Die Gemeinde Zoodt/Sadu will den Tourismus beleben
Ausgabe Nr. 2974

Der Radweg ist für alle Altersklassen angelegt und verläuft im Grünen.
Foto: Cynthia PINTER
Die Gemeinde Zood/Sadu hat am Dienstag, dem 1. September, den neuen Radtourismus-Rundweg „Mocănița Valea Sadului“ eröffnet. Die Strecke verläuft auf 4,26 Kilometern über den ehemaligen Bahndamm der Schmalspurbahn. Rund 120 Kinder, Eltern, Lehrkräfte und Radbegeisterte nahmen an der Eröffnungstour teil. Die Investition beläuft sich auf fast 6 Millionen Lei.
Statt einer klassischen Banddurchschneidung setzten die örtlichen Behörden auf eine symbolisch passendere Form der Einweihung: die gemeinsame Fahrt mit dem Fahrrad. „Ich glaube, es war die beste Entscheidung, den Radtourismus-Rundweg Mocănița offiziell so zu eröffnen. Solche offiziellen Eröffnungen mit Banddurchschnitt und Redepulten mitten auf der Straße sollten meiner Meinung nach eher großen Infrastrukturprojekten vorbehalten bleiben“, witzelte Bürgermeister Valentin Ivan bei der anschließenden Pressekonferenz, wohin er sportlich angezogen kam, denn er war kurz zuvor an der Spitze der Radfahrer-Gruppe gefahren. Für einen Radweg, der vor allem Familien, Kinder und Naturfreunde ansprechen soll, sei die gemeinsame Fahrt ein viel stimmigeres Zeichen. Genau darauf zielt das Projekt auch ab: Der Rundweg ist kein Wettkampfparcours und keine Strecke für Profis, sondern ein gut zugänglicher Weg für die breite Öffentlichkeit. „Der Rundweg Mocănița ist ein atypischer Rundweg, den man so nirgendwo sonst findet: getrennt vom Kfz-Verkehr, naturnah, wild und zugleich sehr familienfreundlich. Wir wollen, dass er vor allem Familien und Naturfreunde anzieht“, erklärte Ivan.

Bei der Pressekonferenz im Zoodter Rathaus präsentierten Bürgermeister Valentin Ivan (2. v. l.) und Vizebürgermeister Ionuț Veștemean auch andere Projekte der Gemeinde.
Foto: Cynthia PINTER
Die neue Route ist zweispurig, drei Meter breit und größtenteils vom Straßenverkehr getrennt. Sie beginnt am Rand der Ortschaft und ist bereits gut ausgeschildert. Die Straße schlängelt sich am Hang entlang in Richtung des Picuiului-Hügels und des Zoodttals. Damit wird ein alter Verkehrsweg wiederbelebt: Der frühere Bahndamm der einstigen Schmalspurbahn, die früher Talmesch/Tălmaciu mit Dudaș verband, wurde für eine neue Nutzung als Radweg umgestaltet. So „verbindet das Projekt technische Geschichte mit moderner Freizeit- und Tourismusinfrastruktur“, erklärte der Bürgermeister, der den Tourismus in Zoodt wiederbeleben will: „Der Rundweg liegt in einer Gegend, die ohnehin stark mit Natur und Industriegeschichte verbunden ist.“ In der Nähe befindet sich auch das Wasserkraftwerk Sadu I, die älteste noch funktionierende Wasserkraftanlage Rumäniens, das übrigens dieses Jahr 130 Jahre seit der Eröffnung feiert. Um diesen runden Geburtstag zu ehren, hat Zoodt dieses Jahr zum „Jahr des Lichtes“ (Anul luminii) erklärt und mehrere Projekte durchgeführt. Auch die Gemeinde selbst vermarktet sich als „Dorf des Lichts“ (Satul luminii).
Für die Gemeinde ist das ein besonderer Vorteil, denn der neue Radweg kann nicht nur als Freizeitstrecke dienen, sondern auch als touristische Verbindung zwischen Landschaft, Industrieerbe und regionaler Identität. Gerade diese Kombination soll den Standort für Besucher attraktiver machen. In der Gegend „La Masa Verde“ (Beim Grünen Tisch) nähert sich der Radweg einer Kreisstraße und einem 7,8 Kilometer langen Forstweg, der für Mountainbiker mit höheren Ansprüchen interessant ist.
Das Projekt ist Teil des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR). Der Gesamtwert liegt bei 5.915.734,60 Lei inklusive Mehrwertsteuer. Über den PNRR wurden 2.097.070,20 Lei ohne Mehrwertsteuer sowie 435.204,74 Lei mit Mehrwertsteuer für förderfähige Ausgaben finanziert; die übrigen Kosten hat die Gemeinde als nicht förderfähige Ausgaben selbst getragen. Offiziell ist das Projekt vom 6. März 2023 bis zum 30. August 2026 gelaufen. Die Arbeiten vor Ort haben am 15. April dieses Jahr begonnen und wurden in drei Monaten umgesetzt. „Als ich dem Unternehmer sagte, dass er nur drei Monate Zeit hat, dachte er, ich mache einen Scherz. Es schien kaum vorstellbar, dass ein mehr als vier Kilometer langer Weg, der in diesem Zustand war, in so kurzer Zeit aufgewertet werden kann“, so Ivan, der auch erklärte, dass auf der Baustelle durchgehend mindestens 60 Personen im Einsatz waren, auch an Wochenenden. Dass das Projekt termingerecht abgeschlossen wurde, ist auch den Angestellten des Bürgermeisteramtes zu verdanken. „Die schnelle Umsetzung zeigt, welchen Stellenwert die Gemeinde dem Vorhaben beimisst. Mit dem neuen Weg will Zoodt sich stärker als Destination für Radtourismus positionieren und langfristig zusätzliche Besucher anziehen.“
Auch die weitere Entwicklung ist bereits geplant. Die Gemeinde will den Radweg in Richtung Talmesch verlängern. Vorgesehen ist eine Erweiterung von rund 2,8 Kilometern, einschließlich einer Brücke über den Zoodt. Außerdem prüfen Sadu und Râu Sadului gemeinsam einen etwa 28 Kilometer langen Mountainbike-Rundweg einzurichten. Zusammen mit dem bestehenden Weg könnte so ein Netz von mehr als 32 Kilometern entstehen.
Wichtig beim Radweg ist die klare Nutzungsordnung: Er darf keinesfalls mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden. Auch der Zugang zu privaten Grundstücken oder Feldern ist nicht über die Strecke selbst erlaubt, sondern nur über bestehende neben- und landwirtschaftliche Zufahrten. Laut den Regeln ist jede Form von Motorverkehr verboten. Überwachungskameras sollen Verstöße dokumentieren, und die Bilder werden bei Bedarf direkt an die Polizei weitergeleitet. Wer die Regeln missachtet, die Gemeinschaftsarbeit beschädigt oder die Sicherheit anderer gefährdet, muss mit Ordnungsstrafen oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch Tiere dürfen den Weg nicht betreten.

