Wanderausstellung „Infrarot“ gastiert in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2967

Gruppenbild mit Veranstaltern und Interviewpartnerinnen und -partner: Jakob Feldmann, Eva Maria Carașcă, Luminița Mihai Cioabă, Daniel Cautnic, Angela Tomaselli, Hans Georg Junesch, Beatrice Ungar und Tiberiu Baruch (v. l. n. r.) Foto: Aurelia BRECHT
Die Wanderausstellung „Infrarot: Kommunismus aus der Perspektive der nationalen Minderheiten in Rumänien“, das Ergebnis einer studentischen Initiative der Fachschaftsredaktion „Das Politicum“ der Universität Bonn, wurde am 9. Juli im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt eröffnet und ist bis zum 20. September in der Synagoge in Hermannstadt zu besichtigen.
Der Initiator der Ausstellung, der Hermannstädter Student der Politikwissenschaften an der Universität Bonn, Daniel Cautnic, moderierte die Veranstaltung und erklärte: „Im Zuge der Interviews mit 13 Vertreterinnen und Vertretern von acht nationalen Minderheiten aus Rumänien, kamen wir zu dem Schluss, dass die Erfahrung des Kommunismus, sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene von einer Reihe Faktoren beeinflusst worden war. Neben der ethnische Zugehörigkeit spielten der Beruf, die Herkunft (Stadt oder Land), die Größe der nationalen Minderheit, der sie angehörten und die Zeit, die die Interviewten unter kommunistischem Regime erlebt hatten – sei es unter Gheorghe Gheorghiu-Dej, sei es ausschließlich unter Nicolae Ceaușescu.

Tiberiu Baruch (1. v. r.), der Präsident der Jüdischen Gemeinde Hermannstadt und ein bedeutenden Unterstützer der Initiative führt einen Besucher durch die Ausstellung in der Synagoge. Foto: Beatrice UNGAR
Cautnic stellte auch die fünf von insgesamt 13 Interviewten Anwesenden kurz vor und ließ sie zu Wort kommen. Seitens der jüdischen Minderheit war das Eva Maria Carașcă, seitens der Roma-Minderheit die Schriftstellerin Luminița Mihai Cioabă, seitens der italienischen Minderheit die Künstlerin Angela Tomaselli und seitens der deutschen Minderheit Pfarrer Hans-Georg Junesch und Journalistin Beatrice Ungar.
Die Ausstellung war zunächst in Bonn gezeigt worden und wandert nach dem 20. September weiter, u. a. nach Temeswar, wo sie im Beisein von Pfarrer László Tökes, der zu den Intervieüpartnern gehört, eröffnet werden wird.
Jakob Feldmann, Vorsitzender der Fachschaftsredaktion „Das Politicum“ hat die Reise nach Hermannstadt auf sich genommen um bei der Eröffnung dabei zu sein und richtete in seiner Rede u. a. folgende Worte an die anwesenden Interviewten: „Die Erfahrungen, die hier nun endlich sichtbar gemacht werden, sind eine Lehre für uns alle. Deshalb ist es mir zuletzt ein großes Anliegen den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen im Namen der gesamten Redaktion zu danken. Es ist keine Selbstverständlichkeit, von den Erfahrungen so detailliert zu berichten und sich so auch wieder selbst mit den eigenen schmerzlichen Erinnerungen auseinanderzusetzen. Ihre Arbeit ist unerlässlich und macht für uns ein tieferes Verständnis von den vielfältigen Repressionen, die Sie und Ihre Familien erfahren haben, erst möglich. Mit Ihrem Beitrag führen Sie insbesondere uns jungen Menschen in Rumänien wie in Deutschland vor Augen, welche Gefahren in autokratischen Bestrebungen liegen und leisten einen großen Beitrag dazu, dass wir uns unserer Verantwortung in der Gestaltung der Zukunft bewusst werden.“
A. D.