 3,5 Meter hoch, steht auf einem Granitsockel. Auf diesem sind die Medaillons von vier Mitarbeitern des Bischofs angebracht: Georg Paul Binder, Konrad Schmidt, Johann Carl Schuller und Franz Gebbel.
Warum Teutsch und warum der Huetplatz
Georg Daniel Teutsch wurde am 12. Dezember 1817 in Schäßburg/Sighișoara geboren, in einer bescheidenen Familie. Sein Vater, Martin Benjamin Teutsch, war Seifensieder. Er studierte Theologie, Geschichte und alte Sprachen in Wien und Berlin, wo der Historiker Leopold von Ranke zu seinen Lehrern gehörte.
Nach seiner Rückkehr nach Siebenbürgen wurde er Professor und dann Rektor des Gymnasiums in Schäßburg. Er setzte sich für die Ausbildung der Lehrer ein, unterstützte die Modernisierung des Unterrichtswesens und die Bewahrung evangelischer Schulen. Er engagierte sich auch im politischen Leben und vertrat die Siebenbürger Sachsen im Siebenbürgischen Landtag und im Reichsrat in Wien.
Am 19. September 1867 wurde er zum Bischof der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Siebenbürgen gewählt. Die Wahl wurde im Januar 1868 vom Kaiser bestätigt. Durch die Wahl von Teutsch wurde der bischöfliche Sitz wieder nach Hermannstadt verlegt – nach fast drei Jahrhunderten, in denen die evangelischen Bischöfe in Birthälm/Biertan residiert hatten.
Seine Rolle wurde entscheidend nach der Abschaffung der Sächsischen Nationsuniversität im Jahr 1876. Um die Evangelische Kirche herum konnten die Schulen, die kulturellen Einrichtungen und die Verbindungen zwischen den siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden erhalten bleiben. Hans von Schubert fasste diesen Beitrag treffend zusammen: Als die Siebenbürger Sachsen ihr altes politisches Zuhause verloren hatten, hätte Teutsch ihnen ein neues aufgebaut – gegründet auf Kirche, Schule, Kultur und Geschichte.

Die Urkunde über den Ehrendoktor der Theologie, der ihm die Universität Jena am 13. Januar 1882 verliehen hat.
Teutsch war auch einer der wichtigsten Historiker der Siebenbürger Sachsen. Durch seine Studien und seine umfassende Geschichte der Gemeinschaft bot er den Zeitgenossen ein stimmiges Bild der eigenen Vergangenheit.
Der gewählte Ort für die Statue fasste diese Tätigkeit zusammen. Das Denkmal wurde zwischen der evangelischen Stadtpfarrkirche und dem evangelischen Knabengymnasium (heute Samuel von Brukenthal-Gymnasium) aufgestellt. Die Kirche bot Organisation und Zusammenhalt, während die Schule Sprache, Kultur und Erinnerung von Generation zu Generation weitergab.
Der Bischof hält die Bibel in seiner linken Hand und stützt seine rechte Hand auf einer Säule, auf der Darstellungen mittelalterlicher Dokumente zu sehen sind. Die Komposition vereint den Kirchenleiter, den Schulreformer und den Historiker. Zugleich lag der Huetplatz im Kern des ältesten befestigten Hermannstadt und war über Jahrhunderte ein Ort für öffentliche Versammlungen und Mitteilungen.
Der Familiennachlass Teutsch im Staatsarchiv
Der Familiennachlass Teutsch – „Familiennachlass Georg Daniel und Friedrich Teutsch“ –, der in der Hermannstädter Filiale des Staatsarchivs aufbewahrt wird, umfasst etwa 11,3 laufende Meter Dokumente. Die Materialien beziehen sich auf drei Generationen: Martin Benjamin Teutsch, Georg Daniel Teutsch und Friedrich Teutsch. Der Sohn von Georg Daniel setzte die Historiker-Arbeit seines Vaters fort und wurde seinerseits ebenfalls Bischof.
Der Nachlass umfasst persönliche und Familien-Akten, Dokumente zur kirchlichen und öffentlichen Tätigkeit, Manuskripte, eigene Arbeiten, wirtschaftliche Unterlagen und eine reiche Korrespondenz. Es werden Studienzeugnisse, Ernennungen und Bestätigungen von Ämtern, Diplome, Pässe, Predigten, Reden sowie Notizhefte aufbewahrt.
Ein besonderes Dokument ist die kaiserliche Urkunde, mit der die Wahl von Teutsch zum Bischof bestätigt wurde. In Wien am 6. Januar 1868 ausgestellt, auf Ungarisch verfasst und mit einem großen roten Siegel versehen, veranschaulicht sie die offizielle Position, die Teutsch im Rahmen der Monarchie erhielt.

