Gedanken zum WM-Aus Deutschlands
Ausgabe Nr. 2965

Waldemar Anton (Nr. 3) will es nicht glauben: Deutschland fliegt gegen Paraguay früh aus dem Turnier. Foto: © Federico Gambarini/dpa
Der vierfache Weltmeister und achtfache Finalist Deutschland scheidet verdient bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im ersten K.o.- Spiel, nach Elfmeterschießen, gegen Paraguay aus! Was ist das Sensationelle an dieser Schlagzeile? Nichts, denn bei unabhängiger Betrachtung liegt der letzte Weltmeistertitel 12 Jahre zurück.
Danach ist Deutschland bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften zweimal kläglich in der Gruppenphase ausgeschieden – und diesmal hat es wenigstens für die erste K.o.-Runde gereicht. „Gereicht“, das ist natürlich für eine Deutsche Nationalmannschaft mit einem Reservoir von 2,38 Millionen organisierten Fußballspielern und einem Verband mit 8 Millionen Mitgliedern eine irreführende Bezeichnung.
Zur Einschätzung: In Paraguay gibt es 10.000 organisierte Fussballer, also 238 mal weniger Fußballer als in Deutschland. Was hat das jetzt mit dem Resultat zu tun? Viel, denn es zeigt, wie groß die Blamage der Deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay war! Es zeigt deutlich den falschen Weg, den der Deutsche Fußballbund seit Jahren geht, nämlich Spieler in ein System zwängen, das keinen Freiraum für Individualität lässt! Es werden Spieler wie Wirtz und Musiala in Korsettstangen gezwängt, die ihnen ihre Spielfreude nehmen und demzufolge auch keine Überraschungsmomente kommen können. So ist das Spiel ausrechenbar und für diszipliniert agierende und defensiv ausgerichtete Mannschaften wie Paraguay oder Ecuador braucht es nur Geduld, etwas Glück und eine Portion Selbstvertrauen, um Deutschland verdient zu besiegen!
Man kann die Fehler nicht nur beim Trainerteam und bei den Spielern suchen, ja aber der Weg, der von den Funktionären und den 84 Millionen emotionalisierten Bundestrainern vorgegeben wird, beruht einzig und allein auf dem Selbstverständnis: „WIR WISSEN ALLES BESSER“… Demut und eine emotionslose Aufarbeitung dieser schwachen Spiele der Nationalmanschaft werden – und da bin ich mir ganz sicher, sieht man auch von Spielern wie Kenneth Eichhorn, Lennart Karl, Said el Mala usw., die jetzt kommen müssen, – wieder zur alten Stärke führen. Zu diesem letzten Spiel muss aber auch gesagt werden, dass diese den Spielfluss unterbrechenden Trinkpausen und die Schiedsrichterentscheidung wie in der 102. Minute, als ein reguläres Kopfballtor von Jonathan Tah nicht gegeben wurde, nicht in der Verantwortung der Kontrahenten lagen, aber dann zur Niederlage der DFB-Elf führten. Am Ende des Spieles zählt das Ergebnis und das war Deutschland: 4 Tore und Paraguay: 5 Tore nach 90 Minuten plus 2 x 15 Minuten Verlängerung mit anschließendem Elfmeterschießen. Wir gratulieren Paraguay zum verdienten Erfolg.
Lothar SCHELENZ