„Der geköpfte Hahn“ liegt auf Japanisch vor
Ausgabe Nr. 2974

Die Germanistin Kyoko Fujita und der Ornithologe Michio Suzuki bei einem ihrer zahlreichen Besuche in Hermannstadt in ihrem Lieblingslokal, „Sibiul Vechi“. Foto: Beatrice UNGAR
„Das Buch ist erschienen!“ lautete der Titel der E-Mail aus Japan: Am 25. August d. J. war es so weit: „Der geköpfte Hahn“ von Eginald Schlattner liegt nun auch in japanischer Sprache vor. Geschrieben hatte der HZ die Germanistin Kyoko Fujita, die gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Ornithologen Michio Suzuki, an der Übersetzung gearbeitet hat.
In dem Nachwort berichtet Michio Suzuki auf eindrückliche Weise, wie es zu dieser Übersetzung gekommen ist und schlussfolgert: „Dieser Roman schildert die Situation in Siebenbürgen während des Zweiten Weltkriegs sorgfältiger und genauer als jedes historische Lehrbuch.“
Besonders hervorzuheben ist allerdings, dass Fujita und Suzuki zahlreiche Besuche in Siebenbürgen, insbesondere bei dem Schriftsteller und Pfarrer Eginald Schlattner in Rothberg und an den Handlungsorten des Romans, auf sich genommen haben, um ihre Übersetzung möglichst genau erarbeiten zu können. Suzuki schriebt: „Zuerst bedanken wir uns bei dem Autor, Herrn Pfarrer Schlattner dafür, dass er uns die Übersetzung des Romans genehmigt und uns Übersetzende oft ermuntert hat, die wegen der Schwierigkeiten der Arbeit oft deprimiert waren.“ Er und seine Gattin tauschen sich schon seit immer aus über einfach alles und so kam es, dass sie diese Arbeit gemeinsam in Angriff genommen haben, zunächst ohne zu ahnen, was das bedeutet. Die Übersetzung, es ist übrigens die achte Sprache, in die der Roman übersetzt worden ist, nach Rumänisch, Ungarisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Bulgarisch und Englisch, sei ein Produkt ihrer „freundlichen“ Streitigkeiten.
Ursprung der japanischen Übersetzung ist die vor ca. 25 Jahren ausgesprochene Empfehlung seitens Dr. Ortfried Kotzian, dem früheren Geschäftsführer des Bukowina-Instituts in Augsburg und Leiter des Hauses des Deutschen Ostens in München. Die Beiden lasen den Roman, erkannten die Schwierigkeiten einer eventuellen Übersetzung und ließen ihn vorerst liegen. Aber die Germanistin machte sich an die Arbeit und bald darauf stand ihr auch Ehemann Suzuki zur Seite. Seiner Meinung nach habe er sich „zu viel daran beteiligt“. Die Beiden recherchierten in Hermannstadt vor allem in der Bibliothek des Friedrich Teutsch-Begegnungs- und Kulturzentrums in Hermannstadt, und sind allen dankbar, die ihnen dabei geholfen haben.

In Japan erfuhren sie Unterstützung vor allem von Prof. Minako Hatanaka, die alle Manuskripte durchgelesen hat, und von dem Autoren und Fotografen Kosei Miya, einem Kenner Rumäniens.
Zum Buch erläutert Kyoko Fujita: „Auf der Vorderseite sind der Titel des Romans und die Namen des Autors sowie der Übersetzenden wie in Deutsch von links nach rechts geschrieben. Auf der Rückseite sind sie aber von oben nach unten geschrieben. (Japanisch kann man sowohl so als auch so schreiben.)
Das Foto auf der Vorderseite des Covers stellt das Ziffernblatt der Uhr auf dem Turm der evangelischen Kirche in Fogarasch dar. Mein Mann und ich durften bei unserem Besuch in Fogarasch dank Herrn Pfarrer Johannes Klein und seiner Frau Renate Klein auf den Turm steigen und mein Mann hat die Uhr von innen her fotografiert. Die Wasserburg auf der Rückseite hat auch mein Mann fotografiert.
Der Verlag heißt ‚Michitani‚. Er ist zwar klein, aber unter den Verlagen in Japan ziemlich bekannt, da man denkt, dass der Verlag immer ‚gute Bücher‘ veröffentlicht.
Michitani bedeutet ‚Noch nicht das Tiefste erkannt haben‚. Das heißt im übertragenen Sinn ‚Lass uns gute Bücher in die Welt bringen‘. (‚Mi‘ bedeutet so viel wie noch nicht, ‚chi‘ – wissen oder erkennen, ‚tani‘ – das Tal, das Tiefste.) Der Verlag publiziert mit dem Schwerpunkt auf Übersetzungen von Literatur aus Osteuropa, aber auch gerne Bücher über Fahrräder oder Fahrradtouren usw. denn der Direktor Tetsu Iijima liebt Fahrräder. Der Direktor ist ein ehemaliger Chefredakteur einer der bekanntesten japanischen Kulturzeitschriften, die ‚Eureka‘ heißt.“