Erste Seite der Rede von G. D. Teutsch zur 45. Jahrestagung des Vereins für siebenbürgische Landeskunde, die am 15. August 1892 stattgefunden hat.
Daneben finden sich die Diplome, die seine Anerkennung im deutschen Raum belegen. Am 10. November 1861 ernannte ihn der Schiller-Verein in Leipzig zum Ehrenmitglied, und am 13. Januar 1882 verlieh ihm die Universität Jena den Titel doctor honoris causa in Theologie. Kalligraphie, Auszeichnungen, Wappen und Siegel verleihen den Dokumenten zudem einen wichtigen künstlerischen Wert.
Der Nachlass enthält auch Dokumente, die den Bischof dem heutigen Leser nahebringen. Nach dem Tod ihres Vaters war Catharina Teutsch gezwungen, Geld zu leihen, um dem Sohn das Studium in Berlin zu ermöglichen. Erhalten geblieben sind auch Erinnerungshefte aus den Jahren, die Teutsch in Wien und Berlin verbracht hatte, mit Widmungen, die er von Freunden und Verwandten erhielt.
Ein wichtiger Teil besteht aus den Manuskripten von Georg Daniel Teutsch zur Geschichte: Entwürfe, erste Fassungen seiner Texte sowie Fragmente von Arbeiten über die Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen. Zu den untersuchten Themen zählen die Zeit der Fürsten Gabriel Báthory und Gabriel Bethlen, Siebenbürgen während der Herrschaft Maria Theresias sowie die Geschichte der Siebenbürger Sachsen im Mittelalter. Der Nachlass enthält außerdem Exzerpte aus der deutschen Presse in Siebenbürgen, mit Informationen zu Kirche, Schule, Politik, Kultur und Demografie.
Einen der wertvollsten Bestandteile des Nachlasses stellt die Korrespondenz dar. Die Briefe berichten über die Tätigkeit der Pfarrer und Lehrer, die Neuorganisation des Unterrichtswesens, die Erarbeitung von Lehrbüchern, die Synoden der Evangelischen Kirche, die Revolution von 1848 und die politische Lage der Siebenbürger Sachsen.
Durch diese Briefe waren Hermannstadt und Schäßburg mit Wien, Berlin und anderen europäischen Zentren verbunden. Die meisten Dokumente sind auf Deutsch verfasst; es gibt aber auch solche auf Ungarisch, Latein, Französisch und Englisch. Der Nachlass umfasst außerdem Postkarten vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die wegen der Abbildungen der alten siebenbürgisch-sächsischen Siedlungen und ihrer Architektur besonders wertvoll sind.

Dr. Mariana S. Țăranu.
Im Jahr 1887, anlässlich seines 70. Geburtstags, erhielt Teutsch Festschriften und wurde zum Ehrenbürger von Hermannstadt ernannt. Die amtlichen Unterlagen stellen den vom Kaiser, von Universitäten und wissenschaftlichen Gesellschaften anerkannten Bischof dar; die Briefe und Dokumente der Familie ermöglichen es, den Menschen hinter den öffentlichen Funktionen kennenzulernen.
Das Denkmal auf dem Huetplatz und der Archivbestand ergänzen sich. Im öffentlichen Raum sehen wir den Bischof, den Historiker und Schulreformer, der zur Statue geworden ist. In den Dokumenten, die im Staatsarchiv in Hermannstadt aufbewahrt werden, entdecken wir ihn als Student, Professor, Autor, Vater und als Korrespondent eines weit verzweigten europäischen intellektuellen Netzwerks.
Dr. Mariana S. ȚĂRANU,
Leiterin der Hermannstädter Filiale des Staatsarchivs