22. Auflage im 25. Jahr für das Festival der ethnischen Vielfalt ProEtnica in Schäßburg
Ausgabe Nr. 2974

Eines der Folkloreensembles, die als Vertreter der serbischen Minderheit aufgetreten sind, war die Tanzgruppe „Plavi Delija“ vom Ortsverband Großsanktpeter/Sânpetru Mare Landkreis Temesch im Banat, des Verbands der Serben aus Rumänien. Foto: proetnica.ro
„Unter dem Titel ‚Die Tage der ethnischen Minderheiten in Rumänien veranstaltet das Interethnische Bildungszentrum in Schäßburg vom 25. bis zum 28. August ein Festival, an dem über 1.000 Volkskünstler, junge Politiker, Intellektuelle aus den Reihen der nationalen Minderheiten Rumäniens sowie Vertreter der rumänischen Minderheit in Serbien und in Bulgarien teilnehmen werden. Das Festival wird vom Ministerium für öffentliche Informationen finanziert.“ So lautete die Ankündigung der ersten Auflage des Festivals der ethnischen Vielfalt in der HZ im Jahr 2001 (Ausgabe 1741/17. August). Das Festival erhielt dann den Namen ProEtnica. Vergangene Woche hat die 22. Auflage stattgefunden, bei der auch das 25. Jubiläum dieser Veranstaltung gefeiert wurde.
In seiner Begrüßung auf der Bühne am Burgplatz am 26. August stellte Initiator und Organisator Volker Reiter vom Interethnischen Bildungszentrum die rhetorische Frage: „Wofür organisieren wir dieses Festival?“ Für ihn laute die Antwort einfach: „Für den Frieden. Der Frieden beginnt dann und dort, wo sich Menschen begegnen, miteinander sprechen, einander zuhören, gemeinsam essen, tanzen, diskutieren und sich auch mal widersprechen – aber weiterhin kommunizieren. ProEtnica will ein solcher Ort der Begegnung sein. Wir wollen den Minderheiten die Möglichkeit geben, sich so darzustellen wie sie es wollen: Durch Musik und Tanz, aber auch durch Sprache, Literatur, Kunst, Gastronomie, Geschichte, Debatten und zeitgenössische Projekte. (…)

Als Vertreter der griechischen Minderheit in Rumänien traten ebenfalls mehrere Ensembles auf. Unser Bild: Die Tanzgruppe „Olympos“ aus Galați (Leitung: Elena Baraba und Alexandru Spiridon) Foto: proetnica.ro
Eine lebendige Kultur bleibt nicht unverändert. Sie entwickelt sich, tritt in Kontakt mit anderen Kulturen und übernimmt neue Elemente. Wir brauchen Traditionen und Wurzeln, aber wir wollen nicht nur die Vergangenheit konservieren. Wir wollen die Zukunft gemeinsam gestalten.“
Der tiefe Sinn des interkulturellen Dialogs sei laut Reiter nicht bloß, den anderen zu akzeptieren, sondern bereit zu sein, von ihm oder ihr zu lernen und uns zu verändern. Er wünsche sich, dass die Gäste an den fünf Tagen das ProEtnica-Festival nicht nur als eine Darbietung betrachten und forderte alle auf: „Suchen Sie die Begegnungen, sprechen Sie miteinander, entdecken Sie bisher Unbekanntes. Und erlauben Sie sich, verändert wegzufahren. Denn in einer friedvollen Gesellschaft sind nicht alle gleich. Sie ist eine Gesellschaft, in der wir alle anders sein können, ohne uns voreinander zu fürchten und in der wir trotz verschiedenen Ansichten den Dialog aufrecht erhalten.“

Doina Giurgiu, Mariana Gorczyca und Beatrice Ungar (v. l. n. r.) bei der Buchvorstellung im Rumänisch-Deutschen Kulturzentrum im Haus mit dem Hirschgeweih. Foto: Alice GORCZYCA
An den fünf Tagen hatten alle Anwesenden Gelegenheit, dem Aufruf des Initiators zu folgen und kamen auf ihre Rechnung. Die Vielfalt auskosten gelang auf jeden Fall allen. Zuweilen ergaben sich durch die Parallelität von Darbietungen auch gelungene Zufälle: Während die Autorin Mariana Gorczyca im Haus mit dem Hirschgeweih am Burgplatz ihr neuestes Buch – „Meciul lui Michael Zwischen“ – vorstellte, das ein Schicksal eines aus Rumänien nach Deutschland adoptierten Roma-Jungen thematisiert, trat auf der Bühne am Burgplatz gut hörbar aber passend als musikalische Kulisse das Ensemble „Șatra Elijah“ des gleichnamigen Sozialvereins aus Holzmengen auf. Gorcyzcas neuestes Buch stellt einen Vorgeschmack auf ihren in Arbeit befindlichen Donau-Roman dar, in dem es natürlich interethnisch zugeht, schließlich ist die Donau der internationalste Strom der Erde, denn sie fließt durch zehn Staaten…
B. U.