Blick in den Turbinenraum des Zoodter Wasserkraftwerks während des Besuches zum 175. Geburtstag von Dr. Carl Wolff (1849-1929), dem Initiator dieser Einrichtung. Foto: Beatrice UNGAR
Mit der Eröffnung der „Mocănița Valea Sadului“ hat Sadu „einen wichtigen Schritt gemacht, um sich als moderne, touristisch interessante Gemeinde zu präsentieren. Die Verbindung aus Natur, Geschichte, Infrastruktur und klarer Nutzungskonzeption macht das Projekt zu mehr als nur einem Radweg. Es ist ein Symbol dafür, wie alte Verkehrsachsen neue Bedeutung erhalten können. Für die Gemeinde ist es zugleich ein Auftakt für weitere Pläne, die das Sadu-Tal in den kommenden Jahren noch stärker als Ziel für Radfahrer und Ausflügler profilieren sollen.“ Der Bürgermeister erwähnte sogar seinen Plan, ein elektrisches Fahrzeug zu erwerben, dass nicht nur der Schmalspurbahn gleichen soll, sondern auch an den Wochenenden auf deren Route fahren soll, mit Haltestellen bei touristischen Destinationen.
Eine von ihnen ist noch in Aufbau, hätte Ende dieses Jahres eröffnet werden sollen, worauf alle gespannt sind: ein sich drehendes Hotel in der Nähe der Forellenzucht außerhalb der Ortschaft.
Das ist nicht der einzige Plan des Teams des Bürgermeisteramtes, denn Ivan stellte mehrere Projekte der Gemeinde vor, die zur Zeit laufen bzw. vor Kurzem abgeschlossen wurden. Für die meisten hat das Team – bei der er sich öffentlich bedankte – nicht rückzahlbare Fonds gefunden. Der Rest wurde aus eigenen Mitteln und aus Krediten gedeckt. Unter diesen sind die Renovierung der Schule (6 Millionen Lei), des Kindergartens (7,5 Millionen Lei), des Bürgermeisteamtes und der Bibliothek (4,5 Millionen Lei), Erweiterung der Gasanlage (11,4 Millionen Lei), Erweiterung der Kanalisation in Tocile (37,5 Millionen Lei) und Bau eines Photovoltaikkraftwerks (1,8 Millionen Lei). Auch diese Projekte sind dank seines Teams entstanden, erklärte der Bürgermeister, der am Ende der Pressekonferenz auch über die Gehälter der Angestellten sprach: Mit 5.651 Lei im Monat hat er den höchsten Lohn, die anderen Angestellten erhalten zwischen 3.016 und 4.587 Lei im Monat. Bei europäischen Projekten gibt es dann Aufschläge von bis zu 40 Prozent, erklärte er, was allerdings auch nicht sehr viel ist – auch diesen Bereich müsste der Staat reformieren, so Valentin Ivan.
Ruxandra STĂNESCU